Reime von Roman Herberth
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Mein Steckenpferd
Ich reite auf dem Steckenpferd. Mein Stiefel steckt im Bügel. Der Weg so weit, so unbeschwert. Kein Fremder zerrt am Zügel.
Verlassen liegt der Pferdestall, die Box, das Stroh, das Futter. Kein Steckenhieb, kein Peitschenknall. Und alles ist in Butter.
Im Schritt, im Trab und im Galopp. Verhalten und verwegen. Am Hindernis ein scharfer Stopp, sonst steuern wir dagegen.
Mein Steckenpferd ist apfelfrei. Es schnaubt nicht mit den Nüstern. Doch kommst du mal bei mir vorbei, dann wird es dir was flüstern.
Elefantös
Der weltbekannte Elefant erträgt im Sommer und im Winter sein dickgehäutetes Gewand. Dasselbe gilt für seine Kinder.
Es juckt ihn nicht der 'letzte Schrei'. Und aus Paris die neu'ste Mode ist ihm egal und einerlei. Denn Null-Punkt-Null: die Umziehquote.
Statt Hahn-Geschrei und Wecker-Krach wird früh am Morgen laut trompetet. Das macht die taubste Dickhaut wach. Zum Aufsteh'n wird sie überredet.
Dann durch den Wald auf schnellstem Pfad zum Tümpel und zur Wasserschüssel. Dort nimmt man ein Erfrischungsbad, als Duschkopf dient der lange Rüssel.
Die lahme Ente
Sie watschelt immer hinterher. Das liegt nicht am Gelände. Sie ist, das nimmt sie furchtbar schwer, nur eine lahme Ente.
Von Kükenbeinen an schien klar: Wie sehr sie sich auch hetzte; sie kam nicht mit, und blieb, und war mit Abstand stets die letzte.
"Jetzt reicht's, ich jogge nun im Kreis. Trainiert wird alle Tage. Bald gibt es keinen Trost als Preis und keine Niederlage."
Die lahme Ente rennt und rennt vorbei mit Seitenstechen. Sie krault im nassen Element. Und achtet ihr Versprechen. ...
Das Wörtchen 'lahm' ist fehl am Platz. Es sucht daher behende an allen En(d)(t)en nach Ersatz. Der Vorgang findet bald ein(e) En(d)(t)e.
Die Kellerassel
Die aufgekratzte Kellerassel sitzt leise wimmernd im Schlamassel. Sie riecht nicht mehr den Moderduft. In ihrem Kopf herrscht dicke Luft.
Sogar in ihrer Lieblingsecke bringt sie der Rauhputz fast zur Strecke. Er bröckelt ab, dann fällt er tief. Lawinen aus dem Felsmassiv.
Das geht durch Mark und auf die Knochen. Das Rückgrat hat man ihr gebrochen. Sie hat zwar keins. Es schmerzt sie doch. Verstimmt kriecht sie ins letzte Loch.
Die Kellerassel wird genesen. Ihr Hautkontakt mit einem Besen war nicht geprägt von Sympathie. Zu garstig war das Borstenvieh.
Das Krokodil
Es war einmal ein Krokodil. Sein Auge hat geregnet. Das ist mir zwischen Köln und Kiel im Bummelzug begegnet.
Wir saßen im Abteil zu zweit, und äugten in die Landschaft. Erst übten wir die Schweigsamkeit, dann schlossen wir Bekanntschaft.
Ich fragte nett: "Wie heißen Sie?" Da knirschte es die Zähne, und schluchzte laut von vis-a-vis: "Im Deutschen sagt man: Träne.
Was auch geschieht, ich weine nur. Die Nase meist gerötet. Verkümmert ist die Frohnatur. Vielleicht schon abgetötet.
Ich überlege her und hin. Der Fluss kommt nicht ins Stocken. Und ganz egal wo ich auch bin: Mein Auge bleibt nicht trocken!"
Ich traf einmal ein Krokodil mit kurzen, grünen Beinen. Das hatte nur das eine Ziel: Es wollte nie mehr weinen.
Auf der hohen Kirchturmspitze
zieht ein grauer Wetterhahn in der Kälte, in der Hitze einsam seine enge Bahn.
Immer steht er auf dem Posten. Wenn ein Schauer ihn ergreift, schaut sein Schnabel meist nach Osten, weil vom Meer ein Westwind pfeift.
Einem Sturm die Stirn zu bieten, fiele ihm im Traum nicht ein. Daher hat er seinen Frieden. Das ist gut. So soll es sein.
Keine Wahl hat er getroffen, seit er auf dem Kirchturm steht. Doch für jede Richtung offen, falls der Wind ihn dorthin dreht.
Habicht und Fuchs
Der Gockel bläst zum Großalarm. Er kräht die Stimme heiser. Doch auf der ganzen Hühnerfarm wird es kein bisschen leiser.
"Seid endlich mucks- und mäuschenstill! Gebt acht auf eure Küken. Ein Habicht kreist. Ein Habicht will ein Hähnchen-klein verdrücken!"
Das hat die Hennen aufgeschreckt. Sie stürzen zu den Zäunen, wo ihre Kinder gut versteckt und unbekümmert streunen.
"Ihr flieht sofort ins Hühnerhaus. Befehl von eurem Vater. Den führt ihr augenblicklich aus. Und bitte kein Theater."
Der Habicht macht auf Überfall. Das sammelt das Zerstreute. Der Fuchs sitzt schon im Hühnerstall und wartet auf die Beute.
Geteilt wird nachher brüderlich. Der Raubzug reicht für beide. "Ein Hühnchen, du, ein Hühnchen, ich." Dann suchen sie das Weite.
Die Eule
Ob Glitzersterne funkeln, ob sich der Mond bedeckt, die Eule sieht im Dunkeln. Und nichts bleibt ihr versteckt.
Wenn sich die Tagesreise bis morgen früh vertagt, dann fliegt die Eule leise auf Pirsch und Mäusejagd.
Ihr Hochsitz: eine Buche. Die Brille wird poliert. Damit die Nahrungssuche auch zu Erfolgen führt.
Die Nacht wird ausgeblendet. Die Eule u-u-uht, das heißt: "Die Brotzeit ist beendet. Ich habe g-u-u-uht gespeist!"
Nun flattert sie bedächtig zurück zu ihrem Nest. Dort wird am Tag genächtigt. (Denn was sich eult - hat bis zum Abend: Hausarrest.)
Allein mir fehlt ...
Die Taube turnt am Schornsteinrand. Sie trippelt mit den Zehen. Und fliegt zum nächsten Imbissstand, um sich dort umzusehen.
Dort wird gegurrt, beäugt, benickt, und Neues durchgehäckselt. Sie schnäbelt aus und wird gepickt, bis sie den Standort wechselt.
Die Taube ist bestimmt nicht taub. Sie macht sich flugs und gründlich beim kleinsten Anlass aus dem Staub, denn sie ist lärmempfindlich.
Wenn sie den Futterplatz umkreist und nach den Körnern spurtet, dann gurrt sie flatternd, und das heißt: "Ich bin nicht angegurtet!"
Den Frieden bringt die Taube mit, so lehrt ein alter Glaube. Und so erzählt ein Scherenschnitt; allein mir fehlt ... die Taube.
Ein Bauherrn-Modell
Der Fuchs erweitert seinen Bau. Er wühlt und furcht und baggert. Es hat ihn nämlich seine Frau schon tagelang beackert.
Das Erdreich: hart. Der Bauherr schwitzt. Die Pfoten: angeschwollen. Mit Balken wird der Gang gestützt, denn dadurch hält der Stollen.
Zum Fünf-Uhr-Tee: die Tat vollbracht. Beim Richtfest: Hoch die Tassen! Der Fuchs küsst seine Frau und lacht: "Das kann sich sehen lassen.
Die Holzverstrebung so massiv wie Stahlbeton und Eisen. Mein Ehrenwort, hier rutscht nichts schief. Das kann ich dir beweisen.
Dann hämmert er aus Spaß und Jux am nagelneuen Stollen. Die Hölzer fallen auf den Fuchs, ... seitdem ist er verschollen.
Die Mücke
Die Mücke sticht nicht nur zum Spaß. Auch sie muss sich ernähren. Sonst beißt sie garantiert ins Gras und wird nicht lange währen.
Sie saugt sich voll bei Mann und Frau, ob jung, ob antiquarisch. Sie schlürft vom Blut und sei es blau, und pfeift auf vegetarisch.
"Was soll der dumme Futterneid? Um ihn wird nie gestritten. Ein Imbiss reicht der Zweisamkeit und auch noch einem Dritten."
Die Nacht ist lau und sommerlich. Ein Schnarcher ohne Decke. Es folgt ein kurzer Mückenstich -
(Das Licht geht an. Es schlägt die Wut das frisch gezapfte Menschenblut) - und bringt den Störenfried zur Strecke.
Die Mausefalle
Auf meinem Konto bei der Bank sind alle Mäuse "tierisch krank". Sie kommen schwach dahergekrochen, ganz mager, blass, nur Haut und Knochen.
Der Grund des Übels ist bekannt. Der "Wohlstand" drückt sie an die Wand. Das meiste frisst die "Katzen"-Steuer, ein nimmersattes Ungeheuer.
Im zweiten Akt melkt sie mit Schwung die Gilde der Versicherung. Das Mäusevolk ist hier zu feige. Es wehrt sich nicht und geht zur Neige.
Ein Mäuschen hier, ein Mäuschen dort, die großen Mäuse ziehen fort. Je nach Kalender sind Gebühren an irgendjemand abzuführen.
Und dadurch schrumpft der Mäusestaat. Die Sparsamkeit weiß nur den Rat: Du musst den Gürtel enger schnallen. Und - Augen auf bei Mäusefallen.
Die Vogeleisenbahn
Der Sommer eilt zur Garderobe und greift nach Stock und Hut. Der Herbst beginnt mit seiner Probe. Das Schauspiel klappt schon gut.
Am Acker igeln sich die Stoppeln. Das Korn ist eingesackt. Der Hase muss ins Maisfeld hoppeln, wenn ihn der Hunger packt.
Die Sonne kommt nicht aus den Federn. Der Wecker schrillt bei Nacht. Und leiser wird das Vogelzetern, denn Schwarm auf Schwarm wird mit der Vogeleisenbahn nach Afrika gebracht.
Der Spatz
Es tschilpt aus grünen Hecken, auf jedem freien Platz. An allen Straßenecken umflattert dich ein Spatz.
Er mischt sich unter Tauben. Und wird nicht angepickt beim Leckerbissen-Rauben. Den ihm der Himmel schickt.
Flink schnappt er sich die Beute, und greift zum Speiseplan. Und denkt: "Das reicht für heute! Die Arbeit ist getan."
Gesättigt bis zum Platzen. Nun folgt der Nachgesang, das Tschilpen und das Schwatzen mit auserwählten Spatzen bis hin zum Mondaufgang.
Die Möwe
Trotz Rücken-, Gegen-, Seitenwind! Die Möwe geht zum Segeln. Denn sie erlernte schon als Kind den Sport nach allen Regeln.
Ihr Bootsrumpf ist nie festgeklinkt. Sie nutzt die kleinste Brise und gleitet federnd und beschwingt vorbei an Strand und Wiese.
Zuweilen jagt sie wie ein Pfeil durch Meeresgischt und Brandung. Sie bleibt wie-durch-ein-Wunder heil, und setzt dann an zur Landung.
Die Möwe kreuzt den Ozean. Dort dampfen Fischerkutter. Es ändert sich der Speiseplan. Ein Seemann schenkt ihr Futter.
Mit 30 Knoten oder mehr zurück zur blauen Boje. Vom Segeln sind die Flügel schwer. (Noch 5 Minuten - bis zur Koje.)
Der Laubfrosch
Der Laubfrosch raschelt durch die Blätter. Im Frühling purzelt er im Klee. Er fühlt sich wohl bei jedem Wetter und abends quakt sein Maul am See.
Zur Paarungszeit, am stillen Weiher, singt er vereint im Tümpelchor. Es schläft der Storch. Es ruht der Reiher. Das passt dem Bass und dem Tenor.
Dann tanzt das Schilf, die Gräser summen im Takt und ohne Dirigent. Vor Mitternacht wird es verstummen, weil jeder Frosch auch gerne pennt.
Künstlerpech
Zwischen Haus und Regenrinne klettert kreuzfidel die Spinne. Und sie fädelt sich ein Netz streng nach dem Naturgesetz.
Keiner musste sie beraten. Und sogar den Klebefaden hat sie selber hergestellt. Einwandfrei! Die Sache hält.
Um das Richtfest einzuleiten, fehlt es noch an Kleinigkeiten. Noch einmal wird abgeseilt. Hier gestrafft und dort gestylt.
Schließlich liegt sie auf der Lauer. Und bereits nach kurzer Dauer fängt sie ein: Ach Menschenskind! Und sie schreibt es in den Wind.
Um den Ärger zu verdauen, fängt sie an, neu aufzubauen. Klebstoff wird frisch angesetzt. Und das Werk erneut vernetzt.
Am Weiher
Idyllisch liegt der stille Weiher. Und die Natur hält sich im Lot. Hier angeln stelzenhohe Reiher im dichten Schilf ihr Pausenbrot.
Es helikoptert die Libelle. Sie fliegt dahin und stoppt und steht, und rührt sich nicht mehr von der Stelle, bis es beflügelt weitergeht.
Die Rose wäscht sich ihre Füße, und strahlt dabei in gelber Pracht. Die Enten zupfen am Gemüse. Und abends sagt ein Fuchs: "Gut Nacht!"
Es pappelt eine Augen-Weide. Und manchmal klopft sie auf den Busch. (der steht ihr immer treu zur Seite). Das trifft ihn wie ein kalter Tusch.
Die Wespe
Sind diese Birnen ausgereift? Die Wespe will es testen. Sie beißt hinein und sie begreift: Das Zeug schmeckt süß am besten.
Ihr schwarz und gelb gestreiftes Kleid, die einzige Klamotte, beweist: Die Wespe ist gescheit und sparsam wie ein Schotte.
Sie findet Zuckerstückchen toll und liebt die Limonaden. Sie nimmt den Rüssel rand und voll, doch manchmal geht sie baden.
Die Wespe nascht am Tellerrand. Und schlürft auch schwarze Brühe. Dann hat ihr Schlaf, das ist bekannt, am Abend seine Mühe.
Um einen Apfel steppt ihr Schritt. Es lächeln Vitamine. Am Nachbarapfel steppt es mit, dort tanzt die flotte Biene.
Ein Nacht-ent-Falter
Erst wenn dem Mond ein Licht aufgeht durch fern bedienten Schalter, beginnt, weil es im Zeitplan steht, die Nachtarbeit der Falter.
Ihr Wirkungskreis ist eingegrenzt. Man schwirrt nicht in die Ferne. Man fliegt zum nächsten Ding, das glänzt, zum Beispiel zur Laterne.
Doch auch bei Oper, Kunstgedicht: Die Falter huschen nächtlich im Scheinwerfer- und Rampenlicht. Der Beifall rauscht beträchtlich.
Im Taumel sucht ein armer Tropf sein Glück und eine Bleibe. Jedoch er stösst mit seinem Kopf nur an die Fensterscheibe.
Jetzt nimmt er seinen Fuß vom Gas. Das Flugzeug wird gefaltet. Kopfüber sitzt er auf dem Glas, bis er die nächste Nacht gestaltet.
Der Regenwurm
Im Boden hat ein Regenwurm sich häuslich eingerichtet. Er hat auf seinen Hifi-turm natürlich nicht verzichtet.
Sein Fressen holt er vom Kompost. Er wühlt sich durch die Reste. Und schwärmt: "Die frische Hausmannskost ist immer noch das Beste."
Nach jeder Mahlzeit zieht er sich zurück in seine Wohnung. Und gönnt sich, falls erforderlich, ein Schläfchen zur Belohnung.
Doch wenn die Wolken ungehemmt aus allen Nähten platzen, wird seine Wohnung überschwemmt, dann schimpft er wie die Spatzen:
"Das Wasser stinkt mir kolossal! Es kommt mir ungelegen. Ich muss hinauf, verflixt noch mal und wurme dann im Regen!"
Der Esel will im Frühling aufs Eis
Der Esel eilt zum Karpfenteich und möchte sich den Fuß verstauchen. Der Frühling spielt ihm einen Streich: Er lässt die Eisschicht untertauchen.
Der Esel schimpft und zetert laut. Er meckert gleich der Ziegenherde. Worauf der Hecht erschrocken schaut. Der Eselhuf stampft auf die Erde.
"Ich habe es doch gut gemeint", versichert ihm die Frühlingssonne. "Und was dir fluchenswert erscheint, das ist für andre eine Wonne!"
"Du schuldest mir den Eiskunstlauf! Ich bin ein Esel ohnegleichen. Und alles andre regt mich auf. - Du kannst mir doch kein Wasser reichen!"
Der Frühling war zutiefst verletzt von diesen frechen Eseleien. Er hat sich fürchterlich entsetzt. Und seine Wut fing an zu schneien.
Die Flocken fielen Tag und Nacht. Ein kalter Wind kam aus dem Osten. Dem Frühling blüht die Winterpracht, - und nur der Esel kommt auf seine Kosten.
Horrorgeschichte
Es lebte gut versteckt im Heu, es war kaum zu entdecken, ein Tierchen - schüchtern, voller Scheu. Doch fand man es, erweckte neu das Tierchen einen Schrecken.
Wie viele Schrecken hat das Tier. Das war die große Frage. Man rätselte: Wahrscheinlich vier. Man suchte eins - im Heurevier. Das Suchen war 'ne Plage.
Das kleine Tierchen nahm Reißaus mit vielen Artgenossen. Sie querten Wüsten mit Gebraus. Sie hielten Rast bei jedem Haus und fraßen grüne Sprossen.
Doch einige, die kehrten um. Im Heu sind sie der Schrecken. Ich frage mich schon lang warum, benennt man dieses Tier so dumm? Was mag dahinter stecken?
Guten Abend
Der Abend ist im Gange. Am Himmel thront der Mond. Die Hühner sind schon lange auf ihrer Hühnerstange. Sie sind es so gewohnt.
Am Himmel funkeln Sterne. Der Große Wagen steht. Er parkt in weiter Ferne weitab von der Laterne, an der ein Falter seine Runden dreht.
Nun wird es still und leise. Es zieht der Abendwind die altbewährten Kreise. Und Eulen glotzen weise ... wenn sie nicht gestorben sind.
Anders - als man denken könnte
Die Hennen flattern aufgeregt und gackern ohne Pause. Die Schnäbel klappern unentwegt. Es lärmt im Hühnerhause.
Bis in den Wald tönt das Geschrei. Ein Fuchs denkt sich im Stillen. "Ich geh' mal hin und schau' vorbei, und werde meinen Magen füllen."
Er schleicht geduckt zum Waldesrand. Dann schlägt er einen Bogen um einen hohen Jägerstand. Denn er ist schlau und gut erzogen.
Zum Hühnerhof gelangt er gleich. Der Zaun hat seine Lücken. Und er betritt das Hühnerreich mit schelmischem Entzücken.
Noch immer schimpft der Hühnerstall. Die Hennen sind gefangen. Der Bauer schürte den Krawall. Sein Plan ist aufgegangen.
Der Fuchs erkennt den Hinterhalt und stürzt zum Zaun um durchzuschlupfen. Er wär' am liebsten schon im Wald, mit ihm will man ein Hühnchen rupfen.
Kinderträume
Der Mond hat sich verfangen. Das Blattwerk hält ihn fest. Die Eulenkinder bangen und fürchten um ihr Nest.
Sie rufen nach der Mutter. Doch die ist außer Haus und fängt das Vogelfutter in Form von einer Maus.
"Ihr braucht doch nicht zu schreien. Ich habe mich vertan und bitte um Verzeihen, ich flog aus meiner Umlaufbahn."
Der Mond entflieht den Zweigen und eilt in seine Welt. Der Baum hüllt sich in Schweigen, was auch dem Mond gefällt.
Die Mutter kommt vom Mäuse-rauben und hört, sie habe viel versäumt. Natürlich kann sie es nicht glauben. Sie denkt bei sich: "Die Kinder haben schlecht geträumt!"
Geknickt
Mein Vogel hält den Plapperschnabel, denn eine Feder ist geknickt. Er fühlt sich mies und miserabel, wenn er auf sein Gefieder blickt.
Die Körnermischung lässt er liegen und auch den frischen Kopfsalat. Er möchte nicht im Zimmer fliegen, er fühlt sich krank und nicht auf Draht.
Verdrossen grübelt er im Käfig und brütet seine Laune aus. Darüber wird sein Körper schläfrig. Nun schnarcht und sägt das Vogelhaus.
Bereits in aller Herrgottsfrühe, bevor der Hahn sein Ständchen singt, bevor der Tag mit größter Mühe die Sonne auf den Bergkamm bringt,
entwirrt mein Vogel sein Gefieder und überlistet seine Nacht. Sein Schnabel schmettert frohe Lieder. Er hat die umgeknickte Feder gerupft - und zur Vernunft gebracht.
Die Schnecke
Die Schnecke schleppt ihr Wohnmobil. Es schwankt auf ihrem Rücken. Vom Rasen hält sie nicht sehr viel. Sie liebt das Blumen-pflücken.
Woher sie kommt. Wohin sie eilt. Bei jeder Atempause, selbst wenn sie in der Fremde weilt, ist sie bei sich zuhause.
Am Abend braucht sie kein Hotel und keine fremden Betten. Doch bei Gefahr kann sie sich schnell in ihr Gehäuse retten.
Im Wohnmobil ist sie der Boss. Dort kann sie lauthals lachen. Sie schiebt den Riegel in das Schloss. Und niemand kann sie dann - zur Schnecke machen.
Schwarzgefleckter Käfer
Ein schwarzgefleckter Käfer streunt durch seine Heimatwiese. An einem Grashalm lehnt sein Freund und nippt am Frischgemüse.
Den Beiden fehlt das Augenlicht, da hilft auch keine Brille. Du fragst warum, ich weiß es nicht. Hier waltet fremder Wille.
Der Tastsinn plant die Käferspur. Die Beinchen sind wie Schüler. Sie geh'n zu sechst und folgen nur dem Rat der Vorder-Fühler.
Der Käfer kommt fast aus dem Tritt. Er kann Vertrautes riechen. Und er beschließt beim nächsten Schritt, der Nase nach zu kriechen.
Der Freund ist freudig angetan. Die Fühler dürfen "schwätzen". - Man sieht daran, ein Riechorgan kann einen Blick ersetzen.
Die Fliege an der Wand
Mich stört die Fliege an der Wand. Sie soll sofort verschwinden. Sie bringt mich noch um den Verstand. Das will ich unterbinden.
Ich fordere sie höflich auf, das Zimmer zu verlassen. Sonst nimmt mein Ärger seinen Lauf, dann fliegen Untertassen.
Das Flugobjekt hockt ungerührt. Ich stelle es zur Rede. Und meine Faust schlägt ungeniert die bunte Stofftapete.
Es rumpelt mir im Bauch die Wut. Der "Treffer" ging ins Leere. Ich sehe rot. Es kocht mein Blut. Gekränkt ist meine Ehre.
Die Fliege hat vor nichts Respekt und lässt sich nicht verjagen. Ich werde sie -im Endeffekt- bis auf weiteres ertragen (müssen).
Kamel + Dromedar
Ein Kamel im heißen Sand, einsam und verlassen, ist bei Vollmond durchgebrannt. Keiner kann es fassen.
Niemand kennt den Aufenthalt. Wüstensöhne suchen nach gehökerter Gestalt, und man hört ihr Fluchen.
Das Kamel zieht sehr verschreckt durch den Staub der Straße. Doch sein Kompass hat entdeckt: Palmen und Oase.
Dort wird schlürfend aufgetankt. Wasser wird gespeichert. Da es auch an Futter krankt, wird es angereichert.
Plötzlich steht ein Dromedar neben seinen Hufen. Einsamkeit ist nicht mehr wahr, und aus beiden wird ein Paar. (Der Traum kommt wie gerufen.)
Ein Hamster im Käfig
Ein Hamster lebte ganz allein. Er hatte Langeweile. Die Gitter waren hart wie Stein. Ihm fehlte eine Feile.
Im Käfig war es öd' und fad. Er wollte sich entfernen. In seinem Käfig stand ein Rad. Er wollte radeln lernen.
Nach ein paar Tagen konnte er mit einer Pfote lenken. Er turnte freudig hin und her. Und er begann: An Flucht zu denken.
Am nächsten Abend geh ich weg und sause durch das Gitter. Ich hamstere noch Brot und Speck und Wasser - einen Liter.
Die Backen waren aufgebläht. Er war bereit zum Reisen. Er radelte von früh bis spät und rastete zum Speisen.
Und täglich hofft er auf sein Glück. Ihm schmerzen schon die Glieder. Das Rad bewegt sich nicht ein Stück. Er strampelt täglich wieder.
Der Hamster rennt ein Leben lang und kommt nicht von der Stelle. Er müht sich ab - voll Freiheitsdrang - und schwitzt in seinem Felle.
Mein Vogel
Mein Vogel ist genügsam und äußerst pflegeleicht. Er ist mit dem zufrieden. Was mein Verstand ihm reicht.
Er wohnt in einem Käfig, in dem ihn keiner schaut. Und dennoch hört ihn jeder. Er krächzt zuweilen laut.
Er ist ein Wandervogel und hält stets Tritt mit mir. Er ist ein wundersames und ausgelass'nes Tier.
Er wetzt sich oft den Schnabel. Er denkt erst später nach. Und wenn ich ihn belehre, dann lächelt er nur schwach.
Ich liebe seine Nähe, das sag' ich ohne Scheu. Er steht mir stets zur Seite, ist unwahrscheinlich treu!
Auf dem Bauernhof
Hennen gackern um die Wette. Martinsgänse schnattern laut. Und die gute, alte, fette Schweinemutter grunzt versaut.
Auf dem Speicher jagt die Katze, falls sie nicht am Ofen döst. Ochsen tragen Horn statt Glatze. Längst sind sie vom Joch erlöst.
Ab und zu ein Hundebellen. Prachtvoll jodelt eine Kuh. Malmend murren Stallgesellen wiederkäuend einfach: muh.
Tauben gurren um das Futter. Wer hier wohnt, kennt keine Not. Milch wird Yoghurt oder Butter und das Weizenmehl zu Brot.
Greif die Liane ...
Im Dschungel dienen die Lianen dem Affenvolk im Nahverkehr. Es schwangen sich schon ihre Ahnen zum einen hin, zum andern her.
Die Affen wählen zu zwei Drittel den flotten Baum-zu-Baum-Transport. Und dieses Fortbewegungsmittel ist auch beliebter Freizeitsport.
Wer häufig durch die Gegend baumelt, läuft rein statistisch in Gefahr, dass er einmal zu Boden taumelt. Für Affen ist das absehbar.
Sie wünschen sich für diese Fälle, wenn dem Gewächs der Faden reißt, ein zweites Seil sei gleich zur Stelle, das sich als Rettungshalm erweist.
Im Urwald reifen die Bananen. Die Frucht ist affenweit begehrt. Man sucht sie auf mit den Lianen, weil dort die Eisenbahn nicht fährt.
Den feinen Wüstensand durchtrampeln zwei Kamele. Sie trotten Hand in Hand. Es staubt in ihrer Kehle.
Seit Jahren ist das Paar, der Zweisamkeit verbunden. Die drohende Gefahr wird "doppelt" überwunden.
Sie schaukeln kreuz und quer, doch ohne Karawane. Sie scharen sich nicht mehr um eine fremde Fahne.
Bei Nacht und Dunkelheit! Im Sandsturm auf der Straße! Sie haben es nie weit zu ihrer "Traum-Oase".
Ein Rentier zieht den schweren Schlitten, die Zügel hält der Weihnachtsmann. Sie bilden, das ist unbestritten, ein sehr beliebtes Zweigespann.
Durch Wattewolken wird geflogen. Vom Wind verweht, der weiße Bart. Dann wird zur Erde abgebogen, die Glöckchen bimmeln auf der Fahrt.
Von Kindern sehnsuchtsvoll erwartet, von Wünschen links und rechts bedrängt. Bevor das Rentier heimwärts startet, wird alles weihnachtlich beschenkt.
Ein Ackergaul
Ein altgedienter Ackergaul zieht Egge, Pflug und Wagen. Und nur am Sonntag döst er faul, und an den Feiertagen.
Er schont nicht seine Arbeitskraft, auch nicht für kurze Dauer. Und schuftet stets gewissenhaft zur Freude für den Bauer.
Ein Ärger steigt ihm nicht ins Hirn, denn er ist kalt geblütet. Und bietet einer ihm die Stirn, so ist er bald ermüdet.
Doch heute biss ein böses Maul. Das war wie Feuer-fangen. Da ist mit ihm sein eigner Gaul auf einmal durchgegangen.
Ein Specht
Ein weiss- und rotgestreifter Specht ist feierabends stark geschwächt, weil er mit seinem Schnabel hämmert, von früh am Morgen bis es dämmert.
Er liebt sein Handwerk, den Beruf. Und was er schafft, und was er schuf, zeigt sich an hochbetagten Bäumen. Ein Faulpelz kann davon nur träumen.
Doch diesmal beißt er auf Granit. Es geht nicht vorwärts. Keinen Schritt. Trotz Meisel, scharf gezähnter Säge und zugespitzter Kantenschläge.
Noch zwang er jeden Eichenast. Jedoch den dicken Leitungsmast wird er bestimmt umsonst umkreisen, denn der ist hart wie Stahl und Eisen.
Die Grille stimmt ihr Instrument, und zupft an vielen Saiten. Im Frack erscheint der Dirigent, den Vortrag einzuleiten.
Die Notenblätter sind verteilt auf Gräsern und auf Zweigen. Der Taktstock hat noch kurz verweilt: dann Einsatz für die Geigen.
Es fiedelt schwungvoll und es zirpt. Die Grille ist zu ehren. Vom Lorbeer, den sie sich erwirbt, kann sie sich voll ernähren.
Die Serenade dauert lang. Das Publikum wird müde. Erst weit nach Sonnenuntergang beginnt die Schluss-etüde.
Der Eichelhäher
Ich komme einem Waldstück näher. Da alarmiert der Eichelhäher die Waldbewohner weit und breit, indem er markerschütternd schreit.
In Bäumen will er oben sitzen. Dort kann er durch die Blätter spitzen. Und immer ist er gut getarnt, wenn er die Hasenfüße warnt.
Von früh bis spät steht er auf Wache, und meldet sich bei jeder Sache, die ihm nicht ganz geheuer scheint. Und fasst in Töne, was er meint.
Kein Wunder, dass die scheuen Rehe sehr dankbar sind für seine Nähe. Der Eichelhäher informiert. Und das wird "amtlich" garantiert!
Telefonitis
Ein Maulwurf kauft ein Telefon. Nun nutzt die ganze Sippe statt Federkiel den guten Ton. Und greift zur Quasselstrippe.
In jedem freien Augenblick bespricht man seinen Kummer und sein erlebtes Missgeschick mit der gewählten Nummer.
Das Klatschgespräch aus Nah und Fern rauscht knisternd durch die Leitung. Das Telefon ist hochmodern und schneller als die Zeitung.
Und wenn es klingelt, wenn es schnarrt, beginnt man gleich zu laufen. Ins Telefon ist man vernarrt - sogar der Maulwurfshaufen.
Ein Pferd und das Fahrrad
Auf einem Fahrrad lacht ein Pferd und huft in die Pedale. Es lenkt und steuert sein Gefährt zum wiederholten Male.
Es klingelt nicht, es wiehert laut, um freie Bahn zu schaffen. Gleich hat der Weg sich aufgestaut, weil andre Radler gaffen.
Ein voller Eimer Wasser hängt stets zwischen beiden Rädern. Und damit wird der Durst ertränkt nach harten Kilometern.
"Mein Hobby," jappst das Rassepferd, "bringt mich zwar oft ins Schwitzen. Doch dadurch kann ich unbeschwert mal selbst im Sattel sitzen!"
Das scheue Reh
In einem noblen Waldcafe mit Lüstern an der Decke äst ehrfurchtsvoll ein scheues Reh in einer stillen Ecke.
Die Gäste hier sind gut betucht, auch die auf der Terrasse. Sie fragen: "Was das Reh hier sucht? Mit seiner Untertasse?"
Das Reh zieht jeden Blick auf sich, und wird dadurch noch scheuer. Es fühlt sich mies und fürchterlich. Und leidet ungeheuer.
Es winkt den Ober an den Platz, und zahlt die kleine Zeche. Und springt mit einem Riesensatz schnell aus der Bildschirmfläche.
Verflixte Technik
Der Hahn stellt seinen Radiowecker auf vier Uhr dreißig MEZ. Und kontrolliert den Schuko-Stecker, und flattert auf sein Stangenbett.
Die Tätigkeiten sind Routine. ... Ihm träumt, verflixt und zugenäht, er habe an der Weckmaschine am falschen Einstellknopf gedreht.
Im Halbschlaf denkt er nach und grübelt. Er zögert, denn sein Platz ist warm. Und weil man ihm es sonst verübelt, checkt er es ab. - Doch Fehlalarm.
Der Hahn schaut irritiert und dämlich. Am Himmel schwebt der Sonnenball. Der Wecker schwieg, der Grund ist nämlich, im E-Werk herrschte Stromausfall.
Die braune Ziege leckt ihr Fell. Und stößt sich ihre Hörner, und springt und bockt im Karussell. Statt Popcorn frisst sie Körner.
Sie kitzelt sich im Stall am Stroh. Und schüttelt sich und meckert, besonders wenn sie Ha-zwei-O auf ihre Ohren kleckert.
Sie spitzt die Ohren, sie ist keck. Und gar nicht kleinzukriegen. Es wimmeln nur am selben Fleck sehr aufdringliche Fliegen.
Ihr Brotherr schwingt ein Seil samt Pflock. Und lässt sich bei ihr blicken. Doch darauf hat sie keinen Bock, Sie kontert gleich mit Zicken.
Mäuseadler
Das Fallobst hat die Einbahnstraßen der Feld- und Wiesenmaus blockiert. Nun schleppt sie sich durch Moos und Rasen. Von Steinen wird sie schikaniert.
Im Dschungel hoher, dichter Gräser verliert sie leicht den Überblick. Hier nutzen keine Brillengläser. Sie findet keinen Weg zurück.
'Jetzt kann nur mein Instinkt entscheiden. Denn nirgendwo ein Straßenschild. Das wird mich aus der Irre leiten, weil - es ist immer gut im Bild.'
Die Maus zieht ihrem Pech entgegen. Der letzte Strohhalm - er versinkt. Sie weiß nicht viel von Fahrradwegen. "Hier läuft sich's gut," meint ihr Instinkt.
Da nähert sich ein flinker Radler. Die Wiesenmaus bleibt staunend steh'n. Und das erspäht ein Mäuseadler, er stürzt hinab. - Da war es um die Maus gescheh'n.
Tiefschlaf
Das Murmeltier ratzt Tag und Nacht. Es schwebt in süßen Träumen. Doch einmal ist es aufgewacht, da kam ihm plötzlich der Verdacht: Es könnte was versäumen.
Es stieg aus dem zerwühlten Nest. Kein Gähnen konnt' es halten. Und stellte kühl und sachlich fest: "Von nun an werde ich den Rest des Daseins umgestalten."
"Vergessen sei der alte Trott. Und auch den alten Leiern erkläre ich den Staatsbankrott. Ich mache meine Beine flott, zum Tanzen und zum Feiern.
Das Murmeltier hat den Beschluss gefasst, und auch gehandelt. Die Wirklichkeit hat den Genuss in einen dauernden Verdruss und Ärger umgewandelt.
Da hat das müde Murmeltier ein zweites Mal entschieden: "Ab heute bleibe ich bei mir. Und nur im Traum bin ich nicht hier. Mein Tiefschlaf macht zufrieden."
Traurig - aber wahr
Die Amsel trägt ein Trauerkleid. "Warum?", so fragt mich einer. Die Antwort: eine Höflichkeit: "Das weiß bis heute keiner!"
"Geschwindelt ist das, noch und noch. Und das ist eine Sünde. Vielleicht kennt irgendeiner doch die wahren Hintergründe.
Dann habe ich weit ausgeholt, und gab ihm zu verstehen: . . . ich habe Sie nicht angekohlt. Und wenn, dann aus Versehen.
Der Wurm verbringt die meiste Zeit im Boden, eingekerkert. Darüber hat sich Rock und Kleid der Amsel schwarz geärgert."
Am Nebentisch sitzt eine Schwalbe. Sie kaut am Sonnenblumenkern, und zwitschert dazu eine Halbe. Man sieht ihr an, das macht sie gern.
Sie hat den Humpen ausgetrunken. Ihr Blick durchgeistert das Lokal. Der Kellner wird zum Tisch gewunken: "Das gleiche, bitte, noch einmal!"
Beim zweiten Glas kann man erfahren, sie feiert hier ihr Abschiedsfest. Und dann bestellt sie einen Klaren, der einen Eindruck hinterlässt.
Bei Malzgebräu und edlem Hopfen steigt stets die Stimmung, doch es droht durch Übermaß ein Schädelklopfen, und außerdem noch Flugverbot.
"Mir lahmt der Flügel", hickst die Schwalbe. "Und bleiern blubbert mir das Blut. Anscheinend war die letzte Halbe mit 'Hicks' gepanscht und nicht mehr gut!"
Orientierungs-Los
Im grenzenlosen weiten Meer verliert die flache Flunder den Überblick im Fernverkehr. Und das ist auch kein Wunder.
Die Wasserstraßen gleichen sich fast wie ein Ei dem andern. Es ist zu abenteuerlich, zum nächsten Strand zu 'wandern'.
"Was nutzt mir die Geographie beim Tauchen und beim Schwimmen? Trotz dieses Wissens kann ich nie, den Standort fest bestimmen."
Drum strömt die Flunder mit der Flut und treibt mit losen Planken. Und ihre Seekrankheit beruht - zum Teil nur - auf Gedanken.
Der berechnende Schwan
Der Schwan kann sonntags darauf zählen. Mir wird die Suppe eingebrockt. Mit Kochen muss ich mich nicht quälen. Die Faulheit freut sich und frohlockt.
Dann putzt er gründlich seine Federn. Und er flaniert am Schilf entlang. Dort hört er seine Jungen zetern. Er schaltet in den fünften Gang.
Das kann ich heute nicht vertragen. Mir schwant so ein Familienstreit. Der schlägt mir immer auf den Magen - und sei es eine Kleinigkeit.
Am Ufer rascheln erste Tüten. Gelassen schwimmt er seinen Weg. 'Ich will den schönsten Anblick bieten.' Am Futterplatz dicht vor dem Steg.
Die Beutel werden aufgerissen. Das-Tischlein-deck-dich ist am Zug. Der Schwan schnappt nur die besten Bissen, denn Nachschub gibt es noch genug.
Geliebter dreimal-schwarzer-Kater, ich bin hier auf Erholungskur. Mein Seelenklempner und -berater ist ansprechbar rund um die Uhr.
Die Freizeit sollen wir gestalten. Ich würde lieber Nacht und Tag bei dir sein und die Pfötchen halten. Das wäre alles, was ich mag.
Stattdessen schwitze ich in Bädern und dehne mich beim Morgensport. Und strample auf den Fitnessrädern. Doch in Gedanken bin ich fort.
Und streife mit dir durch die Wiesen. Ein Halali: der Mäusejagd. Ich kann es leider nicht genießen, denn dieser Spaß wird mir versagt.
Was für ein Pech: Ich muss noch bleiben. Verlängert wird mein Aufenthalt. Ich hoffe sehr, du wirst mir schreiben. Und wünsche, das geschieht recht bald.
Der Wetterfrosch
Der Wetterfrosch besteigt die Leiter. Das ist für alle das Signal. Der Tag wird freundlich, hell und heiter. Man weiß es ja vom letzten Mal.
Der Regenschirm kriegt seine Pause, wird weder ein- noch aufgespannt. Er ruht sich aus, und schläft zuhause. Und keinem geht sein Griff zur Hand.
Doch plötzlich klatschen Regentropfen auf das Jackett und ins Gesicht. Man hört es an den Scheiben klopfen. Die Wettervorschau stimmte nicht.
Dem Wetterfrosch kann man vertrauen. Doch was in diesem Fall geschah. Er wollte nach dem Wetter schauen, weil er's von unten aus nicht sah.
Der Vogelzug aus fernem Süden, erreicht demnächst sein Reiseziel. Dann wird er in den Bäumen brüten in München, Hamburg und in Kiel.
Er wird nach Lust und Laune pfeifen. Das artet aus zum Freudenfest. Ein Schnabel wird nach Zweigen greifen. Bald sitzt er im gemachten Nest.
Den Morgen werden sie besingen. Dann staunt der Gockel auf dem Mist. Das wird ihn zur Verzweiflung bringen, weil er nicht mehr der Erste ist.
Der Schneemann schmilzt schon in der Sonne. Er wirft den Besen, hat genug. Und wir erwarten voller Wonne den federbunten Vogelzug.
Schlafende Hunde
Den Hund, der schläft, sollst du nicht wecken. Es könnte sonst gefährlich sein. Hast du auch keinen Dreck am Stecken, vielleicht reizt ihn dein Hosenbein.
Hier ist es angebracht zu fliehen. Auf leisen Sohlen schnell und still. Als Sprichwort heißt es: Leine ziehen. Bevor geschieht, was man nicht will.
Den Hund, der schläft, sollst du nicht wecken. Du fragst: Warum? Natürlich weil, er setzt dich erst in Angst und Schrecken und beißt dir dann ins Hinterteil.
Hund und Katze
Ein Hund liebt eine Katze. Die Eltern schimpfen nur: Das ist doch fehl am Platze und gegen die Natur.
Die Katze zeigt die Zähne und maunzt im Hintergrund: Durchkreuzt nicht uns're Pläne. Und hört auf euren Hund.
Wir können uns gut leiden. Mein Hund der größte Schatz. Wir beißen, buckeln, streiten niemals wie Hund und Katz'.
Der Waschbär
Der Waschbär stellt bei vierzehn Grad sich pfötchenwringend auf die Beine. Er putzt vom Fell den Blattspinat. Und bringt sich spielerisch ins Reine.
Es mangelt ihm an Gut und Geld für eine teu're Waschmaschine: Die kostet sicher nicht die Welt, doch leider mehr als ich verdiene.
Und deshalb wäscht er stets am Bach an einer seichten Uferstelle. Sein Waschprogramm macht keinen Krach, nur hin und wieder eine Welle.
Das Waschbärfell ist im Vergleich zu porentiefen Kleidungsstücken besonders zart und kuschelweich. Und drin zu sein, verschafft Entzücken.
Der Drachen
Der Drachen dieses Ungeheuer benimmt sich fuchs- und teufelswild. Beim kleinsten Anlass spuckt er Feuer, was führt er nur in seinem Schild.
Er schnaubt und läßt sein Fauchen hören. Sein Wutanfall ist dauerhaft. Und niemand kann ihn dabei stören. Es ginge über jede Kraft.
Die Worte: Mitleid und Erbarmen. Die sind ihm völlig unbekannt. Das raubt den Bauern auf den Farmen den letzten Nerv und den Verstand.
Was sollen kleine Leute machen? Mit Fliegenleim und Mäusespeck besiegt man leider keinen Drachen. Auch Zauberei hat keinen Zweck.
Der Drachen mischt sein Höllenfeuer mit Galle, Gas und Rattengift. Wir hoffen, dass das Ungeheuer sich eines Tages selber trifft.
Ein Piepsmatz
Ein Piepsmatz im gemachten Nest schaut eifrig in die Runde. Denn er beschäftigt sich schon fest mit Sach- und Heimatkunde.
Der Baum mit seinem Blätterdach beschirmt sein Flaumgefieder. Doch er denkt an sein Lieblingsfach: Und das sind Vogellieder.
Er kennt zwar erst das Grundprinzip und stimmbrucht zu den Sternen ein dreimal kräftiges Gepiep. Den Rest muss er noch lernen.
Die Kröte und ihr Mann
Die Kröte kriecht zum Kinderkriegen zu ihrem hergestammten Teich. Im Laubwerk lässt sie alles liegen, und macht sich auf den Weg sogleich.
Den Partner schnallt sie auf den Rücken, denn Laufen macht ihn tierisch krank. Sie rucksackt ihn aus freien Stücken. Er ist zum Glück noch gertenschlank.
Sie überqueren Hindernisse und stolpern über Stein und Stock. Auf eine Maschendrahtkulisse, da haben beide keinen Bock.
Sie schleppen sich durch eine Rinne. Es fehlt die Puste und der Schwung. Sie halten eine Weile inne auf ihrer Krötenwanderung.
Eine besondere Art von Motten
Klamotten hängen Stück an Stück im Schrank an Kleiderbügeln. Es gibt kein vorwärts und zurück. Und nichts kann sie beflügeln.
Das Jahr hindurch ist Paarungszeit. Sie sind nicht auszurotten. Selbst wenn es draußen stürmt und schneit, vermehren sich Klamotten.
Zum Großteil sind sie gut in Schuss. Doch manche sind verwaschen. Und manche tragen Reißverschluss statt Knöpfen an den Taschen.
Klamotten mit und ohne Fleck, verschenkt man schließlich weiter. Für einen gutgemeinten Zweck zur Sammlung alter Kleider.
Eisbärsorgen
Der Eisbär spürt an einem Morgen: Den Weltschmerz unterm dichten Fell. Er macht sich daher ernsthaft sorgen entgegen seinem Naturell.
Der Fischfang und das Robbenjagen, das ist nicht mehr, was es mal war. Die Hirngespinste, die ihn plagen, sind eine drohende Gefahr.
Er lamentiert und knurrt und grübelt. Und fragt: Was das bedeuten soll. Doch wer ihm diesen "Spaß" verübelt, dem haut er glatt die Hucke voll.
Mit ihm ist nichts mehr anzufangen. Die meiste Zeit liegt er auf Eis. Und niemanden will er empfangen. Er macht sich selbst die Hölle heiß. ... Der Schmerz um nichts ist aufgehoben. Der Eisbär fühlt sich wieder wohl. Den Grieskram hat er fortgeschoben. Nun tanzt er Tango auf dem Pol.
Der Reißwolf
Der Reißwolf ist kein wildes Tier. Das sind die wahren Fakten. Und er ernährt sich von Papier und angegilbten Akten.
Er ist sehr zahm und stubenrein, hat keine Starallüren. Und niemand muss bei Mondenschein, den Reißwolf Gassi führen.
Als Auslauf dient ihm das Quadrat auf dem die Füße stehen. Jedoch durch einen Mann der Tat lässt er sich einfach drehen.
Wenn er ein DIN-A-4 zerreißt, dann fliegen zwar die Fetzen. Was aber keineswegs beweist, der will brutal verletzen.
Der Reißwolf: Harmlos wie ein Schaf. Genügsam und beschaulich. Und jedes Schriftstück, oh wie brav, behandelt er vertraulich.
Der Kabeljau
Im Golfstrom schwimmt ein Kabeljau. Sein Rheuma in den Gräten macht endlich wieder einmal blau. Der Schmerz schließt seine Läden.
Die Kiemen atmen durch und auf. Er fühlt sich spürbar besser. Die Schwitzkur nimmt er gern in Kauf im salzigen Gewässer.
Er paddelt völlig unbeschwert mit seinen Seitenflossen. Und schweigt gekonnt und sehr gelehrt mit fremden Artgenossen.
Das warme Wasser konnte sich als Medizin entpuppen. Der Kabeljau denkt: 'Hoffentlich hilft es auch gegen Schuppen'.
Ein Rabenleben
Der Rabe Krächz und seine Frau, die wissen immer haargenau, wo Bauern Weizenfelder mähen und wo sie neue Saaten säen.
Sie kennen jeden Ackerrain. Vom nahen Berg das Felsgestein. Den Ausblick von den höchsten Bäumen, die uferlängs den Bachrand säumen.
Kaum gibt die Nacht dem Tag die Hand, da kreisen sie schon übers Land und äugen schielend nach dem Futter. Als Schlusslicht dient die Rabenmutter.
Auf einmal krächzt sie laut und wild. Der Rabenvater ist im Bild. Frau Rabe sieht in weiter Ferne gereifte Sonnenblumenkerne.
Die Rabenmeute stürzt im Nu auf diese Leckerbissen zu. Sie stellen keine dummen Fragen: (Wem dieses wohl gehören mag?) und füllen ihren leeren Magen.
So gegen Mittag macht man Halt auf einem Ast im Rabenwald. Und döst mit anderen Kumpanen, um dann den Rest des Tags zu planen.
Am Abend hockt man faul im Nest und hält Gedachtes krächzend fest. Der Opa kennt noch alte Bräuche und singt von einer Vogelscheuche.
Lieber Wetterfrosch
Lieber Wetterfrosch, verschone uns mit einer Tiefdruckzone. Sende warme Meeresluft, leicht gewürzt mit Blumenduft. Lass die Winde mäßig wehen, dass sie nicht dem Wetterhahn gar zu arg den Kopf verdrehen auf dem Kirchturm nebenan. Sei hübsch überwiegend heiter. Steig hinauf auf deine Leiter, dass es nicht vom Himmel gießt. Und uns den nächsten Tag vermiest.
Schweine
Schweine grunzen frohe Weisen, schnüffeln quiekend im Morast, stochern mit den kurzen Rüsseln nach den Körnern - voller Hast.
Rosa Ferkel reißen Witze und Sau Mutter lacht dazu - außer bei vermenschten Zoten. Sowas bringt sie aus der Ruh'.
Vater Eber schnaubt zufrieden, denn die Ferkel sind sein Werk. Und er ringelt sich sein Schwänzchen, Borsten stehen ihm zu Berg.
Diese quietschvergnügte Meute hat doch wirklich Schweineglück. Außer - es wär' Schlachttag heute, und der Bauer holte sich ein fettes Stück.
Ein Osterhase im Winter
Ein klitzekleiner Osterhase, der bohrt verstört in seiner Nase. Geduckt hockt er am Wegesrand. Sein Blick schweift traurig übers Land.
Die Löffel wirken langgezogen. Die schnöde Welt hat ihn betrogen. Was ist des Hasen Missgeschick? Man würdigt ihn mit keinem Blick.
Er hoppelt einsam durch die Fluren, legt hakenschlagend Hasenspuren. Und kommt ein Wanderer daher, dann hasenfußt er kreuz und quer. Es dämmert schon. - Der Wandersmann, der sieht's nicht mehr.
"Warum", beginnt der Hase seine Klage, "bin ich beliebt am Ostertage, doch niemals, wenn es stürmt und schneit?" Berechtigt scheint mir seine Frage! Ein Besserwisser weiß Bescheid: "Im Winter zählt bei allen nur - die Weihnachtszeit."
Ein - oder zwei Esel
Ein Esel tritt mit seinem Huf und sagt, das sei sein Hauptberuf. Er meckert dabei störrisch, frech und redet wirres, hohles Blech.
Die Dornen sind sein Lieblingsplatz. Er ieht und aaht in jedem Satz. Er frisst die Dummheit, fühlt sich schlau. Sein Name lautet: Meister Grau.
Zu jeder Sache weiß er Rat. Ein Esel-Ei schmeckt delikat. Zumindest wenn man es verschluckt. Doch später wird es ausgespuckt.
Ein Esel nutzt die meiste Zeit für ausgedehnten Zwist und Streit. Verleumdet alles, was sich regt und eine and're Meinung pflegt.
Er selber sei ein großer Geist, das denkt er sich, was glatt beweist, wie eselhaft er von sich denkt, da er sich selber Glauben schenkt.
Du meinst vielleicht, ich spreche nur von einem Esel - keine Spur. Ich meine nicht das arme Tier. Es wird missbraucht zum Schimpfwort hier. Du denkst, dass ich ein Esel sei! Da hast du recht, schon sind wir zwei.
Ein Pinguin
Ein kleiner, flotter Pinguin, mit einem schwarzen Frack. Der wollte in die Sonne zieh'n. Sein Schuhzeug zierte Lack.
Er lutschte noch ein Eis am Stiel, das ihm ein Seehund gab. Er sprach von seinem Reiseziel und nahm den Wanderstab.
Er legte los im Watschelgang. Er kam nicht recht vom Fleck. Da dachte er: "Der Weg ist lang! Mein Ziel hat keinen Zweck."
Er kehrte um, da war ihm wohl. Er folgte seiner Spur. Die führte ihn zurück zum Pol. Zur eigenen Natur.
Wenn die Enten ...
Wenn die Enten quakend schnattern, wild mit ihren Flügeln flattern, Tauben auf den Dächern gurren, Katzen faul am Ofen schnurren, wird das Harte - aufgeweicht und das Schwere - federleicht.
Wenn die Dschungelelefanten und die ihnen Anverwandten auf dem Glatteis Polka tanzen - zum Vergnügen ihrer Wanzen, wird Vergilbtes - blütenweiß und die kalten Füße - heiß.
Wenn die Affen auf den Bäumen von den Menschen-Affen träumen, wenn die Mäuse auf dem Rasen Wege bau'n und Einbahnstraßen, flieht der Kummer und das Leid - wenigstens für kurze Zeit.
Zirkusreif
Im Käfig tappt ein Königstiger vor Langeweile hin und her. Und wäre er ein Eisenbieger, bald wäre sein Gefängnis leer.
Er denkt sehr oft daran zu fliehen. Den Zirkus hat er gründlich satt. Und muss mit ihm doch weiterziehen, dorthin, wo er ein Gastspiel hat.
Als Blickfang - eine Augenweide. Sein Brüllen jagt durch Mark und Bein. Zu Wärtern ist er sanft wie Seide. Jedoch publik darf das nicht sein.
In seine schiefen, stumpfen Zähne steckt sich der Kopf von einer Frau. Sie grault ihm dabei seine "Mähne". Das Publikum beklatscht die Schau.
Vergittert lebt der Königstiger. Und er erhält sein Gnadenbrot. Er ist bereits ein müder Krieger. Wer weiß - vielleicht bald mausetot.
Mein Hund
Mein Hund ist eine treue Seele, verlässlich und ein Kamerad. Er hört aufs Wort und die Befehle befolgt er draußen und privat.
Sein Stammbaum wächst in einer Gasse. Kein Wort von ihm steht auf Papier. Er stammt aus einer Mischlingsrasse, ein aufgewecktes, schlaues Tier.
Von Kindern lässt er sich gern streicheln. Und er beschnuppert seine Welt. Wenn miese Menschen ihn umschmeicheln, wird er erst wütend, bis er bellt.
Zur Pflege hab' ich ihn genommen. Im Tierheim hat er einst gewohnt. So bin ich auf den Hund gekommen. (Das hat sich aber auch gelohnt!)
Der Hai
In der Karibik kreuzt ein Hai, um seinen Bauch zu füllen. Doch keine Scholle schwimmt vorbei. Da fragt er sich im Stillen:
'Wo zieht der reich gedeckte Tisch durch dichte Wassermassen? Wo lässt sich wohl ein kleiner Fisch mit spitzen Zähnen fassen?'
Da strömt ein Herings-Schwarm vorbei. Kein Grund für lange Reden. Statt Stimmungstief - der Hai ist high, und stürzt sich auf die Gräten.
Die Welt für sich allein
Die Katze lauert auf dem Acker auf eine Feld- und Wiesenmaus. Sie zeigt Geduld. Und hält es wacker selbst in der Affenhitze aus.
Jedoch die müden Mäuse pennen in ihrem kühlen Mauseloch, anstatt im freien rumzurennen. Das langweilt den Dreikäsehoch.
Er schnuppert mit der feinen Nase in blendend hellen Sonnenschein. Und einsam liegt die Mäusestraße. Die Welt hat er für sich allein.
Nun kriecht er - ohne viel zu fragen - ins Freie, weil er spielen mag. Und sein Gesicht scheint stolz zu sagen: 'Ich bin zufrieden mit dem Tag.'
Urplötzlich schnappt ihn eine Kralle von hinten, und er quietscht den Satz: "Ich sitze in der Mausefalle und bin wahrscheinlich für die Katz'!"
Insektenpulver
Der Hund hat einen Untermieter. Es ist ein zirkusreifer Floh, der drangsaliert ihn hin und wieder. Und lacht dazu noch schadenfroh.
Da hilft kein Rubbeln, Schütteln, Kratzen. Der Floh geht ganz gerissen vor. Und hütet sich vor Hundetatzen. Herrscht dicke Luft, flitzt er ins Ohr.
Dem Hund bezahlt er keine Miete, trotz Unterkunft und Speis' und Trank. 'Das kommt bei mir nicht in die Tüte, schon der Gedanke macht mich krank.'
Die Kratzereien, sie bezweckten - Der Hundehalter reibt sehr schnell ein Pulver gegen die Insekten ins glänzend weiche Hundefell.
Der Floh kann den Geruch nicht leiden. Das ist zum Kündigen ein Grund. Er schaut sich um nach allen Seiten, und mietet einen Schäferhund.
Die Eintagsfliege
Es schlüpft die flinke Eintagsfliege beim allerersten Sonnenstrahl aus ihrer ei-umschalten Wiege. Und überblickt ihr Stammlokal.
Nun putzt sie sorgsam ihre Flügel und nimmt ein kurzes Trockenbad. und schwirrt auf einen Kleiderbügel, auf dem sie nichts zu suchen hat.
Die Neugier lässt sie weiterfliegen zur Küche auf den Futterplatz. Dort kann sie eine Nahrung kriegen aus Krümeln, Toast und Kaffeesatz.
Punkt sieben gibt es Marmelade, geköpfte Eier - dotterweich. Sie wird verscheucht, und das ist schade. Ein Zweitversuch - nicht aussichtsreich.
Genießen, putzen oder fliehen. Teils Ärger, teils ein Freudentanz. Und abends einen Schlussstrich ziehen. Und mitternachts die Schlussbilanz.
Was Maus in der Mäuseschule lernt
Die Namen der Getreidesorten, und wie maus einen Stollen gräbt, um dort das Sammelgut zu horten, von dem maus durch den Winter lebt.
Die Vorfahrtsregeln auf den Straßen bei hoher Fluchtgeschwindigkeit. Das Trampeln durch gepflegten Rasen, selbst wenn die Hausfrau gilft und schreit.
Wie Eulen uhen, Katzen lauern, und wie der Mäusebussard kreist. Wer dabei döst, ist zu bedauern, weil bald ein Feind die Maus zerreißt.
Der Lehrer denkt, was ich nicht fasse, die Schüler sind so lämmerbrav. Nun übt er mit der Mäuseklasse zwei Stunden lang den Winterschlaf.
Die Stute und ihr Fohlen
Die Stute wiehert zu dem Fohlen: "Bedenke immer, was du treibst. Sonst wird dich noch der Teufel holen. Und du musst sehen, wo du bleibst.
Es lauern überall Gefahren, die deine Jugend übersieht. Bei vielem bist du nicht im klaren, was eigentlich um dich geschieht.
Du bist beschützt an meiner Flanke. Selbst wenn ein Gegner Böses sinnt, verweise ich ihn in die Schranke. Und kämpfe bissig um mein Kind."
Die Stute stoppt, um Luft zu holen. Und flüstert zärtlich noch zum Schluss: "Sei immer artig, Gott be-Fohlen!" Und gibt ihm einen Pferdekuss.
Der Goldfisch
Der Goldfisch schwimmt im Wasserglas zu jeder Tagesstunde - nur aus Gewohnheit, nicht zum Spaß! - zehnmal die Ehrenrunde.
Am Morgen und bei Dämmerung erhält er feine Happen. Sein Kreislauf rappelt sich in Schwung. Er schätzt das Futter-schnappen.
"Und könnte mein Aquarium mir mehr an Auslauf bieten," so klagt er unhörbar und stumm, "dann wäre ich zufrieden."
Er blubbert noch: "Es wäre cool im Bottich rumzuflossen. Noch toller wär' ein Swimming-Pool mit anderen Genossen."
Das Dampfross wird zu Schrott und nirgendwo gebraucht. Der Grund für den Boykott: Es hat zu viel geraucht.
Im "Gänse"-marsch
Die Ente quakt und geht auf Tour. Und hinter ihrem Rücken, da watscheln wie an einer Schnur im Gänsemarsch die Küken.
Fast jedes hat sich eingereiht und hebt die kleinen Flossen. Jedoch ein weiches Federkleid war etwas unentschlossen.
Es ruft vom steilen Böschungsrand, denn dort war es gesessen: "Ihr seid auf einmal durchgebrannt! Ihr dürft mich nicht vergessen."
Die Entenmutter hört ihr Kind, und schnabelt aus der Ferne: "Jetzt aber los, und mach geschwind! Du trägst die Schlusslaterne."
Für den Fortschritt
Ein Rehbock lümmelt, wie ich sehe, auf einem hohen Jägersitz. Und unten tummeln sich die Rehe, darunter eine Handvoll "Kids".
Er ist der Chef der scheuen Herde. Das respektieren alt und jung. Er ist teils Wächter, teils Gefährte, und trägt voll die Verantwortung.
Der Rehbock hasst des Försters Büchse, und einen Querkopf, wenn er zankt. Die zarten "Kids" bedrohen Füchse, was manchmal sein Geweih verlangt.
Für alles ist er aufgeschlossen, das seinen Rehen Fortschritt bringt. Dabei wird auch ein Bock geschossen, weil Kniffliges ganz leicht misslingt.
Der Rehbock lümmelt, ich verstehe, vier Meter hoch, dort sieht er weit. Und gibt den "Kids" in seiner Nähe bei einem Lauschangriff Bescheid.
Ein Karpfen rudert durch den Teich und schnappt nach grünen Bissen. Und dampfert in den Schilfbereich. Vom Hecht will er nichts wissen.
Dann schwimmt er "tief" und läuft auf Grund. Und Schlamm reizt in den Kiemen. Er hustet blubbernd mit dem Mund, dann reißt er sich am Riemen.
Als dickes Unterseeboot taucht er auf zur Oberfläche. Die Rundfahrt hat ihn echt geschlaucht. Er zittert leicht vor Schwäche.
Den Karpfen angelt sich ein Hecht, (das mutmaßt der Verfasser). Noch fühlt der Karpfen sich nicht schlecht und wie "ein Fisch im Wasser".
Schäfchen-Wolken
Im Westen ziehen kleine Schafe auf breiter Front ins Himmelblau. Das führt zu keiner Ordnungsstrafe. Der Sonne stiehlt man nicht die Schau.
Ein leichter Wind zerzaust die Wolle und treibt die Schäfchen vor sich her. Die Sonne kündigt ihre Rolle, ein Licht- und Durchblick fällt ihr schwer.
Die Schäfchen wuseln, purzeln, springen, und bauen ein Piratenschiff, mit dem sie nah und weit bezwingen. Den Himmel haben sie im Griff.
Die dunkelschwarzen Hammel folgen, gepeitscht vom Sturm, im schnellen Lauf. Da reg(n)en sich Gewitterwolken mit Donnerblitz darüber auf.
Der Wasserhahn in meiner Küche, ein Haustier, das auch Nerven sägt. Zwar klopft er keine flotten Sprüche, doch manchmal tropft er unentwegt.
Im Haushalt ist er unentbehrlich. Er schwemmt den Sand vom Feldsalat. Sein Rauschen: völlig ungefährlich. Er ist verchromt und stets auf Draht.
Mit Hochdruck spritzt er in die Ecken. Schon oft hat er auf mich gezielt. Sein liebster Freund: das Abwaschbecken, mit dem er stundenweise spült.
Wenn mir in der Etagenwohnung das Wasser bis zum Halse steht, dann wird -da gibt es keine Schonung- dem Hahn der Kragen rumgedreht.
Liebe - aber nur auf den ersten Blick
Herr Dackel schnuppert durch den Park, und trifft auf eine Pudeldame. Er findet sie so affenstark. Und süßt sie an: "Wie heißt Dein Name?"
Die Pudeldame schaut geziert, und schnippisch äugt sie auf ihn runter. Da fühlt der Dackel sich blamiert. Es stößt ihm auf, sein Zorn wird munter.
Und was er von der Dame hält, und von so hochgenästen Gören, das hat er ihr ins Ohr gebellt. Doch allseits war es laut zu hören.
Am Ende hat er noch geknurrt: "Verschwinde jetzt, zieh endlich Leine! Sonst reißt bei mir der Anstandsgurt. Und mein Gebiss macht Dir noch Beine."
Die Pudeldame bellt verstört. Ihr Selbstvertrauen ist verwackelt. Doch schließlich ist sie hochempört und tief gekränkt davongedackelt.
Per Telefax
Im Wirtshaus grölt ein Strammer Max bei einem Abendessen: "Ich halte nichts von TELEFAX und seinen Raffinessen!"
Da dottert weich das Spiegelei: "Ich teile deine Meinung. Und 'Faxen' sind mir einerlei in jeglicher Erscheinung."
Ins gleiche Horn bläst rosig dick der zarte Vorderschinken. Und dann beginnt sein fettes Stück, verächtlich abzuwinken.
"Nun lasst die Butter auf dem Brot!" Erwidert scharf das Messer. "Ein Telefax tut's in der Not, ein Brief wirkt aber besser."
Im Gebirge
Es klettern auf den Felsvorsprung die schwindelfreien Gemsen. Sie können selbst im Abwärtsschwung bei Schnee und Glatteis bremsen.
Sie nutzen kein Blockiersystem vom Rechner ferngesteuert. Und lösen auch nicht das Problem mit Hufen runderneuert.
Kein Abhang ist für sie zu steil. Und kein Geröll zu steinig. Nicht nötig ist ein Abschleppseil. Da sind sich alle einig.
"Es dürfte kein Geheimnis sein," beteuert eine Gemse, "wir stehen stets mit einem Bein bei Talfahrt auf der Bremse."
Fast ein Rendezvous
Ein Kater streunt bei Nacht spazieren. Und maunzt, wo die Geliebte wohnt. Und hofft, sie wird ihr Herz verlieren. Er wäre dadurch reich belohnt.
Er schmettert schon zum zweiten Male im Hinterhof sein Liebeslied. Doch plötzlich winselt ein Rivale, was schwere Folgen nach sich zieht.
Der starke Kater krallt den schwachen und faucht ihn furchterregend an. Der kleine hat jetzt nichts zu lachen. Er buckelt und spielt toter Mann.
Die Keilerei, das wüste Treiben kommt den Bewohnern auch zu Ohr. Sie schließen fest die Fensterscheiben. Gemeinsam maunzt der Kater-Chor.
"Du hast mir meine Tour vermasselt. Und dadurch platzt mein Rendez-vous. Rolläden sind herabgeprasselt. Die ganze Schuld daran trägst du."
Die Amsel im Schnee
Die Amsel kann im hohen Schnee die Regenwürmer nicht mehr finden. Und krampfhaft sucht sie die Idee, die weiße Pracht zu unterbinden.
Nun schüttelt sie ihr Federkleid, um "cooler" das Problem zu wälzen. Schon kurz darauf weiß sie Bescheid, sie will das Schneegebirge schmelzen.
Vom ersten besten - einem Mann - erbittet sie ganz höflich Feuer. Der schaut sie nur entgeistert an, die Sache ist ihm nicht geheuer.
Und auch ihr zweiter Vogelspruch an einen eiligen Passanten entpuppte sich als Fehlversuch. Sie konnte mit dem Wunsch nicht landen.
Die Amsel reibt sich ihren Bauch und zetert: "Schluss mit der Geschichte! Dort hängt noch Beerenrot am Strauch. Ich stelle um auf Trockenfrüchte."
Die Spitzmaus
Bei Feiertags- und Sonntagswetter marschiert die Spitzmaus kühn und stolz auf einem Teppich welker Blätter durchs Dickicht und durchs Unterholz.
Im Rucksack steckt die Wasserflasche, und für die Brotzeit Proviant. Den Kompass in der Seitentasche hat sie im Notfall schnell zur Hand.
Die Spitzmaus quert die jungen Tannen. Ein Baum-an-Baum, ein finst'rer Block. Um ihre Ängste zu entspannen, ergreift sie einen Wanderstock.
Bald schöpft sie Mut auf einer Lichtung. "Jedoch mein Pfad zurück nach Haus verläuft in einer andren Richtung. Mir macht ein Umweg gar nichts aus."
Der Storch baut mit der Schnabelspitze in einem Wagenrad sein Nest. Er bindet Stroh in jede Ritze. So wird es wind- und wetterfest.
Die Wohnung kratzt fast an die Wolken. Als Basis dient ein Aussichtsturm. Der Storch bedachte alle Folgen und fürchtet nicht den stärksten Sturm.
Die Störchin klappert mit dem Schnabel: "Was ich dir eingestehen muss, dein neues Bauwerk ist passabel. Und dafür kriegst du einen Kuss."
Und dieser Kuss war unbeschreiblich Denn so entstand ein Storchenei. ... Ein Baby schlüpfte - hübsch und weiblich. Aus 1 kuss 1 wird manchmal drei.
Osterputz
Der Tiger jagt beim Osterputz nach jedem Staubpartikel. Sein Schrupper nimmt den gröbsten Schmutz aufs Korn und dann am Wickel.
Es fegt und best ein Wirbelwind vom Boden bis zur Decke. Da kauert sich das Tigerkind verstört in eine Ecke.
Und weil es nicht die Flucht ergreift ins rettungsvolle Freie, wird es vom Vater eingeseift. Es nutzen keine Schreie.
Nach Wasserschlacht und Besenspiel erklärt der müde Tiger: "Die Putzwut fand ein Angriffsziel. Ich bin der Tagessieger."
Der Igel schlendert durch den Garten. Er sucht nach süßem Apfelbrei. Doch der Erfolg lässt auf sich warten. Noch herrscht der Wonnemonat Mai.
Ein Käfer sechsbeint seiner Wege, und dabei lächelt er verschmitzt. Dicht neben ihm kriecht ein Kollege, noch 'nagelneu' und ungespritzt.
Der Igel hat die zwei gesichtet. Schon meldet sich sein Appetit. Das Krabbelzeug hat er vernichtet durch Querfeldein und Seitenschritt.
"Statt Äpfel reifen die Insekten??!" Bestätigt hat sich sein Verdacht. Der Igel nascht vom Eingeschneckten. Denn Obst gibt's höchstens eingemacht.
On the road
Die durchtrainierte Wanderratte ist ausgerüstet mit System. Im Kleiderschrank hängt die Krawatte - zwar modisch, aber unbequem.
Zum Ausflug durch die Ufersteine wählt sie die Tauchergarnitur und die gezwirnte Halteleine. Von purem Leichtsinn - keine Spur.
Sie wohnt am Berg auf halber Höhe, und serpentint bepackt zu Tal. Bald hört sie ein paar Wasserflöhe, die husten nämlich im Kanal.
Am Ufer wachsen Trauerweiden. Die Wanderratte aber meint: "Im Grunde sind die zu beneiden, besonders wenn die Sonne scheint."
Dann wird marschiert, im Gras gerastet. Durch Schilf geraschelt und getaucht. Am Kieselstein entlang getastet, weil das die Wanderratte braucht.
Ein Känguruh hüpft meilenweit. Daran wird nicht gedeutelt. Mir tut jedoch der Nachwuchs leid, denn er wird stark gebeutelt.
Ein Knirps wiegt sich im süßen Traum. Schon wird er durchgeschüttelt. Sein Känguruh durchquert den Raum. Und er wird wachgerüttelt.
Das Auf und Ab, der Wellengang stoppt höchstens für Sekunden. Es wird der Fortbewegungsdrang nur selten unterbunden.
Ein Neuling hatte sich beschwert und rügte das Getue. Und lautstark hat er noch begehrt: ein wenig Kängu-Ruhe.
Beim Dämmerschoppen
Im Hochwald grunzen Stachelschweine beim Dämmerschoppen meist alleine. Ein Schweinchen Dick wird angepiekt, worauf es hohe Töne quiekt.
Das Rudel reibt sich an den Stämmen, um sich die Borsten durchzukämmen. Dann suhlen sie im größten Schmutz, dem Lieblingsplatz von jeder Wutz.
Nur im Morast lässt sich vergessen, (ein Laie kann das nicht ermessen), was auf den Schweinehaxen brennt. Es kühlt das feuchte Element.
Der Dämmerschoppen - leergetrunken. Die Nacht ist weich herabgesunken. Für heute ist die Schweinerei nun wegen Dunkelheit vorbei.
Die dicke Hummel
Im Stadtpark brummt die dicke Hummel durch Rasengrün, Zinnoberrot. Sie macht dort einen Blütenbummel und schlürft dabei ihr täglich' Brot.
In ihrer Nase kitzeln Pollen. Sie niest am nächsten Stehimbiss. So kommt vielleicht "ein Stein" ins Rollen. Doch was geschieht, bleibt ungewiss.
Sie lässt sich von den Farben locken. Und findet Gelb besonders nett. Jedoch ihr Herz beginnt zu stocken beim zarten Veilchenviolett.
Schließt abends der Getränkehandel, dann braust sie schnurstracks in ihr Haus. Und schläft -so ist ihr Lebenswandel- sich in der Hängematte aus.
Im Watt
Die Krabbe kreuzt mit den Gezeiten und fürchtet weder Schlick noch Schlamm. Ein Krabberich darf sie begleiten, der wird einmal ihr Bräutigam.
Im Sturm und Drang, bei Gischt und Wogen, bei Niedrigwasser, Ebbe, Flut, fühlt sie sich zu ihm hingezogen. Er ist trotz rauer Schale gut.
Selbst wenn die Artgenossen tuscheln, sie strömen vorwärts Haupt an Haupt, sie herzen sich, oder sie kuscheln, falls es der Seegang nur erlaubt.
Bedrohlich sind die Fischerkutter, das Schleppnetz auf dem Meeresgrund. Noch schmoren sie nicht in der Butter. Und beide "krabbeln" - kerngesund.
Ein magerer Lohn
Im Alpenvorland auf der Weide grast eine braungescheckte Kuh. Sie zeigt sich von der besten Seite. Es sieht ihr aber kein Mensch zu.
Die Gräser rupft sie mit der Zunge, und schluckt die Ladung, kaum gekaut, und muht auch mal aus voller Lunge, sie hebt dabei den Kopf und schaut.
Jetzt fährt sie auf dem falschen Dampfer. Die Speiseröhre würgt und zuckt. Der Happen war voll Sauerampfer. Der grüne Kloß wird ausgespuckt.
Dann lümmelt sie sich auf ihr Futter. Und fertigt -das ist einfach stark- das Vorprodukt der Markenbutter. Ihr Lohn ist nicht mal Magerquark.
Wohnungsnot
Ein Igel soll sein Schlupfloch räumen. Er eilt zum Mieterschutzverein, um sich dagegen aufzubäumen, und fragt genervt: Darf sowas sein?
Nun tönen endlos Kommentare. Es rauscht die Paragraphenflut. Dem Igel steh'n die Stachelhaare zu Berg, und ihn verlässt der Mut.
Jedoch es steht in den Gesetzen, zum einen klipp, zum andern klar: Sein Wohnrecht darf kein Mensch verletzen, sofern es nicht gekündigt war.
Das hat den Igel aufgewiegelt. Er hat sich in sein Heim getrollt. Er hat sich darin eingeigelt und denkt: Ich bin im Recht, macht was ihr wollt.
Nicht gerade vorbildlich
Man hat auf einen Kälteschock am Frühlingsanfang keinen Bock. Der fromme Wunsch wird tiefgefroren. Ein Nordwind pfeift um beide Ohren.
Da streikt sogar die Schneckenpost, an jedem Grashalm reift der Frost. Und unwegsam ist das Gelände für Käfer und für Kriechverbände.
Die Biene spart ihr Flugbenzin, denn Blüten bleiben ohnehin in ihren Schlafanzug verkrochen, wenn Flieger an der Haustür pochen.
Ein Satz mit x. Es war wohl 'nix' mit staunenswerten Zaubertricks. Der Anfang ist total mist-raten. Man ärgert sich nach Strich und Faden.
Das Besäufnis
Die weit-gesteppte Antilope betritt sehr durstig ein Lokal. Und nur noch an der Garderobe - der letzte freie Tisch im Saal.
Sie zwängt sich durch die schmalen Gänge, durch Rede-schwaden - bierumhaucht. Ihr Vormarsch zieht sich in die Länge, weil einer seinen Mantel braucht.
Das Hindernis ist ausgestanden. Vier Hufe setzen sich in Trab, um glücklich auf dem Stuhl zu landen, zum einen froh, zum andern schlapp.
Nun kommt die Kellnerin gelaufen, und sie notiert auf ihrem Block: 'Ein Eimer Wasser zum Besaufen, und hinterher ein Doppelbock.'
Ein Steckenpferd hockt am Klavier und klimpert auf den Tasten. Man merkt sogleich, das arme Tier, hat nicht viel auf dem Kasten.
Es stolpert, wenn es scharf galoppt im ebenen Gelände. Der Klangfluss streikt, ein Finger stoppt. So geht das Lied zu Ende.
Doch keiner hat sich groß beschwert. Das Stück ging in die Hose. Es wird aus diesem Steckenpferd bestimmt kein Virtuose.
Ein Brummbär
Ein Brummbär trollt sich durch die Blumen und macht sich auf die Honigjagd. Er furcht sich durch die Ackerkrumen. Sein Magen knurrt. Sein Hunger nagt.
Und findet er die Bienenwabe mit süssem Honig vollgestopft. Dann labt er sich an dieser Gabe, die gelb auf seine Tatzen tropft.
Auch heute hat er einen Riecher, wo es sich kreißelt, wo es summt. Zwar stechen ein paar freche Viecher. Er hat ein dickes Fell und brummt.
Die Sonne hält, was sie verspricht. Und zieht am Himmel ihre Bahn. Und rötet leicht das Bleichgesicht. Und pinselt gelb den Löwenzahn.
Es hummelt dicht an mir vorbei. Der dicke Brummer kennt sein Ziel. Der Alltag nimmt sich heute frei, statt Arbeit gibt es Sport und Spiel.
Aus Wiesen grüßt es satt und grün. Und Enten paaren sich am See. Die Tulpen und Kastanien blüh'n. Und raschelnd pappelt die Allee.
Im Meer
Ein Fisch begegnet heißen Flossen, und denkt: 'Ein Wahnsinn, diese Frau!' Er hat sich glatt in sie verschossen, denn sie ist wirklich eine Schau.
Dann blubbert er: "Du Zuckersüße, Du hast mich völlig in der Hand. Mein Herz funkt an Dich Liebesgrüße. Du bringst mich noch um den Verstand.
Ich will mit Dir durch die Gezeiten, durch Ebben und durch Fluten zieh'n. Und durch Korallen Dich begleiten. Und auch zu fernen Inseln flieh'n.
Dort lass uns leben, lieben, laichen. Woran mir früher einmal lag, will ich aus dem Gedächtnis streichen, denn Du bist alles, was ich mag.
Was kümmern mich die Modepuppen? Doch eines muss ich Dir gesteh'n. Ich leide unter starken Schuppen. Willst Du mich dennoch wiederseh'n?"
Beide arbeiten ganztags
Ein Stammgast hat sich eingenistet. Sein Weibchen folgt ihm in das Nest. Ihr Aufenthalt ist nur befristet. Im Herbst gibt es ein Abschiedsfest.
Er ist gelernter Kammersänger, doch Beifall kriegt er nie genug. Er arbeitet als Fliegenfänger. Die Beute schnappt er sich im Flug.
Der Vogel flattert durch die Gegend. Und tiriliert sein Lieblingsstück. Und lässt das Weibchen eierlegend im grasbelegten Nest zurück.
Nach Wochen als die Jungen schlüpfen, herrscht reges Treiben hoch im Baum, weil sie oft umeinanderhüpfen. Statt Federn lassen sie nur Flaum.
Die Hungermäuler sind zu stopfen. Das ginge über seine Kraft, wenn nicht -nach morgens Nestausklopfen- das Weibchen ganztags mit ihm schafft.
Es wusste alles gründlich besser. Und fand auch stets das letzte Wort. Ihr Ton klang schärfer als ein Messer. Der Widerspruch - ihr Lieblingssport.
Die Mutter Gans war für Erziehung. (und war zum Schein autoritär!) Doch ganz umsonst war die Bemühung. Es stellte alle Federn quer.
Das Gänschen hat der Fuchs gestohlen. Er gab es ungerupft zurück. Dann musste er sich lang erholen von diesem ausgefuchsten Stück.
Die Maus im "Super"-Markt
Die Maus betritt den Vorratskeller. Ein Pfötchen greift zum Schinkenspeck, 'der kommt als Nachtisch auf den Teller.' Sie steckt in ohne Zögern weg
in ihre Umwelteinkauf-tasche. Ein Baumwollsäckchen bunt kariert. Denn das ist eine neue Masche. Und die Idee ist patentiert.
Dann wählt sie an der Käsetheke den jungen Gouda, zart und mild. Durch Gläser führen ihre Wege an jedem pappt ein kleines Schild.
Die Maus liest: "Erdbeermarmelade" und "Apfelmus" und "Zwetschgenbrei". Doch jedes Glas ist zu. "Wie schade!" Sie trippelt brummig dran vorbei.
Auf einmal spuckt sie Gift und Galle. Und ist von Kopf bis Fuß erschreckt, als sie aus Draht die Mausefalle zwei Handbreit neben sich entdeckt.
"Mir so die Einkaufslust zu nehmen. Das ist doch schändlich, unerhört! Der Fallensteller soll sich schämen. Ich bin bedient und hoch empört."
Ein Sandsturm
Unter einer Dattelpalme grast im Schatten ein Kamel. Und es zupft die grünen Halme. Und es fühlt sich quietschfidel.
Plötzlich staubt durch die Oase, unerwünscht der Wüstenwind. Dem Kamel juckt schon die Nase, und der Sandsturm macht es blind.
Auch sein Herr, der Beduine, flüchtet in sein Backsteinhaus, schließt die Läden aus Routine, kocht Kaffee und ruht sich aus.
Lange hat der Spuk gedauert, denn der feine Wüstensand hat sich völlig ausgepowert. Nun scheint die Gefahr gebannt.
Das Kamel fehlt auf der Bühne. Höck'rig läuft gespenstergleich eine hohe Wanderdüne hin zum kühlen Wasserreich.
Die Dschungel-Illustrierte
Ein Affe schmökert mit Begierden in einer Dschungel-Illustrierten. Er wähnt sich gründlich informiert, und weiß, was in der Welt passiert.
Er fiebert mit bei Mordgeschichten, und freut sich an den Bildberichten der Filmstars, Prinzen, und der Queen. Und bildet sich in Medizin.
Gleich spürt der Affe Magenschmerzen. Er nimmt es sich sofort zu Herzen, und knotet in sein Taschentuch: Am nächsten Dienstag Arztbesuch.
Dann blättert er zur Schmunzelecke. Der Witz mit Bart bleibt auf der Strecke. Ein Blick vorbei am Schachproblem, denn Denken ist zu unbequem.
Er stöbert in Kontaktanzeigen. Das muss er seiner Frau verschweigen, sonst schwingt sie flink ihr Nudelholz. Der Grund dafür: verletzter Stolz.
"Was ich mein Affentag nicht sähe, das zeigt man mir aus nächster Nähe. Denn was um mich herum geschieht? Das ist doch stets das alte Lied."
Eine Spritztour
Ein Käfer, poppig angemalt, gebraucht gekauft, erst halb bezahlt, hat mich zur Spritztour eingeladen. Ein kleiner Ausflug kann nie schaden.
Wir tuckerten im vierten Gang an Wiesen und am Fluss entlang. Durch müde Dörfer: Tempo dreißig, sonst gackern alle Hühner fleißig.
Die Sonnenstrahlen wurden wach. Der Käfer hat ein Schiebedach. Was nun zu öffnen, sehr verlockte. Jedoch die Kurbeltechnik bockte.
Erst waren wir dadurch verstimmt. Doch weil man sich die Freude nimmt, betrugen wir uns wieder heiter und fuhren ganz gelassen weiter.
Bei Dämmerung und ohne Stress, da steuerten wir die PS benzineinsparend, auspuffleise, zum Ausgangspunkt der kurzen Reise.
Fledermäuse
Im Schlossgewölbe an der Decke hängt Fledermaus an Fledermaus. Kein Licht dringt in die dunkle Ecke. Es sähe auch erbärmlich aus.
Die Nachtausschwärmer sind zufrieden mit feuchten Wänden, Moderduft. Kein Thronsaal könnte soviel bieten wie diese grauenvolle Gruft.
Es dämmert. Nun wird ausgeflogen mit Echo-Lot und Ultra-Schall. Sie machen schwungvoll einen Bogen, und meiden den Zusammenprall.
Bei Nacht wird hin- und hergefledert. Doch lange vor dem Sonnenschein sind sie daheim, total gerädert. Und schlafen Kopf nach unten ein.
Ein Schwerenöter
"Im Morgentau, bei Abendkühle, ich träume immer nur von dir. Du bist das höchste der Gefühle, das allerschönste Kätzchen hier."
So schnurrt ein alter Schmusekater zu einem Kätzchen, jung und braun. Es schmilzt dahin, glaubt dem Theater, und lehnt verzückt am Gartenzaun.
Der Kater ist ein Schnulzensänger, ein stadtbekannter Weiberheld, ein miserabler Mäusefänger, der lieber Schürzen jagt und stellt.
Doch plötzlich schreitet aus dem Hausgang der starke Kater Fridolin. Er hat jetzt eine Stunde Ausgang - Der Schmusefritz muss Leine zieh'n.
Darüber ärgert sich das Kätzchen, das ist dem Fridolin ganz neu. Er maunzt gekränkt: "Mein liebes Schätzchen, ich dachte stets, du bist mir treu."
Ein Picknick auf der Wiese
Was ich mit Herzenslust genieße, das ist ein Picknick auf der Wiese, wo sich ein Teil des Hungers stillt, weil eine Grille für mich grillt.
Den Tausendschönchen, die mir winken, beginne ich dann zuzutrinken. Und widme mich dem Schinkenbrot. Der Mohn schaut zu, und leuchtet rot.
Ein Hochgenuss im Gras zu liegen, durch nichts und niemand aufzuwiegen. Ich döse ein im grünen Meer. Das ist der Nachtisch, das Dessert.
Wacholderschnaps
Der Hase hoppelt durch die Landschaft. Ihn kümmert weder Klee noch Raps, denn er verteilt an die Verwandtschaft statt Jahrgangssekt Wacholderschnaps.
Die fest gewebte Umhäng-Tasche ist anfangs unerträglich schwer. Bald fehlt so manche volle Flasche. Und schließlich ist der Beutel leer.
Doch er ist voll wie die Haubitzen. Ein Schnäpschen hier, ein Schnäpschen dort. Der Hase hat jetzt einen sitzen, und torkelt Richtung: Heimatort.
Im Zick-zack hopst er durch die Wiese, denn ihm gehorchen - nur bedingt - die gliederschweren Hasenfüße. Und ein Geradeaus misslingt.
Ein schlauer Fuchs hat ihn gesichtet. Er schleicht sich aber schnell davon: "Auf diesen Spaß wird voll verzichtet, das ist die Tollwut in Person."
Spät ist der Hase heimgekommen. Darüber schimpft die Hasenfrau. Doch leise lallt er wie benommen: "Ich bin nur stern-und-hagelblau."
Fixstern
Ein Stern ist ausgesprochen fix, und fährt im Großen Wagen, macht vor der Venus einen Knicks, und hat ihr was zu sagen:
"Du bist mein Traum, mein Ideal. In meiner Sternengruppe sind mir die andern piep-egal und unbeschreiblich schnuppe.
Sei lieb und reiche mir die Hand. Dein Herz will ich erreichen. Ab heute bin ich dein Trabant, und will nicht von dir weichen."
Die Venus seufzt: "Mein guter Stern, du darfst nicht weiter reden. Zwar mag ich alle Sterne gern, doch liebe ich Planeten."
Der Fixstern kontert sehr gewitzt: "Ich wäre ebenbürtig!" Und dennoch ist er abgeblitzt. Es war ihm merkur-würdig.
Lateinisch bzw. Schweinisch
Zur Schonzeit trifft ein wildes Schwein den Jäger in der grünen Au. Der Grünrock kauderwelscht Latein, doch das versteht ja keine Sau.
Nach jedem Absatz wird genickt, die Form ist reine Höflichkeit. Das wilde Schwein macht das geschickt. Dazu ein Lächeln, lang und breit.
Urplötzlich wird zurückgegrunzt, gequietscht, geschnorchelt und gequiekt. Doch auch der Jäger kennt die Kunst, weshalb er sich vor Lachen biegt.
Sie denken beide ihren Teil. Und jeder fragt sich, was 'der' will. Nun grüßen sie ein Waidmannsheil. Dann Weidmannsdank. Dann ist es still.
Die Lerche bzw. die Lärche
Die Lerche jubelt nette Schlager drei Meter überm freien Feld. Doch der Applaus ist äußerst mager, weil sie das Ständchen öfters hält.
Nach Beifall will sie auch nicht schielen. Sie ist vom Trillern wie berauscht und ausgefüllt mit Glücksgefühlen. Mit niemand hätte sie getauscht.
Nur abends in der Dämmerstunde denkt sie halbwach und halb im Traum, sie sei berühmt - in aller Munde - und außerdem ein edler Baum.
Ein Wunsch versetzt bekanntlich Berge, wenn man den alten Schriften glaubt. Aus einer Lerche sprießt die Lärche, die nadelt und, die sich entlaubt.
Das Gastgeschenk der Schwalben
Die Schwalbe und ihr Schwalbenmann sind Gäste aus dem Süden. Mit ihnen fängt der Sommer an, das In-der-Hitze-brüten.
Sie mieten sich ein Haus aus Lehm. Ein Spalt wird zugekleistert. Am Fachwerk hängt es - sehr bequem. Touristen sind begeistert.
Schon kurz darauf quäkt unentwegt der Schwalbenkindergarten. Damit sich das Geschreie legt -, die Schwalbeneltern starten
und jagen pfeilschnell, sehenswert, nach Mücken und nach Fliegen. Dann wird zum Nest zurückgekehrt, den Kohldampf zu besiegen.
Im Herbst verwaist das Schwalbennest. Die Kleinen sind längst flügge. - Und Fliegen haben Hausarrest, und nirgends eine Mücke.
Hier ist Watt los
Zwischen Ebbe und der Flut, vor den Toren einer Stadt, fühlt man sich besonders gut. Denn man sieht, hier tut sich Watt.
Vögel stelzen durch den Schlick, grauer Schlamm wird überquert, und sie ernten mit Geschick. Frischer Fisch wird 'ganz' verzehrt.
Während man der Stille lauscht mittendrin im Muschelreich, hört man wie die Nordsee rauscht, auf dem Weg zurück zum Deich.
Wellen lecken Richtung Strand, schaumbekrönt und nimmersatt. Schon erreichen sie das Land. Wieder gilt: Es tut sich Watt.
Aus der Mücke einen Elefanten
Bis gestern war ich eine Mücke. Die Sicherung ist durchgebrannt. Dann tobten wild die Kraftausdrücke. So wurde ich ein Elefant.
Das ist mir ausgesprochen peinlich. Ich möchte so wie früher sein. Doch das erscheint nun unwahrscheinlich. Ein Elefant ist groß statt klein.
Im Freiland wäre ich sehr rege. Im Dachgeschoss gibt es Rabatz. Als Dickhaut bin ich nur im Wege, und in der Wohnung fehl am Platz.
Der Hausherr stellt mich schroff zur Rede, und macht mich glatt zum Mückenstich. Schnell fliege ich zur Stofftapete: und rette und verstecke mich.
Pant-astisch
Im Buschwerk hetzt ein schwarzer Panther die Büffelherde hin und her. Die Büffel bleiben beieinander. Dem Panther fällt ein Angriff schwer.
Er fürchtet die vereinten Hufe. Ein Büffel wäre kein Problem. Er achtet auf die Unkenrufe: 'In Vielzahl sind sie unbequem.'
Die Kälber blöken in der Mitte. Ein Kreis beschützt den weichen Kern. Vergeblich sind des Panthers Schritte. Er resigniert: "Ach, habt mich gern."
Da grinst belustigt ein Verwandter, ein Held aus einem Comic-Strip. Sein Künstlername, Paulchen Panther, er meint: "Hier ist mein heißer Tipp.
Ich locke dir die jungen Kälber vor einen Fernsehapparat. Im zweiten Teil erscheinst du selber, und schreitest ungestört zur Tat."
Eine Eselsbrücke
Ein Esel, grau behaart und stur, darf in die Schule gehen. Im Sommer macht er Abitur. Und hofft, es zu bestehen.
Ein Handicap ist die Physik. Und er verfällt in Panik. Dagegen glänzt er mit Geschick im Leistungskurs Botanik.
Die Bücher werden durchgepaukt. Aus Nürnberg stammt der Trichter. So wird das Wissen aufgesaugt im Schein der Neonlichter.
Und ärgert ihn ein Umkehrschluss, dann stopft er diese Lücke, und knackt geschickt die harte Nuss - mit einer Eselsbrücke.
"Sommerfreuden"
In der prallen Mittagshitze döst ein Fuchs vor seinem Bau. "Endlich Sommer! Das ist Spitze! Nirgends droht ein Wolkenstau.
Regenschirme zu verschenken. Gummistiefel fallen flach." Plötzlich hört er auf zu denken. Nur im Schlaf ist er noch 'wach'.
Vor sich sieht er eine Quelle lustig plätschern, hell und klar. Doch die kühle Wasserstelle bleibt ein Traum, und wird nicht wahr.
Schließlich hat er ausgedämmert. Doch er fühlt sich fürchterlich, wie im Tran und wie belämmert. Knapp vorbei am Sonnenstich.
Und der Fuchs holt sich zu trinken, nimmt ein frisch gespültes Glas. Lässt sich in den Schatten sinken - und ins ungemähte Gras.
Die Löwengrube
Ich sitze in der Löwengrube. Und säße lieber beim Kaffee, zum Beispiel in der guten Stube auf dem geblümten Kanapee.
Denn vor mir knurrt die Löwenmeute. Ich fürchte ihren scharfen Biss. Zwar bin ich keine fette Beute, doch leider auch kein Hindernis.
Da äußert sich die Löwenmutter: "Sei unbesorgt, wir beißen nicht! Wir pfeifen auf ein Menschenfutter, und darin üben wir Verzicht.
Wenn meine jungen Löwen lachen, dann brüllen sie im lauten Ton, um auf sich aufmerksam zu machen. Entbehrlich ist ein Megaphon."
Ich sitze in der Löwengrube. Und weiß, wo ich am liebsten wär': Daheim in meiner guten Stube, denn die ist sicher löwenleer.
Urlaubsziel
Das Krokodil will Urlaub machen. Ein Abschied im Familienkreis. Dann packt es seine sieben Sachen und seinen Krokodilausweis.
Es krault durch enge Wassergassen, und kriecht durch den Moskitosumpf, um nicht den Anschluss zu verpassen. Dann steigt es in den Flugzeugrumpf.
Zwei Reihen hinter dem Propeller ergattert es den Fenstersitz. Sein erster Flug. Das Herz schlägt schneller. Dann geht die Post ab wie der Blitz.
Und während sie durch Wolken jagen, verfliegt der dumpfe Alltagsstress. Und wenn die Magennerven nagen, bewirtet ihn die Stewardess.
Der große Teich wird überwunden. Sein Reiseziel: zum "greifen" nah. Das Krokodil staunt nur nach unten. 'Willkommen in Amerika!'.
Ein schräger Vogel
Ein schräger Vogel pfeift auf Spießer, und schlürft im Jazzclub Whisky pur. Er fühlt sich dabei als Genießer, und fliegt auf jede krumme Tour.
Den Dummen hat er schnell gefunden. Dann wird ihm bei Geselligkeit ein dicker Bären aufgebunden. Es überzeugt sein Federnkleid.
Ein Startsignal, um anzupumpen. Der Fadenschein erreicht den Zweck. Der Dumme lässt sich jetzt nicht lumpen. Und reicht ihm den Verrechnungsscheck.
Der Vogel hat es plötzlich eilig: "Ich wünsche eine, Gute Nacht!, und schwöre hoch und zweimal heilig, mein Wertbrief kommt, wie abgemacht!"
Der Dumme sitzt daheim und wartet. Er fühlt sich schamlos eingeseift. Sein Rachefeldzug wird gestartet, indem er diesen Typ verpfeift.
Ein Fuchs hat Appetit, und macht sich auf die Socken. Das ist ein erster Schritt, die Suppe einzubrocken.
Er streunt und dabei hält er beide Augen offen. Er hat in Wald und Feld nichts Fressbares getroffen.
Der Rabe auf dem Baum hält keine Käsescheiben. Ein alter Märchentraum -, und wird auch einer bleiben.
Der Fuchs wirkt abgekämpft, verdrossen und verdrießlich. Die Stimmung ist gedämpft. Dann überlegt er schließlich:
"Der Bauer hat zu tun, er melkt die Weidekühe. Ich rupfe mir ein Huhn für eine Hühnerbrühe."
Erntedank
Die Feldmaus sammelt für die Kinder, -im Grund für einen guten Zweck- den Weizen für den nächsten Winter. Und tut was für den eig'nen Speck.
Diät ist bei ihr aus der Mode. Sie liebt sich mollig, weich und rund. Tagein, Tagaus schiebt ihre Pfote sich Leckerbissen in den Mund.
Der Vorrat für die lieben Kleinen ist schließlich unter Dach und Fach. Kein Mäuschen muss vor Hunger weinen. Der Streit um Körner fällt jetzt flach.
Das Mauseloch ist eine Scheune. Die Feldmaus lächelt und sie denkt: 'Das reicht für mich und alle neune. Die Erde hat uns reich beschenkt!'
Der Habicht
Es kreist auf federleichten Schwingen der Habicht über Feld und Flur. Sein Rundflug soll ihm Beute bringen. Und daran glaubt er, fest und stur.
Tatsächlich hoppelt ein Karnickel gefräßig durch das Wiesengrün. Er stürzt hinab, packt es am Wickel. Der Hoppsassa erwidert kühn:
"Was sollen die Vertraulichkeiten? Wo bleibt ihr Anstand, ihr Respekt? Das kann ich auf den Tod nicht leiden. Sie haben mich total erschreckt.
Nun nehmen Sie die spitze Kralle sofort aus meinem weichen Fell. Und nicht nur eine, sondern alle. Und wenn ich bitten darf, recht schnell."
Der Habicht hadert: "Ach wie schade, ich beuge mich dem Heldenmut. Beim nächsten Mal gibt's keine Gnade. Drum sei von nun an auf der Hut."
Die Meerjungfrau steigt aus den Wellen und fällt mir stürmisch um den Hals. Sie muss sich auf die Zehen stellen. Ihr Kuss schmeckt 'cool' und auch nach Salz.
Dann schlendern wir, wo Schafe weiden, und halten Ausschau auf dem Deich. Und tauschen kleine Zärtlichkeiten. Dann muss sie heim ins Wasserreich.
Und in die See führt eine Treppe. Ein letzter Kuss. "Bis bald! Mach's gut! In einer Stunde ist hier Ebbe. Ich komme mit der nächsten Flut."
Nun kann ich sie nicht mehr erblicken. Doch eines weiß ich ganz genau. Zwölf Stunden muss ich überbrücken, dann steht vor mir die Meerjungfrau.
Ein Walfisch tummelt sich im Meer. Er freut sich seiner Tage. Die Dinge nimmt er halb so schwer. Er stellt auch nichts in Frage.
Was auch geschieht, das ist ihm recht. Er ist mit sich zufrieden. Es geht ihm deshalb gar nicht schlecht. Das äußert er entschieden.
Sein Leben hat er fest im Griff. Und das ist seine Sache. Er kapert weder Boot noch Schiff. Ein Fremdwort ist ihm Rache.
Der Walfisch frisst statt frischen Fisch nur Algen oder Pflanzen. Das Grünzeug kommt auf seinen Tisch. Dann füllt er sich den Ranzen.
Ameisen
Die meisen vorne noch mit A sind wirklich flink und fleißig. Und kaum ist eine von ihr da, da sind es auch schon dreißig.
Sie regeln immer den Transport von Blattläusen und Kernen. Gesprochen wird dabei kein Wort. Man kann von ihnen lernen.
Und jeder Haufen ist ein Staat mit Regeln und Gesetzen. Man schützt sie oft mit Maschendraht. Kein Mensch soll sie verletzen.
Verwechseln darf man aber nie: die A- mit and‘ren Meisen. Weil ohne Gnade wollen sie, diejenigen verspeisen.
Biomüll
Im Hafen krächzen alle Möwen nach Biomüll und Fischabfall. Sie kämpfen dabei wie die Löwen. Die Starken kommen an den Ball.
Da wird gezedert und gemeutert und möwenmäßig lamentiert. Die Seele wird dadurch geläutert, denn Fisch wird meeresfrisch serviert.
Die Jungen und die lahmen Alten bekommen dabei Appetit. Den Hunger werden sie behalten. Die Möwenmeute macht nicht mit.
Umsonst das Schnuppern an der Beute. Umsonst der reich gedeckte Tisch. Natürlich gilt das nur für heute. Und morgen gibt es frischen Fisch.
Tausendfüßler
Der Tausendfüßler trägt Sandalen. Die Krankenkasse gab das Geld. Er leidet nämlich Höllenqualen, wenn ihm ein Stein den Weg verstellt.
Am Abend reibt er seine Füße mit Geh-wohl und mit Salben ein. Dabei denkt er an seine Süße, ein Grund für ihn zum glücklich-sein.
Und jeder Fuß ist ungewöhnlich, und ständig sind sie in Betrieb. Er kennt sie alle höchst persönlich. Natürlich hat er jeden lieb.
Doch eines macht ihn oft verdrießlich. sagt er zu Käfern: "Gott zum Gruß!" Denn wie du weißt - so ist das schließlich - hebt er dann tausendmal den Fuß.
Der Gockel
Schneckenlahm und mit Geduld stolzt der Hahn zum Rednerpult, um den Hennen zu erklären. Was sie ohne ihn wohl wären.
„Keiner weckt den Hühnerstall, krähte ich nicht überall!“ Doch ein jedes Suppenhuhn hat wohl anderes zu tun. Denn der aufgeblähte Gockel. Haut sie wirklich nicht vom Sockel.
Und der worteslanger Rede lauschen höchstens Blumenbeete. Hennen sind für solches taub. Lieber scharren sie im Staub. Oder legen ihre Eier: für die nächste Osterfeier.
Dein Hund
Dein Hund – das ist Dein bester Freund, Dein ständiger Begleiter. Auch wenn er ab und zu mal streunt. Er stimmt Dich immer heiter.
Er hält zu Dir, egal was sei und wird Dich stets beschützen. Er nimmt nie Urlaub, nimmt nie frei. Und tappst durch alle Pfützen.
Die Katze ist sein Todesfeind. Er führt ein Hundeleben. Der mit Dir lacht. Der mit Dir weint. So ist sein Leben eben.
Dein Hund ist leider Phantasie und kläfft in Deinen Träumen. Und manches, das erfüllt sich nie. Es gilt: Geträumtes aufzuräumen.
In der Kneipe
Die Schnecke sitzt in einer Kneipe. Da fragt ein Käfer: Ist noch frei. Ich rücke niemals Dir zu Leibe. Das wäre eine Schweinerei.
Was hältst Du denn von Unterhaltung? Vom Sprechen über dies und das. Von Rentenkassen und Verwaltung. Natürlich macht das keinen Spaß.
Wir können miteinander schweigen. Wenn Dir das Thema lieber ist. Dann kann ich Dir mit Gesten zeigen, wie wichtig Du in meinem Leben bist
Die Schnecke hört beredte Worte. Und weiß beim besten Willen nicht. Was ist das für 'ne Käfersorte, die so mit unsereiner spricht.
Die dicke Hummel
Die wohlbeleibte dicke Hummel fliegt gerne auf Zigarrenstummel. Sie liebt besonders jene Asche. und hätte sie nur eine Tasche. Sie hätte alles eingepackt. Doch sie ist leider splitternackt. Genusslos sind die Filterkippen, ein Fehler ist, daran zu nippen. Sie stinken nämlich wie die Pest. Das stellt die Hummel sachlich fest.
Der Salamander
Es lebt am Meer ein Salamander, der ruht sich aus im Sonnenschein. Er steht nicht sehr auf Oleander, er liebt das warme Felsgestein.
Natürlich kennt er alle Lücken, sogar den kleinsten Mauerspalt. Und kann sich immer schnell verdrücken. Und jede Fangwut lässt ihn kalt.
Seit altersher hat er Verwandte. Er duzt z. B. das Krokodil. Denn beide sind ja Ur-Bekannte. Und beide nennen sich Reptil.
Die Wahrheit klingt oft unwahrscheinlich.
Die Wahrheit klingt oft unwahrscheinlich. Wir weisen sie ins Märchenland. Dem Sprecher ist die Sache peinlich. Und er beschwört den Tatbestand.
Die Lüge, aller Menschen Übel, führt jeden Einwand hinters Licht. Sie spricht "vernünftig", klingt plausibel. Und Schminke hängt ihr im Gesicht.
Wer Recht hat, muss nicht Recht bekommen. Denn Wortverdreher sind geschickt. Die Lüge hat sich freigeschwommen. Die Wahrheit bleibt im Recht verstrickt.
Nirgends hast du deine Ruhe,
Nirgends hast du deine Ruhe, Blechlawinen, Ampelstau, hochgehackte Stöckelschuhe, wo man hinhört, herrscht Radau.
Lang bevor der Wecker rasselt, rauscht ein fremder Wasserhahn. Deine Träume sind vermasselt und dein Schlummer ist vertan.
Ständig schrillen Telefone, auf der Arbeit hält das wach. Doch es ginge besser ohne diesen permanenten Krach.
Liegst du erst im kühlen Grabe, hoffe, dass dein Nebenmann keinen Walkman bei sich habe, der die Ruhe stören kann.
Tiefschlag
Ein Tiefschlag ist kein Pappenstiel. Wir fallen glatt vom Hocker. Ein flotter Spruch verfehlt sein Ziel. Die Tränen sitzen locker.
Das "Jupp-hei-di" hat sich verschluckt. Das Lachen wirkt verkatert, weshalb der Mund schon mürrisch zuckt. Und mit sich selber hadert.
Hier nutzt kein gutgemeintes Wort. Das Schiff ist abgesegelt. Und unser Frohsinn weilt an Bord. Der Rest bleibt ungeregelt.
Wir stehen einsam, sind empört. Die letzten Kräfte schwinden. Gequält, verängstigt und verstört: Bis wir einen Ausweg finden.
Bis alles glüht und funkt
Lasst die Gläser klingen. Wir proben nun die Kür. Wenn Brocken Dickes bringen, verschließt die Wohnungstür.
Lasst die Stimmung steigen und schwebt mit ihr davon. Dann wird der Grieskram schweigen. Er stürzt von seinem Thron.
Lasst die Knaller krachen, bis alles glüht und funkt. Die Tränen sollen lachen. Doch hinterher: Macht einen Punkt.
Sommeranfang
Der Sommer greift zur Kaiserkrone. Der Meister Lenz wird degradiert. Im Garten schwitzt die Kletterbohne. Nur wer im Kühlfach hockt, - erfriert.
Beim Festakt wird die Nacht beschnitten. Die Sonne wendet ihren Lauf. Von nun an geht es - unbestritten - zum nächsten Sommerschlussverkauf.
Doch vorher sengt die Affenhitze. In Waffeltüten schmilzt das Eis. Und Spatzen fehlt die Wasserpfütze. Der kalten Schulter wird es heiß.
Die Ferien fahren in die Ferne. Sie grillen sich am Palmenstrand. Sie trinken Bier in der Taverne, das löscht den größten Sonnenbrand.
Das Sommerloch ist angekommen. Der Himmel heizt, das Hirn wird hohl. Der Lenz hat seinen Hut genommmen. Ich wünsche ihm: bis dann und lebe wohl.
Im Mittelfeld
Wir tummeln uns im Mittelfeld. Wir meiden die Extreme. Wir pfeifen auf den Rest der Welt und auf das Unbequeme.
Der Ober sticht beim Kartenspiel. Kein Widerspruch wird munter. Er führt zu nichts. Er zählt nicht viel. Es geht den Bach hinunter.
Die Hörner haben wir entschärft. - Gepolstert und gefedert. Und wenn ein Ideal uns nervt, dann wird es gleich gerädert.
Wir liegen haargenau im Trend. Mach mit! Wir sind die meisten. Das ist ein starkes Argument. Das kann sich jeder leisten.
Fehl-Zündung
Das Auto springt nicht an. (Verwässert ist die Zündung.) Der Fahrer wütet dann und sucht nach der Begründung.
Die Kühlerhaube schaut mit schrägem Blick nach oben. Der Unmut lästert laut. Im Anschluss folgt das Toben.
Ein zweiter Startversuch. Der Auspuff raucht Zigarre. (Dann orgelt Fluch auf Fluch.) Auf einmal läuft die Karre.
Ein Streit um des Kaisers Bart
Das Streiten um des Kaisers Bart ist leider weit verbreitet. So wird uns oft die "Gegenwart" durch Haariges verleitet.
Kein Regelwerk erschließt den Sport. Das Mundwerk will sich wetzen. Sogar ein flegelhaftes Wort darf sich ins Unrecht setzen.
Die Wahrheitsliebe wird verjagt. Es gilt, den Sieg zu buchen. Der größte Humbug ist gefragt. (Man muss nicht lange suchen!)
Am Ende ist der Bart gestutzt. Der Kaiser schimpft verärgert. Er fühlt sich schamlos ausgenutzt. Der Streit wird eingekerkert.
Nach höchstens zwei Minuten entbrennt der Streit erneut und kommt in Fahrt. Die ersten Nasen bluten. Denn es geht: um des Kaisers Bart.
Die Liebe macht benommen, wir sehen nicht mehr klar, wir sehen nur verschwommen und alles wunderbar.
Die Liebe stimmt verträglich. Die Katze schnurrt am Herd. Und Freude wird "all"-täglich zu unsrem Steckenpferd.
Die Liebe lässt uns leben. Wir danken ihr dafür. Verträumte Paare schweben zur siebten Himmelstür.
Die Liebe klopft am Herzen. Wir lassen sie herein. Wir flüstern und wir scherzen mit ihr im Mondenschein.
Die Liebe schenkt Vertrauen. Und Schönes steht bereit. Wir könnten sie verbauen. Doch Liebe - verzeiht.
Leider - nichts zu ändern
Die bunten Schirme schießen wie Pilze aus dem Boden. Die Wasserrinnen fließen. Und Wolken platzt der Knoten.
Ein Kind tappt durch die Pfützen und wäscht sich seine Zehen. Was wird ein Schimpfwort nützen? (Es kann nur untergehen!)
Nun flieht die Menschenmenge in große Käuferhallen. Es drängelt das Gedränge. Man lässt es sich gefallen.
Den Reinemachefrauen missfallen feuchte Schuhe. Wenn sie zu Boden schauen, verfliegt die Seelenruhe.
Die Nässe wird zur Plage. Und Gummisohlen kentern. Aber - an der Wetterlage ist leider nichts zu ändern.
Die Suche nach dem Sinn
Du gehst der Endung auf den Leim. Und suchst nach einem zweiten Reim. Es wirbeln Lettern und Gedanken. Und du erkennst das Hirn hat Schranken.
Du wühlst im Kopf. Dir fehlt ein Wort. Doch das Gesuchte weilt nicht dort, wo wir den Haufen Heu durchsuchen. Und ein Erfolg ist nicht zu buchen.
Nach stundenlanger Grübelei beendest du die Sucherei und sprichst zu deinen guten Geistern: "Das Wort-Problem kann niemand meistern!"
Schon kurz darauf wirst du belehrt: Dein Reimversuch war grundverkehrt. Es gibt ein Wort mit gleicher Endung! Nun überprüfst du die Verwendung.
Verbissen jagst du nach dem Sinn. Der Sinn liegt fern, du biegst es hin.
Im Hirn beginnt mein Stroh zu rauchen, und eine Tasse fehlt im Schrank. Mein Kopf ist nicht mehr zu gebrauchen, denn leider ist ein Schräubchen krank.
Verlassen von den guten Geistern verliere ich den Überblick. Das Schwierige ist nicht zu meistern. Mein Weg führt mich ins Suppendick.
Mit Unvernunft bin ich geschlagen. Und somit läuft Gedachtes schief. Mein Vogel pfeift auf meine Fragen. Es geht bergab ins Abgrundtief.
Nun ordne ich den Scherbenhaufen und drehe alle Schrauben fest. Noch darf mein Vogel sich die Federn raufen - doch morgen "blüht" ihm Hausarrest.
Wohl in meiner Haut
Die dicken Hummeln tanzen im warmen Sonnenschein. Nun stellen alle Pflanzen den Winterurlaub ein.
Es gelbt auf feuchten Wiesen. Es grünt am Wegesrand. Die kahlen Sträucher sprießen. Und farbig wird das Land.
Was bleibt?
Es bleibt nicht viel von frühen Tagen. Die Träume sind schon längst verjährt. Und ernstgemeinte Kinderfragen, die bleiben weiter ungeklärt.
Wer schenkt uns heute Süßigkeiten? Wer macht Grimassen nur zum Spaß? Es blödeln weder Albernheiten noch ostereiert junges Gras.
Es bleibt nicht viel von frühen Tagen. Statt Kindheit nur Ernüchterung. Wir müssen es mit Fassung tragen. Und schwelgen in Erinnerung.
Ein Garten
Ein Garten einstmals angelegt, der ist nun stark verwildert. Er wurde lange gut gepflegt, umsorgt, umgärtnert und umhegt. Die Wege ausgeschildert.
Das Unkraut wurde weggezupft. Die Heckenform war g'rade. Das kranke Pflänzchen ausgerupft, der wunde Baum mit Wachs betupft, - die Zier der Promenade.
Die Rosen blühten streng nach Maß in einer lange Reihe. Und wenn sich eine doch vergaß, bekam die Schere ihren Spaß und schnitt den Spross entzweie.
Der Garten wuchert, wie er will. Wer wird das Unkraut jäten? Des Gärtners Herz steht plötzlich still: Der Erbe steht am Gartengrill. Die Spinne spinnt schon Fäden.
Ruhepause für die Sonne
Die Sonne hat sich ausgelacht. Nun graupeln Hagelschauer. Am hellen Tag beginnt die Nacht. Der Wind liegt auf der Lauer.
Und bald darauf pfeift er sein Lied. Es röten sich die Ohren. Zum Küchenherd die Katze flieht, denn sie ist arg verfroren.
Das Barometer an der Wand fällt tief - bis in den Keller. Zugleich rotiert die Zeigerhand als wär' sie ein Propeller.
Die Blume greift zum Schlafanzug und schließt die Blütenblätter. Für heute hat sie wohl genug. Sie flüchtet vor dem Wetter.
Am Himmel hängt das Wolkengrau. Der Schirm geht außer Hause. Die Sonne macht bis demnächst blau und gönnt sich eine Pause.
Wenn die Katze mit dem Hund
Immer wenn die Katze faucht, fletscht der Hund die scharfen Zähne. Wenn es dampft und wenn es raucht, ändern sich die Zukunftspläne.
Falls die Katze Krallen schärft, zerrt der Hund an seiner Leine. Wenn ein Wort das andre nervt, haben Lügen kurze Beine.
Wenn die Katze Mäuse jagt, gräbt der Hund nach einem Knochen. Wenn die Langeweile nagt, wird das Bissige besprochen.
Falls die Katze Junge kriegt, wedelt selbst die Hundehütte. Und der kleinste Streit verfliegt durch die neue Lebensmitte.
Immer wenn die Katze buckelt, fängt der Köter an zu toben. Und es hat sich ausge-"schnuckelt". Fortsetzung: siehe oben.
Tapetenwechsel
Im Sommer wechseln wir Tapeten und reisen in ein Urlaubsland. Wir sparen nicht mit den Moneten. Das Hirngespinst liegt schon am Strand.
Der Weg ist weit. Es staubt die Kehle. Die Karawane stockt im Stau. Nun hupen Affen und Kamele. Die Autoschlange macht Radau.
Verschwitzt, entnervt und angeschlagen erreichen wir das Strand-Hotel. Der Name "Strand" hat nichts zu sagen. Es meckert unser Ziegenfell.
Wir tigern wild und kampfentschlossen zum Chef. Der Worte-Staudamm bricht und ist im Wüstensand verflossen. Denn jener Chef des Hauses spricht: "Danke, ich verstehe nicht!"
Dann schleppen wir die sieben Sachen und eilen brav zur Rezeption. Dort holen wir den Schlüssel, um das Zimmer aufzumachen. Wir üben uns im Plauderton.
Und als wir unsre Suite 9 betreten, sind wir umrahmt von häßlichen Tapeten.
Rund um die "Oase"
Am Tresen steht ein Plastikbaum. Die Pinte heißt "Oase". Gezapfte Hähne spucken Schaum in eine Tulpenvase.
Ein Zecher nimmt am Stammtisch Platz. Der Wirt kommt schon gelaufen. Er bringt ein Bier samt Untersatz. Er kann es leicht verkaufen.
Ein guter Gast schluckt Whisky pur. Sein Faden ist gerissen. Bald muss er auf Entziehungskur. Dem Wirt schlägt kein Gewissen.
Jetzt öffnet sich die Kneipentür. Es heisert eine Kehle: "Ich schmeiße eine Runde Bier für durstige Kamele!"
Mit Alu-Chips war nichts zu machen
Mit Alu-Chips war nichts zu machen Für jeden Käse, jeden Quark, für alle anspruchsvollen Sachen verlangten Händler harte Mark.
Die Währung aus dem "nahen Osten" klang wie ein dünngewalztes Blech. Das senkte zwar Entstehungskosten, doch letzlich war es Künstlerpech.
So schien ein neues Geld von Nöten. Giganten planten einen Tausch. Da freuten sich die letzten Kröten und taumelten im Siegesrausch.
Die Kaufwut ging sehr schnell vorüber. - Die leeren Kassen blitzen blank. Es hüstelt schon das Wohlstandsfieber. Und Ebbe herrscht im Panzerschrank.
Nun träumt ein Land vom Wirtschaftswunder. Die Banken sperren den Kredit. Im Osten geht die Sonne unter. Der wilde Westen macht Profit.
Die Schlote haben nichts zu rauchen.
Die Schlote haben nichts zu rauchen. Es fehlt an Geld und Kapital. Der Tatendrang muss untertauchen. Und die Gehälter werden schmal.
Die Arbeitswut schickt man nach Hause. Der kleine Mann ist missgestimmt. Er möchte keine Ruhepause, weil sonst die Not kein Ende nimmt.
Auf Halden rosten die Maschinen. Es lahmt und hinkt das Förderband. Ein Schwenkarm lässt sich nicht bedienen, weil er zu lange stille stand.
Die Schlote haben nichts zu rauchen. Das macht den Landstrich bettelarm. Ein Raucher ahnt, was Schlote brauchen, und gäbe gerne Großalarm.
Erhitzte Gemüter
Erhitzt sind die Gemüter. Wir schleudern aus der Bahn. Hier schützt kein Ordnungshüter. Es sinnt der Racheplan.
Wir schonen keine Nerven. Das Herz ist tief gekränkt. Der Streit kann sich verschärfen. Und Kluges sinnt beschränkt.
Nun krachen die Geschosse. Die Pfeile tragen Gift. Es schlägt die Haifischflosse, die kleine Fische trifft.
Gerüstet sind die Lügen. Das Wissen läuft Gefahr, sich der Gewalt zu fügen, und pokert, wie es war.
Es blitzen die Gewehre bestückt mit Munition. Wir kämpfen um die Ehre. Die Eintracht kommt - wie durch ein Wunder - mit Müh' und Not davon.
Gedanken schmettern mich zu Boden. Die "Bomben"-Stimmung ist geplatzt. Das Schicksal klopft mir auf die Pfoten. Erfreuliches ist ab-"gekratzt".
Verdrossen rieche ich am Braten. Und schleiche um den heißen Brei. Die Soße ist zu dick geraten. Vor Schreck zerfließt das Spiegelei.
Nun will ich meine Ruhe finden. Das Löffeln fällt mir wahrhaft schwer. Mein Magen muss sich überwinden. Doch schließlich ist der Teller leer.
Die Grübler-Laune wird verjagt. Der Takt bestimmt die Noten. Gedanken werden abgehakt. Dem Frohsinn platzt der Knoten.
An der "Quelle" sitzen
Wer an der Quelle sitzt, erleidet keinen Mangel. Die Sache ist "geritzt", ein Fisch hängt an der Angel.
Ein Wunsch ist kaum erwacht. Bevor das Hirn bestätigt, hat er sich eingebracht. Und alles ist erledigt.
Das Ziel wird schnell erreicht. Der Kopf verlernt zu denken. Der Müßiggang geht leicht, und lässt sich reich beschenken.
Wer an der Quelle sitzt, kann sich im Wasser aalen. Auch wenn er um sich spritzt, er muss dafür nicht zahlen.
Im Frühling schmilzt die Sonne die weiße Winterpracht. Es plätschert allerorten. Es gluckert durch die Nacht.
Am Wegrand wachsen Blumen ins helle Sonnenlicht. Und viele Menschen zeigen ein Feiertagsgesicht.
Von Zweigen zwitschern Vögel, sie zogen bis hierher. Sie weilten in der Ferne und flogen übers Meer.
Im Frühling blüht das Leben in jedem grünen Keim. Ich staune gottergeben und fühle mich in der Natur - daheim.
Plaisir d'Amour
Am Anfang mochten wir uns leiden. Es kam die Liebelei dazu. Dann gab es erste Sticheleien. Nun heißt es: "Schnauze, dumme Kuh!"
Am Anfang gab es Zärtlichkeiten. Es wurden wilde Spiele draus. Dann stritten wir um Nichtigkeiten. Nun heißt es: "Süße, es ist aus."
Am Anfang schwelgten tiefe Blicke, von Mann zu Frau und umgekehrt. Dann zeigten sich die ersten Knicke. Nun heißt's: "Ich bin von dir bekehrt!"
Am Anfang gab es zartes Streicheln vom Kopf zum Dings bis hin zum Zeh. Nun läßt sich keiner mehr erweichen. Nun heißt es: "Autsch, du tust mir weh!"
Am Anfang war es Abenteuer voll Lustgewinn und Phantasie. Nun denkt man nur noch: "Ungeheuer!" und "Schnabeldummes Federvieh!"
Am Anfang schien nur eitel Sonne, dann kam ein Tief mit Regenfront. Das kühlte jedes Herz und jede Wonne. Die Liebe sucht sich einen neuen Horizont.
Bitte - ein kleines Stück
Vom Kuchen will ich nicht das größte Stück. Wer sagt da, dass ich sehr genügsam sei? Ich nehme mir vom kleinen Glück, soviel ich haben kann. Ich bin so frei.
Vom Kuchen bitte nur ein kleines Stück. Vom Großen wird mir eher schlecht. Ein großes Stück vom kleinen Glück ist mir dagegen lieb und recht.
Ideale
Mein Traumgespinst vom Ideal hat viele, tiefe Macken. Die Zeit schert seine Krone kahl. Es fehlen hübsche Zacken.
Der Glaube an den Sinn der Welt erwies sich oft als Niete. Er hat sich auf den Kopf gestellt und fordert dafür Miete.
Dem bunt geblümten Kindertraum fehlt manche weiche Feder. Die Wirklichkeit beherrscht den Raum, sie ist der Übeltäter.
Die Rassefrau der Utopie, die musste ich begraben. Ihr Enkel sitzt auf meinem Knie und lacht mich an. Man muss ihn gerne haben.
In der Stadt
Das Leben flutet kreuz und quer. Es watschelt und es kriecht daher. Vereinsamt grünt ein kleines Blatt - im Herzen einer großen Stadt.
Es strömt und stockt. Es brodelt wild. Was führt der Menschenschwarm im Schild? Nach Augen-Blicken strömt er fort Er sucht sein Glück mal hier, mal dort.
Die Menschen wogen hin und her. Die Stadt gleicht einem Menschenmeer. Das Meer versiegt und dann der Fluss. Die Glocke schlägt zum Ladenschluss.
Hallo, wie geht's
Wenn einer fragt: "Wie geht's denn so?" Dann sagt man flott: "Ganz gut." Die Antwort liegt auf dem Niveau des Fragers. Der ist drüber froh und zückt schnell seinen Hut.
Man wird gefragt, wie's denn so steht? "Es könnte besser sein." Die Antwort passt, egal wie's geht. Selbst wenn ein starker Sturmwind weht. Man bleibt hübsch allgemein.
So manchmal tönt es: "Alter, wie?" "Na ja, wie man's halt nimmt." Dann stöhnt man noch ein "SSÄH LA WIEH". Das trifft die Stimmung irgendwie, gefällt, weil's immer stimmt.
"Was machst du denn, du altes Haus? Schon lange nicht geseh'n. Du siehst ja einfach blendend aus. Es scheint, du lebst in Saus und Braus." - Da bleibt man sprachlos steh'n.
Ich weiß nicht, wie es besser sei, das Frage-Antwort-Spiel. Ich fühl' mich immer doof dabei. Die Antwort steht mir völlig frei und zählt an sich nicht viel.
Doch wenn mich nächstens einer fragt, wie es so geht und steht. dann bin ich schlau: "Die Antwort, die ist schnell gesagt. Ich brauche höchstens soviel Zeit, bis dass die Sonne dreimal untergeht. Doch hinterher weißt du Bescheid."
Empfehlungen
Gib nicht acht auf fremdes Unken. Glaube keiner Litanei, die verkündet, laut und trunken, dass es anders besser sei.
Lausche nicht den hohlen Lehren, die ein andrer in dich zwängt. Jeder Stein wird dich beschweren, wenn er erst im Rucksack hängt.
Tanze nicht nach fremden Pfeifen. Harmlos tönt die Melodie. Doch ein Ohrwurm wird dich greifen, und dann pfeifst du so wie sie.
Schaue hinter die Kulissen, spielt man dir ein Stück vom Glück. Dadurch kannst du schneller wissen: Ist das Glück ein Gauklerstück?
Lass dir von dir selber raten. Sei vor Dummheit auf der Hut. Meistens gehst du mit ihr baden. Und statt Ebbe rauscht die Flut.
Rede-Wendung
Wenn dein Spiegel im Bad dich nicht mehr erkennt, und wenn dir die Suppe im Topf anbrennt, wenn höchstens dein Wasserhahn nach dir kräht, und wenn dir das Wasser bis zum Halse steht, wenn dein Rindvieh in dir in Grasbüschel beißt, und wenn deiner Geduld der Faden reißt, wenn du linken Fußes das Bett verlässt, und wenn du dich bettest im Ameisennest, wenn dir selbst die Zunge zum Halse raushängt, und wenn deine Laus auf der Leber zu rennen anfängt, und wenn du mit deinem letzten Verstand jede Mücke verzauberst zum Elefant, und alles geht krumm und schmeißt dich nieder - dann lach mal wieder!
Guten Abend
Der Abend ist im Gange. Am Himmel thront der Mond. Die Hühner sind schon lange auf ihrer Hühnerstange. Sie sind es so gewohnt.
Am Himmel funkeln Sterne. Der Große Wagen steht. Er parkt in weiter Ferne weitab von der Laterne, an der ein Falter seine Runden dreht.
Nun wird es still und leise. Es zieht der Abendwind die altbewährten Kreise. Und Eulen glotzen weise ... wenn sie nicht gestorben sind.
Herbst
Nun wird der Nebel dichter. Es milcht das enge Tal. Die Weiden trauern lichter. Und morgen sind sie kahl.
Die langen Sonnentage - verblüht und ausgezehrt. Die traubensüße Lage - in Fässer eingekehrt.
Den Wäldern und den Fluren entfleucht die Vogelwelt. Der Wind jagt ihre Spuren. Das Nestgeflecht zerfällt.
Nun wird der Nebel dichter. Und diesig dampft die Stadt. Schon frösteln die Gesichter. Bald reift das welke Blatt.
Mit allen Wassern
Mit allen Wassern bin ich nicht gewaschen. Die sieben Meere sind mir nicht vertraut, so manche Schlange wollte mich vernaschen, doch deren Blicke habe ich durchschaut.
Nicht jede Mühle hat mich kleingemahlen, nicht jeder Lumpenhund hat mich besiegt, gar manches wäre noch zurückzuzahlen, da eine große Rechnung offenliegt.
Auf roten Rosen bin ich nicht gebettet, doch alle Wunder werden wahr, und alle Wogen sind geglättet, wenn nicht sofort, dann bestimmt im nächsten Jahr.
Dezembermorgen
Die Kälte will den Herbst vertreiben. Statt Tau und Nebel glitzert Reif. An den vereisten Fensterscheiben erblühen Blumen - starr und steif.
Die Wedel junger Tannenbäume sind wegen ihres Grüns begehrt. Sie zieren ofenwarme Räume. Ein Hauch von Frühling - bis er wiederkehrt.
Der Zeitvertrag
Hände falten, bitten, flehen, unterwürfig bis zum Zehen, dienstbeflissen, akkurat, emsig, eifrig, stets auf Draht.
Weder Schmutz noch Arbeit scheuen, sich am Aktenstaub erfreuen, freundlich sein bei jedem Schritt und sogar beim Pferdetritt.
Demutsvoll das Schicksal tragen, niemals murren, niemals klagen, bis der letzte Hammer fällt, bis es feststeht: "Ausgestellt!"
Hände falten, bitten, flehen, keinem auf die Nerven gehen, denn es steht im Zeitvertrag: Morgen - letzter Arbeitstag.
Es ist der ...
Wer ändert täglich die "Frisur"? Wer achtet auf die Sonnenuhr? Wer macht so manchen Schläfer toll? Wer ist im Monat einmal voll?
Wer wird bei Dunkelheit erkannt? Wer fährt seit altersher Trabant? Wer tut im Finstern seine Pflicht? Wer schickt auf fremde Rechnung Licht?
Wer schleicht am Firmament entlang? Wer kommt nach Sonnenuntergang? Wer lebt dort, wo sonst niemand wohnt? - Es ist der Mann, der Mann im Mond.
Unverständliches
Du tappst in jede Mausefalle und jede Lüge schnappst du auf. Du liebst das Chaos und Krawalle. Den Bockmist nimmst du gern in Kauf.
Im Wirrwarr pflegst du, dich zu baden. Du schwimmst dich für Sekunden frei. Statt Wohlgenuss grüßt dich der Schaden, du trauerst tief und lachst dabei.
In tiefe Täler jagt dein Wagen. Der Abgrund leckt sein breites Maul. Das kostet dir erst Kopf dann Kragen. Die Sache stinkt, denn sie ist faul.
Wer zwingt dich, diesen Weg zu wählen? Wie heißt der Teufel, der dich packt? Wen willst du bloß mit all dem quälen? Ist dies ein Plan, ein Racheakt?
Du suchst im Trubel deine Ruhe. Du suchst das Sonnenlicht bei Nacht. Und in der alten Wäschetruhe - die ungezählte Sternenpracht.
Fräulein Nasehoch
Aufgetakelt, grell geschminkt tänzelt Fräulein Nasehoch durch die Stadt, die blickend winkt. Doch sie äugt zum Himmel noch.
Duft verströmend schreitet sie auf den Stöckeln - pfenniggroß. Und der Schlitz knapp unterm Knie legt den Reiz des Fräuleins bloß.
Blicke blicklos - reserviert. Wimpernklimpern - eingestellt. Vornehm wird die Stadt studiert, als Madame der feinen Welt.
Leider sieht ein Hochmut nicht, wo ein Hund den Weg verdreckt, falls ein Strauchwerk außer Sicht, falls er keinen Baum entdeckt.
Fräulein Nasehoch schlurcht rein. Hundekot am Stöckelschuh. Und ich werde hundsgemein, denn meine Schadenfreude - lacht dazu.
Mein Narrenschiff
Es wehen bunte Wimpel auf meinem Narrenschiff. Mein Lotse lallt betrunken. Wir steuern auf ein Riff.
Der Felsen bleckt die Zähne. Das Schiff so morsch, so schwach. Ich streiche schon die Segel. Ein Riff gibt niemals nach.
Es zetern weiße Möwen. Sie ahnen, was geschieht. Sie kennen diese Klippen. Es ist ihr Brutgebiet.
Mein Schiff treibt mit der Strömung. Ein Möwenweibchen krächzt. Am Himmel lacht die Sonne. Der Bootsmast stöhnt und ächzt.
Mein Narrenschiff ging baden. Mein Narrenschiff versank. Es blieb ein kleiner Schaden. Dem Riff sei dennoch Dank.
Die Gedanken sind frei
Die Gedanken trommeln leise, schnattern aufgeregt und toll, drehen sich verzwickt im Kreise, tönen hohl- und würdevoll.
Keiner kann sich in dich denken. Denke wie es dir beliebt. Niemand kann dein Denken lenken, wenn dein Vogel in dir piept.
Was du denkst, denkst du alleine. Heimlich schleicht Gedachtes fort. Doch Gedanken haben Beine, sprichst du über sie ein Wort.
Die Gedanken brummeln leise. Manche träumen wunderbar. Manche stehen auf dem Abstellgleise. Und manche werden wahr.
Der perfekte Tag
Steinern schmeckt der Hefezopf. "Wasser!" schreit der Blumentopf. Dafür macht mein Müll Gestank. Und mein Portemonnaie ist krank.
Lampenbirnen sind verglüht. Blütenblätter: welk, verblüht. Selbst das Fahrrad lächelt platt, weil es keine Luft mehr hat.
Tassen kriegen einen Sprung. Und vom Strom die Sicherung rastet aus, was mich erschreckt. Dieser Tag ist echt perfekt.
Deshalb raus zum Baggersee. Doch ein Steinchen reibt am Zeh. Und ein Muskel macht mir Dampf, denn er windet sich im Krampf.
Wolkenbruch - ich werde nass. Rutschig ist das feuchte Gras. Und ich falle, doch ich lande, Dieser Tag ist eine Schande.
Mehrere Bitten
Zeigt mir nicht die schlechten Seiten. Weist mich auf das Gute hin. Nennt mir Sterne, die mich leiten, wenn ich ohne Richtung bin.
Lasst nicht meinen Hader gelten, falls er zänkisch zu euch spricht. Wenn ihr wollt, dürft ihr mich schelten: "Lieber Freund, das tut man nicht!"
Wenn verhexte Dinge drücken, blast nicht in das gleiche Horn. Schiebt mich - drängt mich - zu entrücken. Sagt: "Nun denk noch mal von vorn."
Lehrt mich, daß ein Nieselregen mangels Masse enden muss. Und dass ich nicht seinetwegen baden soll im Weltverdruss.
Weist das Schlechte in die Schranken. Zeigt mir, wie es besser sei. Rettet mich zu dem Gedanken: Alles Schwere geht vorbei.
Wünsche für den Tag
"Ich wünsche, wohl geruht zu haben. Der neue Tag ist nicht mehr weit. Noch liegst du weich, im Bett vergraben. Doch nicht mehr lang, dann schlägt die Zeit.
Wie wird der Alltag dich belehren? Erreichst du dein gestecktes Ziel? Musst du dich von dir selbst bekehren? - Das Morgengrauen spricht nicht viel.
Sei unbesorgt und unbefangen. Die Kuh gibt Milch. Die Kuh macht Mist. Doch zeige bitte kein Verlangen nach dem, was nicht zu ändern ist.
Nimm fremde Tränen ernst und wichtig. Denn manches geht im Leben krumm. Doch sei für Falschheit uneinsichtig, bei Ränkespiel verharre stumm.
Ich wünsche, ungetrübt zu tagen. Sei ohne Furcht. Sei frohgemut. Den Fliegendreck musst du ertragen. Nun geh mit Gott. Mach's gut."
Wenn ich weine, wenn ich klage,
Wenn ich weine, wenn ich klage, eilt das Elend in mein Haus, und es stellt mir manche Frage, doch die Antwort steht noch aus.
Wenn ich schelte, wenn ich fluche, brüllt ein Echo scharf zurück, und die Ruhe, die ich suche, dient dem Zorn als Beutestück.
Wenn ich tobe, wenn ich schreie, fliegt ein Bumerang als Strich durch mein Schlüsselloch ins Freie. Doch am Ende trifft es mich.
Wenn ich wie ein Ochse brülle, wenn ich knurre wie ein Hund, fällt des Lebens bunte Fülle einem Haifisch in den Schlund.
Wenn ich singe, wenn ich lache, bittet mich die Welt zum Tanz, und die Taube auf dem Dache windet mir den Lorbeerkranz.
Es naht ein neuer Frühling,
Es naht ein neuer Frühling, dann blüht das Leben bunt, dann palmen kahle Zweige, und Knospen prallen rund.
Dann blaut der Himmel freundlich, geschmolzen ist der Schnee. Es grünen braune Felder. Entwintert liegt der See.
Dann nisten bunte Vögel in meinem Apfelbaum. Sie zwitschern in den Morgen, und alles ist ein Traum.
Es summen Honigbienen im gelben Blütenmeer. Die Schmetterlinge flattern vor Freude hin und her.
Es naht ein neuer Frühling, dann weht ein milder Wind, dann strahlen Sonnentage und Glück - beginnt.
Vorüber und vorbei
Verblüht, verwelkt, entblättert, vorüber und vorbei. Geblitzt, gedonnerwettert, verschwunden und entzwei.
Die Liebe kam abhanden. Vom Glück fehlt jede Spur. Die glitzernden Girlanden entsorgt die Müllabfuhr.
Im Hausflur hängt der Segen am dünnen Fadenstrang. Die Wolken künden Regen. Bald gießt es stundenlang.
Der Frühling ist vergangen. Die Zeit dreht sich zurück. Es fröstelt das Verlangen. Es friert das Liebesglück.
Getrübt, verweht, verloren, ver-herzt und vogelfrei. Gekürzt und kahl geschoren, vorüber und vorbei.
Im siebten Himmel
Im siebten Himmel fliegen Tassen. Im siebten Himmel gibt es Krach. Und was geschieht, ist nicht zu fassen. Herzbube droht mit Dauerschach.
Die Dame zwickt mit ihrer Mühle. Worauf das Pulver explodiert. Man drischt und flegelt die Gefühle. Das Stroh im Kopf wird strapaziert.
Die Luft, so dick wie Bohnenbrühe. Kein Blatt verschließt das Lästermaul. Die Dame zischt mit letzter Mühe: "Aus den Augen, Klappergaul!"
Nun ist es still im siebten Himmel. Nun ist zu Ende das Latein. Entwiehert äugt ein schwarzer Schimmel auf ein gerupftes Hühnerbein.
Im siebten Himmel streicheln Geigen. Denn Gestern ist ja längst passe. Der siebte Himmel wird dir zeigen: Was gestern war, tut heute nicht mehr weh.
Wünsche
Ich wünsche mir ein dickes Fell. Die Krallen einer Katze. Ein Wolfsgeheul, ein Hundsgebell. Und eine Bärentatze.
Ich wünsche mir ein Sternenzelt mit einem Großen Wagen. Den Zustand einer heilen Welt. Den Traum aus Kindertagen.
Ich wünsche mir ein Waldversteck mit Ruhe statt Gewimmel. Ein frohes Herz am rechten Fleck. Und einen siebten Himmel.
Ich wünsche mir zur Weihnachtszeit die Flocken von Frau Holle. Es liegt mir nichts an einem Streit mit eines andern Wolle.
Ich wünsche mir ein tröstend Wort, wenn Krokodile weinen. Ich wünsche jedem einen Ort, wo seine Sonnen scheinen.
Weil die Richtung stimmt
Jage durch das Meer von Sternen. Sause mit dem Wind. Schwirre um die Gaslaternen, die erleuchtet sind.
Ziehe wie ein Beduine durch den Wüstensand. Summe gleich der Honigbiene um den Blütenrand.
Pfeife auf die dummen Fragen. Wähle ein Versteck. Stapfe an verflixten Tagen lächelnd durch den Dreck.
Tanze Tango auf der Brücke, die kein Ende nimmt. Bald bist du in deinem Glücke, weil die Richtung stimmt.
Gute Vorsätze zum neuen Jahr
Ich will den Eseln keine Rosen pflücken. Das wäre nicht in ihrem Sinn. Sie schlittern gerne voll Entzücken auf spiegelglattem Eis dahin.
Ich will mit Flöhen keinen Umgang pflegen, sonst bin ich Tag und Nacht geschafft. Wenn Flöhe husten, hilft dagegen ein Kräutertee mit Hustensaft.
Ich will dem Löwen nicht die Mähne stehlen. Er würde wild und sähe rot. Die Absicht wird ihr Ziel verfehlen. Am Ende bin ich mausetot.
Ich will bei Geiern nicht zu Tische weilen. Es ekelt mich der Aasgeruch. Ich möchte nichts mit ihnen teilen und nagte ich am Hungertuch.
Die Siebensachen
Ihr packt nun eure Siebensachen. Schon fehlen Bilder an der Wand. Ihr müsst euch an die Arbeit machen, denn ihr zieht um, und zwar aufs Land.
Es füllen sich die Umzugskisten. Und dabei leistet ihr den Schwur, jetzt einmal gründlich auszumisten. (Das wandert dann zur Müllabfuhr.)
Trotz Großeinsatz und Händereiben verläuft nicht alles reibungslos. Das soll euch nicht zum Wahnsinn treiben. Der Aufwand ist halt riesengroß.
Das Chaos wird sich aber lohnen. Drum haltet durch und haltet aus. Bald werdet ihr im Grünen wohnen in eurem Einfamilienhaus.
Verliebt bis über beide Ohren. Gleich wirkt der graue Alltag bunt. Und ein Gefühl: Wie neugeboren. Und tief im Herzen geht es rund.
Gedanklich bin ich ausgelassen und träume vorwärts und zurück. Es ist natürlich nicht zu fassen. Was auch geschieht: Mir winkt das Glück.
Die gute Laune steigt nach oben. Und wenn die Trübsal mich umgibt, wird sie verdrängt und fortgeschoben: Ich bin von Kopf bis Fuß verliebt.
Zur Weihnachtszeit
Der Weihnachtsmann schnürt die Pakete, denn auf der Erde herrscht Advent. Die Wünsche und die Stoßgebete entziffert er dem Pergament.
Er hat zu tun und ist in Eile. Nun heißt es handeln: Zug-um-Zug. Elf Monate der Langeweile vergingen wieder mal im Flug.
Unglaublich lang ist seine Liste. Die Wünsche werden immer mehr. Was ich als Weihnachtsmann gern wüsste: Wo nehme ich die Mittel her.
Es fehlt mir selbst an Wohl und Frieden. Und darauf käme es doch an. "Ich kann es längst nicht jedem bieten!" Das wurmt den lieben Weihnachtsmann.
Immer mit der Ruhe
Der Bummelzug kennt keine Eile. Er hasst die Hochgeschwindigkeit. Man braucht mit ihm für eine Meile sehr viel Geduld und recht viel Zeit.
"Fahr schneller!" lautet oft die Bitte. Der Zug schlägt diesen Antrag aus. Er hält an jeder Hundehütte mit angebautem Fachwerkhaus.
Der Krokus
Der Krokus spitzt aus seiner Zwiebel, denn innen wird es ihm zu heiß. Er schaut vom Garten hin zum Giebel, dort hängen Zapfen voller Eis.
"Bin ich etwa zu früh gekommen? Wir schreiben doch schon Mitte März. Der Schnee hat noch nicht abgenommen. Das ist ein dummer, übler Scherz.
Wo bleiben warme Sonnenstrahlen. Die Kälte ist mein schlimmster Feind. Mit meinen Reizen will ich prahlen. Was aber aussichtslos erscheint."
Der Krokus friert bis in die Zehen. Er fiebert und hat Schüttelfrost, und das ist nicht zu übersehen. Die Zwiebel reicht ihm Krankenkost.
Bald muss die Kälte Leine ziehen. Das steht im Jahreszeit-Vertrag. Das bringt den Krokus dann zum Blühen an einem milden Frühlingstag.
Wiegenlied
Nun ist es höchste Zeit zu schlafen. Es schnarcht bereits das Känguru. Das Segelboot liegt längst im Hafen. So schließe beide Augen zu.
Die Sterne schenken dir Geschichten vielleicht von einem Schmetterling. Und morgen kannst du mir berichten, was in den Träumen vor sich ging.
Dein Kuscheltier gähnt auf dem Kissen, und wünscht dir eine "Gute Nacht". Vom Mann im Mond, das sollst du wissen, wirst du bis morgen früh bewacht.
Jahr für Jahr ein neues Wunder. Kahle Bäume werden grün. Und die Welt wird wieder bunter, weil die ersten Veilchen blüh'n.
Unser Wünschen, unser Hoffen, wurden, wie es so schön heißt. Noch bei weitem übertroffen. Was das Glücksgefühl beweist.
Hell und heiter sind die Tage. Große, Kleine, Alt und Jung nutzen nun die Parkanlage gern und mit Begeisterung.
Im Kiefernhain
Im Kiefernhain wächst eine Buche. Tagtäglich wird sie ausgefragt: Was sie denn eigentlich hier suche? Doch was sie denkt, bleibt ungesagt.
Sie hüllt sich würdevoll in Schweigen. Sogar die Blätter rascheln "stumm". Sie will auch keinen Missmut zeigen, bei diesen Fragen: Nach Warum?
Ein Vogel hat sie einst begraben. Sie war gedacht als Winter-Fraß. Dann konnte sie die Freiheit haben, weil er den Futterplatz vergaß.
Erst wurzelte sie etwas tiefer, und dann zum Licht und schon sehr bald sah sie die allererste Kiefer. Nun steht sie mittendrin im Wald.
Und eines Tages sprach die Buche: Ich schätze, ihr begreift es kaum, was ich im Endeffekt hier suche: ist Heimat und 'nen Lebensraum.
Kein Wind rauscht in den Bäumen. Die Blätter schlafen fest. In ihren Kronen träumen die Kids vom Vogelnest.
Der Anzug hängt am Bügel. Das Tagwerk ist vollbracht. Und alles streckt die Flügel. Und wartet auf die Nacht.
Nur Neonlichtlaternen sind munter nächtelang, und zwinkern zu den Sternen nach Sonnenuntergang.
Die Gitarre
Sie quasselt keine großen Worte. Der Grund: Sie hält nicht viel davon. Sie spielt Piano oder Forte und sie vergreift sich nicht im Ton.
Ich kann sie daher sehr gut leiden, und lausche ihrem Sound und Klang. Mit Takt soll sie mich stets begleiten bei Hausmusik und bei Gesang.
Sie kennt nur die erlaubten Griffe, die Stimmungslagen Dur und Moll. Und hangelt sich durch Notenriffe. Bei Pausen schweigt sie würdevoll.
Und weil ich mich an ihr erfreue mit wachsender Begeisterung, so halte ich ihr gern die Treue: Doch sie macht einen Saitensprung.
Der Flieder
Im Nachbargarten blüht ein Flieder. Er leuchtet dunkelviolett. Und ich betrachte hin und wieder die Farbenpracht vorm Fensterbrett.
Sein süßer Duft lockt Arbeitsbienen und viel Getier aus nah und fern. Den Nektar, den sie sich verdienen, den haben sie besonders gern.
Nach ein paar violetten Wochen und in der schönsten Frühlingszeit hat er sein Schauspiel abgebrochen. Und trägt ein schlichtes, grünes Kleid.
Der Tag hat endlich seine Ruhe. Er zieht bereits das Nachthemd an. Im Hausflur dösen Straßenschuhe: Die haben ihre Pflicht getan.
Nun legt der Tag sich ein paar Stunden in sein gesterntes Himmelbett. Bald hat er einen Traum gefunden. Der Mond scheint auf das Fensterbrett.
Um sechs Uhr früh schrillt laut der Wecker. Der Tag steht widerwillig auf, macht Katzenwäsche, eilt zum Bäcker. Und nimmt dann den gewohnten Lauf.
Viel Lärm um Nichts - dann Mittagessen - Der Koch ist wieder mal zu loben. Den Rest kann man getrost vergessen. Dann naht der Zeitpunkt: Siehe oben.
Selbst wenn was schiefgeht, will ich lachen ich bin ein Mensch, kein Automat. Wie einfach ist das Fehlermachen. Und ständig bin ich nicht auf Draht.
Nichts soll mich aus der Fassung bringen. Kein Wortgefecht, kein scheeler Blick. Nichts soll mich in die Knie zwingen. Nicht einmal die Pauschalkritik.
Hält einer 'ne Gardinenpredigt und zielt dabei speziell auf mich. Dann ist er für mich glatt erledigt. Es sei denn, er entschuldigt sich.
Hausarbeiten
Es gilt, die Fehler auszubügeln, und vor der eignen Tür zu kehren, das Durcheinander neu zu zügeln, sowie sich seiner Haut zu wehren.
Ein wenig auf den Putz zu klopfen, das Brett vorm Kopf in Stücke hacken, das große Haushaltsloch zu stopfen, und dann die Brötchen klein zu backen.
Es gilt auch, reinen Tisch zu machen, und jeden Quälgeist zu vertreiben. Dann kann man wieder scherzen, lachen. Doch: Immmer auf dem Teppich bleiben!
Standhaft
Wo ich am liebsten stehe, vergeht die Zeit im Flug. Du bist in meiner Nähe, das ist mir längst genug.
Und stehst du mir zur Seite. so will ich zu dir steh'n. Das wäre für uns beide, beständig zauberschön.
Wo ich am liebsten stünde? Das ahnst du sicherlich. Mein Herz erklärt die Gründe, und sagt, ich steh' auf dich.
Ich kann mich wirklich nicht beklagen. Mein Job: ein alter Menschheitstraum. Ich bin das fünfte Rad am Wagen und liege faul im Kofferraum.
Nur wenn ich lang im Dunklen tappe, verdriest die auferlegte Pflicht. Doch schließlich öffnet sich die Klappe. Und alles glänzt im neuen Licht.
Dicht neben mir - für alle Fälle - ein aufklappbares Warndreieck. Und rührt es sich von seiner Stelle, durchfährt mich stets ein großer Schreck.
Doch meistens harre ich der Dinge. Kann sein, ein Reifen wird bald platt. Und wenn ich in die Bresche springe, ist jeder froh, daß er mich hat. Dann kann ich stolz und prahlend sagen: Ich bin das fünfte Rad am Wagen.
Ein Höhenflug hat eigenwillig den Weg zum Gipfel abgekürzt. Er dachte, das sei recht und billig. Doch dabei ist er abgestürzt.
Ein Hebel hatte sich verkantet, und der Pilot stand auf dem Schlauch. Ein Treffer wurde zwar gelandet, doch ungewollt - und auf dem Bauch.
Verteufelt wird der Traum vom Fliegen, wenn er uns aus den Träumen reißt. Sobald wir auf der Nase liegen, geht uns die Sache auf den Geist.
Es darf sych nyrgends sehen lassen. Eyn Trauma seyner Eygenschaft. Man wyll sych nycht myt yhm befassen. Warum: das yst yhm schleyerhaft.
Schon häufyg hat es laut gejammert: "Was myr geschyeht, grenzt an Betrug. Vom Daseyn byn ych ausgeklammert. Es reycht myr jetzt. Es yst genug.
"Keyn deutsches Wort yst myr geblyeben. Ych wurde schamlos abgesetzt. Man hat mych nycht mehr abgeschryeben. Meyn Stolz yst abgrundtyef verletzt."
Eyn "Mauerblümchen" zu verschenken, grad frysch gepflückt ym Alpha-Beet. Yhr sollt es nycht mehr länger kränken. Nehmt es yns Wort, so gut es geht!
Es fällt zwar etwas aus dem Rahmen und yst eyn Dynosauryer-Typ myt seynem superlangen Namen. Doch wenn yhr wollt, sagt eynfach Yp.
Ich war eine Dose
Ein Yoghurt steht im Kühlregal. Ihm gegenüber glänzt die Dose. Denn Waren stecken nun einmal- in einer Jacke oder Hose.
"Mein Plastik ist in dich verliebt, " so werbesprucht der Yoghurtbecher, "die schönste Dose, die es gibt, bist du allein, mein Herzensbrecher.
Weitab von der Betriebsamkeit will ich dir treu zu Füßen liegen. Dann können wir zu jederzeit uns ungestört und nett vergnügen.
Ich freue mich, mein blanker Schatz, dass ich sehr bald die deine werde am Treffpunkt: Schuttabladeplatz, dem kunterbunten Fleckchen Erde.
Der grüne Punkt macht es uns schwer. Sie wollen uns für immer trennen. Und kommst du plattgewalzt daher, dann bist du nicht mehr zu erkennen.
Daydream I
Ich sitze da, du bist nicht hier. Natürlich ist das schade. So gerne wäre ich bei dir! Was machst du denn gerade?
Standhaft
Wo ich am liebsten stehe, vergeht die Zeit im Flug. Du bist in meiner Nähe, das ist mir längst genug.
Und stehst du mir zur Seite. so will ich zu dir steh'n. Das wäre für uns beide, beständig zauberschön.
Wo ich am liebsten stünde? Das ahnst du sicherlich. Mein Herz erklärt die Gründe: Ich stehe voll auf dich.
... völlig von den Socken
Der Gletscher schmilzt. Ein Eisberg taut. Nun will ich dir gestehen. Ich habe mich in dich verschaut und muss dich wiedersehen.
Gedanklich bin ich quietsch-vergnügt. Es trällert, singt und schmettert. Ich weiß genau, woran das liegt: Mein Herz hat sich verheddert.
Es denkt mich flockig, federleicht. Die Schwerkraft: aufgehoben. Das hat allein dein Charme erreicht. Die Post geht ab - nach oben.
Du wirfst mich fast aus meiner Bahn, mein Herzschlag kommt ins Stocken. Ich bin von dir echt angetan und völlig von den Socken.
Ach ja ...
Ich kann dich nur von weitem grüßen. Gedanklich bin ich noch bei dir. Ich läge gern zu deinen Füßen. Doch du bist dort, und ich bin hier.
Wir könnten nett spazierengehen im Mondenschein auf schmalem Pfad. Jedoch du wohnst, so kann ich sehen auf einem andern Längengrad.
Es sind so viele Kilometer und morgen früh ein Arbeitstag. Nun nehme ich Papier und Feder, und schreibe dir, dass ich dich mag.
Ein Liebesbrief
Es kam von dir ein Liebesbrief. Ich fing gleich an zu träumen. Da mußte das Atlantiktief die Wolkenfelder räumen.
Mein Hoch war stärker als sein Tief, denn du hast mir geschrieben. Du siehst daran: Es ist dein Brief nicht wirkungslos geblieben.
Unerklärlich
Die grünen Äpfel reifen. Die Wiese schießt ins Kraut. Es ist nicht zu begreifen, und dennoch wohl vertraut.
Seitdem die Winde wehen, verhärtet sich die Nuss. Es ist nicht zu verstehen. (Der Weisheit letzter Schluss!)
Wenn Herzen sich verbünden, dann grünt der Wüstensand. Es ist nicht zu ergründen. Hier scheitert der Verstand.
Im Wald der wilden Beeren verzaubert mich ein Blick. Es ist nicht zu erklären! Ein märchenhaftes "Miss"-Geschick.
Daydream II
Mit den Füßen auf dem Boden. Eingestaubt vom Jetzt und Hier: Ampeln, Lärm und Straßenknoten. In Gedanken: neben dir.
Dann auf stillen Fahrradwegen. Keine Hand am Klingelknopf. Links und rechts der Erntesegen. Dein Gesicht in meinem Kopf.
Nach der Rast, beim Däumchendrehen unter einem Apfelbaum, kommt die Gegenwart zum Stehen. Du begegnest mir im Traum.
Guter Dinge, traumbeladen, trete ich den Heimweg an. Und du wirst mein roter Faden. Und ich hänge sehr daran.
Mit den Füßen auf der Erde. Spürbar da - und doch nicht hier. Denn mein Herz, das unbeschwerte, flog davon und flog zu dir.
Kalter Kaffee
Manche Liebe ist verflossen. Heiße Blicke - tiefgekühlt. Liebesschwüre - einst geschlossen, hat die Zeit ins Meer gespült.
Ausgetauschte Zärtlichkeiten sind verstaubt, geringgeschätzt. Und der Traum aus jenen Zeiten ist verblasst und abgewetzt.
Nirgends brennt das heiße Feuer. Es ertrank im Liebesrausch. Doch verflossne Abenteuer liefern Stoff für einen Plausch.
Ein Streit
Ein Streit kommt listig angeschlichen und frozzelt uns mit Nadelstichen. Erst ziept es harmlos, doch es juckt. Und falls er in die Suppe spuckt. Dann geht man ihm an seinen Kragen. Ein Streit, der kann das nicht vertragen. Er wehrt sich heftig und versprüht uns Gift und Galle ins Gemüt. Nun will man keinen Ausweg suchen. Man schimpft erbost und pflegt das Fluchen. So bleibt man in den Streit verstrickt. Der Satan hat uns das geschickt. Statt sich an Schönem zu erfreuen, beginnt man mit dem Wiederkäuen der lang verjährten Bitterkeit. Ein Eigentor, so mancher Streit.
Die Antwort steht noch aus
Seit gestern bin ich wie gelähmt und die Gedanken schweigen. Es scheint, ich habe sie vergrämt, weshalb sie mich bestreiken.
"Ich bin mir keiner Schuld bewusst", beteuert mein Gewissen. Es klopft mir dreimal an die Brust und bettet sich auf Kissen.
Wer zieht im Hirn die Bremse an? Wer sandet das Getriebe? Bin ich gefesselt durch den Bann der neu-entflammten Liebe?
Die Antwort steht zur Zeit noch aus. Mein Hirn hält sich in Schranken. Doch fliegt die Liebe in mein Haus, - so will ich mich bedanken.
Versiebt
Der siebte Himmel wölkt versiebt. Es krokodilen Tränen. Die große Liebe schaut betrübt. Es strauchelt unser Sehnen.
Das Mundwerk flucht. Der Herzschlag schmollt. Wir flegeln ungezogen. Es blitzt. Es kracht. Ein Donner grollt. Das Glück hat uns betrogen.
Bald endet unsre Seelenpein. Das Herz wird umgewandelt. Denn Altes will vergessen sein. Ein schönes Neues stellt sich ein, dann wird be-"herzt" gehandelt.
Freundschaftsangebot
Das Saatgut schenkst du mir zu treuen Händen. Ich danke dir und fühle mich bewegt. Vielleicht ergrünt es zwischen meinen Wänden, vielleicht erwächst ein Baum - wird Schatten spenden, vielleicht ein Strauch, der Früchte trägt.
Mir fällt es schwer, die Namen zu benennen, von dem, was jeweils in der Schale steckt. Doch später lerne ich die Pflanzen kennen und werde sie bei ihren Namen nennen. Sobald ein jeder Same sich zur Sonne streckt.
Ein Same ist gepflanzt durch schöne Sachen: Begegnung, Rück-sicht, Eigenheit. Bewässert wird der Samen durch das Lachen, durch Streiten über: wie es richtig machen. Mir bleibt die Hoffnung, dass das Saat-"gut" gedeiht.
Augen-Blicke
Du bist auf meiner Wellenlänge. Ich habe mich in dich verschaut. Die Harfen zupfen Zauberklänge und Schnulzenlieder trällern laut.
Dein Augen-Blick hat mich getroffen. Du hast mein Herz dadurch stibitzt. Die Grenze fällt, der Weg ist offen. Die Außenwelt ist abgeblitzt.
Es ist mir wohl in deiner Nähe. Die Liebe lebt vom Augen-Blick. Es riecht nach Blumen und ich sehe den Erdenhimmel und sein Glück.
Du wanderst südwärts, ich nach Norden. Der Augen-Blick geht nie vorbei. Aus unsrem Glück ist nichts geworden. - und unsre Herzen brechen nie entzwei.
Die Nähe
Man zeigt sich offen, aufgeschlossen und lässt die Nähe gerne zu. Man lacht ganz herzlich - unverdrossen. Die Seele pfeift auf ihre Ruh.
Was könnte je das Wasser trüben? Die Hoffnung steht für uns bereit. Wir geben gerne, und wir lieben in herzvereinter Offenheit.
Doch trügen diese schönen Zeichen, denn jeder braucht auch sich allein und seine eignen Fragezeichen und selbst erwähltes Glücklichsein.
Allmählich häufen sich die Schranken. Es folgt ein erster Donnerstoß. Die Nähe schmiedet Fluchtgedanken und eines Tages zieht sie los.
Zunächst befällt uns tiefe Trauer. Das Dasein lastet furchtbar schwer. Es stürmen Hagel, Regenschauer. Vertraulichkeiten gibt's nicht mehr.
Nun wird Vertrautes zugemauert. Die Schranke bleibt für immer zu. Der Himmel weint, das Herz bedauert. Was Nah war einst - wird zum Tabu.
Plaisir d'Amour
Am Anfang mochten wir uns leiden. Es kam die Liebelei dazu. Dann gab es erste Sticheleien. Nun heißt es: "Schnauze, dumme Kuh!"
Am Anfang gab es Zärtlichkeiten. Es wurden wilde Spiele draus. Dann stritten wir um Nichtigkeiten. Nun heißt es: "Süße, es ist aus."
Am Anfang schwelgten tiefe Blicke, von Mann zu Frau und umgekehrt. Dann zeigten sich die ersten Knicke. Nun heißt's: "Ich bin von dir bekehrt!"
Am Anfang gab es zartes Streicheln vom Kopf zum Dings bis hin zum Zeh. Nun lässt sich keiner mehr erweichen. Nun heißt es: "Autsch, du tust mir weh!"
Am Anfang war es Abenteuer voll Lustgewinn und Phantasie. Nun denkt man nur noch: "Ungeheuer!" und "Schnabeldummes Federvieh!"
Am Anfang schien nur eitel Sonne, dann kam ein Tief mit Regenfront. Das kühlte jede Herzes-Wonne. Die Liebe sucht sich einen neuen Horizont.
Mit einem Wort
Erstaunt, entzückt, ergriffen, beflügelt und beschwingt. Vor Freude wird gepfiffen. Ein Jubellied erklingt.
Beseelt, beglückt, begeistert. Vom Guten reich beschenkt. Und Schweres wird gemeistert, indem das Schöne denkt.
Zufrieden, traumverloren. Verzaubert und entrückt. Im Herzen neu geboren. (Das ist durch dich geglückt!)
Durchtränkt, durchspült, durchdrungen, vom Nichts, das mich umgibt, und von Erinnerungen. Mit einem Wort: verliebt.
Am Viaduct in Altenbeken
Apfelbaum und Weidegrund. Blumen an der Mühle. Hand in Hand und Mund auf Mund. Herr-liche (Frau-liche) Gefühle.
Richtungslos und ohne Ziel. Weiße Wolken treiben. Reden, Schweigen, Zungenspiel. Nasen, die sich reiben.
Gute Luft statt Abendbrot. Zuckersüße Stunden. Himmelblau und Wangenrot haben sich gefunden.
Fühlen, Spüren und Genuss. Lippen kommen sich entgegen. Ungesagtes sagt ein Kuss - am Viaduct in Altenbeken.
Von der hohen See
Ein kleiner Fischerhafen denkt an die hohe See. Das lässt ihn nachts nicht schlafen. Die Sehnsucht tut fast weh.
Er fragt den Schaum der Wellen: "Was führt euch bis hierher? Sollt ihr mir was bestellen vom aufgewühlten Meer?"
Es plätschert un-un-endlich. Und eine Woge spricht - für Fremde unverständlich. Der Hafen hört es nicht.
Das macht ihn manchmal grantig, dann brummelt er verstimmt: "Was juckt mich der Atlantik, wenn er nicht zu mir schwimmt!"
Doch abends schaut der Hafen hinauf zum Großen Bär. Und denkt, anstatt zu schlafen, ans weite, weite Meer.
Du hast mir den Kopf verdreht
Wo ist jetzt vorn, und wo ist hinten? Die raue Wirklichkeit verschwimmt. Und GUT hoch ZWEI ist mein Befinden, weil mich ein Traum gefangen nimmt.
Wo ist jetzt oben, wo ist unten? Gedanken schwirren durch den Raum. Die Freude macht jetzt Überstunden. Das Herz schlägt einen Purzelbaum.
Wo ist jetzt außen, wo ist innen? Ein Wunder hat mich schön verwirrt. Und seitdem bin ich nicht bei Sinnen. Ich habe mich in dich "verirrt".
Wo ist die Nähe, wo die Weite, wenn jede Schranke offensteht? Ich denke mich an deine Seite, denn du hast mir den Kopf verdreht.
Nicht mehr grün
Wir sind uns um den Hals gefallen. Es war ein Traum, ein Höhenflug, ein Paradies, ein Wohlgefallen, ein Rausch bei jedem Atemzug.
Wir fanden schmeichelhafte Worte, so wunderbar, so lieb, so nett. So süß wie eine Sahnetorte. Und melodiös wie ein Duett.
Du warst mein Herz, ich deine Wonne. Wir tanzten trunken, sorgenfrei, durch Abendlicht, durch Morgensonne. Doch nun: vergessen und vorbei.
Wir sind uns auf den Leim gegangen. So konnte keine Blume blüh'n. Es hatte herrlich angefangen ... Wir sind uns leider nicht mehr grün.
Die Alte PLZ
Ich bin zufrieden mit der Alten. Sie ist bekannt im ganzen Ort. Ich würde sie so gern behalten. Denn zwischen uns: kein böses Wort.
Noch darf ich ihren Namen nennen. Er klingt vertraut und attraktiv. Bald wird man uns für immer trennen. Bald kommt ein letzter Abschiedsbrief.
So lange hat sie mich begleitet. Jetzt heißt es: Auseinandergeh'n. Der Trennungsschmerz ist vorbereitet. Leb-wohl. Auf Nimmer-Wiederseh'n.
Ein Dankeschön für deine Treue, du gute, alte Postleitzahl. Mein Herz gewöhnt sich an die Neue. (Es hat auch keine andre Wahl!)
Die Neue PLZ
Bald hab' ich eine Neue, die wird ganz anders sein. Dass ich mich riesig freue, versteht sich von allein.
Ihr Outfit: nicht-von-gestern. Doch international! Und wenn die Leute lästern, dann ist mir das egal.
Sie wird die Sache meistern, und sie erreicht ihr Ziel. Ihr Tempo wird begeistern. (Das macht ihr Fifth-Appeal).
Ich werde nichts bereuen. Bald zündet die Idee. Dann geh' ich mit der Neuen. Und meine Alte ist passe.
Ein Knoten im Taschentuch
Verknotet ist das Taschentuch. Das soll mir einfach sagen: Am Mittwoch kommt S I E zu Besuch, am Mittwoch in acht Tagen.
Natürlich bin ich aufgeregt. Egal wohin ich gehe. Mein Taumel, meine Sehnsucht legt sich erst in ihrer Nähe.
Die Uhren ticken lang und breit. Doch jede Zeigerrunde verkürzt die lange Wartezeit bis zur besagten Stunde.
Sie klopft bei mir, so bald sie kann. Vielleicht schon vor dem Essen? Jedoch der Knoten weiß nicht wann. Auch er hat es vergessen.
Über das Glück
Du kannst das Glück nicht zwingen. Es schaut bei dir vorbei. Du hörst es fröhlich singen. Das Glück ist vogelfrei.
Es sitzt dir auf der Nase. Dein Blick schweift meilenweit. Das Glück liegt auf der Straße. Wer wandert - weiß Bescheid.
Das Glück kennt keine Schranken. Es klopft an deine Tür. Du fühlst es in Gedanken. Du weißt oft nicht wofür.
Das Glück hat viele Namen. Du kennst nicht sein zuhaus'. Es passt in keinen Rahmen und manchmal reißt es aus.
Das Glück ist nicht zu fassen. Es stellt sich plötzlich ein. Es kann dich auch verlassen, - dann wirst du traurig sein.
Nach all den Jahren
Ich weiß nicht, ob noch Feuer brennt, nach all den vielen Jahren. Zwar haben wir uns nie getrennt. Das konnten wir uns sparen.
Kein Abschiedskuss, doch der Kontakt hat lange noch gewackelt. Dann hat die Sehnsucht eingepackt und nur noch kurz gefackelt.
Doch hin und wieder kam ein Brief, der liebe Grüße brachte. Was aber bald im Sand verlief, viel eher als ich dachte.
Die Leitung wurde stillgelegt und zwar von beiden Seiten. Es hat sich keiner aufgeregt. und niemand musste leiden.
Ich weiß nicht, ob noch Feuer brennt. Es steht in deinem Schreiben. "Ich liebe dich, und was uns trennt. Lass uns doch Freunde bleiben."
Erwartungen
Was erwarte ich vom Leben? Butterbrote und Verstand. Füße, um mich zu bewegen; eine einfühlsame Hand.
Kleines Glück auf Seitenwegen; Unkrautduft am Wegesrand; Wiesen, um mich drauf zu legen, eine Kippe in der Hand.
Wolken, die am Himmel wandern und ein Vogelzwitscherlied. Eine Brücke zu dem andern, dass Gedanken-Tausch geschieht.
Morgens keine Langeweile, keine Ziele, keinen Plan; keine Hektik, keine Eile - Ruhe, die ich finden kann.
Ängste, die stets kleiner werden, dass ich diese kaum noch spür'. Und dass trostlose Beschwerden warten vor der Gartentür.
Träume, die die Wunden kühlen - doch nicht nur in düstrer Nacht, - die das Schöne neu aufwühlen, bis der Frohsinn bunt erwacht.
Von der Sonne warme Strahlen, die die Kälte nicht verschont. Und im Kopf die Postleitzahlen, wo 'ne gute Freundin wohnt.
Vieles kann das Leben geben, doch vielleicht will ich zuviel, darum gebe mir das Leben, was es mir halt geben will.
Schade
Wir hüpfen stets von Ast zu Ast. Wir treten auf der Stelle. Wir wünschen uns, dass alles passt. Am besten: auf die schnelle.
Wir träumen von 'nem fremden Baum, mit schönen bunten Zeichen. Erreichen werden wir ihn kaum. Es ist zum Stein-erweichen.
Wir hangeln kreuz, wir hangeln quer. Wir steigen bis zur Spitze. Wir kraxeln fluchend hin und her, geraten leicht in Hitze.
Wir wollen immer hoch hinaus. Der Stamm, er hat ein Ende. Wir geben uns nie selbst Applaus und klatschen in die Hände.
Wir mäkeln rum an jedem Blatt und nennen seine Schwächen. Das Blatt hat dieses langsam satt und wird sich einmal rächen.
Wir kriegen nie den Ranzen voll. Wir wollen alles haben. Wir finden überhaupt nichts toll, Misstrauen eig'nen Gaben.
Wir hocken stumm auf einem Ast, bestaunen fremde Sterne. Wir stöhnen über uns're Last und haben sie doch gerne.
Wir springen manchmal toll herum und schlagen Purzelbäume. Ein Herr Verstand nimmt uns das krumm, verwässert uns`re Träume.
Doch meistens hassen wir den Ast, auf dem wir g'rade sitzen. Wir sind ein unzufried'ner Gast und fangen an zu ritzen.
Am Anfang ist der Einschnitt klein wir schnitzen: Langeweile. Wir schneiden später tiefer rein. Benutzen schließlich Beile.
Der Ast, er setzt sich nicht zur Wehr. Wir kennen keine Gnade. Wir sägen kräftig hin und her, der Ast kann eines tags nicht mehr
und fällt. Dann finden wir das schade.
Straßen-Kehrer
Ich schiebe meinen Karren und fege jeden Dreck, den Menschen von sich werfen mit meinem Besen weg.
Ich mache mir Gedanken, wohin der Dreck noch führt den meisten ist das schnuppe, mir nicht, weil's mich berührt.
Ich hasse nicht die Blätter, die mir ein Sturmwind bringt, doch leere Cola-Dosen, das ist es, was mir stinkt.
Die Menschen werfen heute, wo sie gerade stehn, den ganzen Mist beiseite, ich kann das nicht versteh'n.
Sie sagen: durch ihr Handeln, sei ich nicht arbeitslos. ich sollte mich doch freuen! Was denken die sich bloß?
Dann bin ich furchtbar zornig und fluche über die die sowas doofes sagen, und ich verachte sie.
Ganz früher in der Schule, da hat man mir gesagt: "Du hast nicht sehr viel Hirnschmalz," ich habe es bejaht.
Mein Vater sagte schließlich, das hat mich tief bewegt: "Es ist genauso wichtig, wenn wer die Straßen fegt!
Du bist bei deiner Arbeit stets an der frischen Luft. Zwar riechst du jeden Unrat, doch auch den Blütenduft.
Und sollt es einmal regnen, dann ist das kein Malheur, du gehst ins nächste Gasthaus, trinkst einen Kirschlikör."
Ich säubere die Straßen, das mach ich ganz genau, jedoch bei mir zuhause, da macht das meine Frau.
Für Klaus Michael
Sei begrüßt du neues Leben, deine Eltern lachen froh. Vieles wirst du ihnen geben, hier und jetzt - und anderswo.
Mache deine Stimme kräftig, probe stets um Mitternacht, schreie laut und kreische heftig, bis das ganze Haus erwacht.
Schaue, was die beiden treiben. Sei zu ihnen lieb und nett. Achte drauf, gesund zu bleiben. "Deck dich zu in deinem Bett!"
Hier ist nun das Ziel der Reise. Dein Quartier ist gut gewählt. Hier beginnt die Lebensweise, die fürs ganze Leben zählt.
Weinen ist ein Teil vom Lachen, Meistens ist es unbeliebt. Doch bedenk bei allen Sachen, dass es auch den Kehrwert gibt.
Deine Eltern sind voll Wonne über jeden kleinen Schritt. Du bist ihre nahe Sonne, Strahle-Mann, ich freu` mich mit.
Monat Mai
Grün beblättert sind die Bäume, wonnig strahlt der Monat Mai. üppig wachsen Blütenträume sowie Schatten - nebenbei.
Formen ihre ganze Breite, ihre Pracht und Majestät; zeigen ihre beste Seite in gewohnter Qualität.
Ihre Kraft blieb lang verborgen, wagten erst den Freudensprung, als die kalten Wintersorgen zogen fort - auf Wanderung.
Aber jetzt gibt es kein Halten, aufgeknospt wird Blatt um Blatt. Künstler Lenz will neu gestalten: Alle Bäume grün und satt.
Kommen dann die heißen Tage, schnarcht der Baum beglückend schwach und man flieht vor Sonnenplage unter jenes Blätterdach.
Monat Mai, er zieht die Fäden, sagt zum Frühling freundlich du, schließt die Leid- und Kummerläden einfach für 'ne Weile zu.
Vorweggenommener Ratschlag
Rutscht mir doch den Buckel runter. Vielen Spaß bei dieser Fahrt, treibt den Unfug bunt und bunter, fahrt vom Hals zum Arsch hinunter. Wenn ihr wollt, - ein neuer Start.
Könnt mich irgendwo auch lecken, denkt bloß nicht, das macht mir Spaß; denn ich spüre mit Erschrecken euern Hang zum Speichellecken, dadurch wird mein Hintern nass.
Meinen Kopf, den könnt ihr waschen. Dieses ist mir Scheiß egal. Steigt mir in die Hosentaschen, doch ich lass mich nicht vernaschen, denn ihr könnt mich mal.
Das Leben
Das Leben stellt so viele Fragen. Das führt sehr oft zu Unbehagen. Erst hinterher sind wir gescheit. Das macht uns traurig mit der Zeit.
Das Leben schickt uns dunkle Wolken, die uns im tiefsten Traum verfolgen. Wir sind verbittert und zum Schluss folgt Regenguss auf Regenguss.
Das Leben führt zu manchen Kerben. Das Leben schneidet scharf wie Scherben. Im Leben werden wir verbeult. Wer Tränen hat, der heult.
Armut
Armut blüht an allen Enden, hier in diesem Wohlstandsstaat. Wuchert an den feuchten Wänden. Isst statt Fleisch - nur Fleischsalat.
Flüchtet sich in dunkle Ecken, hinterlässt kaum eine Spur. Spielt besonders gern Verstecken- hinter der Gardinenschnur.
Gräbt in die Gesichter Kerben. Lungert blau im Asphaltgrau. Schneidet sich an Flaschenscherben. Macht besoffen Nabelschau.
Kehrt der Innenstadt den Rücken. Igelt sich im Rinnstein ein. Schläft im Vollrausch unter Brücken - zwischen Kippen, Schnaps und Wein.
Macht den Andern keine Mühe. Fordert nie, verhält sich still. Kriegt statt Brocken stets die Brühe, die kein Andrer löffeln will.
Klagt nur unter seinesgleichen. So entstehen Streit und Zank. Kotzen dabei Fragezeichen voller ekligem Gestank.
Keiner will der Armut trauen. Jeder zeigt bei ihrem Anblick Scheu. Niemand sieht ihr Elend und ihr Grauen. - Deshalb bleibt sie vielen lebenslänglich treu.
Dumm-sein
Keiner will den Dummen spielen. Jeder, der die Rolle hasst. Jeder strebt nach klugen Zielen, was das Kluge besser passt.
Dennoch stimmt die Atmosphäre erst, wenn einer Faxen macht. Aller Tiefsinn greift ins Leere, weil kein Schwein darüber lacht.
Treibt ein Clown die dümmsten Sachen, brüllt ein volles Narrenhaus. Tränen mengen sich zum Lachen, Hände klatschen: Sturmapplaus.
Dumm-sein, war wohl nie in Mode. Keiner, der nach Dummem schielt. Doch wir reichen ihm die Pfote, weil man stets den Dummen spielt.
Sterne
Wenn ich nach den Sternen greife, greift die Hand bestimmt ins Leere, greift stattdessen alles Schwere, das ich greifend nie begreife.
Wenn ich nach den Sternen jage, jagt mein Sinnen und mein Streben statt zur Mitte weit daneben so, dass ich verstimmt verzage.
Wenn ich Sterne fest umschließe, störe ich ihr schönes Blinken, ihr verträumtes Zu-mir-winken, schließe aus, was ich genieße.
Sterne sollen funkelnd leuchten. Glitzern wie ein Edelstein - aber nie für mich allein, weil sie sonst nicht leuchten bräuchten.
Aufgesetzte Freundlichkeiten
Die aufgesetzten Freundlichkeiten, die kann ich auf den Tod nicht leiden. Sie schwätzen wie ein Saufkumpan und schmerzen wie ein hohler Zahn.
Betrogen werd ich auf die schnelle. Die Hinterlist ist Vaterzelle. Es schulterklopft so herzlich rein. In Wahrheit bellt es hundsgemein.
So manches dämmert erst nach Jahren. Bei manchem werd ich nie erfahren, was hinter dem Getue steckt. Und wüsst ich es - ich wär erschreckt.
Den Speichelfluss der schönen Worte, vergleiche ich mit einer Torte. Nach außen lecker - Ebenmaß. Doch der Geschmack - ein Geierfrass.
Es war einmal
Die Zeit der dummen Kinderfragen, die schlummert tief und wird nicht wach. Nur manchmal - an den krummen Tagen - da schleicht man ihren Spuren nach. Das Bier im Stammlokal schmeckt schal. Es war einmal ...
Die erste Liebe ist verflossen. Mit ihr - die größte Illusion. Das Ganze hat man weggegossen. Man war enttäuscht - ein bitt'rer Lohn. Die Sonne scheint erneut ins Tal. Es war einmal ...
Der Glaube alles-gut-zu-machen wird spöttisch lächelnd ignoriert. Man kennt sich aus mit allen Sachen -so glaubt man, stolz und ungeniert. Erkenntnis wird uns meist zur Qual. Es war einmal ...
Den Irrsinn kann man täglich neu erfahren. Sowie den Mist, der stinkend gärt. Was kann der Mensch sich schon bewahren, das nicht im nächsten Jahr verjährt? Der Mensch wird alt und eine Zahl. ... Er war einmal.
Es ändert sich - alles
Das Neue wird bekanntlich alt. Der Traurige wird froh. Die lange Arbeitslosigkeit weicht schließlich dem Büro.
Das Weiße wird durch Staub vergilbt. Ein Schmutzfink wäscht sich rein. Die Steuern, die der Staat uns schenkt, kassiert er später ein.
Ein raffinierter Selbstbetrug wird eines tags enttarnt. Und das, wonach man sehnlichst schaut, das hat uns längst umgarnt.
Die Dinge wechseln ihr Gesicht. Das Langsame wird schnell. Der Überfluß wird zum Verzicht. Es dreht sich halt: das Lebenskarussell.
Erster Schnee
Weiß gekrönt sind alle Dinge, weil der Winter Einzug hält. Und in dicken, dichten Flocken tänzelnd auf den Boden fällt.
Dächer, Bäume, dürre Zweige - alles ist mit Schnee bedeckt. Weiß - sind alle Formgebilde. Was wohl da daruntersteckt?
Mittags ziehen Pudelmützen zu verwaisten Hügelhöh'n. Sausen juchzend auf den Schlitten. Erster Schnee! Du bist so schön.
Erwartungen
Was erwarte ich vom Leben? Butterbrote und Verstand. Füße, um mich zu bewegen, und ein warmes Nachtgewand.
Einsamkeit auf Seitenwegen, Unkrautduft am Wegesrand, Wiesen, um mich drauf zu legen, und am Meer den weißen Sand.
Wolken, die am Himmel wandern. Früh am Tag ein Vogellied. Eine Brücke zu den andern, dass Gedanken-Tausch geschieht.
Keine lange Langeweile, keine Ziele, keinen Plan, keine Hektik, keine Eile, Ruhe, die ich finden kann.
Von der Sonne warme Strahlen, die die Kälte nicht verschont. Und im Kopf die Postleitzahlen, wo die liebe Freundin wohnt.
Vieles kann das Leben geben. Manchmal will ich wohl zu viel. Darum gebe mir das Leben, was es geben will.
Vorsätze
Ich will dem Sonnenschein vertrauen und nicht der Trübsal Nahrung geben. Ich will mir keinen Tag verbauen und leben.
Ich will der Kleinlichkeit entfliehen und an den bunten Blumen riechen. Anstatt den falschen Schluss zu ziehen, mich zu verkriechen.
Ich will mir wieder unbetrübt begegnen auf neuen und auf alten Plätzen. Und sollte es vom Himmel regnen, mich zu mir setzen.
Ich will das Hier und Jetzt bedenken und keine dummen Fehler machen. Ich will mir neue Träume schenken und lachen, lachen, lachen.
Erstes Herbstgewitter
Das erste Herbstgewitter fegt tobend durch den Baum. Es raubt die braunen Blätter und einen Sommertraum.
Erst gestern zog der Sommer mit Blütenschmuck durchs Land. Nun ist er schon vergangen. der Nebel webt sein Band.
Die Dunkelheit währt länger. Die Vögel ziehen fort. Sie zwitschern fern im Süden. Der Sonnenschein ist dort.
Das erste Herbstgewitter - ein Blitz und Donnerknall. Nun kommt das Sommerende, der Wind und Blätterfall.
Wege
Wege führ'n ins Dunkel, Wege führ'n ins Licht. Leiten in die Irre - an der man leicht zerbricht.
Wege, voller Steine, Wege, schmierig, glatt. Manche kreuzen Flüße und manche eine Stadt.
Wege sind vergänglich wie ein Sommerwind. Schnee bedeckt die Spuren, die voller Schwermut sind.
Wege gibt es viele, doch es fehlt zumeist. - Einer, der verlässlich uns uns're Wege weist.
Über das Glück
Du kannst das Glück nicht zwingen. Es kommt bei dir vorbei. Du hörst es fröhlich singen. Das Glück ist vogelfrei.
Es sitzt dir auf der Nase. Dein Blick schweift meilenweit. Das Glück liegt auf der Straße. Wer wandert - weiß Bescheid.
Das Glück kennt keine Schranken. Es klopft an deine Tür. Du fühlst es in Gedanken. Du weißt oft nicht wofür.
Das Glück hat viele Namen. Du kennst nicht sein zuhaus'. Es paßt in keinen Rahmen und manchmal reißt es aus.
Das Glück ist nicht zu fassen. Es stellt sich plötzlich ein. Es kann dich auch verlassen, - dann wirst du traurig sein.
Manchmal
Manchmal muss man warten bis das Dunkle geht. Reif liegt auf dem Garten, in dem man später sät.
Reißend toben Fluten. Stege sind zerkracht. Vor dem Schönen, Guten liegt eine finst're Nacht.
Frost kühlt uns're Herzen. Hämisch grinst die Zeit. Jedoch nach tausend Schmerzen erwartet uns erneut die Fröhlichkeit.
Gebet
Bewahre mich vor Zank und Streit, vor Niedertracht und Hinterlist. Und zeige mir zu jeder Zeit, was Gott- und wohlgefällig ist.
Beschütze mich in meiner Not. Sei meine Zuflucht, meine Wacht. Und schenke mir mein täglich Brot. Und gib auf meine Freunde acht.
Doch wenn ein Zweifel mich befällt, dann führe mich zurück zu dir. Und sei mein Trost in dieser Welt. Sei nah bei mir.
Weihnachtszeit
Parkanlagen - ausgestorben. Nur die bunte Entenschar quakt ihr Lied so unverdorben. Bald verendet dieses Jahr.
Menschen strömen durch die Gassen. Kaufen jeden Schwachsinn ein. Manche können es nicht fassen. - Sicher wird bald Weihnacht sein.
Jene, die sonst Gänse hüten. Männer, Frauen, Jedermann stopfen in die Plastiktüten Nippeskrutsch und Porzellan.
Glühwein, Punsch und süße Speisen wandern mit der Hand zum Mund. Laut erklingen leise Weisen. - Weihnachten - du bist der Grund.
Gut, dass ich weit draußen wohne, wo kein Rummel nach mir schnappt, weit entfernt von jener fußbegang'nen Zone, wo der Kaufrausch wütet sturzbesoffen und abgewrackt.
Wie es manchmal geht
Mit manchem bin ich lang beschäftigt. Es beißt sich in mir fest. Es zehrt an mir und leicht entkräftet wird mir mein Hirn zum Wespennest.
Gedanken schwirren wie benommen, verfolgen mich - selbst noch im Traum. Der Zustand wird mir schlecht bekommen. Ich habe mich nicht mehr im Zaum.
Der kleinste Anlass reizt zum Streiten. Man hat zum Streiten keinen Grund. Doch irgendwann nach "sorgenvollen Zeiten", da lacht man auf - und grinst: "Na und?"
Texel
Unendliche Weite, tosendes Meer. Möwengekrächze ringsumher. Wandernde Berge aus körnigem Sand. Herzige Muscheln am endlosen Strand. Quellender Nebel, Sturm und Gebraus. Schafe auf Deichen und Blumen am Haus. Wellende Wogen, ein knarrender Steg. Sanddorn und Sumpfwurz am einsamen Weg. Weiden und Sonne, am Slufter Gerinnsel. Summa Summarum: Ein Lob für die Insel.
Und dann?
Das Wasser schleift die Steine glatt. Im Herbst verwelkt ein grünes Blatt. Der Häftling wird ein freier Mann. Und dann?
Der Samen sprießt. Es wächst ein Baum. Er dehnt sich aus durch Zeit und Raum. Die Menschheit hält den Atem an. Und dann?
Die Ebbe geht. Es folgt die Flut. Die Ente sorgt für ihre Brut. Ein Gockel kräht, so lang er kann. Und dann?
Der Wind weht stürmisch durch das Land. Der Wohlstand raubt uns den Verstand. Wir leben nur bis irgendwann. Und dann?
Vieles kommt mir ungelegen
Vieles kommt mir ungelegen, weil es meinen Zorn verschärft, weil es mich auf meinen Wegen maßlos ärgert oder nervt.
Manchem kann ich nicht entgehen: einem feuchten Regenguss, wüsten Winden, die sich drehen oder meinem Weltverdruß.
Streite ich mit netten Leuten, klirrt der Frost. Wir lächeln kühl. Und wo sonst sich Blüten freuten, herrscht ein zänkisches Gefühl.
Vieles kommt mir ungelegen. Manchmal bin ich chancenlos. Regen prasselt mir entgegen. Doch er lässt mich irgendwnn, Gott-sei-Dank, auch wieder los.
Reiche
Reiche kriegen nie genug. Hamstern hier und da ein Stück. Leben satt von dem Betrug. Nennen ihre Taten klug und beschneiden fremdes Glück.
Reiche jammern übers Geld, wenn es ans Bezahlen geht. Doch bevor ein Groschen fällt, wird die Rechnung aufgestellt und die Wahrheit umgedreht.
Reiche halten streng Diät mit den Konten in der Schweiz. Wenn der Fiskus mahnend kräht, werden Schulden aufgebläht. Damit hat sich dann der Geiz.
Aber Reiche sind spendit und beim Spenden vornedran, - wenn er winkt, der Herr Profit. Gerne geben sie Kredit - und bereichern sich daran.
Selbsterkenntnis
Bei meinem Fahrrad kann ich lenken. Das Bremsen klappt nur ab und zu. Es tut hier gut vorauszudenken. Doch notfalls bremst mein Loch im Schuh.
Auf manchen Hölzern kann ich flöten. Und bin ich sauer, kreischt es laut. Das heißt: ich kann auch Nerven töten. Davon ist niemand groß erbaut.
Ich quäle eine Schreibmaschine mit allen Fingern, tastenblind. Und wahre trotzdem gute Miene, wenn einer meiner Finger spinnnnnnnt.
Mit meiner Dummheit geh ich baden. Mein Vogel schimpft und protestiert. Das führt zuweilen auch zu Schaden. Dann wird geflickt und repariert.
Wenn's sein muss, kann ich Möbel schleppen (vorausgesetzt, dass ich es will) und aufgemotzten, doofen Deppen die Meinung blasen - laut und schrill.
Was zum Teufel
Was zum Teufel nutzt es mir, wenn ich weiß: man lügt mich an. Wenn ich weiß: die nette Tour wird benutzt als fieser Plan.
Was zum Teufel kümmert mich, wenn mich jemand hintergeht. Wenn das Wort: Ich-freue-mich nur als Floskel noch besteht.
Was zum Teufel schert es mich, wenn ein Mensch die Zähne bleckt. Und durch diese Hinterlist mein Vertrauen zu ihm weckt.
Was zum Teufel soll ich tun, wenn die Lüge Bände spricht. Und mein Teufel sagt zu mir: "Lach der Lüge ins Gesicht!"
Der letzte freie Tag
Der letzte Tag vor Dienstantritt, dann macht das Leben einen Schnitt. Die Tage werden unbequemer. Mein Name lautet: Arbeitnehmer.
Ab Morgen sage ich: "Grüß Gott" zum unbeliebten Alltagstrott. So manche Arbeit wird mich plagen. - Ich geh ihr einfach an den Kragen.
Die Zeit vom selbsterwählten Tun, die wird zunächst zwangsläufig ruh'n. Denn Vorgesetzte wird es geben wie überall im Arbeitsleben.
Und morgen früh: die erste Schicht. Unüberhörbar ruft die Pflicht. Doch heute will ich noch auf den Wiesen, den letzten freien Tag genießen.
Runder Ball
Bist wieder da, du gelber, runder Ball. Schon lange hat man dich vermisst. Du bliebst verschwunden seit dem Regenfall. Wo du nur rumgestromert bist?
Am Anfang dachte man sich noch, na gut: du hast halt deinen freien Tag. Man nahm sofort den Regenschirm und Hut, obwohl das keiner leiden mag.
Dann dachte man: Wo bleibt der Ball denn nur? Nimmt er sich Urlaub ungefragt? Ging er auf Reisen, oder gar zur Kur? Zuweilen wurde schwer geklagt.
Was du getan hast, ist doch unerhört. Man sagt: Ich bin bis nächstens fort. Und niemand hätte sich daran gestört. Das mindeste ist doch ein Abschiedswort.
Na schön, ich glaub, du hast nicht dran gedacht. Doch, lieber Freund, das kommt mir nicht mehr vor. Wenn du mal länger bleibst als über Nacht. Dann sei so gut, und sag es mir ins Ohr.
Regen
Hoch vom Himmel sprüht der Regen, rieselt schnürig oder fein, spritzt mit seinem nassen Segen quietschvergnügt auf Stock und Stein.
Trommelt auf dem Dach nach Noten und erzeugt dort Rhythmenklang, taktet wirr auf Schornsteinschloten, hangelt sich am First entlang.
Wirft sich mutig in die Pfützen, kreist und ringt bis hin zum Rand, bleibt an keinem Ufer sitzen, wandert mittels Wellenband.
Füllt die Pfützen bis zur Ehe, gibt sich hin als Bindeglied. Ist der Kuppler, wie ich sehe, ohne den es nicht geschieht.
Tröpfelt auf die grünen Blätter, rinnt und perlt am rauhen Stamm, spielt für welkes Gras den Retter. Schickt ein Regentelegramm.
Regen fängt sich in den Haaren, bildet Kugeln, kullert dann: Richtung Hals zum Schlittenfahren, aber nur, wenn er kann.
Straßenkehrer
Ich schiebe meinen Karren und fege jeden Dreck, den Menschen von sich werfen, mit meinem Besen weg.
Ich mache mir Gedanken, wohin der Müll uns führt. Den meisten ist das schnuppe. Mir nicht, weil's mich berührt.
Ich hasse nicht die Blätter, die mir ein Sturmwind bringt. Doch leere Cola-Dosen, das ist es, was mir stinkt.
Die Menschen werfen heute, wo sie gerade stehn, den ganzen Mist beiseite. Ich kann das nicht verstehn.
Sie sagen durch ihr Handeln, sei ich nicht arbeitslos. Ich sollte mich doch freuen! Was denken die sich bloß?
Dann bin ich furchtbar zornig und fluche über die, die sowas Doofes sagen. Und ich verachte sie.
Ich fege alle Straßen, das mache ich genau. Jedoch bei mir zu Hause, da fegt nur meine Frau.
stecken
Man steckt sich seine Ziele. Dann steckt man Prügel ein. Bekanntlich sind es viele. Sie schmerzen ungemein.
Ein Clown steckt viele Leute zu lautem Lachen an. Ein Gauner steckt die Beute in seinen Rachen - irgendwann.
Es steckt oft mehr dahinter. Ein Auto steckt im Dreck. Die Feder am Zylinder. Ein Fuchs im Waldversteck.
Es steckt im Schuh ein Nagel. Der Fehler im Detail. Es steckt in Sturm und Hagel kein Wohl und auch kein Heil.
Man steckt in Schwierigkeiten. Man steckt die Richtung ab. Man steckt zu allen Zeiten mit einem Fuß im Grab.
Schicksal
Das Schicksal streut mir Sand in meine Schuhe. Die Füße sind seitdem vom Laufen wund. Mein Herz klopft laut. Es lässt mir keine Ruhe. Und jede Fröhlichkeit kommt auf den Hund.
Das Lachen schweigt, der Kummer sitzt im Nacken. Beim Frühstück koste ich vom Trauerkloß. Mein Seelenschmerz ist nirgendwo zu packen. Ich wäre gern mein Unbehagen los.
Es scheint, der Nieselregen nimmt kein Ende. Es scheint, die Sonne bleibt fortan versteckt. Es folgt die ungeahnte Schicksalswende, die alle Lebensgeister aus dem Schlafe weckt.
Manche Tage - manche Wege
Manche Tage: voller Zweifel. Ängstlichkeit auf Schritt und Tritt. Manchmal: bange Sorgenmiene. Manchmal tanzt der Teufel mit.
Manche Tage hängt der Himmel voller Wolken - düster, grau. Donnernd grollen Blitz und Stürme. Manchmal fehlt das Himmelblau.
Manche Wege: voller Steine. Alle Kräuter - dornenreich. Taumelnd tappt man durch die Pfützen und die Knie werden weich.
Manche Wege sind verlassen von beschwingter Fröhlichkeit. Tobend tosen Hagelschauer, während laut ein Waldkauz schreit.
Noch immer
Noch immer hänge ich am Leben - trotz Mauern, Fenstern, festverschlossen. Noch immer will ich Ruhe geben und fröhlich lachen - unverdrossen.
Noch immer leben vor dem Fenster die Fliegen, die die Spinnen fressen. Noch immer grinsen Schreck-Gespenster, die ihre Opfer nicht vergessen.
Noch immer leben große Worte. Noch immer: Hoffnung auf das Glück und auf das Süße einer Torte. Stattdessen halte ich in Händen das harte Bodenstück.
Gesundheit, Glück und Gottes Segen mit Kaviar und Jahrgangssekt. Das kommt dir hoffentlich gelegen. Weil das die Kräfte in Dir weckt.
Die Wünsche mögen sich erfüllen. In diesem neuen Lebensjahr. Und jede Sehnsucht soll sich stillen. Mit Dir zu sein ist wunderbar.
Ich wünsche Dir auch eine Torte. Mit Sahnehäubchen übersät. Von Freunden liebenswerte Worte, Von Jedem, der Dir nahe steht.
Ich wünsche Dir Kaffee und Kuchen mit Karla Deinem Enkelkind. Du kannst sie jederzeit besuchen. Doch Du bist das Geburtstagskind.
Wenn Weihnachten auf Ostern fällt
Da greift sich jeder an die Nase. Die Zeche wird nicht mehr geprellt. Verpönt ist auch die plumpe Phrase, wenn Weihnachten auf Ostern fällt.
Und Trübsal bläst die Hintertücke, sie wird verpuppt und ganz entstellt. Es schließt sich eine Riesenlücke, wenn Weihnachten auf Ostern fällt.
Der Knüppel bleibt in seinem Säckchen. Und wenn es an der Haustür schellt, dann bringt der Osterhase Päckchen, wenn Weihnachten auf Ostern fällt.
Noch sind wir nicht davon betroffen. Den Antrag haben wir gestellt. Nun dürfen wir von Herzen hoffen, dass Weihnachten auf Ostern fällt.
Die Trauerweide
Es trauert eine Weide. Um wen, das weiß man nicht. Weil sie nach keiner Seite ein Wort darüber spricht.
Sie lässt die Äste hängen. Ihr Schmerz scheint riesengroß. Sie kann ihn nicht verdrängen. Und beugt sich ihrem Los.
Betrachtet man genauer den ganzen Baumbestand, dann tragen viele Trauer. - Die sind mit ihr verwandt.
Umzug
Ich bin ins Weltall umgezogen auf einen unbewohnten Stern. Ein Raumschiff hat mich hingeflogen. Es war bemannt und hochmodern.
Am Ziel als wir nach rückwärts schauten, erschien die Erde winzig-klein. Dann winkte ich den Astronauten. Und war mit Sack und Pack allein.
Ich musterte die steilen Krater. Und fand den Standort für mein Zelt. Und keiner spielte den 'Berater', der einem auf die Nerven fällt.
Bei vielem bin ich leicht beklommen. Denn alles ist noch fremd und neu. Doch dein Besuch ist hochwillkommen, weil ich mich einfach daran freu'.
P.S.: An Mitbringsel sollst Du nicht denken. Du weißt: Das ist nicht mein Geschmack. (Willst Du mir unbedingt was schenken: dann höchstens Blättchen und Tabak.)"
Die Dick- und Magermilch
Die Dickmilch joggt zur Schlankheitskur in eine Molkerei. Man rät ihr ab. Sie stellt auf stur: "Kein Weg führt dran vorbei."
Dann hält sie streng die Nulldiät. Sie hungert aber nicht. Und wundert sich: "Wie leicht das geht." Und sie verliert Gewicht.
Mein Wunsch wird wahr, was will ich mehr. Die Waage stellt es fest. "Ich bin jetzt höchstens halb so schwer, was sich schon sehen läßt."
Der Chef im Molkereibetrieb legt keinen Wert darauf. Und er bespricht mit dem Vertrieb den Magermilchverkauf.
Treffpunkt
In Hannover an der Leine macht sich die Erwartung breit. Und er freut sich schon auf seine Herzensangelegenheit.
Warten fördert schlaffe Beine. Auch das Herz zeigt Müdigkeit. Und er fragt sich: "Wo bleibt meine Herzensangelegenheit?"
Und er denkt, das ist doch keine feine Art der Zweisamkeit. Schimpfend, murrend nervt ihn seine Herzensangelegenheit.
Als sie kam, kam es zur Krise. "Sicher führt das noch soweit, und ich pfeife laut auf diese Herzensangelegenheit."
"Wenn du weitersprichst, so weine ich bis in die Ewigkeit. Denn ich bin am liebsten deine Herzensangelegenheit!"
Man wird immer mehr alleiner. Wenn du klagst, versteht es keiner. Sorgenfalten im Gesicht - sind zwar da, man sieht sie nicht.
Einsamkeit in jeder Stunde. Traurig-sein macht seine Runde. Viel ge-Menschel viel Gewühl. Distanziert und herzlos kühl.
Plötzlich die ersehnte Wende. Aller Grieskram nimmt ein Ende. Und zum Naserümpfen fehlt die Zeit. Endlich wieder Fröhlichkeit.
Dennoch gilt: Man wird alleiner. Und die Aussicht immer kleiner. Abend-Wolken: Abendrot. Eines Tages bist du tot.
Wenn sich das Blatt auf einmal wendet, wenn eine Schwermut plötzlich endet, wenn sich der Mensch von sich befreit und findet wahre Menschlichkeit.
Wenn sich das Ach und Weh vermindert, wenn unser Frohsinn überwintert, wenn sich das Wunderschöne zeigt, und alles Böse in uns schweigt.
Wenn lachend uns're Augen tränen, dann wäre eines zu erwähnen: Wir sind einander wieder gut, auf Ebbe folgt bekanntlich Flut.
Der tote Hund
Hier liegt der tote Hund begraben und alles ist mucksmäuschenstill. Hier kann er seine Ruhe haben, was er von ganzem Herzen will.
Kein lautes Wort wird hier geplappert. Man flüstert im gedämpften Ton. Es wird nicht hin und her gezappelt. Hier schnarrt und schrillt kein Telefon.
Hier liegt der tote Hund begraben, der nicht nach fremden Beinen schnappt. Es krächzen manchmal ein paar Raben. - Die Gehsteige sind hochgeklappt.
Der Hund namens King
Ein Hund streunt gern durch Feld und Flur. Er ist der King in der Natur. Auf seinem Weg ist sein Begleiter. Sein Frauchen - überwiegend heiter.
Er schnüffelt hier, er schnuppert dort. Sein Frauchen spricht mit ihm ein Wort. Er bellt, das heißt: er hat verstanden. Ein Zwiegespräch in deutschen Landen.
Nach einer Weile hält frau Rast, weil es zu ihrer Stimmung passt. Sie dösen einfach unter Bäumen - und unser King fängt an zu träumen.
Er denkt an eine Hasenjagd, die ist ihm nämlich untersagt in seinem schönen Hundeleben. (Für Hunde muss es Grenzen geben.)
Dann geht es weiter Querfeldein. Sie sind zu zweit, (und nicht allein). Dann gibt es eine Ruhepause und zwar daheim - das heisst zuhause.
Treue
Die Treue hat sie mir geschworen, sogar vor einem Traualtar. Es klingt mir noch in beiden Ohren. Ich träumte stets, das wäre wahr.
Sie hat mich leider doch betrogen. Schon lange ist sie nicht mehr da. Sie hat mich listig angelogen. Was ich im Nachhinein erst sah.
Am Anfang war es wirklich bitter. An Selbstmord habe ich gedacht. Ein Seelenschmerz, ein Herz-gewitter hat mich um den Verstand gebracht.
Vertraut bin ich seitdem mit keiner. Wer Herzen stiehlt, der ist ein Dieb. Mein Kopf, mein Herz und unsereiner hat Angst, er habe jemand lieb.
Der Ahorn sucht nach einer Fichte, die sich mit ihm im Winde wiegt. Der Clou von dieser Baumgeschichte: kein Fichtelein die auf ihn fliegt.
Das macht den Ahorn furchtbar sauer. Und schließlich pfeift er auf den Traum. Und dann betrachtet er genauer, den niedlich, kleinen Nachbarbaum.
Er kennt den Wind aus jeder Richtung. Er wirft den Schatten so wie er. Er steht wie er auf einer Lichtung. (Ich frage mich, was will man mehr).
Der Ahorn suchte eine Fichte. Sein neuer Baum ist laubumkrönt. So endet diese Herzgeschichte. Und alle Wünsche sind versöhnt.
Ich bin kein Ungeheuer, und hole, wenn ich muss, Kastanien aus dem Feuer. Das ist kein Hochgenuss.
Verbrannt sind beide Hände, verschmort und angekohlt. Und Schmerzen sprechen Bände, die hab ich mir geholt.
Ich hole die Kastanien, ach bitte glaube mir, viel lieber aus Nordspanien. Und schenke sie dann dir.
Du nimmst mich mit
Du nimmst mich mit auf eine lange Reise. Du sagst du magst mich immer mehr. (natürlich flüsterst du es leise.) Und dennoch freue ich mich sehr.
Du nimmst mich mit zu allen Quantensprüngen. Du weißt genau, das macht mir Spaß. Und alle Tage werden uns gelingen. Wir wissen viel und doch nur irgendwas.
Du nimmst mich mit zu einem Wellenbrecher. Du ahnst, das ist kein Pappenstiel. Am Strand betrinkt der Durst die Wermutsbecher. Wer durstet staunt, wo ist das Reiseziel.
Du nimmst mich mit, das heißt: ich bin die Deine. Du nimmst mich mit auf jeden Schritt und Tritt. Nun fühle ich mich nicht mehr alleine. Du bist mein Traum. Du nimmst mich einfach mit.
Du bist mein Krückstock und mein Halt, und ich zu beneiden. Du bist die höhere Gewalt. Und wirst mich stets begleiten.
Du bist mir freundlich zugewandt. Und bin ich mal ermüdet, Dann nimmst Du mich an Deine Hand. Von Dir bin ich behütet.
Ich müsste überglücklich sein an jedem neuen Morgen. Und fühle mich oft sehr allein und habe ständig Sorgen.
Du bist mein Freund im Jetzt und Hier, mein einzig Interesse. Ich bitte Dich, verzeihe mir, wenn ich Dich mal vergesse.
Nach dem Gewitter folgt die Sonne. Erst unscheinbar dann unverhüllt. Am Hauswand steht die Regentonne mit Regenwasser angefüllt.
Die Vögel zwitschern plötzlich wieder. Der Regenwald betropft den Park. Dann putzt der Dompfaff sein Gefieder, und das ist wirklich bärenstark.
An Ästen und an Blättern hängen die Regentropfen aufgereiht. Und nur der Wind kann sie verdrängen. Was jeder Laubbaum gern verzeiht.
Die Sonne wirft nun ihren Schatten auf frisch getränktes Rasengrün. Den Schauer, den wir vorhin hatten lässt alle Blumen länger blüh'n.
Der Streit
Ich möchte mich mit Dir versöhnen. Denn unnütz scheint mir jeder Streit. Ich möchte ihn mir abgewöhnen. Verplempert wird die schöne Zeit.
Im kleinen und im Großen Ganzen entsteht der hausgemachte Mist. Man soll nach fremder Pfeife tanzen. Weshalb man unzufrieden ist.
Anstatt sich höflich zu beschweren, ist man verschnupft und stark gekränkt. Und schmiedet Pläne, sich zu wehren. Und die Vernunft wird schnell verdrängt.
Dann baut man einen Schützengraben und alarmiert den Freundeskreis, die ihren Senf zu geben haben. Bis jede krumme Nase-weiß.
Am Schluss, das wäre echt die Krönung - ein wahrer edler Hochgenuss - beginnt auf einmal die Versöhnung. Ein Happy-End. Der beste Schluss.
April
Durch die bunte Blütenpracht tobt ein kalter Sturm. Der Tag ist länger als die Nacht. Am Boden kriecht ein Regenwurm.
Der Frühling trägt sein neues Kleid. Das Wetter spielt verrückt. Es wärmt die Sonne und es schneit. Geblümtes schaut geknickt.
Es pfeift die frohe Vogelmeute. Ihr Schnabel steht nicht still. Sonne gestern - Hagel heute. April. April.
Beichte
Selbstgefällig, selbstgerecht dresche ich die dümmsten Phrasen. Und mein Schwein pfeift gar nicht schlecht - doch zu laut und aufgeblasen.
Voller Fehl- und Vorurteil richte ich - mir fremde Pläne. Tratschend halt' ich Unsinn feil. Hämisch zeig' ich meine Zähne.
Besserwissend schwätzt mein Mund. Plappernd nennt er tausend Gründe. Doch er kommt nicht auf den Grund. Schwafeln - das ist eine Sünde.
Kleinkariert und ich-besessen grölt mein feister Unverstand. Und ein kluges Wort stattdessen ist mir fremd und unbekannt. Dass ich Buße tuen muss, liegt auf der Hand.
Die Entdeckung
Schneide dir die Haare! Färb den Kahlkopf grell! Trübe alles Klare! Gerbe dir dein Fell!
Stehe dir zur Seite! Hüpfe hin und her! Such mit dir das Weite! Schwimme übers Meer!
Lass dich einfach hängen! Trinke roten Wein! Steck in tausend Zwängen! Wirf mit einem Stein!
Spiel mit dir verstecken! Schlaf in süßer Ruh. Stets wirst du entdecken: Du - bleibst immer Du.
Du bist da
Telefone rattern, Fernen werden nah. Gänseblümchen schnattern: "Du bist da."
Waschmaschinen kreisen - selbst in Afrika. Straßenbahnen reisen. "Du bist da."
Hähne werden krähen. Wie es stets geschah. Bauernsöhne säen. "Du bist da."
Kleine Kinder spielen. Wachsam schaut die Frau Mama. Über allen Zielen lebt der Glaube: "Du bist da."
Empfehlung
Versprühe weder Gift noch Galle. Sei gnädig, falls du kochst - vor Wut. Und sei bei jeder Mausefalle vor Speck und Käse auf der Hut.
Sei schweigsam, wenn Gehässigkeiten sich ihren Weg zum Mundwerk bahnen. Und schreibe nicht enttäuschtes Streiten auf deine wutentfachten Fahnen.
Missachte nicht den Seelenkummer, den dir ein Zweiter anvertraut, und werde nicht ein Hund, ein dummer, der speichelnd auf Gehälter schaut.
Sei sparsam mit den großen Worten, weil sie sich oftmals widersprechen. Ein Schicksal öffnet seine Pforten und schickt sich an, dein Wort zu brechen.
Bewahre dich vor groben Taten. Gib deinem Grieskram wenig Raum. Und werde dir nie selbst zum Schaden. Halt deine Zügel fest im Zaum.
Frühlingsvorgenuss
Blauer Himmel, frohe Miene, Wochenende, Sonnenschein. Das Gesumm von einer Biene fällt in diese Stimmung ein.
Vogelzwitschern in den Bäumen. Radlerglück - entlang am Fluss. Frühlingsboten, um zu träumen. - Vorgefühl und Vorgenuss.
Blauer Himmel in den Augen. Und ich trink mich satt am Blau. "Trübsal kann zu gar nichts taugen!" Heute, weiß ich das genau.
Günstig abzugeben
Alte Lumpen und Klamotten, Nippeskram und Omas Kleid. Altes Eisen zum Verschrotten. Volksempfänger aus der Nazizeit. Dick verstaubte Silberkrüge. Spiegel mit und ohne Schliff. Alte Bilder - zur Genüge. Sammeltassen ohne Griff.
Alles günstig abzugeben. Denn: Wer alles dies besessen ist der Sachen überdrüssig - oder gar nicht mehr am Leben.
Kerzenständer, Zinnfiguren. Hakenkreuze auf Papier, fein verzierte Taschenuhren. Und aus Wien - ein Souvenir. Hüte aus vergang'nen Tagen. Krempel, Krutsch und Allerlei. Schriften für fast alle Lebenslagen - gut gepflegt und "lese-frei".
Hier erhalten Sie das Beste, was die Toten hinterließen, was die Erben ausgesondert. Kaufen Sie die Überreste.
Am Meer
Die Wünsche werden winzig bei Sonnenuntergang. Der Tag ist ausgestanden, mit ihm der Tatendrang.
Die Schiffe sind im Hafen und liegen ankernd fest. Die Möwen flattern kreischend zurück zu ihrem "Nest".
Der Strand - wie leergeblasen. Es flutet sanft das Meer. Es schwemmt auf weißen Wogen geherzte Muscheln her.
Die Wünsche dieses Tages, mit Schaum und Sand bedeckt, entfliehen in die Dünen und halten sich versteckt.
Die Abendhimmelröte verspricht (und sagt kein Wort) die wärmsten Sonnenstunden für morgen früh, am selben Ort.
brauchen
Ein Schlüssel braucht ein Schlüsselloch. Ein Arzt braucht seine Kranken. Ein Seemann braucht sein Liebchen doch zum Streicheln und zum Zanken.
Ein Esel braucht ein Eselsohr. Die Tram braucht eine Schiene. Ein Torwart braucht ein Fußballtor. Die Blüte eine Biene.
Die Amsel braucht ein Federkleid. Ein Schuh braucht eine Sohle. Eine Baby braucht Geborgenheit - und Arme brauchen "Kohle"!
Ein dreifach kräftiges Helau
Es kracht der Fasching in die Stille. Die Stimmung steigt und die Promille. Man knutscht aus Freude jede Frau. Ein dreifach kräftiges Helau.
Die Tante Frieda tanzt vergessen. Der Eintrittspreis war hoch bemessen. Was störend wirkt, ist der Radau. Ein dreifach kräftiges Helau.
Man schlüpft aus seiner Scheinfassade in eine bunte Maskerade. Und stellt sein Abziehbild zur Schau. Ein dreifach kräftiges Helau.
Die Kinder dürfen Cowboy-spielen und auf die Menschenviecher zielen. Es ist wie in der Tagesschau. Ein dreifach kräftiges Helau.
Und fehlt ein Grund zum frohen Lachen, dann holt der Wirt die scharfen Sachen. Jetzt grinst sogar der Kabeljau. Ein dreifach kräftiges Helau.
Die Menschen lärmen ausgelassen. Sie schunkeln grölend durch die Gassen. Konfetti deckt das Asphaltgrau. Ein dreifach kräftiges Helau.
Die Prinzen winken ihren Narren und spannen sie vor ihren Karren. Die Könige sind immer schlau. Ein dreifach kräftiges Helau.
Ein Narr lacht nur für kurze Dauer, denn hinterher befällt ihn Trauer. Am Aschermittwoch macht er blau. Ein dreifach wehmütig Helau.
Dein Ich
Du hast es immer mit dabei. Es läuft dir niemals weg. Es köpft mit dir dein Frühstücksei und teilt mit dir den Schreck.
Es ging mit dir auf Schritt und Tritt, seitdem du weinst und lachst. Es geht auch in die Zukunft mit. - Egal was du noch machst.
Verkümmert dir ein Seelenheil. So ist es ihm bekannt. Es denkt sich dabei seinen Teil und hilft dir mit Verstand.
Du stürzst und fällst. Es steht zu dir. Dein Leben lebst du nicht allein. Es hat für alles ein Gespür: ob Regenwetter, Sonnenschein.
Es hält dich fest. Du schenkst ihm Raum. Das Leid wird höchstens halb so fürchterlich. Es träumt mit dir so manchen Traum. Dein Freund in dir - dein Ich.
Hochzeitstänzer
Man kann auf jeder Hochzeit tanzen. Zu handeln steht uns immer frei. Doch frage ich bei all dem Ganzen: Was ist der Sinn dabei?
Gedenkt man so, ein Glück zu fassen? Dann tanzt der Teufel lachend mit. Und man beginnt sich anzupassen an jenen flotten Wechselschritt.
Am Anfang herrscht die helle Freude. Man fliegt entfesselt durch den Raum. Der Teufel holt sich seine Beute. Man lacht noch mit und merkt es kaum.
Man kann zu tausend Liedern tanzen, wenn einem die Musik gefällt. Man kann sich aber leicht verfransen, wenn man auf einer fremden Hochzeit, Hochzeit hält.
Hoffnung
Der Himmel voller Geigen hängt schief und wolkenschwer. Die frohen Lieder schweigen. Ein Sturm tobt auf dem Meer.
Der Duft von roten Blüten legt eine Pause ein. Es ist ein Wolf zu hüten und Gänse obendrein.
Dem lauen Frühlingswehen folgt Kälte, Frost und Eis. Mir wird vom Däumchendrehen schon schwindelig und heiß.
Die trüben Regentage verfinstern mein Gesicht. Mein Jammern wird zur Klage worauf es nicht mehr spricht.
Der Frohsinn schnarcht im Schatten. Mein holder Glücksstern döst. Ich zähle Schafe, sie gestatten - und hoffe sehr, dass mich ein Sonnenstrahl erlöst.
Was ich nicht bin
Ich bin kein Schuttabladeplatz, kein Sondermülldepot, kein bunter Illustriertenquatsch, kein Scheißpapier vom Klo.
Ich bin kein platter Fahrradschlauch, kein Teil vom Klingelknopf, kein fetter, wohlgenährter Bauch, kein Pissoir, kein Pinkeltopf.
Ich bin kein Mist vom Schweinestall, kein Wiederkäuer - nur aus Spaß, ich bin bestimmt kein klarer Fall. Erstaunlich - was?
Du machst mich lieben
Die Nacht mit ihrer Dunkelheit, die ist dem Tag gewichen. Ein Vogel putzt sein Federkleid. Die Katze kommt geschlichen. Die Sonnenfinsternis ist ausgeblieben. Du machst mich lieben.
Der Schnee vom letzten Januar hat einen Bach gefunden. Am Ufer blühen wunderbar die Blumen "froher" Stunden. Man kann sie nicht verschieben. Du machst mich lieben.
Am Himmel schwebt ein Luftballon. Er folgt dem fernen Regenbogen. Er fliegt zum Horizont davon. Ich wäre gerne mitgeflogen. Doch du hast mir die Zeit vertrieben. Du machst mich lieben.
Sommergedanken
Über mir ein blauer Himmel. Unter mir die Gartenbank. Rechts und links ein Blumenteppich und ein Kasten Bier im Schrank.
Vogelzwitschern in den Bäumen. Amseln rascheln unterm Strauch. Tabak in der Hosentasche und die Sonne leckt den Bauch.
Denkbar wäre jetzt so vieles. Heute bleibt es ungedacht. Denn ich hänge in den Seilen und mein Hirn schläft ruhig und sacht.
Über mir ein Blauer Himmel. Unter mir die Gartenbank. Und statt eines Kasten Bieres gähnt nun Leere aus dem Schrank.
Das Leben wiegt zwei Tonnen schwer
Das Leben wiegt zwei Tonnen schwer. Man trägt es ganz alleine. Man ruft nach Hilfe "Kommt mal her, mir zittern schon die Beine!"
Nach vielem Rufen naht ein Mann. Er humpelt auf zwei Krücken. Er schaut sich unsre Bürde an und zeigt uns dann den Rücken.
Die schwere Last hängt schräg und schief an einem dünnen Faden. Dem Himmelhoch folgt schnell ein Tief. Bei Tiefdruck geht man baden.
Jetzt sitzt man da mit seiner Last. Man strampelt mit den Beinen. Man steckt kopfüber im Morast und kann sich nur beweinen.
Es kommt erst nichts und dann ein Stück mit Namen: Wohlbehagen. Dann folgt ein Augenblick vom Glück und kurz darauf die nächsten Lebensfragen.
Die Welt
Die Welt geht vor die Hunde. Die Geier kreisen schon. Die Menschheit geht zugrunde und keiner kommt davon.
Die Willkür großer Herren, die Gier nach Ruhm und Macht wird jeden Weg versperren, der klug ist und durchdacht.
Das Gift der kleinen Leute aus Hader, Missgunst, Neid holt täglich seine Beute. Der Wahn-Sinn macht sich breit.
Die Welt geht vornehm baden. Dem Haifisch ist das recht. Die Menschheit hat den Schaden. Es geht ihr schlecht.
Wolkenherde
Es ballt sich eine dunkelblaue, schwarze Wolkenherde am fernen Horizont. Man fürchtet sich vor ihrer Drohgebärde und hofft, man bleibt von ihr verschont.
Ganz düster, schicksalhaft treibt sie der Stadt entgegen, die noch die Sonne fühlt. Man nimmt den kürzesten von allen Wegen und grüßt, falls überhaupt, nur eilig, unterkühlt.
Jetzt hat die Herde schon die Vorstadt in Besitz genommen. Kein Schäfer, der ihr Treiben hemmt. Er wäre damit auch nicht weit gekommen. Die Wolken hätten alles überschwemmt.
Am schlimmsten an der Herde war ihr Kommen und Erscheinen, ihr düster-graues Bild. Sie rieselt fein, mir scheint, sie hat nur einen Grund zum Weinen. Nichts andres führte sie in ihrem Wolkenschild.
Narrenzeit im Land
Es naht die Zeit von Karamell, von süßen Faschingskrapfen. Ein Mauerblümchen schminkt sich grell und wird dadurch zum Topf-Modell. Der Wirt muß schneller zapfen.
Die Oma geht als Räuberbraut - ihr Enkel als Matrose. Der Trubel ist ihm viel zu laut, weshalb er ängstlich um sich schaut. Die Angst geht in die Hose.
Konfetti regnet auf das Haar. Die Trübsal kommt abhanden. Man schreit "Helau", das ist ja klar. Es schunkelt grölend eine Bar im Glitzern der Girlanden.
Die Narren nehmen überhand zu unser aller Freude. Das Volk gerät genüsslich außer Rand und Band. So ist das Leben, Leute. (Doch nur - für heute.)
Im Büro
Frau Snake plappert wunderschön mit ihrer Frau Kollegin Klön. Die Arbeit ruht für viele Stunden. Ein Thema - das ist schnell gefunden.
"Was macht denn ihre Nulldiät?" "Es hungert mich von früh bis spät! Ich fühle stets ein Loch im Magen - und habe daran schwer zu tragen. Na ja, die Pfunde müssen weg. Man tut halt was - für seinen Speck. Am Anfang kostet er Moneten und nachher schaut man noch betreten. Das Leben ist halt eine Qual! - Doch sagen sie mir noch einmal: Wie geht's der Freundin der Cousine?" Frau Klön erzählt mit ernster Miene.
Dann setzt der Redefluss kurz aus und man befasst sich mit den andern Leuten - hier im Haus. Man redet schamlos über Dritte. Auf einmal steht er in der Mitte. Man hüstelt leicht, bleibt künstlich still. Weil man vor Dritten über Dritte niemals reden will.
Frau Klön klemmt Akten untern Arm und flötet seufzend voller Charme: "Vor Arbeit hat man leider keine Zeit für einen Plausch und die Gesprächigkeit."
Dann huscht sie eilig aus dem Zimmer. Was dann passiert, ist so wie immer. Man spricht sich aus: erst kreuz, dann quer. Und zieht letztendlich über die Entschwund'ne her.
Die Bescherung
Die Bescherung ist gelaufen. Arme kommen halt zu kurz. Doch das Kaufhaus an der Ecke springt vor Freude an die Decke. Denn es macht jetzt Kassensturz.
Schöne Worte sind verklungen. Jeder hat sie überhört - Weil der Sinn die Wohlgerüche in der weihnachtlichen Küche allzusehr betört.
Bunt geschmückte Tannenwedel wandern demnächst auf den Müll. Und die aufgesteckten Kerzen sind verbrannt mitsamt den Herzen. Auf zum Fasching! - Mit Gebrüll.
Die Bescherung ist gelaufen. Leb ab heute unbeschwert - bis zu einem fernen Tage, wo die nächste Weihnachtsplage uns den gleichen Mist nochmal beschert.
Dem Letzten Sommer nach
Es plätschert eine Quelle. Ein Weg verzweigt ins Tal. Es lebt an dieser Stelle: das Glück von Anno-dazumal.
Der Herbst fegt durch die Bäume. Die Fluren liegen brach. Es weinen Sonnenträume dem letzten Sommer nach.
Dem Frühling ins Gesicht
Die Zeit der langen Unterhosen, von Selbstgestricktem und vom Schal, von Winterschlaf und Eis-Neurosen, die ist vorbei - mit einem Mal.
Die klammen, blaugefror'nen Hände, die kalten Stiche auf der Haut, das Zittern, Frösteln hat ein Ende. Und auch der Schnee ist längst getaut.
Es grüßen Blumen von den Wiesen in farbenfroher Blütenpracht. Die Blätter knospen und sie sprießen, weil unentwegt die Sonne lacht.
Die Vögel kommen aus dem Süden. Sie piepsen aufgeregt und schrill. Sie zwitschern, ohne zu ermüden. Ihr Schnabel hält jetzt nicht mehr still.
Und auch der Mensch fühlt ein Erwachen. Er blinzelt fro ins Sonnenlicht. Er hört sein Herz vor Freude lachen und schaut - wie ein Verliebter - dem grünen Treiben ins Gesicht.
Der Wermutzecher
Ein armer Hund und Hungerleider, zerrissen, schäbig seine Kleider, ergreift verzweifelt jeden Becher. Man nennt ihn lästernd Wermutzecher. Die meisten sehen ihn bezecht und reden von ihm äußerst schlecht.
Wie gerne wär er reich gewesen, auch hochgebildet und belesen. Doch lag dies nicht in seiner Wiegen. Das Schicksal konnte ihn besiegen. Entschlossen nahm es Traum um Traum. Er glaubte es am Anfang kaum.
Dann kämpfte er erbost dagegen. Er schrie: "Warum?" und schrie: "Weswegen?" Sein Schicksal bleckte frech die Zähne. Der Arme weinte manche Träne. Entmutigt gab er schließlich auf. Das Schicksal nahm dann seinen Lauf.
Du siehst ihn häufig auf der Straße, erkennbar an der roten Nase. Beherzt greift er zu jedem Becher. Er bleibt wohl ewig: Wermutzecher. Doch liegt das Bündel Mensch im Rinnstein gar, dann danke Gott, dass dir ein and'res Los beschieden war.
Ein Pflänzchen im Asphalt
Ein Pflänzchen quält sich mit Gewalt ans Licht der Welt - durch den Asphalt. Kein grüner Freund ist weit und breit trotz maienfroher Frühlingszeit.
Das Pflänzchen wird vor Ängsten krank, vor Lärm und Dreck und vor Gestank. Nach vierzehn Tagen geht es ein. - Trotz Sonnenschein.
Der Asphalt-Sieg war absehbar. Und dennoch zeigt sich jedes Jahr in grüngeblätterter Gestalt ein Pflänzchen - mitten im Asphalt.
Die Eifersucht
Die Eifersucht, die nervt und sägt. Sie schlägt kaputt, was Früchte trägt. Sie schleicht sich hinterlistig ein und bohrt sich tief ins Herz hinein.
Sie macht uns krank. Sie plappert dumm. Wir selber sind ihr Publikum. Sie hetzt uns auf und spritzt mit Gift, das hinterher, uns selber trifft.
Sie phantasiert in ihrem Wahn. Sie wirft uns lästernd aus der Bahn. Sie schluckt den Unsinn ungekaut, deshalb wird dieser schlecht verdaut.
Kein Mensch ist gänzlich von ihr frei. Wenn einer sagt, dass er es sei. Dann kommt sein Vogel angeflogen und piepst: 'Mein Hausherr hat gelogen.'
Frühlingszeit
Die schwarzen Wolken sind gewichen. Der Himmel lacht auf blauem Grund. Die trüben Stunden sind verstrichen. Im Nachbargarten döst ein Hund.
Der Frühling dehnt sich in die Breite. Er schenkt uns süßen Blütenduft. Er stellt sich dar als Augenweide. Und lockt uns an die frische Luft.
Der Wind weht lau aus warmem Süden. Die Stare sind zurückgekehrt. Die Kirschen zeigen weiße Blüten. Der Frühling hat sie uns beschert.
Die schwarzen Wolken sind gewichen. Die Trauer macht sich nicht mehr breit. Die Katze kommt herangeschlichen. Oh, du schöne Frühlingszeit!
Der Tag
Der Tag legt seine Brille für eine Weile weg. Er sehnt sich nach der Stille. Das ist sein letzter Wille. Er hat genug vom Sonnendeck.
Die Nacht schließt ihm die Lider. Streicht zärtlich durch sein Haar. Sie fällt auf ihn hernieder, bedeckt die müden Glieder - so wie es Jahrmillionen war.
Der Tag genießt die Ruhe, zieht dunkle Socken an. Nimmt's Nachthemd aus der Truhe. Verstaut die Tagesschuhe und fängt dann leis' zu schnarchen an.
Durch die Sterne
Lachend durch die Sterne laufen, links am großen Bär entlang. Bei der Sonne keuchend schnaufen, warten bis zum Untergang.
Mond fest in die Arme schließen. Und Frau Luna bleibt versteckt. Dann die Blume Venus gießen, weil die Kunst im Gießen steckt.
Umstieg in den großen Wagen. Jupiter seufzt tief und staunt. Gib nicht acht auf seine Klagen, heute ist er schlecht gelaunt.
Plötzlich Milch auf g'rader Straße. Fuß vom Gas: Jetzt nur die Ruh'! Vorsicht links, die Blumenvase, - die ist futsch, das hat se nu!
Drüben wirkt das Licht noch greller, spielt dort nicht die Galaxie mit den Sternen: Fang mich schneller? - Aber nein - Nur Phantasie.
Langsam geht der Sprit zu ende. Keine Angst, das Ziel ist nah. Hinten kommt die Zeitenwende und die Nebel von --- Andromeda.
Der Vor-Tritt
Jeder denkt, er hat im Leben viel zu häufig nachgegeben. Und beschließt mit Zorn und Groll: "Davon hab ich jetzt die Schnauze voll.
Kommt erneut ein Streit geschlichen, wird dem Kampf nicht ausgewichen. Keinen Zentimeter schenk ich her. Damit ist jetzt Schluss. Ich mag nicht mehr.
Meistens will man meinen Großmut messen. Letztlich werde ich dann aufgefressen. Sehr beliebt ist dieses Gaunerspiel. Ich, als Dummer, fress den Besenstiel."
Unverändert lebt die neue Kunde höchstens eine Viertelstunde. Bis dann doch der Einfall siegt: Es ist besser, wenn man ab und zu auch anderen den Vor-Tritt gibt.
Es drückt zur Zeit
Es drückt zur Zeit kein Sorgenschuh, kein Schmerz, kein Unbehagen, kein Scheißdreck einer dummen Kuh, kein Mühlstein meinen Magen.
Kein Fliegendreck auf meinem Tisch, kein Muskelkrampf beim Baden, kein ölverseuchter Meeresfisch, kein Liebeskummerschaden.
Kein aufgewärmtes Frikassee, kein platter Fahrradreifen, kein ungefülltes Portemonaie, kein schwarzer Zebrastreifen.
Kein Schmierfink, keine Tagesschau, kein Trommeln und kein Brausen, kein Esel namens Meister Grau, und auch kein Ohrensausen.
Mag sein: Es geht mir viel zu gut. Das Unglück ist in Eile. Vom Glück hingegen hat die Flut erstaunlich große lange-Weile.
Fallen
Ein Blatt fällt auf den Boden. Ins Wasser fällt ein Stein. Ein Volk fällt auf Idioten bei jeder Wahl herein.
Vom Dachsims fällt ein Ziegel. Die Axt fällt einen Baum. Es fällt ein Kleid vom Bügel. Ein Kind in einen Traum.
Der Regen fällt seit Tagen. Ein müder Mensch ins Bett. Es fällt oft schwer zu sagen: "Ich finde Sie sehr nett."
Dem Kind fällt's schwer zu folgen. Ein Groschen fällt oft spät. Man fällt aus allen Wolken und fällt und fällt und steht.
Fasching
Morgen darfst du Maske zeigen. Morgen lacht der Maskenball. Morgen darf die Trauer schweigen. Morgen tanzt der Karneval.
Morgen darfst du fröhlich lachen. Morgen ist ein Spaß erlaubt. Morgen fließen scharfe Sachen. Morgen krönt ein Hut dein Haupt.
Morgen werden wir zu Narren. Morgen pfeift der Faschingszug. Morgen funkeln alte Karren. Morgen gilt ein Jux als klug.
Morgen herrscht der Faschingstrubel. Morgen grölt die Narretei. Morgen kostet man vom Jubel. Übermorgen kommt ein Kater. So geht dieser Spaß vorbei.
Ein Wort
Ein Wort bleibt quer im Halse stecken. Natürlich stoppt der Redefluss. Der Sprecher kann daran verrecken. Das ist bestimmt kein Hochgenuss. Er japst nach Luft und stottert prächtig. Das Wort verkantet immer mehr. Dann rutscht es langsam und bedächtig in einer Speiseröhre hin und her. Auf einmal liegt es schwer im Magen. Der Sprecher radebrecht verstört. Er muss es ungesagt ertragen. Es bleibt wohl ewig ungehört. Dann geht es auf die lange Reise und windet sich im Darm davon. Es ändert seine Lebensweise und endet statt als Wort - als Ton.
Ich wäre gern ...
Ich wäre gern ein Meilenstein, ein weiches Himmelbett, ein Elefant aus Elfenbein, ein langes Bügelbrett.
Ich wäre gern ein Federball, ein gelbes Segeltuch, ein aufgeräumter Schweinestall, ein Kindertagebuch.
Ich wäre gern ein Ruderboot, ein Stück vom Rettungsseil, das Pergament vom Butterbrot, am Straßenrand ein Richtungspfeil.
Ich wäre gern ein Ofenrohr, ein Ast mit Vogelnest, ein altes Netz am Fußballtor, ein Lampion beim Gartenfest.
Ich wäre gerne zu was nütze. Das Leben ist gemein. Der Regen fällt in eine Pfütze. Und ich ......... hinein.
Wenn alle Stricke reißen
Wenn alle Stricke reißen, wenn selbst ein Tau nicht hält, wenn alles Gute, Schöne in sich zusammenfällt. Wenn Freunde, Feinde werden, wenn niemand mit mir lacht, wenn alles Wunderbare in sich zusammenkracht. Wenn alle Lügen siegen, wenn mich die Armut quält, wenn nur ein Teufelsbraten als engster Freund mir zählt. Wenn alle Tränen fließen, wenn jede Hoffnung sinkt, und wenn die ganze Scheiße zum Himmel stinkt. Dann will ich überlegen: "Was hab ich falsch gemacht?" Die Antwort kann nur lauten: "Zuviel gedacht, zuviel gedacht!"
Ein grauer Tag
Graue Schleier, die sich reihen. Jeder Sonnenstrahl verstellt. Kein verzücktes Kinderschreien, welches sich zu mir gesellt.
Jeder hockt verstimmt zuhause, ödet kahle Wände an. Selbst das Leben macht 'ne Pause. Und es löffelt Lebertran.
Tee mit Rum will gar nicht schmecken. Niemand kommt heut' zu Besuch. Nichts kann meine Neugier wecken - weder Zeitung noch ein Buch.
Träge, faul wird rumgehangen. Auch das Hirn ist längst verstockt. Raben krächzen auf den Stangen, wo sonst Bruder Frohsinn hockt.
Der große Fang
Die Beine baumeln überm Bach, der Hintern küsst den Boden. Die Ufersteine - rund und flach. Ich denke über Dinge nach. Das ist noch nicht verboten.
Der Bach, er schlängelt durch das Tal. Das Angeln führt zu Strafen. Die Fische flitzen - groß an Zahl. Der Haken wurmt - verdammt noch mal, die Polizei wird schlafen.
Der Haken hängt an einem Seil und will mit Wurmling baden. Ein Mann am ander'n Uferteil, der wünscht mir grinsend Petri-Heil. Ein Glückwunsch kann nicht schaden.
Die Fische halten sich den Bauch. Sie schuppen sich vor Lachen. Der Wurm am Haken lächelt auch, - denn ich vergaß den alten Brauch, das Seilstück festzumachen.
Und so misslingt ein großer Fang. Das Seil geht langsam unter. Und ungefangen, ohne Zwang, schwimmt Flossiges den Bach entlang. Die Gräten sind putzmunter.
Das dicke Ei
Neulich fand ich - war es gestern? Unterhalb von Vogelnestern, das bekannte dicke Ei, prall gefüllt mit Allerlei.
Einen Irrsinn - ohne Schaden, einen lang verlor'nen Faden, Gift und Rache - teils verspritzt, Ideale - aufgeschlitzt.
Freundschaftsschwüre vierter Klasse, eine heile Untertasse, Zwietracht, Hader, Gier und Neid. Lügenmärchen, Zwist und Streit.
Federn, die mir jemand rupfte, Taschentücher - vollgeschnupfte, Unrat, der mich niederschlug, Mistbazillen, Selbstbetrug.
Deshalb schlug ich jenes Ei mit der Faust. Es ging entzwei. Und die Geier dieser Stadt fraßen sich am Inhalt satt.
Die Scheine im Tresor
Wenn der Himmel Tränen weint, tränt mein Auge glasig mit. Und die Sonne, die sonst scheint, sperrt mir einfach den Kredit.
Hamsternd legt sie Schein um Schein auf die hohe Wolkenbank. Anfangs flucht man: "Muss das sein?" Später wird man davon krank.
Doch die Scheine im Tresor flüchten, wenn der Wind erwacht. Und die Sonne strahlt hervor und lacht und lacht und lacht.
Der kleine Drachen
Der kleine Drachen Feurio, der hatte sich verlaufen. Er war am Ziel von Nirgendwo - natürlich war er gar nicht froh. Er musste erst verschnaufen.
Er überlegte hin und her, verspuckte hitzig Feuer. Das Heimweh plagte ihn so sehr. Er schluchzte seufzend - tief und schwer: Ich armes Ungeheuer.
Was habe ich denn nur getan? Mein Glück hat mich verlassen. Hier kräht mir kein bekannter Hahn. Ich bin total beschissen dran. Mein Herz kann es nicht fassen.
Er schniefte fest und schneuzte laut. Sein Feuer rauchte kläglich. Ihm fröstelte - trotz Drachenhaut, in der sich sonst die Hitze staut. Es war schier unerträglich.
Am Abend fiel er in den Schlaf. Er hatte wüste Träume. Doch als ein Sonnenstrahl ihn traf, bemerkte er ein kleines Schaf, das stapfte durch die Bäume.
Er rief: He, kleines, weißes Tier! Ist dies hier dein Zuhause? Kennst du vielleicht den Weg zu mir? - Ich stamme nämlich nicht von hier. Ich mache hier nur Pause.
Das kleine Schäfchen Neunmalklug erklärte rasch dem Drachen: Um 8 Uhr 13 fährt ein Zug, in dem ist immer Platz genug. Er fährt - jetzt wirst du lachen ins Land der Feuerdrachen.
Der kleine Drachen Feurio, der juchzte vor Entzücken. Er sang: in dulci jubilo und war auf einmal wieder froh. Und kratzte sich am Rücken.
Langer Samstag
Die Stadt ist auf den Beinen und brodelt kreuz und quer. Dazwischen strömt und hastet ein lautes Menschenmeer.
Musik hallt auf den Plätzen. Das heizt die Stimmung an. Es überdröhnt das Bimmeln der gelben Straßenbahn.
Es schiebt sich eine Schlange vom kleinen Bratwurststand gemächlich in die Menge - mit Bratwurst in der Hand.
Die Münder schlucken, kauen, und Senf tropft - falls er kann - auf bunte, schöne Kleider vom nahen Nebenmann.
Was ist der Grund des Trubels? Wer macht die Hölle los? Warum entstand der Rummel? Was soll das ganze bloß?
Ein Samstag ist geboren. Mit Zusatz heißt er "lang". Die Läden sind geöffnet bis kurz nach Sonnenuntergang.
Je nachdem
Du kannst mir deine Meinung geigen. Du kannst mit Fingern auf mich zeigen. Du kannst mich abgrundtief verachten. Du kannst mir nach dem Leben trachten. Du kannst mir auch den Hintern lecken. Du kannst mir wünschen zu verrecken. Du kannst dich über mich beklagen. Du kannst mich mit der Axt erschlagen. Du kannst mich in die Pfanne hauen. Du kannst mir aber auch vertrauen. Du kannst mein plattes Fahrrad schieben. Du kannst mich mögen und mich lieben.
Sommerzeit
Der Mensch wird ein Nomade, doch nur zur sommerszeit. Er reist zu fernen Zielen mit Koffern hoch und breit.
Er flieht die Städtewüsten. Der Rucksack ist gefüllt mit Hoffnungen und Wünschen in Träume eingehüllt.
Die Sonne zeigt die Richtung. Sie weist den Weg zum Ziel. Der Mond in lauen Nächten betört mit Lautenspiel.
Wenn Winde fröstelnd wehen. Dann strebt der Mensch nach Haus. Und zieht mitsamt den Kleidern auch seine Urlaubslaune aus.
Für Penner
Ihr Penner auf der Straße, ihr tut mir leid. Der Wind fegt durch die Blätter und es beginnt die kalte Jahreszeit.
Wie geht es euch am Morgen mit Händen - feucht und klamm? Und immer kalte Füße im Schlafsack hinterm Fahrbahndamm.
Die Lumpen, die euch blieben, durchlöchert und zerfetzt, die werden euch nichts nutzen, wenn sich der Nebel zu euch setzt.
Ihr Penner auf der Straße: mit Kohldampf, Schnaps und Bier. Ich wünsche euch von Herzen ein warmes Nachtquartier.
Wie wär das auf die Dauer?
Wenn alles wie am Schnürchen klappt, wenn nie ein Köter nach uns schnappt, wenn uns die Trübsal niemals quält, wenn jemand uns die Zwiebeln schält, wenn niemals Sand im Schuhwerk steckt, wenn alles mundet, alles schmeckt, wenn alles immer bestens wär, wenn alles einfach ging - statt schwer?
Das wäre schön, doch in der Tat - auf lange Sicht - zu fad.
Traum
Der Hitzkopf wird ein zahmes Lamm. Der Geizhals wird spendit. Das Recht schert alle über einen Kamm. Die Menschheit macht Profit.
Der Kaiser kriegt ein Taschengeld. Er dankt aus Freude ab und hinterlässt der dritten Welt den Thron und seinen Herrscherstab.
Der Lohn der Arbeit ist das Brot und selbstgebauter Wein. Es gibt kein Elend, keine Not - ein Grund zum Fröhlichsein.
Zum Streiten braucht man kein Gewehr. Man hat ja seinen Mund. Erst schimpft man los und hinterher verflüchtigt sich der Grund.
Die Menschen werden mit der Zeit wie Früchte auf dem Baum, - geschmackvoll, voller Einzigartigkeit. Doch alles bleibt ein Traum.
Wer?
Wer gibt mir die Sprache, das Wort den Verstand? Wie heißt dieser Jemand Unbekannt? Wo führt er mich hin? Wo komme ich her? Das Wasser dreht Mühlen und fließt ins Meer.
Wer schenkt mir am Abend erholsamen Schlaf? Wer fürchtet weder Raubtier noch Schaf? Wer läßt mir die Freiheit, zu sein wie ich bin? Das Wasser fließt endlos vor sich hin.
Wer trägt meine Zweifel und trägt mich ein Stück? Wer nimmt mich am Arm und führt mich zurück? Wer weiß, was ich denke? Wer spricht mir ins Ohr? Das Wasser fließt durch ein Schleußentor.
Wer kann mit mir weinen? Wer weint tröstend mit? Wer ist mein Begleiter auf Schritt und Tritt? Ich fühle und ahne, mein Geist ist zu schwach. Das Meer ist am Anfang immer ein Bach.
Frühling
Die Blätter kommen wieder mit ihrem zarten Grün. Es zwitschern Vögel Lieder. Und Blumen sieht man blüh'n.
Die Bienenvölker schwirren zu Blumen übers Feld. Die ersten Gläser klirren beim Wirt - "Zum blauen Himmelszelt".
Es ist dein Recht
Es ist dein Recht davonzuschleichen, so wie ein Dieb es tut bei Nacht. Was wolltest du damit erreichen? Was hat dich nur dazu gebracht?
Du spucktest immer große Töne, dass all das Wunderbare, Schöne dir jeden Liebeszweifel raubt. Ich, Rindvieh, habe dir geglaubt.
Nun bist du fort, kehrst nie mehr wieder. Im Radio trällern Schnulzenlieder. Sie schmettern durch das ganze Haus. Ab heute bleibt der Kasten aus.
Es ist dein Recht davonzuschleichen. Du sagst, du hattest keine Wahl. Du musstest einfach von mir weichen. Dann bleibe, wo der Pfeffer wächst, zumindest bis zum nächsten Mal.
Die Siebensachen
Ihr packt nun eure Siebensachen. Schon fehlen Bilder an der Wand. Ihr müsst euch an die Arbeit machen, denn ihr zieht um, und zwar aufs Land.
Es füllen sich die Umzugskisten. Und dabei leistet ihr den Schwur, jetzt einmal gründlich auszumisten. (Das wandert dann zur Müllabfuhr.)
Trotz Großeinsatz und Händereiben verläuft nicht alles reibungslos. Das soll euch nicht zum Wahnsinn treiben. Der Aufwand ist halt riesengroß.
Das Chaos wird sich aber lohnen. Drum haltet durch und haltet aus. Bald werdet ihr im Grünen wohnen in eurem Einfamilienhaus.
Du weißt nie, was mit dir geschieht. Im Dunkel tappt das Morgen. Und was im nächsten Fruhling blüht, träumt tief, vom Schnee verborgen.
Was gestern galt, erzeugte oft nur eine Schrecksekunde. Du hast gewünscht, ersehnt, gehofft - dann ging es vor die Hunde.
Wen kümmert, wie es um dich steht? Der Leierkasten leiert. Kann sein, dass sich der Wind bald dreht. Die Zukunft bleibt verschleiert.
Verliebt bis über beide Ohren. Gleich wirkt der graue Alltag bunt. Und ein Gefühl: Wie neugeboren. Und tief im Herzen geht es rund.
Gedanklich bin ich ausgelassen und träume vorwärts und zurück. Es ist natürlich nicht zu fassen. Was auch geschieht: Mir winkt das Glück.
Die gute Laune steigt nach oben. Und wenn die Trübsal mich umgibt, wird sie verdrängt und fortgeschoben: Ich bin von Kopf bis Fuß verliebt.
Zur Weihnachtszeit
Der Weihnachtsmann schnürt die Pakete, denn auf der Erde herrscht Advent. Die Wünsche und die Stoßgebete entziffert er dem Pergament.
Er hat zu tun und ist in Eile. Nun heißt es handeln: Zug-um-Zug. Elf Monate der Langeweile vergingen wieder mal im Flug.
Unglaublich lang ist seine Liste. Die Wünsche werden immer mehr. Was ich als Weihnachtsmann gern wüsste: Wo nehme ich die Mittel her.
Es fehlt mir selbst an Wohl und Frieden. Und darauf käme es doch an. "Ich kann es längst nicht jedem bieten!" Das wurmt den lieben Weihnachtsmann.
Zum Sechzigsten Geburtstag
Der Samstag fällt aus seinem Rahmen. Geburtstagsfest, die Zahl ist rund. Und auserwählte Gäste kamen. Ein Geis rückt in den Vordergrund.
"Die Nulldiät müsst ihr vertagen. Genießt im Bier den Alkohol." Das muss er uns nicht zweimal sagen. Wir alle trinken auf sein Wohl.
Der Geis und die Familienbande aus nah und fern sind bunt gemischt. Es geht hoch her und altbekannte Geschichten werden aufgefrischt.
Der Geis, ich halte jede Wette, frönt immer noch dem Nikotin. Und in der Hand die Zigarette qualmt mit uns feiernd vor sich hin.
Gesundheit, Glück und Gottes Segen, und wie dein Wunsch auch immer heißt, erreiche dich auf deinen Wegen. Und sei beschützt von einem guten Geis(t).
Wer hat dem "nahen Osten" den Geldhahn zugedreht? Es steigen nur die Kosten, verflixt und zugenäht.
Der Mensch sitzt auf der Straße. Es fehlt ein Arbeitsplatz. Da blubbert eine Phrase den altbekannten Satz:
Schnürt euren Gürtel enger, nicht nur zur Fastenzeit. So schwatzen Rattenfänger, und grinsen dazu breit.
Da hilft kein Lamentieren. Es folgt ein Bursensturz. Die Hoffnungen erfrieren. Der "nahe Osten" kommt zu kurz.
Nun bist Du endlich auf der Welt, nach einer langen Reise. Wir hoffen, daß es Dir gefällt. So ziehe Deine Kreise.
Beim allerersten Augenblick hast Du uns was zu bieten: Das Hochgefühl von Glanz und Glück. Und tiefen Seelenfrieden.
Du bist der Dreh- und Angelpunkt, die Mitte und die Quelle. Ein Stern, der tag- und nächtlich funkt. Ein Schatz - auf alle Fälle.
Du zeigst Dich kuschelig und zart. Und zuckersüß und niedlich. Allein durch Deine Gegenwart wird alles froh und friedlich.
Nur wenn Dir Deine Windel stinkt, dann fängst Du an zu weinen. Was Deine Mutter dazu bringt. Sie wickelt Dich, den Kleinen.
Hereinspaziert und Guten Tag. Bestimmt hast Du vernommen: Dass jeder Dich von Herzen "maag". Sei lieb umarmt! - Willkommen.
Immer mit der Ruhe
Der Bummelzug kennt keine Eile. Er hasst die Hochgeschwindigkeit. Man braucht mit ihm für eine Meile sehr viel Geduld und recht viel Zeit.
"Fahr schneller!" lautet oft die Bitte. Der Zug schlägt diesen Antrag aus. Er hält an jeder Hundehütte mit angebautem Fachwerkhaus.
Der Krokus
Der Krokus spitzt aus seiner Zwiebel, denn innen wird es ihm zu heiß. Er schaut vom Garten hin zum Giebel, dort hängen Zapfen voller Eis.
"Bin ich etwa zu früh gekommen? Wir schreiben doch schon Mitte März. Der Schnee hat noch nicht abgenommen. Das ist ein dummer, übler Scherz.
Wo bleiben warme Sonnenstrahlen. Die Kälte ist mein schlimmster Feind. Mit meinen Reizen will ich prahlen. Was aber aussichtslos erscheint."
Der Krokus friert bis in die Zehen. Er fiebert und hat Schüttelfrost, und das ist nicht zu übersehen. Die Zwiebel reicht ihm Krankenkost.
Bald muss die Kälte Leine ziehen. Das steht im Jahreszeit-Vertrag. Das bringt den Krokus dann zum Blühen an einem milden Frühlingstag.
Den Winter haben wir nun satt. Mit Schnee an allen Ecken. Und jeder Gehsteig spiegelglatt. Am Hintern blaue Flecken.
Wir frieren und sind unterkühlt. Nur Cognac wärmt den Magen. Die Kälte geht, wie jeder fühlt, dem Mantel an den Kragen.
Den handgestrickten, warmen Schal die dicke Pudelmütze. erklären wir zur ersten Wahl. Gott helfe, das es nütze.
Wir schlittern über Eis und Schnee. Kein Strumpf bleibt dabei trocken. Dem Winter wünschen wir: Ade. Als Antwort fallen Flocken.
Für Sabine
So winzig und schon eine Wonne, die Hände klein, die Faust geballt. Du wiegst den Bruchteil einer Tonne. Und bist erst ein paar Tage alt.
Von allen wirst du angehimmelt. Du wirst umzingelt und das heißt: Weil es vor lauter Leuten wimmelt. Ergreift dich Panik und du schreist.
Dann willst du nur zu deiner Mutter. Die streichelt dich und hat dich lieb. Dann fühlst du: alles ist in Butter, trotz Neugier und trotz Hochbetrieb.
P.S.: Du wirst geschminkt mit Babypuder, denn für dein erstes Rendez-vous mit Daniel, dem großen Bruder, gehört Make-up einfach dazu.
Wir warten voller Ungeduld auf eine Frühjahrsmüdigkeit. Wer darauf hofft ist selber schuld, weil es stattdessen stürmt und schneit.
Die Bäume nehmen noch kein Blatt vor ihren kahlgefegten Ast. Und jeder Weg ist spiegelglatt. Da heißt es: Vorsicht! Aufgepasst!
Wir murren laut und fluchen fest. Im Grunde aber sind wir brav. Und günnen uns im Osternest noch einen tiefen Winterschlaf.
Wiegenlied
Nun ist es höchste Zeit zu schlafen. Es schnarcht bereits das Känguru. Das Segelboot liegt längst im Hafen. So schließe beide Augen zu.
Die Sterne schenken dir Geschichten vielleicht von einem Schmetterling. Und morgen kannst du mir berichten, was in den Träumen vor sich ging.
Dein Kuscheltier gähnt auf dem Kissen, und wünscht dir eine "Gute Nacht". Vom Mann im Mond, das sollst du wissen, wirst du bis morgen früh bewacht.
Jahr für Jahr ein neues Wunder. Kahle Bäume werden grün. Und die Welt wird wieder bunter, weil die ersten Veilchen blüh'n.
Unser Wünschen, unser Hoffen, wurden, wie es so schön heißt. Noch bei weitem übertroffen. Was das Glücksgefühl beweist.
Hell und heiter sind die Tage. Große, Kleine, Alt und Jung nutzen nun die Parkanlage gern und mit Begeisterung.
Onkel Markus
Du bist schon siebzig Jahre jung. Und sprühst vor Witz und Leben. Und strebst stets mit Begeisterung, dein Bestes abzugeben.
Bekannt ist auch dein Tatendrang bei allen Bauarbeiten. Das soll dich noch jahrzehntelang auf deinem Weg begleiten.
Zum Festtag wünsche ich dir Glück, und tausend schöne Sachen. Und immer einen Augenblick zum Frohsein und zum Lachen.
Pollenflug
Wenn kurz nach Ostern Pollen fliegen. Schimpft mancher laut und voller Groll. 'Im Sitzen, Stehen und im Liegen. Ich habe jetzt die Nase voll.'
Und das betont er sehr energisch, oft wiederholt er diesen Spruch. Der liebe Jemand ist allergisch. Nun schneuzt er in sein Taschentuch.
"Und die giraffenhohen Birken betrachte ich als schlimmsten Feind. Weil sie verhängnisvoll bewirken, dass oft mein Auge Tränen weint."
Er leidet unter diesem Schnupfen. Und fühlt sich mies und nicht okay. Mit wem soll er ein Hühnchen rupfen? - Viel besser hilft ein Nasenspray.
Wenn andere sich frei bewegen bei Frühlingsluft im Sonnenschein, dann sitzt er hoffend auf den Regen im pollendichten Kämmerlein.
Im Kiefernhain
Im Kiefernhain wächst eine Buche. Tagtäglich wird sie ausgefragt: Was sie denn eigentlich hier suche? Doch was sie denkt, bleibt ungesagt.
Sie hüllt sich würdevoll in Schweigen. Sogar die Blätter rascheln "stumm". Sie will auch keinen Missmut zeigen, bei diesen Fragen: Nach Warum?
Ein Vogel hat sie einst begraben. Sie war gedacht als Winter-Fraß. Dann konnte sie die Freiheit haben, weil er den Futterplatz vergaß.
Erst wurzelte sie etwas tiefer, und dann zum Licht und schon sehr bald sah sie die allererste Kiefer. Nun steht sie mittendrin im Wald.
Und eines Tages sprach die Buche: Ich schätze, ihr begreift es kaum, was ich im Endeffekt hier suche: ist Heimat und 'nen Lebensraum.
Kein Wind rauscht in den Bäumen. Die Blätter schlafen fest. In ihren Kronen träumen die Kids vom Vogelnest.
Der Anzug hängt am Bügel. Das Tagwerk ist vollbracht. Und alles streckt die Flügel. Und wartet auf die Nacht.
Nur Neonlichtlaternen sind munter nächtelang, und zwinkern zu den Sternen nach Sonnenuntergang.
Das ist ein schwerer Brocken, der dir im Wege liegt. Und du bist tief erschrocken, erschüttert und betrübt.
Es wird dir angst-und-bange, weil dich der Mut verlässt. Du grübelst oft und lange und das gibt dir den Rest.
Du fragst was soll nur werden und fühlst dich wie bankrott. Bespreche die Beschwerden mit Ärzten und mit Gott.
Du fühlst dich echt beschissen und mies und jämmerlich. Doch eines sollst du wissen: Wir denken oft an Dich.
Die Gitarre
Sie quasselt keine großen Worte. Der Grund: Sie hält nicht viel davon. Sie spielt Piano oder Forte und sie vergreift sich nicht im Ton.
Ich kann sie daher sehr gut leiden, und lausche ihrem Sound und Klang. Mit Takt soll sie mich stets begleiten bei Hausmusik und bei Gesang.
Sie kennt nur die erlaubten Griffe, die Stimmungslagen Dur und Moll. Und hangelt sich durch Notenriffe. Bei Pausen schweigt sie würdevoll.
Und weil ich mich an ihr erfreue mit wachsender Begeisterung, so halte ich ihr gern die Treue: Doch sie macht einen Saitensprung.
Der Flieder
Im Nachbargarten blüht ein Flieder. Er leuchtet dunkelviolett. Und ich betrachte hin und wieder die Farbenpracht vorm Fensterbrett.
Sein süßer Duft lockt Arbeitsbienen und viel Getier aus nah und fern. Den Nektar, den sie sich verdienen, den haben sie besonders gern.
Nach ein paar violetten Wochen und in der schönsten Frühlingszeit hat er sein Schauspiel abgebrochen. Und trägt ein schlichtes, grünes Kleid.
Zum Fünfzigsten Geburtstag
Heute liegen 50 Jahre reich an Leben hinter dir. Und für alles Wunderbare danke deinem Gott dafür.
Aber auch die Missgeschicke und so mancher Stolperstein "mussten" dir für Augenblicke schicksalhaft im Wege sein.
Wenn demnächst die Schuhe drücken, nimm es hin und klage nicht. Denke an das Blumen pflücken oder an dein Leibgericht.
50 Jahr eine Wende, die dir neue Chancen gibt. Doch das Schönste nimmt kein Ende, denn du wirst gebraucht, geliebt.
Und ich wünsche: Gottes Segen sei mit dir, wohin du gehst. Kommt dir etwas ungelegen, frage Gott und du verstehst.
Der Tag hat endlich seine Ruhe. Er zieht bereits das Nachthemd an. Im Hausflur dösen Straßenschuhe: Die haben ihre Pflicht getan.
Nun legt der Tag sich ein paar Stunden in sein gesterntes Himmelbett. Bald hat er einen Traum gefunden. Der Mond scheint auf das Fensterbrett.
Um sechs Uhr früh schrillt laut der Wecker. Der Tag steht widerwillig auf, macht Katzenwäsche, eilt zum Bäcker. Und nimmt dann den gewohnten Lauf.
Viel Lärm um Nichts - dann Mittagessen - Der Koch ist wieder mal zu loben. Den Rest kann man getrost vergessen. Dann naht der Zeitpunkt: Siehe oben.
Du hast kein Herz und keine Seele bei dir beißt jeder auf Granit. Du kennst kein Bitten nur Befehle. Mit dir macht man so manches mit.
Wer aufmuckt, spürt die Peitschenhiebe. Du bist ein Wüstling und Tyrann. Ein Fremdwort ist für dich die Liebe. Wie jedermann erfahren kann.
Du bist so hart wie Stahl und Eisen. Und du benimmst dich äußerst schlecht. Was willst du nur damit beweisen. Pass auf, das sich dein Tun nicht rächt.
Du spielst verrückt und spielst die Wilde. Weil dich der Schupfer so erschuf. Und glaubst: Die Sanftmut und die Milde, die schaden deinem schlechten Ruf.
Guten Morgen, Sonnenschein. Schon in aller Frühe gibst du uns ein Stell-dich-ein. Danke für die Mühe.
Heute lacht das Himmelblau. Stören tut das keinen. Und wir wissen ganz genau: Keine Wolken weinen.
Dieser wunderschöne Tag hilft beim Stimmung-heben. Und wer möchte und wer mag wird auch Spaß erleben.
Selbst wenn was schiefgeht, will ich lachen ich bin ein Mensch, kein Automat. Wie einfach ist das Fehlermachen. Und ständig bin ich nicht auf Draht.
Nichts soll mich aus der Fassung bringen. Kein Wortgefecht, kein scheeler Blick. Nichts soll mich in die Knie zwingen. Nicht einmal die Pauschalkritik.
Hält einer 'ne Gardinenpredigt und zielt dabei speziell auf mich. Dann ist er für mich glatt erledigt. Es sei denn, er entschuldigt sich.
Sonne, Sonne, Sonne Wir greifen durstig nach dem Glas. Dann gluckert laut der Wassermagen. Der Rasen beißt ins welke Gras, Denn Hitze kann er nicht vertragen. Das Thermometer steigt und steigt. Es klettert in den höchsten Graden. Der Pausenhof hingegen schweigt. Das Einmaleins geht heute baden. Der forsche Schritt benimmt sich zahm, und selbst ein Hitzkopf schont die Kräfte. Der Weg zum Ziel kriecht schneckenlahm. Es kugeln sich die Eis-geschäfte. Erträumt, erhofft und heiß begehrt. Der Wunsch ist Wirklichkeit geworden. Ein Sonnenstich wird uns beschert. "Nun lebe hoch, der kühle Norden."
Klausur Im großen Saal herrscht Totenstille. Ins Grübeln kommt die Frohnatur. Die Aufsicht putzt die Lesebrille. Der AL eins geht in Klausur. Noch strahlt das Schmierblatt weiß und reinlich. Der spitze Bleistift wird gezückt. Und was er weiß, ist mehr als peinlich. Sein erster Ein-Satz ist missglückt. Am Nachbartisch wird flott geschrieben. Die Worte purzeln aufs Papier. Mein Wissensdurst wird nicht vertrieben. Der Tisch steht meilenweit von mir. Vergessen ist das Lampenfieber. Mein Uhrwerk funkt zum Pausenpfiff. Der Durst geht nun zu Cola über. Dem Brot gehört mein nächster Griff. Gestärkt, gesättigt, cola-munter erscheinen Fragen kinderleicht. Doch leider wird dadurch, mitunter, ein Punkt der Lösung nicht erreicht. Allmählich läuft die Sache prächtig. Der Geistesblitz kommt auch in Schuss. Da heißt es plötzlich, 'hinterträchtig': "In zwei Minuten, Abgabeschluss!"
Schimpf und Schande Bevor der Schimpf die Schande lästert, bevor ein Krach Karriere macht, wird duz-gebrüdert und verschwestert, worauf entzückt die Eintracht lacht. Ein krummes Wort verschnürt die Kehle des Spasses und der Heiterkeit. Das fuchst die tiefgekränkte Seele und Stachel stehen kampfbereit. Nun lächeln falsch die weißen Zähne. Im Hinterhalt liegt schon der Strolch. Er schmiedet seine Rachepläne. Und "im Gebüsch" schärft er den Dolch. Dadurch verliert Gebrautes: Malz und Hopfen. Der Heckenschütze spielt den wilden Mann. Jedoch im Licht pflegt er das Schulter-klopfen. Darum: Rette sich wer kann! Lebenslauf Manchmal geht es auf und manchmal steil bergab. Wir nehmen es in Kauf. Die Mittel werden knapp. Wir wollen hoch hinaus. Noch haben wir die Wahl. Dann geht die Puste aus. So stirbt das Ideal. Die Falten im Gesicht vermehren sich geschwind. Der Mensch verjüngt sich nicht. Es altert schon das Kind. Manchmal bleibt ein Rest und manchmal geht es auf. Es steht nichts fest im Lebenslauf.
Ganz gewiss Bald brennt mich keine Nessel. Dann reizt und juckt kein Kraut. Gesprengt ist jede Fessel. Und Knebel sind verdaut. Ich will es täglich hoffen: Bald hemmt kein Hindernis. Dann steht mein Himmel offen. Das ist gewiss. Apfelernte Die ersten Äpfel reifen, das lockt den Wespenschwarm. Sie setzen und ergreifen (- den Baumherrn in Alarm). Sie halten sich ans Beste. Sie kennen sich gut aus. Und Würmer feiern Feste im roten Apfelhaus. Es trifft trotz Donnerwetter der Mundraub seine Wahl. Das Recht wird ihm zum Retter im richterlichen Saal. So geht das Äpfelpflücken im Erntemonat flott. Die Kelter darf die Zentner drücken und Pfundiges wird zu Kompott.
Beim Zahnarzt Die Angst nimmt Platz im Warte-Saal. Es dringt an ihre Ohren ein Lautgemisch aus Schmerz und Qual, erzeugt vom Zähne-bohren. Erschrocken frösteln Mark und Bein. Schon zittert die Mimose. Die Haut der Gänse stellt sich ein. Das Herz rutscht in die Hose. Am Rücken rinnt der kalte Schweiß. Es fiebern die Gedanken. Die grauen Zellen laufen heiß. Ein Vorsatz kommt ins Wanken. Die Angst erblasst und zieht den Schluss: "Ich will nach Hause eilen, damit ich nichts verschmerzen muss. Mein Zahnweh wird sich heilen." Plötzlich schwebt ein weißer Engel durch den Wartesaal und verkündet in der Mitte: Der Nächste, bitte! Dr. Karies erwartet Sie am Marterpfahl. Die gekränkte Ehre Die Stimmung ist erkältet. Ein Schimpfwort blökt und mault. Weshalb die Antwort scheltet, und jeden Spaß vergrault. Am Abend quält ein Schnupfen. Die Harmonie fällt flach. Ein Hühnchen ist zu rupfen, und folglich gibt es Krach. Das Rad des Lieb-seins holpert, viel schneller als man denkt. Die gute Laune stolpert, worauf die Ehre kränkt. Im Magen Seit langem liegst du mir im Magen. Und Liebeslieder sind verklungen. Ich wollte dich auf Händen tragen, das ist mir nur im Traum gelungen. Die schmeichelhaften Flötentöne verkorksten in der Wirklichkeit. Und seinen Abschied nahm das Schöne. Wir spürten bald: 'Das tut uns leid.' So hofften wir auf große Wunder. Ins Schleudern kam dann die Geduld. Und alles ging den Bach hinunter. Es war - wie immer - keiner schuld. Frühstück nach Maß Ein Tag erwacht. Der Hahn kräht munter. Die Hennen purzeln aus dem Bett. Und gleich darauf - es ist ein Wunder - erscheint das Frühstück auf Tablett. Das Brötchen hat sich selbst gebuttert. Im Glase "singt" das hohe C. Ich bin umsorgt, verwöhnt, ummuttert. Und köstlich duftet der Kaffee. Doch leider irrt sich meine Nase. Den Augen spielt man einen Streich. Und plötzlich platzt die Seifenblase. Noch liege ich im Traum-Bereich.
Nach einem langen Urlaub Ab Morgen hagelt es Beschwerden. Dann kommt die Sonnenfinsternis. Ab Morgen wird es anders werden. Das ist "so sicher wie gewiss". Der lange Urlaub ist zerronnen, wenn früh um sechs der Wecker schrillt. Das Morgen-Grauen hat begonnen. Der Wermutsbecher ist gefüllt. Die freien Tage sind zu Ende. Die Arbeit ruft - nach dieser Nacht. Erst bricht sie meine Widerstände, bevor sie mich zur Minna macht. Ab Morgen wird die Arbeit wüten, das lastet mehr als tausend Zentner. Das muss sie mir zurückvergüten! - Spätestens als Rentner. Kräfteverschleiss Auf jeden Fall wird es sich lohnen, wenn wir die letzten Kräfte schonen. Sonst sind wir jämmerlich geschlaucht, zermürbt, gemartert und verbraucht. Dann können wir, das will was heißen, uns nicht mehr in den Hintern beißen. Sogar ein Schicksalsfaden reißt, wenn sich die letzte Kraft verschleißt. Leider wahr Der Mensch wird mit dem Fuß getreten. Man sieht nicht hin, man geht vorbei. Man hört nicht hin, und will nicht reden. Und was man tut, steht jedem frei. So garantiert es die Verfassung, die man vom Hören-Sagen kennt. Doch sie steht kurz vor der Entlassung, erklärt in Bonn das Parlament. Verstaubt und stumm ist das Gewissen. Es meldet sich nicht mehr zu Wort. Die Wurzeln wurden ausgerissen. Sie fliegen morgen über Bord. Man wird für diese Untat büßen. Das Unrecht ist ein wildes Tier und tritt ein Menschenrecht mit Füßen. ... Uns kümmert nur das eigne Bier! Ein besonderer Haushalt Wir schmieden einen Haushaltsplan. Ein schwieriges Kapitel. 'Wo schaffen wir die Kohlen ran?' Noch fehlt das Zahlungsmittel. Die Arbeit ist ein hartes Brot, und somit nicht geheuer. Drum fordern wir in schwerer Not von jedem eine Steuer. Trotz allem wächst das Haushaltsloch. Es ist nicht leicht zu stopfen. Wir stöhnen unter diesem Joch. (Und müssen was verklopfen.) Ein Un-Vermögen braucht Kredit für eine Mehrzweckhalle. Die Rechtsaufsicht spielt nicht mehr mit, und streikt: in diesem Falle. Weshalb sie unverzüglich schreibt: "Dem Haushalt fehlt die Deckung. Und wenn ihr weiter Unfug treibt, droht bald die Zwangsvollstreckung!" Nun wird der Haushalt neu frisiert, gestylt mit Raffinessen. Mit Schminke zu- und aufpoliert. (Den Rest kann man vergessen.) In die Stadt Ein Auto steuert in die Stadt. Es koste, was es wolle. Man hat ja längst das Laufen satt, und Geld spielt keine Rolle. Im Zentrum ist die Hölle los. Die Schlange kommt ins Stocken. Man legt die Hände in den Schoß. Und bleibt gelangweilt hocken. Ein Vorwärts gibt es nur im Schritt. "Zum Schinder und zum Henker, das mache ich nicht länger mit!" Beschließt ein Auto-Lenker. Er kurvt zurück zum Park-and-Ride. Und beim Motorabschalten erklärt er sich: "Mein Nervenkleid muss noch ein Weilchen halten." Beim Busfahrplan trifft in der Schlag. Sein Kopf wird weiß wie Kreide. Der Nächste fährt am Nachmittag. (Das ist die andre Seite!) Alles ist möglich Im Magen wuchert kein Geschwür, weil man den Ärger meidet. Man fegt vor seiner eig'nen Tür und die Vernunft entscheidet. Dem Guten geht man auf den Leim - nach allen Seiten offen. Die Seelenruhe findet heim. Nun darf man wieder hoffen. Das Pendel schwingt ins rechte Lot trotz eines Zwischenfalles. Man sieht nicht schwarz, man sieht nicht rot. Das ist unmöglich! - Möglich ist alles.
Der Rotstift Beim kleinsten Fehler wird gemeckert, geschimpft, gewiehert und gelacht. So wird das Rühmliche bekleckert, damit es nicht Karriere macht. Der Rotstift kann kein Loblied singen. Und hält sich stets für unfehlbar. Ein Andrer muss durchs Feuer springen. Das ist bedenklich, aber wahr. Er pflegt, das dünne Haar zu spalten. Der Haar-ansatz geht so bankrott. Und jede Willkür lässt er walten, "als wäre er, der liebe Gott". Man kann ihm nicht ins Handwerk pfuschen, selbst wenn er offensichtlich fehlt. Denn er kennt Schliche für's Vertuschen. Und das alleine zählt.
Dem Abgrund auf den Grund Wenn in den Traum ein Wecker klingelt. Wenn mir die Stechuhr Beine macht. Wenn mich ein Stundenplan umzingelt. Und wenn das Pechmariechen lacht. Wenn eine Kater-Strophe wimmert. Wenn sich das Fell vor Unmut sträubt. Wenn meine Lage sich verschlimmert. Und wenn mich Schwieriges betäubt. Wenn meine Miene sich verschleiert. Wenn mich ein Kreisel höllisch dreht. Und wenn mein Hirn auf einmal eiert, obwohl es sonst vorzüglich geht. Dann will ich mich dagegen wehren. Und greife nach dem Schlüsselbund. Vielleicht kann ich den Vor-Fall klären, und komme meinem Abgrund auf den Grund. Vorsicht - offenes Feuer Die Sonnenblumen - abgeknickt. Gerupft die Friedenstaube. Das Ende hart und eingedickt. Am Daumen dreht die Schraube. Was geht hier vor? Man glaubt es nicht! Man kann es höchstens ahnen. Der Neid entdeckt das Tageslicht und schwenkt mit seinen Fahnen. Gepulvertes und Dynamit! Verpestete Gewehre! Ein unverschämter Stiefeltritt ver-setzt die Atmosphäre. Es wispert aus dem Untergrund. Es kreisen die Parolen. Die Hand verdeckt den Flüstermund. Man lügt auf leisen Sohlen. Das kann doch nicht - das darf nicht sein!!! Das ist doch ungeheuer verwerflich und nicht stubenrein. Vorsicht - offenes Feuer. Aus allen Nähten Nun platzen alle Nähte. Der Riss nimmt seinen Lauf. Egal was ich auch täte, kein Umstand hält es auf. Noch schillert die Fassade. Noch äugt das Lumpenpack. Bald fällt die Maskerade, und "Knüppel aus dem Sack". Doch steigt mir in die Tasche. Und leckt mich jetzt am Hemd. Denn diese Gaunermasche ist mir zwar neu - jedoch nicht fremd. Hin und wieder Hin und wieder ungeschoren. Meistens aber kahl rasiert. Manchmal frech und unverfroren, dass der Anstand sich blamiert. Ab und zu in gutem Glauben. Aber dann ein krummes Ding. Bitter sind die süßen Trauben. Und man wird zum Sonderling. Aus dem Häuschen, sangesfreudig. Plötzlich tappst die "Nachtigall". Dadurch wird die Stimmung räudig, und die Freude kommt zu Fall. Hin und wieder rotzt ein Flegel auf den blank polierten Schuh. Und dann streiche ich die Segel bis zum nächsten "Rendez-vous". Blauen Auges Zuweilen wie ein Häufchen Elend, verbittert und erbost. Dadurch den klugen Weg verfehlend und nicht mehr ganz-bei-Trost. Zuweilen wie ein Scherbenhaufen, zersplittert, scharf geeckt. Gedanken preisen und verkaufen den Zündstoff, der die Rache weckt. Zuweilen wie ein Schuhabstreifer am Boden (und knocked out!). Missbraucht durch Galle und Gegeifer, verklopft, verprügelt und verhaut. Zuweilen kommt das Gegenteil. Ver-Hängnis-volles hat sich freigeschwommen. Und somit ist man nochmals heil und blauen Aug's davongekommen. Der Faden Er ist zu kurz. Er ist gerissen. Er hält das Krummschwert in der Schwebe. Er ist verknotet und zerschlissen. Und er bestimmt, wie lang ich lebe. Er treibt es bunt. Er glänzt und schimmert. Das Rot ist seine Lieblingsfarbe. Und wenn ein Blinddarm sich verschlimmert, dann schließt er prompt die wunde Narbe. Er stopft ein Loch im alten Socken. Er strickt die Mütze für die Ohren. Er bringt mich aber auch ins Stocken. Dann habe ich - den Faden verloren. Der Fall Der Blumentopf ist abgestürzt. Am Boden liegt die Erde. Gesalzt, gepfeffert und gewürzt benimmt sich die Beschwerde. Sie fuchtelt wild und tobt erregt. Wie konnte das geschehen? Ein Blumentopf bleibt unentwegt an seinem Stellplatz stehen. Nun haben wir die Schererei und einen Scherbenhaufen. "Der Schuldige kommt nicht daran vorbei, sofort Ersatz zu kaufen." Jetzt will es keiner gewesen sein! Wie frech, wie unerzogen. Kein Mensch steht für den Vorfall ein. - Da sagt ein Ellenbogen: "Im Vor-Fall habe ich nur meine Žrmel hochgekrempelt, da hat er mich von hinten angerempelt." Kopfsalat Sie trösten und betrauern. Sie brechen nicht entzwei. Sie überwinden Mauern und sind nicht schwindelfrei. Sie sind nicht auszuschalten. Ihr Fass wird niemals leer. Sie lassen sich nicht halten und nehmen manches schwer. Mal sind sie unbesonnen. Und manchmal ungeklärt, verzwickt, verstrickt, versponnen, verdreht und ungelehrt. Sie glühen heiß wie Kohlen, zuweilen sind sie kühl. Erfunden und gestohlen. Teils hart, teils Mitgefühl. Sie stoppen nicht vor Schranken und nicht bei Stacheldraht. Es purzeln die Gedanken. Dann gibt es Kopfsalat. Nichts und Niemand Der Himmel möge mit dir lachen. Im Dunklen leuchte dir ein Stern. Kein Umstand soll dich traurig machen. Und alles Unheil sei dir fern. Sei unbesorgt in allen Dingen. Dein Wunsch wird sicher bald erhört. Das Schwierige wird dir gelingen. Und nichts und niemand, das dich stört. Das Hinderliche wird verschwinden. Und auch der allergrößte Frust wird garantiert ein Ende finden. Das sei dir unbedingt bewusst.
Kurz nach der Bescherung Menschenmassen, Menschentrubel. Alles eilt und alles rennt. Wo man hinschaut, rollt der Rubel, denn wir schreiben nun Advent. Käuferwünsche, Lichterketten, Tannenwedel, bunt geschmückt, häufen sich in allen Städten. Nasen werden plattgedrückt. Super-Sonderangebote für die Tochter, für den Sohn. Und man preist die Wintermode liedumspielt durchs Mikrofon. Plastiktüten, große Schachteln, fest verpackt und fein geschnürt werden samt den frischen Wachteln in die Wohnung heimgeführt. Altpapier und Müllentleerung, Fichten, Tannen, braun und kahl, gibt es kurz nach der Bescherung. - Kommentar: Das ist normal. Die Gunst der Stunde Meistens sind wir angeschlagen. Irgendetwas passt uns nicht. Jedes Ding hat seinen Haken. Wurmig ist die Tagespflicht. Dauernd wünschen wir die Wende. Ungebeten, ungewollt, kommt sogleich das dicke Ende, das uns förmlich überrollt. Auf den Wegen, schwarze Katzen. Auf der Leber, eine Laus. Und der Unmut ist am Platzen, denn er hält es nicht mehr aus. Dankbar für die Gunst der Stunde können wir nur selten sein. Denn schon in der nächsten Runde stellt das Gegenteil sich ein. Auf der Zielgeraden Das Jahr erreicht die Zielgerade, die letzten hundert Meter. Schon sprechen alle ohne Gnade vom neuen Stellvertreter. Es hat sich redlich aufgerieben. Nun straft es die Verachtung. Der größte Teil ist abgeschrieben bei näherer Betrachtung. Die Chronik wüsste zu berichten und gäbe zu bedenken. Wir wollen gern darauf verzichten. Das werden wir uns schenken. Beim Endspurt krachen die Raketen. Sie zischen in den Januar. Jedoch der Sieger schaut betreten. Der Glückwunsch gilt dem Neuen Jahr.
Wer wird denn weinen Wer wird denn so laut weinen? Bald schmilzt der hohe Schnee. Dann bist du auf den Beinen. Dann tut dir nichts mehr weh. Kein Frosch sitzt dir im Rachen. Es hebt sich dein Gemüt. Dann kringelt sich dein Lachen. Es freut dich, was geschieht. Du kannst es noch nicht glauben und zweifelst am Befund. Bald hängen dir die Trauben zum Essen in den Mund. Dann schwimmst du wieder oben und dankst für dein Geschick. "Mein Tiefgang ist behoben!" Erkennt dein klarer Blick. Du solltest nicht mehr trauern. Bald bist du sorgenfrei. (Noch bist du zu bedauern, jedoch das geht vorbei!) Der gute Geist Im Dschungel der Gedanken hält sich mein Geist versteckt. Die kleinen Fische zanken. Mein Missmut wird geweckt. Die Wut beginnt zu kochen. Ich fahre aus der Haut, und bin jetzt ausgesprochen erzürnt und fluche laut. "Was soll denn das Theater?" Fragt unverblümt mein Geist. "Dir fehlt nur ein Berater, der deinen Laden schmeißt." Da will ich widersprechen, doch dann erkenne ich. Das wird sich an mir rächen, - und wäre fürchterlich. Aussiedler Entwurzelt und geschädigt, die Haare ausgerauft, am Boden und erledigt, verraten und verkauft. Vergessen und verlassen, das Schicksal stellt ihn bloß. Und fremd in allen Gassen. Vereinsamt, heimatlos. Gebeutelt und getreten, gepiesackt, schickaniert, ein rotes Tuch für jeden, zum Teil schon ausradiert. Entmündigt und vertrieben. Geschlagen wie ein Hund. Gehetzt und aufgerieben, verteufelt ohne Grund. Geflüchtet über jede Hürde. Nun steht er da im Layrinth. Und die erträumte Menschenwürde erlangt vielleicht sein Wickelkind. Politische Wirklichkeit Wir nehmen alles Unbequeme entschlossen in die Hand. Und meistern knifflige Probleme: mit dem Kopf durch die Wand. Wir haben keinerlei Routine. Uns fehlt der Sachverstand. Und wir befehlen ernster Miene: mit dem Kopf durch die Wand. Wir sind gelernte Scherenschleifer, doch staatlich anerkannt. Und stürzen uns mit blindem Eifer: mit dem Kopf durch die Wand. Wir gehen allen an den Kragen. Ein Dienst am Vaterland. Und stellen uns den schweren Fragen: mit dem Kopf durch die Wand. Gerät durch unsre Politik die Sache außer Rand und Band, dann stecken wir im nächsten Augenblick: das Köpfchen in den Sand. Zwischen den Jahren Das Neue-Jahr gibt uns die Ehre Es setzt sich schwungvoll an die Bar. "Ich starte eine Blitzkarriere!" Verkündet selbstbewusst der Star. "Man spricht von mir in allen Gassen, auf jedem Dorf, in jeder Stadt. Mein Auftritt wird sich sehen lassen, sogar auf dem Kalenderblatt. Ob Tagesschau, ob Rechnungsschreiber, ob Hongkong, Rio und Shanghai, ob Staatsmann oder Eselstreiber, an mir kommt keine 'Sau' vorbei. Da fällt ihm das Alte-Jahr ins Wort: "Ich hatte einst diegleiche Meinung. Nun bin ich höchstens zweite Wahl. Und morgen: eine Zeiterscheinung. Und übermorgen: eine Zahl." Die Haut versengt Man haut uns "freundlich" übers Ohr. Wir lernen nicht durch Schaden. Wir machen uns zu oft was vor. Uns ist nicht mehr zu raten. Bei manchem ahnen wir sofort: Der Spaß wird sich verrenken. Dann spricht die Unvernunft ein Wort. Schon schwinden die Bedenken. Zwar schmerzt uns noch ein alter Stich. Das ist uns keine Lehre. Wir bleiben unverbesserlich: Hinein in die Affäre. Nun steht der Rücken an der Wand. Zuerst ein kleiner Finger. Am Ende fehlt die ganze Hand, dann kommt der Hundezwinger. Wir haben uns die Haut versengt beim Spiel mit heißen Kohlen. Wir sind im höchsten Grad beschränkt, weil wir zum x-ten Mal dasselbe wiederholen. Die Diagnose Was habe ich noch zu verlieren? Am Tiefpunkt bin ich angelangt. Nun krieche ich auf allen Vieren. Und was mich freut, hat abgedankt. "Es war ein Sturz ins Bodenlose, ein ungebremster, freier Fall", erläutert mir die Diagnose, "mit garstigem Zusammenprall!" "Das Gröbste wäre überstanden. Bald wird dein Schicksal umgedreht. Ein schöner Ausblick ist vorhanden, weil es schon Morgen aufwärts geht!"
Ein Aktenberg Ein Mensch geht ausgeruht ans Werk. Und vor ihm liegt ein Aktenberg. Die Žrmel hat er hochgekrempelt. Nun wird beschriftet und bestempelt. Doch kommt ihm etwas spanisch vor, holt er den Bleistift hinterm Ohr, und malt ein dickes Fragezeichen. Das heißt: mit dem Gesetz vergleichen. Fast jeder Handgriff sitzt perfekt. Die Schrift ist sauber wie geleckt. Hat sich ein Fehler eingeschlichen, wird er mit Sorgfalt durchgestrichen. ... später: Der Bleistift wird nicht mehr gespitzt, und der Verstand wird aufgestützt. "Die Arbeit macht aus Menschen Sklaven." Das denkt er, und ist eingeschlafen.
Über Strolche Den kleinen Strolch, den schnappt man sich. Er wird geteert, gefedert. Und von Gerichten - sprichwörtlich: gevierteilt und gerädert. Dann büßt er für die krumme Tat und für das Ungerade im Zuchthaus hinter Stacheldraht. Denn Recht kennt keine Gnade. Ihm wurden Jahre aufgebrummt und keinen Tag Bewährung. Sein Einwand ist sehr bald verstummt trotz mangelnder Erklärung. Wer stur auf seinen Vorteil pocht, der kann sich "gut" verkaufen. Der kleine Strolch wird eingelocht, die großen lässt man laufen. Der größte Gauner aber fliegt nach Chile, erster Klasse. Das Unverständnis überwiegt. Es murrt die breite Masse. Diät-halten Die Kaufwut hat sich abgekühlt. Ein Händler sitzt auf seiner Ware. Sein Ladentisch wird nicht durchwühlt. Zu Ende sind die fetten Jahre. Es steigt die Arbeitslosenquote. Fast täglich klettert diese Zahl. Und ein Konkurs kommt groß in Mode, und seine Folgen sind fatal. Auf spiegelglatter, steiler Straße geht es bergab in schneller Fahrt. Bald liegt die Wirtschaft auf der Nase, dann wird die Armut Gegenwart. Das Parlament erklärt den Massen: Als Zeichen unsrer Solidarität, in Anbetracht der leeren Kassen, verordnen wir uns selbst: Diät. Farbenspiele Nur Schwarze, Rote, Gelbe, Grüne, vermarkten sich im Rampenlicht. Ein Fußvolk klatscht auf der Tribüne, falls seine Lieblingsfarbe spricht. Es schwärzt aus den Parteiprogrammen: "Die Rothaut wählt kein Negerkind! Und Gelb und Grün passt nicht zusammen. Wir sind ge-/entschlossen farbenblind!" Ob Rote, Schwarze, Grüne, Gelbe. Es ist kein großer Unterschied. Im Grund genommen: fast dasselbe - wenn man die Farben übersieht. Im Schoppen liegt der Geist des Weins. Es unterhält uns: Mainz bleibt Mainz. Der Höhepunkt der Büttenreden: ein Tusch mit Pauken und Trompeten. Im Zweifelsfall wird mitgelacht, denn sonst entstünde der Verdacht: Man könne keinen Spaß vertragen. (Ein Platzverweis - in diesen Tagen!) Den Vorwurf hält man sich vom Leib und strahlt: Ein netter Zeitvertreib! So lustig unverblümt, so spaßig. Der Schoppen wirkt. Der Mund schwätzt glas-ig. Die leere Flasche wird entsorgt. Und dann die nächste ausgekorkt. Man schaut zum angemachten Käse. Das Tanzbein zuckt zur Polonaise. Zum Abschluss: Humba-tätärä. Und "Prosit" auf das Schädelweh. Beschwingt bis in die Zehenspitzen. Helau. Man hat jetzt einen sitzen. Bestechlich?! Der eine gibt, der andre nimmt. So sind die Möglichkeiten. Doch dass die Endabrechnung stimmt, erhoffen beide Seiten. Der Geber hat den Obolus als sein Geschenk entrichtet. Der Nehmer wird im Umkehrschluss zum Danke-schön verpflichtet. Wer-gibt-der-nimmt-wer-nimmt-der-gibt! Die Sache ist beschlossen. Und wer ein Ding nicht weiterschiebt, hat einen Bock geschossen. Wenn nun ein hoch-dotiertes Tier (sein Name: nebensächlich) die Hand aufhält, dann schimpft man hier: 'Der schräge Vogel ist bestechlich.'
Nicht schon wieder Schon wieder eine schwarze Wolke. Die Hexe schwingt den Besenstiel. Es hagelt förmlich Misserfolge. Der Teufel hat die Hand im Spiel. Schon wieder eine bange Frage. Ich weiss mir darauf keinen Reim, durchleuchte aber meine Lage, und gehe denkend aus dem Leim. Schon wieder eine dicke Brühe, die mir empört die Meinung geigt. Mein Löffel macht sich nicht die Mühe, verhält sich teilnahmslos und streikt.
Sonne, Sonne, Sonne Wir greifen durstig nach dem Glas. Dann gluckert laut der Wassermagen. Der Rasen beißt ins welke Gras, Denn Hitze kann er nicht vertragen. Das Thermometer steigt und steigt. Es klettert in den höchsten Graden. Der Pausenhof hingegen schweigt. Das Einmaleins geht heute baden. Der forsche Schritt benimmt sich zahm, und selbst ein Hitzkopf schont die Kräfte. Der Weg zum Ziel kriecht schneckenlahm. Es kugeln sich die Eis-geschäfte. Erträumt, erhofft und heiß begehrt. Der Wunsch ist Wirklichkeit geworden. Ein Sonnenstich wird uns beschert. "Nun lebe hoch, der kühle Norden." Klausur Im großen Saal herrscht Totenstille. Ins Grübeln kommt die Frohnatur. Die Aufsicht putzt die Lesebrille. Der AL eins geht in Klausur. Noch strahlt das Schmierblatt weiß und reinlich. Der spitze Bleistift wird gezückt. Und was er weiß, ist mehr als peinlich. Sein erster Ein-Satz ist missglückt. Am Nachbartisch wird flott geschrieben. Die Worte purzeln aufs Papier. Mein Wissensdurst wird nicht vertrieben. Der Tisch steht meilenweit von mir. Vergessen ist das Lampenfieber. Mein Uhrwerk funkt zum Pausenpfiff. Der Durst geht nun zu Cola über. Dem Brot gehört mein nächster Griff. Gestärkt, gesättigt, cola-munter erscheinen Fragen kinderleicht. Doch leider wird dadurch, mitunter, ein Punkt der Lösung nicht erreicht. Allmählich läuft die Sache prächtig. Der Geistesblitz kommt auch in Schuss. Da heißt es plötzlich, 'hinterträchtig': "In zwei Minuten, Abgabeschluss!"
Schimpf und Schande Bevor der Schimpf die Schande lästert, bevor ein Krach Karriere macht, wird duz-gebrüdert und verschwestert, worauf entzückt die Eintracht lacht. Ein krummes Wort verschnürt die Kehle des Spaßes und der Heiterkeit. Das fuchst die tiefgekränkte Seele und Stachel stehen kampfbereit. Nun lächeln falsch die weißen Zähne. Im Hinterhalt liegt schon der Strolch. Er schmiedet seine Rachepläne. Und "im Gebüsch" schärft er den Dolch. Dadurch verliert Gebrautes: Malz und Hopfen. Der Heckenschütze spielt den wilden Mann. Jedoch im Licht pflegt er das Schulter-klopfen. Darum: Rette sich wer kann! Lebenslauf Manchmal geht es auf und manchmal steil bergab. Wir nehmen es in Kauf. Die Mittel werden knapp. Wir wollen hoch hinaus. Noch haben wir die Wahl. Dann geht die Puste aus. So stirbt das Ideal. Die Falten im Gesicht vermehren sich geschwind. Der Mensch verjüngt sich nicht. Es altert schon das Kind. Manchmal bleibt ein Rest und manchmal geht es auf. Es steht nichts fest im Lebenslauf. Ganz gewiss Bald brennt mich keine Nessel. Dann reizt und juckt kein Kraut. Gesprengt ist jede Fessel. Und Knebel sind verdaut. Ich will es täglich hoffen: Bald hemmt kein Hindernis. Dann steht mein Himmel offen. Das ist gewiss.
Apfelernte Die ersten Äpfel reifen, das lockt den Wespenschwarm. Sie setzen und ergreifen (- den Baumherrn in Alarm). Sie halten sich ans Beste. Sie kennen sich gut aus. Und Würmer feiern Feste im roten Apfelhaus. Es trifft trotz Donnerwetter der Mundraub seine Wahl. Das Recht wird ihm zum Retter im richterlichen Saal. So geht das Äpfelpflücken im Erntemonat flott. Die Kelter darf die Zentner drücken und Pfundiges wird zu Kompott. Die gekränkte Ehre Die Stimmung ist erkältet. Ein Schimpfwort blökt und mault. Weshalb die Antwort scheltet, und jeden Spaß vergrault. Am Abend quält ein Schnupfen. Die Harmonie fällt flach. Ein Hühnchen ist zu rupfen, und folglich gibt es Krach. Das Rad des Lieb-seins holpert, viel schneller als man denkt. Die gute Laune stolpert, worauf die Ehre kränkt.
Im Magen Seit langem liegst du mir im Magen. Und Liebeslieder sind verklungen. Ich wollte dich auf Händen tragen, das ist mir nur im Traum gelungen. Die schmeichelhaften Flötentöne verkorksten in der Wirklichkeit. Und seinen Abschied nahm das Schöne. Wir spürten bald: 'Das tut uns leid.' So hofften wir auf große Wunder. Ins Schleudern kam dann die Geduld. Und alles ging den Bach hinunter. Es war - wie immer - keiner schuld. Frühstück nach Maß Ein Tag erwacht. Der Hahn kräht munter. Die Hennen purzeln aus dem Bett. Und gleich darauf - es ist ein Wunder - erscheint das Frühstück auf Tablett. Das Brötchen hat sich selbst gebuttert. Im Glase "singt" das hohe C. Ich bin umsorgt, verwöhnt, ummuttert. Und köstlich duftet der Kaffee. Doch leider irrt sich meine Nase. Den Augen spielt man einen Streich. Und plötzlich platzt die Seifenblase. Noch liege ich im Traum-Bereich.
Nach einem langen Urlaub Ab Morgen hagelt es Beschwerden. Dann kommt die Sonnenfinsternis. Ab Morgen wird es anders werden. Das ist "so sicher wie gewiss". Der lange Urlaub ist zerronnen, wenn früh um sechs der Wecker schrillt. Das Morgen-Grauen hat begonnen. Der Wermutsbecher ist gefüllt. Die freien Tage sind zu Ende. Die Arbeit ruft - nach dieser Nacht. Erst bricht sie meine Widerstände, bevor sie mich zur Minna macht. Ab Morgen wird die Arbeit wüten, das lastet mehr als tausend Zentner. Das muss sie mir zurückvergüten! - Spätestens als Rentner.
Kräfteverschleiß Auf jeden Fall wird es sich lohnen, wenn wir die letzten Kräfte schonen. Sonst sind wir jämmerlich geschlaucht, zermürbt, gemartert und verbraucht. Dann können wir, das will was heißen, uns nicht mehr in den Hintern beißen. Sogar ein Schicksalsfaden reißt, wenn sich die letzte Kraft verschleißt.
Leider wahr Der Mensch wird mit dem Fuß getreten. Man sieht nicht hin, man geht vorbei. Man hört nicht hin, und will nicht reden. Und was man tut, steht jedem frei. So garantiert es die Verfassung, die man vom Hören-Sagen kennt. Doch sie steht kurz vor der Entlassung, erklärt in Bonn das Parlament. Verstaubt und stumm ist das Gewissen. Es meldet sich nicht mehr zu Wort. Die Wurzeln wurden ausgerissen. Sie fliegen morgen über Bord. Man wird für diese Untat büßen. Das Unrecht ist ein wildes Tier und tritt ein Menschenrecht mit Füßen. ... Uns kümmert nur das eigne Bier!
In die Stadt Ein Auto steuert in die Stadt. Es koste, was es wolle. Man hat ja längst das Laufen satt, und Geld spielt keine Rolle. Im Zentrum ist die Hölle los. Die Schlange kommt ins Stocken. Man legt die Hände in den Schoß. Und bleibt gelangweilt hocken. Ein Vorwärts gibt es nur im Schritt. "Zum Schinder und zum Henker, das mache ich nicht länger mit!" Beschließt ein Auto-Lenker. Er kurvt zurück zum Park-and-Ride. Und beim Motorabschalten erklärt er sich: "Mein Nervenkleid muss noch ein Weilchen halten." Beim Busfahrplan trifft in der Schlag. Sein Kopf wird weiß wie Kreide. Der Nächste fährt am Nachmittag. (Das ist die andre Seite!)
Alles ist möglich Im Magen wuchert kein Geschwür, weil man den Ärger meidet. Man fegt vor seiner eig'nen Tür und die Vernunft entscheidet. Dem Guten geht man auf den Leim - nach allen Seiten offen. Die Seelenruhe findet heim. Nun darf man wieder hoffen. Das Pendel schwingt ins rechte Lot trotz eines Zwischenfalles. Man sieht nicht schwarz, man sieht nicht rot. Das ist unmöglich! - Möglich ist alles.
Der Rotstift Beim kleinsten Fehler wird gemeckert, geschimpft, gewiehert und gelacht. So wird das Rühmliche bekleckert, damit es nicht Karriere macht. Der Rotstift kann kein Loblied singen. Und hält sich stets für unfehlbar. Ein Andrer muss durchs Feuer springen. Das ist bedenklich, aber wahr. Er pflegt, das dünne Haar zu spalten. Der Haar-ansatz geht so bankrott. Und jede Willkür lässt er walten, "als wäre er, der liebe Gott". Man kann ihm nicht ins Handwerk pfuschen, selbst wenn er offensichtlich fehlt. Denn er kennt Schliche für's Vertuschen. Und das alleine zählt. Dem Abgrund auf den Grund Wenn in den Traum ein Wecker klingelt. Wenn mir die Stechuhr Beine macht. Wenn mich ein Stundenplan umzingelt. Und wenn das Pechmariechen lacht. Wenn eine Kater-Strophe wimmert. Wenn sich das Fell vor Unmut sträubt. Wenn meine Lage sich verschlimmert. Und wenn mich Schwieriges betäubt. Wenn meine Miene sich verschleiert. Wenn mich ein Kreisel höllisch dreht. Und wenn mein Hirn auf einmal eiert, obwohl es sonst vorzüglich geht. Dann will ich mich dagegen wehren. Und greife nach dem Schlüsselbund. Vielleicht kann ich den Vor-Fall klären, und komme meinem Abgrund auf den Grund.
Vorsicht - offenes Feuer Die Sonnenblumen - abgeknickt. Gerupft die Friedenstaube. Das Ende hart und eingedickt. Am Daumen dreht die Schraube. Was geht hier vor? Man glaubt es nicht! Man kann es höchstens ahnen. Der Neid entdeckt das Tageslicht und schwenkt mit seinen Fahnen. Gepulvertes und Dynamit! Verpestete Gewehre! Ein unverschämter Stiefeltritt ver-setzt die Atmosphäre. Es wispert aus dem Untergrund. Es kreisen die Parolen. Die Hand verdeckt den Flüstermund. Man lügt auf leisen Sohlen. Das kann doch nicht - das darf nicht sein!!! Das ist doch ungeheuer verwerflich und nicht stubenrein. Vorsicht - offenes Feuer.
Aus allen Nähten Nun platzen alle Nähte. Der Riss nimmt seinen Lauf. Egal was ich auch täte, kein Umstand hält es auf. Noch schillert die Fassade. Noch äugt das Lumpenpack. Bald fällt die Maskerade, und "Knüppel aus dem Sack". Doch steigt mir in die Tasche. Und leckt mich jetzt am Hemd. Denn diese Gaunermasche ist mir zwar neu - jedoch nicht fremd.
Hin und wieder Hin und wieder ungeschoren. Meistens aber glatt rasiert. Manchmal frech und unverfroren, dass der Anstand sich blamiert. Ab und zu in gutem Glauben. Aber dann ein krummes Ding. Bitter sind die süßen Trauben. Und man wird zum Sonderling. Aus dem Häuschen, sangesfreudig. Plötzlich tappst die "Nachtigall". Dadurch wird die Stimmung räudig, und die Freude kommt zu Fall. Hin und wieder rotzt ein Flegel auf den blank polierten Schuh. Und dann streiche ich die Segel bis zum nächsten "Rendez-vous". Blauen Auges Zuweilen wie ein Häufchen Elend, verbittert und erbost. Dadurch den klugen Weg verfehlend und nicht mehr ganz-bei-Trost. Zuweilen wie ein Scherbenhaufen, zersplittert, scharf geeckt. Gedanken preisen und verkaufen den Zündstoff, der die Rache weckt. Zuweilen wie ein Schuhabstreifer am Boden (und knocked out!). Missbraucht durch Galle und Gegeifer, verklopft, verprügelt und verhaut. Zuweilen kommt das Gegenteil. Ver-Hängnis-volles hat sich freigeschwommen. Und somit ist man nochmals heil und blauen Aug's davongekommen.
Der Faden Er ist zu kurz. Er ist gerissen. Er hält das Krummschwert in der Schwebe. Er ist verknotet und zerschlissen. Und er bestimmt, wie lang ich lebe. Er treibt es bunt. Er glänzt und schimmert. Das Rot ist seine Lieblingsfarbe. Und wenn ein Blinddarm sich verschlimmert, dann schließt er prompt die wunde Narbe. Er stopft ein Loch im alten Socken. Er strickt die Mütze für die Ohren. Er bringt mich aber auch ins Stocken. Dann habe ich - den Faden verloren.
Der Fall Der Blumentopf ist abgestürzt. Am Boden liegt die Erde. Gesalzt, gepfeffert und gewürzt benimmt sich die Beschwerde. Sie fuchtelt wild und tobt erregt. Wie konnte das geschehen? Ein Blumentopf bleibt unentwegt an seinem Stellplatz stehen. Nun haben wir die Schererei und einen Scherbenhaufen. "Der Schuldige kommt nicht daran vorbei, sofort Ersatz zu kaufen." Jetzt will es keiner gewesen sein! Wie frech, wie unerzogen. Kein Mensch steht für den Vorfall ein. - Da sagt ein Ellenbogen: "Im Vor-Fall habe ich nur meine Ärmel hochgekrempelt, da hat man mich von hinten angerempelt."
Kopfsalat Sie trösten und betrauern. Sie brechen nicht entzwei. Sie überwinden Mauern und sind nicht schwindelfrei. Sie sind nicht auszuschalten. Ihr Fass wird niemals leer. Sie lassen sich nicht halten und nehmen manches schwer. Mal sind sie unbesonnen. Und manchmal ungeklärt, verzwickt, verstrickt, versponnen, verdreht und ungelehrt. Sie glühen heiß wie Kohlen, zuweilen sind sie kühl. Erfunden und gestohlen. Teils hart, teils Mitgefühl. Sie stoppen nicht vor Schranken und nicht bei Stacheldraht. Es purzeln die Gedanken. Dann gibt es Kopfsalat.
Nichts und Niemand Der Himmel möge mit dir lachen. Im Dunklen leuchte dir ein Stern. Kein Umstand soll dich traurig machen. Und alles Unheil sei dir fern. Sei unbesorgt in allen Dingen. Dein Wunsch wird sicher bald erhört. Das Schwierige wird dir gelingen. Und nichts und niemand, das dich stört. Das Hinderliche wird verschwinden. Und auch der allergrößte Frust wird garantiert ein Ende finden. Das sei dir unbedingt bewusst.
Die Gunst der Stunde Meistens sind wir angeschlagen. Irgendetwas passt uns nicht. Jedes Ding hat seinen Haken. Wurmig ist die Tagespflicht. Dauernd wünschen wir die Wende. Ungebeten, ungewollt, kommt sogleich das dicke Ende, das uns förmlich überrollt. Auf den Wegen, schwarze Katzen. Auf der Leber, eine Laus. Und der Unmut ist am Platzen, denn er hält es nicht mehr aus. Dankbar für die Gunst der Stunde können wir nur selten sein. Denn schon in der nächsten Runde stellt das Gegenteil sich ein.
Auf der Zielgeraden Das Jahr erreicht die Zielgerade, die letzten hundert Meter. Schon sprechen alle ohne Gnade vom neuen Stellvertreter. Es hat sich redlich aufgerieben. Nun straft es die Verachtung. Der größte Teil ist abgeschrieben bei näherer Betrachtung. Die Chronik wüsste zu berichten und gäbe zu bedenken. Wir wollen gern darauf verzichten. Das werden wir uns schenken. Beim Endspurt krachen die Raketen. Sie zischen in den Januar. Verlierer schauen ganz betreten. Der Glückwunsch gilt dem Neuen Jahr.
Wer wird denn weinen Wer wird denn so laut weinen? Bald schmilzt der hohe Schnee. Dann bist du auf den Beinen. Dann tut dir nichts mehr weh. Kein Frosch sitzt dir im Rachen. Es hebt sich dein Gemüt. Dann kringelt sich dein Lachen. Es freut dich, was geschieht. Du kannst es noch nicht glauben und zweifelst am Befund. Bald hängen dir die Trauben zum Essen in den Mund. Dann schwimmst du wieder oben und dankst für dein Geschick. "Mein Tiefgang ist behoben!" Erkennt dein klarer Blick. Du solltest nicht mehr trauern. Bald bist du sorgenfrei. (Noch bist du zu bedauern, jedoch das geht vorbei!)
Der gute Geist Im Dschungel der Gedanken hält sich mein Geist versteckt. Die kleinen Fische zanken. Mein Missmut wird geweckt. Die Wut beginnt zu kochen. Ich fahre aus der Haut, und bin jetzt ausgesprochen erzürnt und fluche laut. "Was soll denn das Theater?" Fragt unverblümt mein Geist. "Dir fehlt nur ein Berater, der deinen Laden schmeißt." Da will ich widersprechen, doch dann erkenne ich. Das wird sich an mir rächen, - und wäre fürchterlich. Aussiedler Entwurzelt und geschädigt, die Haare ausgerauft, am Boden und erledigt, verraten und verkauft. Vergessen und verlassen, das Schicksal stellt ihn bloß. Und fremd in allen Gassen. Vereinsamt, heimatlos. Gebeutelt und getreten, gepiesackt, schickaniert, ein rotes Tuch für jeden, zum Teil schon ausradiert. Entmündigt und vertrieben. Geschlagen wie ein Hund. Gehetzt und aufgerieben, verteufelt ohne Grund. Geflüchtet über jede Hürde. Nun steht er da im Layrinth. Und die erträumte Menschenwürde erlangt vielleicht sein Wickelkind.
Politische Wirklichkeit Wir nehmen alles Unbequeme entschlossen in die Hand. Und meistern knifflige Probleme: mit dem Kopf durch die Wand. Wir haben keinerlei Routine. Uns fehlt der Sachverstand. Und wir befehlen ernster Miene: mit dem Kopf durch die Wand. Wir sind gelernte Scherenschleifer, doch staatlich anerkannt. Und stürzen uns mit blindem Eifer: mit dem Kopf durch die Wand. Wir gehen allen an den Kragen. Ein Dienst am Vaterland. Und stellen uns den schweren Fragen: mit dem Kopf durch die Wand. Gerät durch unsre Politik die Sache außer Rand und Band, dann stecken wir im nächsten Augenblick: das Köpfchen in den Sand. Zwischen den Jahren Das Neue-Jahr gibt uns die Ehre Es setzt sich schwungvoll an die Bar. "Ich starte eine Blitzkarriere!" Verkündet selbstbewusst der Star. "Man spricht von mir in allen Gassen, auf jedem Dorf, in jeder Stadt. Mein Auftritt wird sich sehen lassen, sogar auf dem Kalenderblatt. Ob Tagesschau, ob Rechnungsschreiber, ob Hongkong, Rio und Shanghai, ob Staatsmann oder Eselstreiber, an mir kommt keine 'Sau' vorbei. Da fällt ihm das Alte-Jahr ins Wort: "Ich hatte einst diegleiche Meinung. Nun bin ich höchstens zweite Wahl. Und morgen: eine Zeiterscheinung. Und übermorgen: eine Zahl."
Die Haut versengt Man haut uns "freundlich" übers Ohr. Wir lernen nicht durch Schaden. Wir machen uns zu oft was vor. Uns ist nicht mehr zu raten. Bei manchem ahnen wir sofort: Der Spaß wird sich verrenken. Dann spricht die Unvernunft ein Wort. Schon schwinden die Bedenken. Zwar schmerzt uns noch ein alter Stich. Das ist uns keine Lehre. Wir bleiben unverbesserlich: Hinein in die Affäre. Nun steht der Rücken an der Wand. Zuerst ein kleiner Finger. Am Ende fehlt die ganze Hand, dann folgt der Hundezwinger. Wir haben uns die Haut versengt beim Spiel mit heißen Kohlen. Wir sind im höchsten Grad beschränkt, weil wir zum x-ten Mal dasselbe wiederholen.
Die Diagnose Was habe ich noch zu verlieren? Am Tiefpunkt bin ich angelangt. Nun krieche ich auf allen Vieren. Und was mich freut, hat abgedankt. "Es war ein Sturz ins Bodenlose, ein ungebremster, freier Fall", erläutert mir die Diagnose, "mit garstigem Zusammenprall!" "Das Gröbste wäre überstanden. Bald wird dein Schicksal umgedreht. Ein schöner Ausblick ist vorhanden, weil es schon Morgen aufwärts geht!"
Ein Aktenberg Ein Mensch geht ausgeruht ans Werk. Und vor ihm liegt ein Aktenberg. Die Ärmel hat er hochgekrempelt. Nun wird beschriftet und bestempelt. Doch kommt ihm etwas spanisch vor, holt er den Bleistift hinterm Ohr, und malt ein dickes Fragezeichen. Das heißt: mit dem Gesetz vergleichen. Fast jeder Handgriff sitzt perfekt. Die Schrift ist sauber wie geleckt. Hat sich ein Fehler eingeschlichen, wird er mit Sorgfalt durchgestrichen. ... später: Der Bleistift wird nicht mehr gespitzt, und der Verstand wird aufgestützt. "Die Arbeit macht aus Menschen Sklaven." Das denkt er, und ist eingeschlafen.
Diät-halten Die Kaufwut hat sich abgekühlt. Ein Händler sitzt auf seiner Ware. Sein Ladentisch wird nicht durchwühlt. Zu Ende sind die fetten Jahre. Es steigt die Arbeitslosenquote. Fast täglich klettert diese Zahl. Und ein Konkurs kommt groß in Mode, und seine Folgen sind fatal. Auf spiegelglatter, steiler Straße geht es bergab in schneller Fahrt. Bald liegt die Wirtschaft auf der Nase, dann wird die Armut Gegenwart. Das Parlament erklärt den Massen: Als Zeichen unsrer Solidarität, in Anbetracht der leeren Kassen, verordnen wir uns selbst: Diät.
Farbenspiele Nur Schwarze, Rote, Gelbe, Grüne, vermarkten sich im Rampenlicht. Ein Fußvolk klatscht auf der Tribüne, falls seine Lieblingsfarbe spricht. Es schwärzt aus den Parteiprogrammen: "Die Rothaut wählt kein Negerkind! Und Gelb und Grün passt nicht zusammen. Wir sind entschlossen farbenblind!" Ob Rote, Schwarze, Grüne, Gelbe. Es ist kein großer Unterschied. Im Grund genommen: fast dasselbe - wenn man die Farben übersieht.
Im Schoppen liegt der Geist des Weins. Es unterhält uns: Mainz bleibt Mainz. Der Höhepunkt der Büttenreden: ein Tusch mit Pauken und Trompeten. Im Zweifelsfall wird mitgelacht, denn sonst entstünde der Verdacht: Man könne keinen Spaß vertragen. (Ein Platzverweis - in diesen Tagen!) Den Vorwurf hält man sich vom Leib und strahlt: Ein netter Zeitvertreib! So lustig unverblümt, so spaßig. Der Schoppen wirkt. Der Mund schwätzt glas-ig. Die leere Flasche wird entsorgt. Und dann die nächste ausgekorkt. Man schaut zum angemachten Käse. Das Tanzbein zuckt zur Polonaise. Zum Abschluss: Humba-tätärä. Und "Prosit" auf das Schädelweh. Beschwingt bis in die Zehenspitzen. Helau. Man hat jetzt einen sitzen.
Bestechlich?! Der eine gibt, der andre nimmt. So sind die Möglichkeiten. Doch dass die Endabrechnung stimmt, erhoffen beide Seiten. Der Geber hat den Obolus als sein Geschenk entrichtet. Der Nehmer wird im Umkehrschluss zum Danke-schön verpflichtet. Wer-gibt-der-nimmt-wer-nimmt-der-gibt! Die Sache ist beschlossen. Und wer ein Ding nicht weiterschiebt, hat einen Bock geschossen. Wenn nun ein hoch-dotiertes Tier (sein Name: nebensächlich) die Hand aufhält, dann schimpft man hier: 'Der schräge Vogel ist bestechlich.'
Nicht schon wieder Schon wieder eine schwarze Wolke. Die Hexe schwingt den Besenstiel. Es hagelt förmlich Misserfolge. Der Teufel hat die Hand im Spiel. Schon wieder eine bange Frage. Ich weiß mir darauf keinen Reim, durchleuchte aber meine Lage, und gehe denkend aus dem Leim. Schon wieder eine dicke Brühe, die mir empört die Meinung geigt. Mein Löffel macht sich nicht die Mühe, verhält sich teilnahmslos und streikt.
Wiegenlied Schlafe bitte ein mein Kind. Heute ist zu ende. Morgen folgt ein neuer Tag. Reiche mir die Hände.
Auch die kleinen Zauberhasen wackeln nicht mehr mit dem Po. Und das Grünzeug in den Vasen. träumt sich fort nach anderswo.
Leider-Gottes weiß ich nicht, wie die Fische schlafen. Dieses Wissen wäre Pflicht. Google wird mich strafen.
Schließe beide Augen zu. Gott soll dich behüten. Und er ist mit dir per du. Träum vom warmen Süden.
Alles wendet sich
Alles wird sich wenden. Lass dem Umschwung Zeit. Stürme werden enden. Falsches wird uns blenden oder Schmerz und Leid.
Salz kann herrlich würzen. Doch zuviel ist schlecht. Langes wird sich kürzen. Und das Hohe stürzen. Unrecht wird zu Recht.
Nichts hält auf die Dauer. Alles wendet sich. Nachher sind wir schlauer. Nichts hält auf die Dauer. Und das wohl ewiglich.
Auf allen Wegen
Es wächst auf allen Wegen, Bekümmernis und Leid. Man fragt sich oft: Weswegen? Die Antwort lässt sich Zeit.
Man frisst gekränkten Kummer und spült mit Kleingeist nach. Es naht ein dicker Brummer, der hält den Humbug wach.
Man wandert leicht verdrossen. Man denkt enttäuscht zurück. Ein Pudel bellt begossen und geht mit uns ein Stück.
Die Augen nehmen Bäume seit langem nicht mehr wahr. Und bunte Blütenträume - die übersieht man gar.
Es wächst auf allen Wegen, ein Augenblick vom Glück. Man trottet ihm entgegen und schaut erst sehr viel später mit klarem Blick - erstaunt zurück.
Du hältst zu mir
Du hältst zu mir, wenn niemand zu mir hält. Du bist bei mir, wenn keiner sich zu mir gesellt. Du wischt mir meine Tränen vom Gesicht. Und manchmal denke ich: Es gibt dich nicht.
Du grüßt mich, wenn mich keiner grüßen mag. Du bist ein Regenschirm an einem trüben Tag. In jeder Pflanze bist du unergründlich nah. Und manchmal denke ich: Du bist nicht da.
Du klagst nicht, wenn ich dich nicht sehen will. Du bleibst mir wohlgesinnt und wartest still. Doch wenn ich traurig bin, dann hast du Zeit. So spüre ich ein Stück von deiner - Wirklichkeit.
Wir leben fett und wohlgenährt
Wir leben fett und wohlgenährt. Wir kennen keinen Jammer. Wir sind als Wohlstandsland begehrt. Der braune Geist lebt unversehrt: Obwohl man weiß, der ist nichts wert. Das ist der Hammer.
Wir leben fett und monoton. Wir haben unsre Schwächen. Wir geiern gierig nach dem Lohn. Wir kaufen Plastikquatsch davon. Die Umwelt wird sich rächen.
Wir schielen stets nach Räucherspeck. Wir kosten Leckerbissen. Wir schimpfen lauthals über Dreck. Wir kehren ihn nie selber weg. Wir sind da sehr gerissen.
Gegen Dummheit - sind wir längst immun. Wir lassen uns nicht stören. Wir wollen nichts dagegen tun: "Es ist so schön sich auszuruhn!" Das Schlummerlied - ist nicht zu überhören.
Der Irrsinn
Der Irrsinn schaufelt tiefe Schützengräben, verwahrt das Strandgut hinter Gitterstäben, verseucht die Erde und die Luft, vergrößert täglich neu die Kluft, die zwischen Arm und Reich besteht. Und keiner weiß: Wie weit er morgen geht.
Die Kinder werden still und dumm gehalten. Die Lüge darf sich ungehemmt entfalten. Sie wird verkabelt durch den Staat und störungsfrei empfangen mit dem Fernsehapparat. Die Meinungsmache übergeht den Unsinn, der durch diesen Mist entsteht.
Der Irrsinn spinnt sein Netz aus tausend Fäden, verschweigt mit List die schweren Folgeschäden. Sein Wort gilt viel, es hat Gewicht. Weshalb kein Mensch ihm widerspricht. Der Irrsinn kommt sich daher sinnvoll vor. Und schießt ein Eigentor nach einem Eigentor.
Der Regen
Der Regen tropft aufs Ziegeldach, auf graue Häuserwände. Auf Wellblechhütten schlägt er Krach. Von Büschen tröpfelt er nur schwach auf braunes Matschgelände.
Der Regen naht, wann es ihm passt. Es gießt so manche Stunde. Der Regen trommelt ohne Hast und bleibt ein Weilchen unser Gast. Wir fluchen eine Runde.
Der Regen tropft aufs Häusermeer und auf die Sonnenblende. Die Wolke weint. - Jetzt ist sie leer. Von nun an tropft es gar nicht mehr. Der Regen hat ein Ende.
Ein Schicksalsbrief
Die Wege eines Lebens sind unberechenbar. Den Sinn sucht man vergebens, die Summe allen Strebens heißt immer: Sonderbar.
Das Schicksal greift uns hitzig am kahlen Hinterkopf. Dann wieder sprudelt spritzig das Lachen, hell und witzig und Schalk packt uns beim Schopf.
Das Leben uns'rer Ahnen war ähnlich oder gleich. Das Schicksal hisst die Fahnen auf allen uns'ren Bahnen bis hin ins Himmelreich.
Die ungestimmten Töne, die Klänge schräg und schief. Das Wimmern, das Gestöhne - und auch das Wunderschöne - sind stets: ein Schicksalsbrief
Wir, wir, wir
Wir ziehen unsre Kreise auf diesem Erdenball. Wir treten in die Scheiße. Wir kommen so zu Fall.
Wir stehen an den Ecken. Wir suchen einen Schatz. Der ist nicht zu entdecken. Wir schlagen laut Rabbatz.
Wir rudern auf den Meeren der Ich-Vergangenheit. Wir können uns nicht wehren. Das Wasser macht sich breit.
Wir tanzen für Sekunden. Wir juchzen laut und hell. Wir drehen kleine Runden im Kinderkarussell.
Wir schielen zu den Sternen. Wir sehnen uns zum Mond. Wir wollen uns entfernen von dem, was sich nicht lohnt.
Wir klimpern mit Moneten. Wir jagen nach dem Geld Wir glauben den Gebeten: "Nur Moos regiert die Welt."
Wir werden täglich älter. Es welkt ein Blumenstrauß. Es blühen die Gehälter. Das Leben fällt - wegen dichter Nebelschwaden - auf unbestimmte Dauer aus.
Bitte, bitte
Lass dich lächelnd unterkriegen. Lass den Sieg der Frechheit zu. Wenn die Lügen Balken biegen, höre hin und schweig dazu.
Lass dir deine Felle stehlen. Schwimm nicht angstvoll hinterher. Lass die Bosheit an dir fehlen. Nimm es tragisch - doch nicht schwer.
Lass dem Unrecht Rechte haben, selbst wenn dir ein Nachteil droht. Lass den Schweinekram begraben, denn sonst sieht ein Hornochs rot.
Lass dich frevelhaft belügen. Lass dem Schwachsinn seinen Sinn. Lass dich jederzeit betrügen. Lass der Gier den Hauptgewinn.
Aber: Lass dich nie von dir bescheißen. Hasse jeden Selbstbetrug. Von den Guten lass dich weisen, denn nur dadurch wirst du klug.
Blauer Montag
Blauer Montag, müde Beine. Ungewohnt der Alltagstrott. Nur die schwarze Kaffeebohne macht mich für Sekunden flott.
Blauer Montag - ohne Ende. Alles fällt unheimlich schwer. Selbst das Augen-offen-halten klappt nur halb und ungefähr.
Blauer Montag, sei mir gnädig. Sei ein Schatz und geh' vorbei. Grüße, wenn es geht nur flüchtig und bewahre mich vor einer Schufterei.
Keine Zeit
Keine Zeit, um Zeit zu haben. Keine Zeit, für milde Gaben. Keine Zeit zum Sitzenbleiben. Keine Zeit zum Briefeschreiben. Keine Zeit für einen Streit. Keine Zeit.
Keine Zeit für langes Lachen. Keine Zeit, zum Unsinn machen Keine Zeit für Ulk und Spaß. Keine Zeit für dies und das. Keine Zeit für Fröhlichkeit. Keine Zeit.
Keine Zeit, sich zu besinnen. Keine Zeit - neu zu beginnen. Keine Zeit für Fluchtgedanken. Keine Zeit für einen Kranken. Keine Zeit für Dankbarkeit. Keine Zeit.
Keine Zeit für uns're Lieben. "Keine Zeit!" hat sie geschrieben. Keine Zeit zum Blumen-gießen. Keine Zeit, um zu genießen. Keine Zeit für Herzlichkeit. Keine Zeit.
Keine Zeit - im ganzen Leben. Keine Zeit, um nachzugeben. Keine Zeit für die Geduld und der Zeit gibt man die Schuld. Eines Tages steht der Sarg bereit - und auf einmal: Zeit, Zeit, Zeit.
Manchmal
Manchmal Stille, manchmal Krach. Manchmal schläfrig, manchmal wach. Manchmal traute Einigkeit. Manchmal Hader, Zwist und Streit.
Manchmal hurtig, manchmal lahm. Manchmal wild und manchmal zahm. Manchmal schrankenlos und frei. Manchmal Druck und Gängelei.
Manchmal traurig, manchmal froh. Manchmal hohl wie dürres Stroh. Manchmal weise, lebensklug. Manchmal wenig, mal genug.
Manchmal zänkisch, kleinlich, dumm. Manchmal aufrecht, manchmal krumm. Manchmal gut und manchmal schlecht. Manchmal nüchtern, mal bezecht.
Manchmal so, dass man sich schämt und sein Bestes in sich lähmt. Und man schießt ein Eigen-Tor. Doch das kommt nur manchmal vor.
Unterschiedlich
Manchmal rechne ich in Stunden. Manchmal zähle ich das Jahr. Manchmal denk` ich für Sekunden: "Traumhaft, herrlich, wunderbar!"
Manchmal ist ein Tag in Eile. Manchmal steht er trotzig still. Manchmal kommt die lange-Weile, ohne dass ich diese will.
Manchmal träume ich am Tage. Manchmal bin ich nächtens wach. Manchmal geht mir eine Frage mehr als eine Woche nach.
Manchmal dauern die Sekunden ---------- tagelang. Doch sie drehen ihre Runden - stets im Takt - vom Sonnenauf- zum Sonnenuntergang.
Wenn es ...
Wenn es tobt, wenn es kracht. Wenn der Himmel Tränen lacht. Wenn die Sphinx mich berät. Wenn der Wind Stürme sät. Wenn ein Wolf heulend jault. Wenn mich eine Hexe grault. Wenn die Traurigkeit beginnt und die Nacht ihr Spiel gewinnt. Bleibt der Stuhl an meiner Seite leer. Denn einen Freund - den gibt's nicht mehr.
Kleine Leute
Kleine Leute denken leise, halten viel von unserm Staat. Klatschen Beifall für die Scheiße, die der Staat geschissen hat.
Loben aufgeblähte Ratten, die die Kleinen voller Hohn - jagen, bis sie schlapp ermatten. Und der Klugschiss dient als Lohn.
Auf der Bühne wird geschlagen. Kaviar gibt's hinterher. Denn man weiß sich zu betragen, denn man ist ja schließlich wer.
Leute muss man frech belügen, denn die sind nur Stimmenvieh. Selber übt man das Vergnügen, doch das wissen Kleine nie.
Wortreich werden sie gefangen. Jeder Trick wird ausprobiert. Stets wird man zum Ziel gelangen, weil man Mist mit Blumen ziert.
Kleine Leute denken leise. Kleine Leute schimpfen nicht. Kleine freßen jede Scheiße und die großen, fetten Herren zeigen grinsend ihr Gesicht. Oder etwa nicht?
Wo
Die Türen sind verschlossen. Wer heute fliehen will, der lässt es - leicht verdrossen und hält bis morgen still.
Die Fenster sind vergittert. Wer diesen Ausstieg sucht, der schimpft und ist verbittert, der hadert und der flucht.
Die Wege - abgeschnitten. Die Brücken - überschwemmt. Das Lachen ist entglitten. Die Tränendrüse klemmt.
Der Himmel ist verloren. Der Teufel klatscht Applaus. Ach wär' ich ungeboren. Die Welt - ein Irrenhaus.
Das Leben ist ein Fragezeichen
Das Leben ist ein Fragezeichen. Manchmal läuft es krumm. Und man flucht dann ohnegleichen: "Oh, wie blöd, wie dumm, wie beschissen, oh wie schwer, oh wie hirnlos, oh wie leer, wie verflucht und zugenäht, oh wie doof, wie aufgebläht, wie verhext und feenfern, nur der Teufel hat mich gern. Das Leben ist ein Fragezeichen, das unter allem Krummem funkt: Punkt.
Ein Sturm
Wenn sich ein Sturm zusammenbraut, verlässt mich die Zufriedenheit. Egal wohin mein Auge schaut: Im Blickfeld thront die Traurigkeit.
Wenn meine Hoffnung schläfrig döst, steigt übelriechender Geruch in meine Nase. Dies entblößt mein vollgerotztes Taschentuch.
Wenn meine Schwermut zahnlos lacht, versinkt mein Mut im Untergrund. Er treibt sein Spiel im Brunnenschacht und steckt mir Knebel in den Mund.
Wenn sich ein Sturm zur Ruhe legt und sich mit Sonnenschein bedeckt. Wenn mich das Tief nicht mehr bewegt, bemerke ich: Wie mir das Leben schmeckt.
Die Dummheit ist weit fortgeschritten
Die Meere sind mit Öl verseucht, so dass die Fischbrut röchelnd keucht. Die Robben sterben wie die Fliegen. Der Totschlag wird den Rest besiegen. Der Sachverhalt ist noch umstritten. Die Dummheit ist weit fortgeschritten.
Wenn einer sagt: Hier riecht es faul. Dann heißt es: Halten Sie Ihr Maul! Was wissen Sie von diesen Dingen. Die Mehrheit soll das Recht erzwingen. Der Mehrheit ist der Geist entglitten. Die Dummheit ist weit fortgeschritten.
Ein kleiner Dieb muss gleich in Haft. Und wird für seine Tat bestraft. Ein edler Herr mit weißem Kragen - ein Großbetrüger sozusagen - ist angeseh'n und wohlgelitten. Die Dummheit ist weit fortgeschritten.
Die Militärs auf dieser Welt, die fressen neben Brot auch Geld. Doch lassen sie die Rechnung offen. Der Kleine zahlt sie - in dem Hoffen: so wird der Völkermord beschnitten. Die Dummheit ist weit fortgeschritten.
Als neugebor'ner Erdensohn, da hält man nichts von Ruhm und Lohn. Kurz später denkt man an die Ehre und noch viel später an Karriere. Man kraxelt hoch auf jener Leiter. Man fühlt sich klüger und gescheiter. Man zahlt nach unten mittels Tritten. Die Dummheit ist weit fortgeschritten.
Das Recht
Das Recht pisst in die Windel der armen, kleinen Leute. Es herrscht ein Staatsgesindel. Das Recht ist seine Beute.
Der Kleine schleppt die Bürde der großen, hohen Herren. Das Geld in Amt und Würde wird stets das Recht versperren.
Das Recht zieht seine Grenzen. Die sind nicht zu umlaufen. Nach außen soll es glänzen. Mit Geld kannst du es kaufen.
Das Recht ist eine Hure. Der Arme weint - getreten. Im Grunde hilft nur eines: nämlich beten.
Du
Du bist meine Sehnsucht, mein Weg und mein Ziel. Du reichst mir die Hände, du gibst mir so viel. Du kennst meine Sorgen, mein Jammern, mein Leid, mein Irren und meine Einsamkeit. Du weißt, wie ich lache, du siehst meine Not. Du kennst meine Schwächen - mein tägliches Brot. Du bist meine Brücke im Strudel der Zeit. Du hältst mich geborgen - bis an die Schwelle der Unendlichkeit.
Dummheit
Die Dummheit zwickt mich in die Waden. Sie kommt geballt und nie allein. Sie führt zu dauerhaftem Schaden und spinnt sich einen langen Faden. Dafür will sie belobigt sein.
Sie baut sich Straßen durch die Wiesen. Sie redet viel und spritzt mit Gift. Sie flippt fast aus, wenn Kräuter sprießen. Sie lässt in Flüße 'Scheiße' fließen, bis diese dann vom Himmel schifft.
Sie darf mit stolzer Brust regieren. Sie wird mit jedem Tag vermehrt. Sie eilt zu dir auf allen Vieren. Du kannst sie täglich neu studieren. Sie lebt ihr Leben unbeschwert.
Du kannst dich ihrer nicht erwehren. Sie lauert unter jedem Dach. Und nirgends kannst du dich beschweren. Es helfen keine klugen Lehren, denn ihr Verstand ist geistes-schwach.
Sie wird dich lebenslang begleiten. Sie schmiegt sich zärtlich an dich an. Du kannst dich gegen sie entscheiden. Doch Dummheit lässt sich schwer vermeiden. Sie hat die Nase immer vornedran.
Das Sozial-Amt
Das Amt wirkt sehr geschäftig, soweit das Auge schaut. Die Akten wiehern heftig und Türen schlagen laut.
Die Menschen stehen Schlange. Sie schweigen vor sich hin. Sie warten - brav und lange. Sie glauben: Dies hat Sinn.
Es schwirren tausend Fragen. Sie surren durch den Gang. Als Antwort tönnen Klagen und fremder Stimmenklang.
Man wechselt viele Worte, die man für wichtig hält. Dann schließt das Amt die Pforte, worauf es bald: in einen tiefen Schlummer fällt.
Das Leben
Wir hetzen durch die Jahre. Und schimpfen allezeit. Es lösen sich die Haare. Sie sind schon Mangelware. Die Glatze macht sich breit.
Es eilen die Sekunden. Wir rennen hinterher und denken: Schöne Stunden, wie wir sie einst empfunden, die gibt es heut' nicht mehr.
Ganz langsam rieselt Leben wie Sand durch unsre Hand. Es wird nur eines geben. Wir stehen stumm daneben und träumen vom Schlaraffenland.
Die ungeschminkte Wahrheit
Wir greifen nach den Akten seit Jahren dick verstaubt und blättern in Papieren, die bald der Reißwolf raubt.
Es spukt in gelben Blättern die Kriegsvergangenheit. Die Bombenkatastrophen aus längst vergang'ner Zeit.
Ein Mütterchen schreibt bettelnd: Verehrte Obrigkeit, mir fehlt es jetzt an allem in dieser schweren Zeit.
Kein Bett, um drin zu schlafen. Die Kammer eisig kalt. Kein Kleid, um mich zu wärmen. Der Winter macht nicht halt.
Ich flehe untertänigst. Kein Los blieb mir erspart. Erweisen sie sich gütig. Mein Leben ist sehr hart.
Dann grüßt sie sehr ergebenst und dienert voller Zwang. Der Antrag wird genehmigt. Es dauerte --- jahrelang.
Die Akte gelblich, schmutzig, die fast im Staub ertrinkt, erzählt auf ihre Weise die Wahrheit - ungeschminkt.
Was sich ändert
Großes wird auf Dauer klein, glatt wird jeder Zacken. Schmutz und Dreck wird wieder rein und die Vielzahl lebt allein in den Steinbaracken.
Doofes nennt man später klug. Hartes wird erweichen. Weniges ist auch genug. Wahrheit wechselt zum Betrug hinter Fragezeichen.
Gutes wird durch Grobheit schlecht. Schönheit runzelt Falten. Und ein Unrecht nennt man Recht. Doppelt falsch ist einfach echt. Hier darf Logik walten.
Wissen redet und wird stumm. Immer naht die Wende. Stille herrscht und dann Gebrumm. Nur der Mensch bleibt ewig dumm - bis ans Lebensende.
Schwere Stunden
In deinen schwersten Stunden will keiner bei dir sein. Die Freunde sind verschwunden. Du bist mit dir allein.
Es fehlen Seelenretter. Die Schwermut greift dich an. Das allerschönste Wetter - es ändert nichts daran.
Du kannst vor Gram nicht weinen. Die Tränen sind versiegt, weil dir dein Herz mit Steinen im dunklen Magen liegt.
In deinen schwersten Stunden hält niemand an dir fest. Du kratzt an deinen Wunden und gibst dir noch den letzten Rest.
Reiche Leute
Reiche könnten Steuern zahlen und mit ihren Konten prahlen. Doch sie heucheln außer Haus: Ich bin so arm wie eine Kirchenmaus.
Reiche könnten Armut lindern und die Hungersnot verhindern. "Arme haben nichts davon!", sagen sie zu ihren Kindern, "Und außerdem - sie ernten eines Tages Gottes Lohn!"
Reiche könnten Frieden senden und das Unrecht so beenden. Doch es zählt auf dieser Welt nicht der Großmut - sondern Geld.
Die Wahl
Ein Weibsbild ziemlich kurz berockt, mit langen Wimpern, leicht gelockt, die dachte sich: "Ich brauch 'nen Mann. Dann bin ich sicher besser dran.
Man nennt mich Frau von Hoppsassa und süße Bengel wären da. Die ganzen Sorgen bin ich los. Wo finde ich ein Männchen bloß?"
Das Wählen ist die ärgste Qual. Ein Raubzug führt sie durch's Lokal. Der eine lächelt lieb und nett, doch sicher schnarcht er nachts im Bett.
Der Freund von ihm wirkt kühl und scheu, doch wie man hört: Er schwimmt im Heu! Sie liebt den Duft von trocknem Gras und außerdem: Im Heu macht's Spaß.
Gelacht, geblinzelt, kokettiert. Das Heu wacht auf und ist verführt. Und turtelnd wird die Zeit verbracht. Zumindest bis zur Hochzeitsnacht.
Dann kehrt der müde Alltag ein. Die Frau, sie schläft im Heu allein. Der Ehegatte frisst sich fett. Es wackelt längst das Ehebett.
Ein Frauenzimmer lang berockt, hat sich 'ne Suppe eingebrockt. Sie nimmt sich selbst die Sache krumm und schimpft: Ich, dumme Kuh, ich wählte Heu. Oh, bin ich dumm.
Der Clown und die Leiter
Voller Faxen - froh und heiter, fällt ein Clown von seiner Leiter. Nimmt den Kampf mitsamt den Tücken auf - zu unserem Entzücken. Steigt und fällt - und irgendwie schafft er jenen Aufstieg nie. Legt die Leiter dann zu Boden. --- Zirkusclowne und Idioten handeln auf der Lebensreise auf besond're Art und Weise. Steigen witzig und gekonnt über alle Sprossen weg. Fallen letztlich aber doch in ein Häufchen Hundedreck.
Der Baum
Das Leben ist ein großer Baum. Man will ihn flott besteigen. Der Stamm ist glatt, man glaubt es kaum, man irrt verzweifelt um den Baum. Man wird es ihm schon zeigen.
Die eine Stelle ist gerauht. Man fand die Aufstiegsstelle doch wenn das Leben mahnend schaut, da tut man längst mit ihm vertraut, ganz lässig - auf die schnelle.
Der Baum, er gibt mit viel Genuss die Früchte seiner Jahre. Man zieht den ersten falschen Schluss, dass es noch bess'res geben muss und sucht die Wunder-Ware.
In Kronen liegt das wahre Glück. Wo sollt' es sonst wohl liegen? Man kraxelt hoch - ein kurzer Blick hier weilt vom Irrtum nur ein Stück, auf den wir alle fliegen.
Ein kleines Rätsel häutet sich und kann sich so vermehren. Der Irrtum führt zum ersten Stich. Das juckt und kribbelt fürchterlich. Man übt sich im Beschweren.
Man geht erneut auf Sternenjagd. Die Zeit hilft beim Vergessen. Ein Aststück lächelt nett und sagt: Nimm bitte Platz, sei unverzagt. Mit mir ist prima Kirschenessen.
Man kennt sich aus, bleibt reserviert. Man hat da seine Gründe. Die Kirschen werden ausprobiert. Dann langt man zu - ganz ungeniert. Der Ast zeigt seine Rinde.
Man grast die Blätterlandschaft kahl und häufelt sich den Teller. Man mosert: Dies ist zweite Wahl. Man wird zum Ärgernis - zur Qual und dann zum Aststückfäller.
Der Fall war gut - und hinterher, beachtet man das Leben mehr. Man freut sich über jeden Ast und ist sich klar, man bleibt stets Gast. Man gießt und hegt den Lebensbaum. Er freut sich und er schüttelt aus seinen Zweigen einen Traum.
Die Zeit
Die Zeit rollt in die Ewigkeit und nimmt die Tränen mit. Sie lästert nie. Sie lächelt breit. Wir halten mit ihr Schritt.
Sie kennt kein Ruhen, keine Rast. - Sie macht sich nichts daraus. Sie trödelt nie, weil das nicht passt. und schläft in keinem Haus.
Die Zeit winkt allen freundlich zu. Nicht jeder winkt zurück. Sie lädt uns ein zum Rendez-vous. Zuweilen lacht das Glück.
Die Zeit rollt ohne Pferdekraft. Es scheint: Sie hat noch Zeit. Sie schenkt uns manchmal neue Kraft. Und führt uns fort - aus der Vergangenheit.
Der Starke
Der Starke schlägt den Schwachen. Dem Schwachen geht es schlecht. Da ist nichts dran zu machen. Der Stärkere hat recht.
Gewalt kennt keine Gnade. Sie wütet überall. Das Recht wird zur Fassade. Der Starke ist am Ball.
Ein Fausthieb in den Magen verschließt so manchen Mund. Jetzt kann er nichts mehr sagen. Es fehlt die Luft für einen Grund.
Der Schwache kann nichts werden. Der Starke überwacht mit seinen Drohgebärden das Recht. So bleibt er ewig an der Macht.
Am Morgen
Am Morgen schweigt die Welt noch still. Sie träumt vom Seelenfrieden. Es fehlt der schroffe Alltagsdrill. Die Welt kann machen, was sie will. Es ist ihr Glück beschieden.
Kein Auspuffknattern schreckt sie wach. Kein Fließband in der Halle. Nur bunte Vögel trällern schwach. Das endet bald und kurz danach entstehen Lärmkrawalle.
Die Ampelfarben blinken grell. Ein Schutzmann pfeift nach Noten. Die Autos rasen - jagend schnell. Der Notarzt schwingt schon sein Skalpell und denkt: "Ihr Idioten!"
Doch irgendwann erwacht die Nacht. Es herrscht erneut die Stille. Die Welt ruht friedlich und gibt acht, dass niemand ein Getöse macht. Dann putzt sie ihre Brille.
Ich brauche keine ...
Ich brauche keine Ordnungsmacht, die meinen Schlaf bei Nacht bewacht. Und die bei jeder Kleinigkeit in meine tauben Ohren schreit.
Ich brauche keine Polizei, die schon beim ersten Hahnenschrei mich aus den warmen Federn holt und mir das Hinterteil versohlt.
Ich brauche auch kein Militär mit Marschmusik und Schießgewehr, das meinen Frieden garantiert, indem es Bomben produziert.
Ich brauche keinen Bundestag, der nur mein Kreuz am Wahltag mag. Und anderntags ein Süppchen braut, das jeder schluckt und schlecht verdaut.
Ich brauche keine Staatsgewalt, die Knüppel schwingt und ballernd knallt, wenn Menschen auf die Straße gehen, um dort nach ihrem Recht zu sehen.
Reden
Wir wetzen uns'ren Schnabel. Wir sind so furchtbar klug. Die Dummheit rollt vom Stapel. Das Schiff heißt "Selbstbetrug".
Wir spucken große Töne. Wir sind unheimlich schlau. Das Wunderbare, Schöne zerquatscht die Tagesschau.
Wir wussten es schon lange, wenn jemand etwas meint. Die Lüge ist zugange. Worauf die Wahrheit weint.
Wir plappern wie die Kinder. Wir sind darauf noch stolz. Die Herren mit Zylinder sind aus dem gleichen Holz.
Wir glauben uns'ren Reden und warten auf Applaus. Dann glotzen wir betreten. Denn: Es bleibt der Beifall aus.
Ein Jahr
Ein Jahr kennt viele Tage; die Hitze auf dem Feld, vom Wein die beste Lage, den Clown im Zirkuszelt.
Es kennt die großen Namen, den kleinsten Fliegendreck, vom Baum den feinen Samen, vom Rebhuhn das Versteck.
Es könnte viel erzählen; von Habgier, Missgunst, Neid; vom Lügen und vom Stehlen, von Zwietracht und von Streit.
Es kennt: den Witz, das Lachen, die Zartheit, die Geduld, vom Kind den bunten Drachen, die Unschuld mancher Schuld.
Es kennt nicht das Verweilen. Es schreitet täglich fort. Kein Mensch kann ihm enteilen. Es folgt an jeden Ort.
Ein Jahr ist voll an Leben. Ein Teil ist wunderbar. Doch Narben kann es geben! Ein Jahr bleibt stets ein Jahr.
Das Recht
Alle Welt fühlt sich betrogen. Jeder, der dem Recht misstraut. Denn man wird zu oft belogen oder übers Ohr gehaut.
Ungebeten tauchen Fragen aus dem Meer des Zweifels auf. Dieses führt zu lauten Klagen und das Leid nimmt seinen Lauf.
Immer fühlt man sich verraten. Unrecht blüht im Gartenbeet. Weder Sichel, Sense, Spaten - helfen, dass ein Blatt sich dreht.
Alle Hoffnung lässt man fahren. Was man riecht, stinkt nach Morast. Und wo sonst sich Geier scharen, hockt man quengelnd als ihr Gast.
Aus der Traum: vom wahren Leben. Aus der Traum: Zufriedenheit. Keine Weitsicht wird es geben auf dem Schiff: Behäbigkeit.
Schuld und Unschuld. Wer soll richten? Wer bemisst das Strafurteil? Wer soll je ein Unrecht schlichten mit dem Maßstab: Seelenheil.
Das macht Spaß
Juchzen, jubilieren. Trällern nur aus Spaß. Neues ausprobieren. Einmal dies - mal das.
Fröhlich durch das Dunkel. Lachend durch die Nacht. Hell das Sterngefunkel, das uns treu bewacht.
Pfeifen - frei nach Schnauze. Inwendig und laut - auf das Hundsgegauze, dem man gar nicht traut.
Juchzen, jubilieren, zwitschern ohne Metermaß. Lachend sich verlieren. Das macht Spaß, Spaß, Spaß.
Die Zeit
Die Zeit ist nie Eile. Sie hat für jeden Zeit. Sie kennt die Lange-Weile und steht für uns bereit.
Sie lässt sich niemals hetzen. Und rückwärts geht sie nicht. Sie ist nicht zu ersetzen. Sie ändert ihr Gesicht.
Die Zeit lässt sich nicht halten. Sie schreitet stündlich fort. Sie lässt sich nicht verwalten und weilt an jedem Ort.
Die Zeit ist sehr bescheiden. Sie hält getreulich Wacht. Zu allen Tageszeiten und auch im Dunkel einer sternenlosen Nacht.
Namenlos
Wir sind für viele: namenlos. Wir haben kein Gewicht. Wir treiben auf dem Rettungsfloß. - Man sieht uns nicht.
Wir schweigen bis zum Untergang. Wir heucheln: "Uns geht`s gut!" Wir schluchzen kurz - sekundenlang. Und schlucken uns're Wut.
Zum Hofknicks werden wir dressiert. Wir dienern tief gebückt. Wir wissen, dass ein Nachbar friert. Doch Geld macht uns verrückt.
Wir bleiben ewig namenlos. Wir üben die Geduld. Wir treiben auf dem Rettungsfloß und glauben dummen Sprüchen: "Ihr seid doch selber schuld."
Die Arbeit
Die Arbeit ist kein Hase. Sie hoppelt nicht davon. Sie läuft nicht auf die Straße. Sie erntet selten Lohn.
Sie hüpft meist auf der Stelle. Sie trinkt aus Kummer Bier. Sie winkt dir: "auf die schnelle". Sie zeigt dir ihr Revier.
Die Arbeit ist kein Hase. Sie flitzt nicht übers Feld. Sie fällt auf deine Nase. Sie bringt dir Schmerzensgeld.
Sie frisst nie gelbe Rüben. Sie lächelt nur verschwitzt. Sie fischt bei Tag im Trüben. Sie wärmt und sie erhitzt.
Die Arbeit ist kein Hase, die flugs von dannen streift. Sie liegt meist faul im Grase, bis einer sie ergreift.
In dreißig Jahren
Wie wird es sein in dreißig Jahren? Ob mich ein Rückenleiden plagt? Was wird aus meinen grauen Haaren? Hat sie der Zeitgeist abgenagt? Gibt es noch Menschen, die mich lieben, die mir vertraut sind, die ich mag, die gerne meinen Rollstuhl schieben an einem warmen Frühlingstag? Kann ich das Leben noch ertragen? Kann ich noch lachen wie ein Kind? Bin ich verkalkt in jenen Tagen? Bin ich für alles Schöne blind? Bin ich enttäuscht, als Mensch gebrochen? Ein Biest, das in der Stube hockt? Ein Geifergreis aus Haut und Knochen - verbittert, lieblos und verstockt? Wie wird es sein in dreißig Jahren? Streicht mir ein Mädchen durch mein Haar? Ich werde es vielleicht erfahren. Dann frage ich bestimmt: Wie es vor dreißig Jahren war?
Ein Fremder
Ein Fremder lebt in unserm Land als Bürger vierter Klasse. Er wird missbraucht am Förderband. Er kehrt den Dreck vom Gehsteigrand und Blätter aus der Gasse.
Man zollt dem Fremden keinen Dank, wenn er den Gehsteig reinigt. Man schimpft: Du riechst nur nach Gestank, nach Kloblauchduft im Kleiderschrank mit Arbeitsschweiß vereinigt.
Der Mohr hat seine Pflicht getan. Jetzt soll er schnell verschwinden. Und brauchen wir ihn irgendwann, dann rufen wir halt einfach an. Ein Dummer - lässt sich finden.
Wie kleinkariert ist diese Sicht. Wie hirnlos und umnachtet. Wie hohl tönt dieser Sachbericht - aus dem die Dummheit grunzend spricht - und die den Gast missachtet.
Er war gefragt. Jetzt soll er geh'n. Er ließ sich von uns blenden. Er war am Anfang gern geseh'n. Doch jetzt, da sich die Winde dreh'n, da will man ihn, zurück in seine Heimat senden.
Das Kind, das in den Brunnen fiel
Ein Kind fiel in den Brunnen und weinte jämmerlich. Am Anfang still und leise. Es schämte sich.
Dann schrie es laut um Hilfe. Verzweiflung gab ihm Kraft. Es hallte durch den Brunnen: Ein Schreien - schauderhaft.
Das Rufen und das Klagen verebbte nach und nach. Das Wimmern, Schluchzen, Stöhnen wurd' heiser und dann schwach.
Bald herrschte Totenstille. Es folgte tiefe Nacht. An einem Vollmond-Abend fiel Sternenglanz in jenen Brunnenschacht.
Nach vielen Fehlversuchen gelang bei Nacht die Flucht. Den Brunnen gibt's noch immer. Er ist beliebt bei Kindern. Und wird zum Spielen aufgesucht.
Oh Jemine,
Es nieselt schont seit vielen Stunden. Der Himmel zeigt sich Grau-in-Grau. Wer hat nur diesen Mist erfunden. Die Sehnsucht träumt von Himmelblau. Ein Unbekannter sagt den Spruch: "Das klärt sich auf zum Wolkenbruch."
Die Hitze quält an Sommertagen. Es tropft der Schweiß ins Unterhemd. Man stöhnt in seinem Unbehagen und wird sich selber langsam fremd. Ein Schulterklopfer lächelt noch: "Das schwächt sich ab zum Hitzehoch."
Das Ende von den meisten Dingen ist leider bitterer Genuss. Beim Buch dagegen hört man singen: "Das Beste kommt erst ganz zum Schluss." Die letzte Seite ist erreicht. Es sinnt die Klugheit hohl und seicht.
An wirklich schönen Wochenenden genießt Herr Jedermann die Zeit. Er fährt mit Auto-Sonnenblenden im Schritt und will noch meilenweit. Der Radio unterbricht für eine Fernstraßenüberschau: "Der zähflüssige Verkehr löst sich langsam auf zu einem kilometerlangen Stau."
Fragen
Vieles kann ich nicht verstehen, sprachlos steh ich vis-a-vis. Denn zum Grund kann ich nicht sehen. Und es nervt mich irgendwie.
Wenn die Leute hastig rennen, um gelangweilt dort zu sein,. weil sie nur die Eile kennen. Dieses leuchtet mir nicht ein.
Jede Nacht vor einem Kasten und vom Leben keine Spur, ohne dabei auszurasten. Das ist eine Wahnsinnskur.
Nach Metall und Münzen jagen. Dies den lieben, langen Tag. Keine Zeit, um mal zu fragen, ob man dieses Jagdziel mag.
Ellenbogen sind ein Mittel, um am Trog ganz vorn zu steh'n. Dann erhält man einen Tittel und man ist gut angeseh'n.
Es grüßt der 1. Mai
Der Frühling mischt die bunten Karten. Die kalte Sophie wartet vor dem Tor. Und überall in Feld und Garten probt unentwegt ein Vogelchor.
Die Sonnenstrahlen wärmen wieder. Nur abends wird es kühl und kalt. Man riecht bereits den Duft von Flieder. Es grünt und blüht der nahe Wald.
Der Frühling mischt vergnügt die Karten. Der letzte Winter ist vorbei. Zwei Tage müssen wir noch warten. Dann grüßt der 1. Mai.
Dauerhaftes
Nichts - wirst du auf Dauer haben. Alles wird einmal begraben. Hader, Missgunst, Neid und Streit dauern keine Ewigkeit.
Blumensträuße werden welken. Selbst das Feuerrot von Nelken leuchtet eines Tags nicht mehr. Dieses Wissen fällt uns schwer.
Schöne Gläser werden Scherben. Äpfel können schnell verderben. Und das beste Porzellan fängt einmal das Fallen an.
Selbst die Klugheit kommt abhanden. Und - was wir einst gut verstanden - klingt uns neu und unbekannt. Denn die Zeit raubt den Verstand.
Nichts wirst du auf Dauer haben. Alles wird einmal begraben. Nichts lebt ewig, allezeit. Außer: die Vergänglichkeit.
Flieg, Vogel, flieg
Lass dich nicht erwischen, denn auf Käfigtischen schmeckt das Wasser lau und fad. Hör auf mich und meinen Rat.
Hinter Gittern brütet Trauer. Klagen liegen auf der Lauer. Jedes frohe Lied verstummt, wenn man hinter Gittern brummt.
Warte nicht auf Menschenprügel, spreize deine bunten Flügel, schwing dich auf und flieg davon. Gitterstäbe warten schon.
Flieg, Vogel, flieg. Fliegend kann dich keiner fangen. Denke an die Käfigstangen. Flieg Vogel, flieg.
Das Sommerende
Vom Sommer spürt man nur noch einen Hauch. Die Wärme neigt sich langsam ihrem Ende. Der Garten lechzt nicht mehr nach seinem Gartenschlauch. Und morgens frieren schon die Hände.
So gegen Mittag ahnt man noch die Kraft der Sonnenhitze. Doch fehlt die heiße Leidenschaft, von der ich schwitze.
Das Blattwerk hat wohl seine Pflicht getan. Denn Schatten wird gemieden. Der Herbst fängt unaufhaltsam an und nebelt unzufrieden.
Es schweigt, verebbt der Vogelsang. Der Sommer schnieft vom Schnupfen. Der neue Arzt heißt: Herbstanfang und impft nun Blatt nach Blatt mit rötlich-gelben Tupfen.
Pfeifen
Es pfeift ein Wagen um die Ecke. Ein Vogel pfeift sein Lied versteckt in einer Dornenhecke - doch nie an seinem Brutgebiet.
Es pfeift der Wind um blaue Ohren. Ein Kind bei Dunkelheit. Die Trillerpfeife schrillt verloren an Orten reger Fröhlichkeit.
Beim Orgeln pfeifen dünne Röhren. Der Wassertopf pfeift lang und laut. Er ist selbst noch im Schlaf zu hören, so dass man schleunigst nach ihm schaut.
Ein Künstler pfeift gekonnt nach Noten. Der Saal pfeift Beifall, wenn es ihm gefällt. Man pfeift bei Redner-Idioten. Doch keiner pfeift auf schwerverdientes Geld.
Frühlingszeit
Warme, milde Meeresluft, Himmelszauber, Blütenduft. Leise läuten Osterglocken, die uns in die Sonne locken.
Grün umrankt ist jeder Strauch. Allerorten - Frühlingshauch. Eiernd hoppelt auf der Straße der bebrillte Osterhase.
Und ein feuchtes Wieseneck wird zum bunten Blumenfleck. Kater miezen und miauen, während sie nach Kätzchen schauen.
Bienen summen hin und her, angelockt vom Blütenmeer. Und sie schlürfen mit Erfahrung jene zuckersüße Nahrung.
Alles grünt, ob alt ob jung. Alles fühlt den frischen Schwung. Und das Leben macht sich breit. - Frühlingszeit.
Moin, Moin
Zwischen Deich und Düne, Schilfgestrüpp und Watt, zwitschert eine Insel ausgezeichnet platt. Moin, moin winkt der Bäcker. Moin, moin, ich versteh'. Moin, moin flutscht die Qualle. Moin, moin, ruft die See.
Neben platten Tönen und lautem Möwenschrei, tutet es vom Hafen. Der Leuchtturm blinkt dabei. Moin, moin schallt die Glocke. Moin, moin grüßt die Stadt. Moin, moin allerorten. Moin, moin ich bin platt.
Zwischen Deich und Düne Watt und weitem Meer eilt ein blondes Fräulein hüllenlos daher. Moin, moin sag ich freundlich Fräulein Himmelblau sagen sie mal ehrlich: Sind sie die Meerjungfrau?
Im Norden
Wo die Hügel - Berge heißen und die Möwen kreischend kreisen, fand mein letzter Urlaub statt. Ich muss sagen: "Ich war platt."
Meereskronen, Nordseekinder. Schwarzgefleckte Geestlandrinder. Fachwerk weiß - mit klugem Spruch und im Hafen - Fischgeruch.
Reich geschnitzte Häusergiebel. Reetgedeck statt Dächerziegel. Jeder Leuchtturm blinkt charmant übers Watt ins weite Land.
Sonne, Regen und Gezeiten übten sich im fairen Streiten. Wechselten sich ab am Tag. Doch eher träg, behäbig erschien mir dort der Menschenschlag.
Es wurmt
Im Apfel lebt ein kleiner Wurm. Er haust geschützt vor Frost und Sturm. Und nascht aus purer Langeweile genüsslich süße Apfelteile.
Das meiste bleibt vom Apfel heil. Jedoch der Punkt am Oberflächenteil besagt, dass hier ein Würmchen wohnt. Der Kern vom Apfel bleibt verschont.
Ein Wurm im Apfel ist Verdruss. Der Apfel selbst - ein Hochgenuss. Es wurmt am Anfang. Doch am Ende, ergreift man ihn (den Apfel) und zwar behende. Das Würmchen isst man schmatzend mit. Ich wünsche weiterhin: noch "Guten Appetit!"
Herbststimmung
Die Vögel ziehen in die warme Zone. Den Bäumen fehlen Blätter in der Krone. Und graue Nebel wallen durch das Tal wie Schlossgespenster nachts im Rittersaal.
Nun heißt es Abschiednehmen von den Wäldern, von Blumen, Hecken, Sträuchern, Feldern, von jedem Blatt, von jedem grünen Kraut, das uns am Wegrand in die Augen schaut.
Der Tag ist kurz. Und lange währt das Dunkel. Nur hoch am Himmel, fern, ein Sterngefunkel. Der kühle Tau legt sich zum Sommerstaub und auf das welke, buntgefärbte Laub.
Herbstanfang
Der Herbst gräbt erste Spuren ins grüne Blätterdach. Die Felder - abgeerntet. Die Fluren liegen brach.
Die Hitze ist gebrochen. Die Wolken wiegen schwer. Sie treiben hoch am Himmel wie Schiffe auf dem Meer.
Auf steilen, schrägen Lagen gedeiht der herbe Wein. Er trinkt für seine Reife den letzten Sonnenschein.
Der Sommer ist gegangen. Die Nächte werden lang. Die welken Blätter fallen. Herbstanfang.
Herbst
Die Bäume sind entblättert. Das welke, braune Laub bedeckt den grünen Rasen und grauen Straßenstaub.
Die Menschen in den Gassen sind dick und fest vermummt. Die Vögel - fern im Süden. Ihr Zwitschern ist verstummt.
Die weißen Nebelschwaden verzaubern Berg und Tal. Die Nächte werden schwanger. Der Tag hingegen - schmal.
Ich kenne ...
Ich kenne meine Wünsche, mein Sehnen und mein Ziel. Die Wahrheit meiner Worte und meinen Lebensstil.
Ich kenne meine Tränen, mein Schicksal und mein Leid, die Schmerzen schwarzer Tage und meine Traurigkeit.
Ich kenne meine Stärken, mein erstes Liebesglück. Den Rausch aus jenen Tagen und meinen Rückwärtsblick.
Ich kenne meine Schwächen, den Weg zum Untergang. Mein Irren und mein Tasten - am "Blinden"-Stock entlang.
Ich finde ...
Ich finde eine Blume, einen Schlüsselbund, ich finde meine Brille, ich finde einen Hund, ich finde eine Düne, ich finde ein Meer: Ich finde ein Anfang fällt unheimlich schwer.
Ich finde einen Zettel und ein Schreibgerät, ich finde eine Wiese, die ein Bauer mäht, ich finde eine Lichtung, ich finde einen See, ich finde einen Baum und dann die Allee.
Ich finde eine Straße, einen Pfad zum Strand, ich finde eine Muschel im weichen Sand, ich finde eine Träne in meinem Gesicht. Vielleicht gehört sie dir, ich weiß es nicht.
Im Tunnel
In einem Tunnel, krumm und lang - da schaut man nicht das Tageslicht. Geschweige denn den Sonnenuntergang am Abend, wenn die Nacht anbricht.
Bedauernswert scheint jener Mann, der seinen Weg nicht finden kann, der hilflos in dem Tunnel steckt und hofft, dass ihn ein Mensch entdeckt.
Jedoch ein Retter in der Not erreicht den Haufen Elend tot. Als Retter kommt man stets zu spät. Der Hahn ist tot, bevor er kräht.
Ein Tunnelmensch tut gut daran: aus seinen beiden Möglichkeiten sich umstandshalber zu entscheiden auf welchem Weg er Licht erwartet und trotz der Zweifel in ein unbekanntes Dunkel startet.
Im Rattennest
Die Last der Trübsal wiegt so schwer. Du kriechst am Boden, kannst nicht mehr. Sogar daheim in deiner Kammer belästigt dich der Katzenjammer. Die Sonne fehlt schon jahrelang. Du sprichst mit dir: 'von Untergang'. Die Hoffnung lässt du talwärts fahren. Du bist dir selbst nicht mehr im Klaren. Dann schimpfst du laut in einer Tour: "Was soll die ganze Scheiße nur!" Geweint wird heimlich in der Stube. Dein Herz wird dir zur Mördergrube. Nach außen zeigst du ein Gesicht, das deinem Innern widerspricht. Dein Äußeres wird zur Fassade. Du schlitterst langsam - ohne Gnade mit einem Bein ins Rattennest. Dort klebst du - für eine Weile - fest.
In der Ruhe liegt die Kraft
Kurz nach acht. Man ist in Eile. Keine Zeit für Lange-Weile. Kaffee trinken, Brötchen essen. Zähneputzen nicht vergessen. Schnell ein Schluck Orangensaft. - In der Ruhe liegt die Kraft.
Wo befindet sich mein Schlüssel? Sicher liegt er in der Schüssel, wo sich Kleinigkeiten türmen, und vereint den Gipfel stürmen. Krimskrams wuchert sagenhaft. - In der Ruhe liegt die Kraft.
Nächtens hat man schlecht geschlafen. Ausgemüdet - hageln Strafen. Jede Arbeit wird misslingen, Und statt Lob nur Tadel bringen. Man ist müde - abgeschlafft. - In der Ruhe liegt die Kraft.
Gott-sei-Dank es blinken Sterne in des Himmels weiter Ferne. Alle Eile, die wir haben, wird bis morgen früh begraben. Diesen Tag hat man geschafft. - In der Ruhe liegt die Kraft.
Ich lernte ...
Ich lernte Schreien, Atmen, Schnaufen. Und wie man einen Schnuller hält. Das Weinen, Lachen und das Laufen. Und dass es wehtut, wenn man fällt.
Ich lernte Zählen, Sprechen, Reden, ein Spiel zu spielen, ganz allein. Im Gottesdienst: das fromme Beten, das Glücklich- und das Traurigsein.
Ich lernte Rechnen, Lesen, Schreiben, das Einmaleins, die Notenschrift. Die Kunst mir selber treu zu bleiben, wenn mich ein Schlag vom Schicksal trifft.
Ich hab gelernt mich zu entfalten trotz Regen, Wind und Sturmgebraus. Nun soll ich meine Schnauze halten, das schlägt dem Fass den Boden aus.
Immerhin
Alte Fehler kehren wieder, machen sich im Sessel breit. Stöhnen freche Lästerlieder voller Unerträglichkeit.
Keine Dummheit kommt abhanden, denn sie beißt sich an uns fest. Schlingt vertraulich alte Banden, lockt uns zärtlich in ihr Nest.
Vielem kann man sich entwöhnen. Nur die Kleinsicht bleibt uns treu, der wir untertänig frönen - ungezügelt, ohne Scheu.
Dummheit schläft auf uns'ren Kissen. Gerne legen wir uns drauf. Doch wenn wir das Dumme wissen, schütteln wir das Bettzeug auf.
In ein paar Tagen
Die Arbeit ruht in ein paar Tagen. Man schimpft uns wieder arbeitslos. Man stellt die alten, dummen Fragen: "Was machen Sie mit Ihrer Freizeit bloß?"
Die Antwort bleibt im Halse stecken. Die Frage ist ja wirklich dreist. Man stottert dann: "Ich fresse, um nicht zu verrecken, und dünge meinen Lebensgeist."
Die Arbeit bleibt uns bald verschlossen. Man wird zum Nichtsnutz degradiert. Nach außen grinst man unverdrossen. Doch innen - hüstelt man geniert.
Genügend Arbeit ist vorhanden. Und dennoch wird man ausgestellt. Ein Schildastreich aus deutschen Landen. Man schmiert uns ab mit Arbeitslosengeld.
Im Nachhinein
Nimm dein Leben auf die Schulter, wenn es nicht mehr hüpfen kann. Wenn es sein muss - auf die leichte. Fang ein neues Lachen an.
Lass den Kummer böig stürmen, rette dich - egal wohin. Dreh im Schlupfloch langsam Däumchen. Schaff dir somit Zeitgewinn.
Sei nicht allzusehr verwegen. Zeige Stolz und frohen Mut. Hab Geduld bei Dauerregen. Alles renkt sich und wird gut.
Steck den Kopf nicht zwischen Steine. Leg dich flach in warmen Sand. Manchmal fühlst du dich alleine. Weine Tränen auf die Hand.
Nimm die Sorgen, wie sie kommen. Rege dich nicht künstlich auf. Schon von vielem hast du angenommen: Dieses wird mir schlecht bekommen.
Doch es kam im Nachhinein anders als du dachtest: So wird es sein.
Kaffeepause
Beliebt ist eine Kaffeepause, ob fern der Heimat, ob zuhause. Denn dieser wohlbekannte Duft riecht besser als die Zimmerluft.
Was wichtig scheint - wird aufgeschoben und seiner Wichtigkeit enthoben. Es zählt allein der Kaffeedurst und alles andere ist "wurscht".
Ein Kaffee schmeckt selbst Untertassen, wenn wir zu gierig nach ihm fassen. Er weckt die Kräfte und zumeist den ausgelaugten Lebensgeist.
Wie wohlig warm rinnt's durch die Kehle und wandert weiter bis zur Seele. Das alles schenkt uns ein Kaffee. Man freut sich immer. Wie ich seh'.
Beliebt ist eine Kaffee-pause. Man fühlt sich förmlich wie zu Hause. - selbst bei der Arbeit im Büro - . Doch besser schmeckt er anderswo.
In Raten
Das Unglück kommt in Raten. Es hilft kein Schreckensschrei. Es naht auf krummen Pfaden und schaut bei dir vorbei.
Es steht dir treu zur Seite. Es hält beharrlich fest. Das Glück geht langsam pleite. Der Kummer baut sein Nest.
Es spuckt dir auf den Braten, das neues Unheil lockt. Das Unglück kommt in Raten. Und notfalls wird es aufgestockt.
Kleine Kinder
Kleine Kinder spielen gerne mit den Großen Blinde-Kuh. Zählen nachts die Himmelssterne. Grosse lächeln nur dazu.
Kleine Kinder stellen Fragen. Grosse lügen ungeschminkt. Achten mehr auf ihr Betragen. Oder: ob die Windel stinkt.
Kleine Kinder sollen wissen: Grosse haben immer Recht. Kleine werden oft beschissen. Darum geht es Kleinen schlecht.
Kleine Kinder werden älter, denken laut: Nun bin ich groß. Und sie schielen auf Gehälter auf den Reibach und auf Moos.
Lustvoll zeugen sie nun Kinder - kaum dem Windelnass entflohn - werden Herren mit Zylinder und besteigen einen Thron.
Keiner
Keiner kann sein Schicksal zwingen. Keiner kann ein Loblied singen. Keiner trägt des andern Last. Keiner lacht sich einen Ast.
Keiner tanzt an allen Tagen. Keiner kann sein Leid verjagen. Keiner kratzt uns unterm Fell - höchstens einer mit Skalpell.
Keiner löffelt dir die Suppe. Keiner kauft dir eine Puppe. Keiner juchzt und jubelt laut, wenn ein Fremder ihn verhaut.
Kurz vor der Entlassung
Wir buckeln um verlauste Kröten. Wir dienern eifrig, tiefgebückt. Die Ehre übt beim Teufel flöten. Von Schwermut werden wir erdrückt.
Wir betteln wie zerlumpte Gören: "Ihr hohen Herren, seid uns gut. Verzeiht, wenn unsre Bitten stören." Uns fehlt allmählich jeder Mut.
Wir kriechen wie die Weinbergschnecken. Verschleimt und weiß glänzt unsre Spur. Wir sind geübt im Speichellecken und sind wie Schafe nach der Schur.
Wir winseln um die Arbeitsstelle. Wir sehen schwarz und nicht mehr bunt. Und immer höher schlägt die Welle. Und morgen liegen wir auf Grund.
Bedenke
Die guten Tage zählen. Jedoch wir sind erpicht. Das Beste auszuwählen Und tun es leider nicht.
Die schönen Stunden drehen uns ihren Rücken zu. Was wir nicht ganz verstehen, dann drückt der Sorgenschuh.
Die kostbaren Minuten, verticken ungenutzt. Ich sage dir im Guten, So wird dein Nest beschmutzt.
Beichte
Selbstgefällig, selbstgerecht dresche ich die dümmsten Phrasen. Und mein Schwein pfeift gar nicht schlecht - doch zu laut und aufgeblasen.
Voller Fehl- und Vorurteil richte ich - mir fremde Pläne. Tratschend halt' ich Unsinn feil. Hämisch zeig' ich meine Zähne.
Besserwissend schwätzt mein Mund. Plappernd nennt er tausend Gründe. Doch er kommt nicht auf den Grund. Das palavern eine Sünde.
Kleinkariert und ich-besessen grölt mein feister Unverstand. Und ein kluges Wort stattdessen ist mir fremd und unbekannt. Dass ich Buße tuen muss, liegt auf der Hand.
Das ist kein Vergnügen
Ein steifer Hals ist kein Vergnügen. Ein Arbeitsplatz kein Himmelbett. Ein Beichtstuhl ist kein Ort zum Lügen. Ein Kühlschrank ist kein Bügelbrett.
Ein Schneemann ist kein Halsabschneider. Ein Kochtopf ist kein Taschentuch. Ein Bleistift ist kein Blitzableiter. Ein Regenschirm kein Lesebuch.
Ein Felsen ist kein Ort zum Pflügen. Ein Hustensaft ist kein Kaffee. Ein steifer Hals ist kein Vergnügen und tut (halsstarrig wie er ist!) weh.
Biomüll
Im Hafen fliegen alle Möwen auf Biomüll und Fischabfall. sie kämpfen dabei wie die Löwen. Die Starken schnappen sich den Ball.
Da wird gezetert und gemeutert und möwenmäßig lamentiert. Die Seele wird dadurch geläutert, denn Fisch wird meeresfrisch serviert.
Die Jungen und die lahmen Alten bekommen dabei Appetit. Den Hunger werden sie behalten. Die Möwenmeute macht nicht mit.
Umsonst das Schnuppern an der Beute. Umsonst der reich gedeckte Tisch. Natürlich gilt das nur für heute. Und morgen gibt es frischen Fisch.
bitte halten
Wir halten das Messer, wir halten die Gabel. Wir halten nur selten den plappernden Schnabel. Wir halten nicht inne, wir halten brav aus, und halten an Ampeln und halten vorm Haus.
Wir halten sehr wenig von steinigen Wegen. Wir halten das Mundwerk, wir halten dagegen. Wir halten die Stellung, wir halten uns wach, und halten statt Frieden uns Tauben im Dach.
Wir halten uns tapfer auf Festen und Feiern. Wir halten die Fahne des Freistaates Bayern. Wir halten uns gerne den Ärger vom Hals, und halten uns lieber an "Hopfen und Malz".
Blumenwiese
Auf einer Blumenwiese im hellen Tageslicht, doch auch bei einer Krise, blüht meine Zuversicht.
Bei Matsch und in der Pfütze, selbst wenn ein Abgrund gähnt, da tröstet eine Stütze, sobald mein Auge tränt.
Wenn sich die Gläser leeren, wenn es zur Neige geht, dann wird es sich bewähren, ob jemand zu mir steht.
So weit die Füsse tragen, so lang die Stunde schlägt, will ich mich nicht beklagen, weil mich die Hoffnung trägt.
Bretterzaun
Am Bretterzaun im Hinterhof da steht: Wer dieses liest ist doof.
Das falsche Pferd
Man setzt sehr gern aufs falsche Pferd. Ein Tip scheint gold-und-richtig. Doch das erweist sich als verkehrt. Dann ärgert man sich tüchtig.
Das neue Jahr
Es dauert wenige Sekunden, dann ist es Schluss mit diesem Jahr. Dann wird ein neues Jahr gefunden wir hoffen es wird wunderbar.
Als erstes tobt ein Mordsspektakel Raketen färbt den Himmel hell. Noch ist es ohne Fehl und Makel. Jedoch das ändert sich recht schnell.
Dann wird es wieder etwas leiser. Ein allerletzter Korken kracht. Es hört sich an als sei er heiser. Und dann herrscht tiefe, dunkle Nacht.
Dein ich
Du hast es immer mit dabei. Es läuft dir niemals weg. Es köpft mit dir dein Frühstücksei und teilt mit dir den Schreck.
Es ging mit dir auf Schritt und Tritt, seitdem du weinst und lachst. Es geht auch in die Zukunft mit. - Egal was du noch machst.
Verkümmert dir ein Seelenheil. So ist es ihm bekannt. Es denkt sich dabei seinen Teil und hilft dir mit Verstand.
Du stürzst und fällst. Es steht zu dir. Dein Leben lebst du nicht allein. Es hat für alles ein Gespür: ob Regenwetter, Sonnenschein.
Es hält dich fest. Du schenkst ihm Raum. Das Leid wird höchstens halb so fürchterlich. Es träumt mit dir so manchen Traum. Dein Freund in dir - dein Ich.
Deine Hand
Wenn deine Hand die meine greift, dann bin ich mit der Welt zufrieden. Das Schwierige wird abgestreift. Mehr kann das Leben mir nicht bieten.
Ich mag dich sehr und das ist wahr Und ohne dich bin ich verloren Du streichelst mich so wunderbar. Ich fühle mich wie neugeboren.
Dem Ahorn
Dem Ahorn wird es jetzt zu bunt. Am Boden liegen welke Blätter, "wer war denn das, zum Donnerwetter?" Der Herbst ist da. Das ist der Grund.
Vor Sonnenhunger wird man krank. Die Sonne sitzt auf Nebelbänken. Das ist doch fast nicht auszudenken. Doch manchmal scheint sie. Gott sei Dank.
Am frühen Morgen. Bodenfrost. Und Pflanzen, die im freien Wohnen, jedoch auch die auf den Balkonen, die brauchen dringend Krankenkost.
Dem Ahorn wird es jetzt zu bunt. Er zeigt sich stolz in Kriegsbemalung. Verwelktes nimmt der Herbst in Zahlung. Am Boden stapelt er den Fund.
Den Kopf in den Sand
Wer steckt denn schon wieder, den Kopf in den Sand? Wie heißt dieser Jemand? Wer hat ihn erkannt? Ich frage die Menschen im hiesigen Land. Das führt auch nicht weiter. Hier nutzt kein Verstand. Ich frage die Kinder, sie fordern ein Pfand. Sie baggern und spielen mit Kopf durch die Wand. Wo soll ich noch suchen? Am körnigen Strand. Es bleibt ein Geheimnis, das liegt auf der Hand. Dann stecke ich selber, den Kopf in den Sand.
Den Kopf verdrehen
Nur du hast mir den Kopf verdreht, das sagt mir mein Gefühl. Woher der Wind auch immer weht. Zuweilen bläst er kühl
Nur du hast mir mein Herz geraubt. Das weißt du ganz genau. Das hätte ich dir nie erlaubt. Vom Himmel lacht das Himmelsblau.
In dir bin ich gefangen. Wie hast du das gemacht. Nach dir hab ich Verlangen. Von morgens früh bis in die Nacht.
Der Baum
Der Baum lacht sich im Frühling Äste. Ein Grund dafür ist nicht bekannt. Auf blätterlosen Zweigen, Gäste erst zugereist aus fernem Land.
Und die "Touristen" singen, pfeifen, besonders wenn der Tag erwacht. Sie zwitschern laut mit Herzergreifen - was einfach froh und fröhlich macht.
Jedoch, wenn es am Abend dämmert verstummt die Stimme und Ihr Lied. Und auch der Specht, der sonst nur hämmert, macht Pause, weil er Fernseh sieht.
Der Baum lacht sich im Frühling Äste und seine Knospen werden prall. Das ist im Jahr das allerbeste. Ein absoluter "Sonderfall".
Der berechnende Schwan
Der Schwan kann sonntags darauf zählen. Mir wird die Suppe eingebrockt. Mit Kochen muß ich mich nicht quälen. Die Faulheit freut sich und frohlockt.
Dann putzt er gründlich seine Federn. Und er flaniert am Schilf entlang. Dort hört er seine Jungen zetern. Er schaltet in den fünften Gang.
Das kann ich heute nicht vertragen. Mir schwant so ein Familienstreit. Der schlägt mir immer auf den Magen - und sei es eine Kleinigkeit.
Am Ufer rascheln erste Tüten. Gelassen schwimmt er seinen Weg. 'Ich will den schönsten Anblick bieten.' Am Futterplatz dicht vor dem Steg.
Die Beutel werden aufgerissen. Das-Tischlein-deck-dich ist am Zug. Der Schwan schnappt nur die besten Bissen, denn Nachschub gibt es noch genug.
Der Goldfisch
Der Goldfisch schwimmt im Wasserglas zu jeder Tagesstunde - nur aus Gewohnheit, nicht zum Spaß! - zehnmal die Ehrenrunde.
Am Morgen und bei Dämmerung erhält er feine Happen. Sein Kreislauf rappelt sich in Schwung. Er schätzt das Futter-schnappen.
"Und könnte mein Aquarium mir mehr an Auslauf bieten," so klagt er unhörbar und stumm, "dann wäre ich zufrieden."
Er blubbert noch: "Es wäre cool im Bottich rumzuflossen. Noch toller wär' ein Swimming-Pool mit anderen Genossen."
Der Job
Den Job, den kann ich schwer beschreiben. Zuweilen ödet er mich an. Das ist ein Grund daheim zu bleiben, um mir die Zeit dort zu vertreiben. Mit Reimereien, wenn ich kann.
Der Rabe Krächz
Der Rabe Krächz und seine Frau, die wissen immer haargenau, wo Bauern Weizenfelder mähen und wo sie neue Saaten säen.
Sie kennen jeden Ackerrain. Vom nahen Berg - das Felsgestein. Den Ausblick - von den höchsten Bäumen, die uferlängs den Bachrand säumen.
Kaum gibt die Nacht dem Tag die Hand, da kreisen sie schon überm Land und blinzeln schielend nach dem Futter. Als Schlußlicht dient die Rabenmutter.
Auf einmal krächzt sie laut und wild. Der Rabenvater ist im Bild. Frau Rabe sieht in naher Ferne gereifte Sonnenblumenkerne.
Die Rabenmeute stürzt im Nu auf diesen Leckerbissen zu. Sie stellen keine dummen Fragen: (Wem dieses wohl gehören mag?) und füllen ihren leeren Magen.
So gegen Mittag macht man Halt auf einem Ast im Krähenwald. Und döst mit anderen Kumpanen, um dann den Rest vom Tag zu planen.
Am Abend hockt man faul im Nest und hält Gedachtes krächzend fest. Der Opa quasselt über alte Bräuche und flößt den Rabenkindern Žngste ein - mit einem Lied von einer Vogelscheuche.
Der Samen
Wer sagt den Samen: nun ist Zeit, sich auf den Weg zu machen? Und welcher Jemand gibt Bescheid, jetzt endlich aufzuwachen.
Du meinst, es sei die Sonnenuhr. Darüber lässt sich streiten. Jedoch ich denke, die Natur, lässt sich von niemand leiten.
Wahrscheinlich ist es ein Instinkt, ein Gen von alten Ahnen. Der dieses Wachstum mit sich bringt. Kein Mensch kann besser planen.
Wer sagt den Samen: nun ist Zeit, die "Fühler" auszustrecken? Wer tat das schon seit Ewigkeit? Das wirst du nie entdecken.
Keine Schwalbe Der Sommer macht noch keine Schwalbe, das meint das Schwalbenpaar im Nest. Sie zwitschern daher eine Halbe. Und halten sich am Nestrand fest.
Das Fachwerkhaus, die Dächerziegel - davon entsteht bestimmt kein Ei. Selbst Dachgeschoss und Holz am Giebel. Das ist für Schwalben einerlei.
Nur eine Liebe zwischen beiden, der Schwalbenfrau dem Schwalbenmann, bewirkt, und das ist zu beneiden - ein Leben fängt von vorne an.
Der Sommer macht noch keine Schwalbe. Das macht allein die Liebelei. Und auch nicht eine doppelt-halbe. (Das bringt sie höchstenfalls entzwei.)
Jeder Streit
Ich möchte mich mit Dir versöhnen. Denn unnütz scheint mir jeder Streit. Ich möchte ihn mir abgewöhnen. Verplempert wird die schöne Zeit.
Im kleinen und im Großen Ganzen entsteht der hausgemachte Mist. Man soll nach fremder Pfeife tanzen. Weshalb man unzufrieden ist.
Anstatt sich höflich zu beschweren, ist man verschnupft und stark gekränkt. Und schmiedet Pläne, sich zu wehren. Und die Vernunft wird schnell verdrängt.
Dann baut man einen Schützengraben und alarmiert den Freundeskreis, die ihren Senf zu geben haben. Bis jede krumme Nase-weiss.
Am Schluss, das wäre echt die Krönung - ein wahrer edler Hochgenuss - beginnt auf einmal die Versöhnung. Ein Happy-End. Der beste Schluss.
Der tote Hund
Hier liegt der tote Hund begraben und alles ist mucksmäuschenstill. Hier kann er seine Ruhe haben, was er von ganzem Herzen will.
Kein lautes Wort wird hier geplappert. Man flüstert im gedämpften Ton. Es wird nicht hin und her gezappelt. Hier schnarrt und schrillt kein Telefon.
Hier liegt der tote Hund begraben, der nicht nach fremden Beinen schnappt. Es krächzen manchmal ein paar Raben. - Der Gehsteig wurde hochgeklappt.
Der Wasserhahn in meiner Küche
Der Wasserhahn in meiner Küche, ein Haustier, das auch Nerven sägt. Zwar klopft er keine flotten Sprüche, doch manchmal tropft er unentwegt.
Im Haushalt ist er unentbehrlich. Er schwemmt den Sand vom Feldsalat. Sein Rauschen: völlig ungefährlich. Er ist verchromt und stets auf Draht.
Mit Hochdruck spritzt er in die Ecken. Schon oft hat er auf mich gezielt. Sein liebster Freund: das Abwaschbecken, mit dem er stundenweise spült.
Wenn mir in der Etagenwohnung das Wasser bis zum Halse steht, dann wird -da gibt es keine Schonung- dem Hahn der Kragen rumgedreht.
Der Winter hat in diesem Jahr, bei uns im Flachland kaum geschneit. Für Autofahrer: wunderbar. Und dennoch macht sich Trübsal breit.
Man sieht so gerne Schneekristalle, und Spuren tief im Waldrevier. Das gilt bekanntlich für uns alle. Zu welcher Spur gehört das Tier.
Die kleinen Kinder ziehen Schlitten, Sie hoffen, dass es endlich schneit. Da hilft kein Fluchen und kein Bitten. Vom Himmelhoch - nur Regenzeit.
Nur in den Alpen sind die Pisten, mit meterhohem Schnee bedacht. Bei uns, da hört man Vögel nisten. Ein Hauch von Frühling ist erwacht.
Die Kälte will den Herbst vertreiben. Statt Tau und Nebel glitzert Reif. An den vereisten Fensterscheiben erblühen Blumen - starr und steif.
Die Wedel junger Tannenbäume sind wegen ihres Grüns begehrt. Sie zieren ofenwarme Räume. Ein Hauch von Frühling - bis er wiederkehrt.
Seit gestern bin ich wie gelähmt und die Gedanken schweigen. Es scheint, ich habe sie vergrämt, weshalb sie mich bestreiken.
"Ich bin mir keiner Schuld bewusst", beteuert mein Gewissen. Es klopft mir dreimal an die Brust und bettet sich auf Kissen.
Wer zieht im Hirn die Bremse an? Wer sandet das Getriebe? Bin ich gefesselt durch den Bann der neu-entflammten Liebe?
Die Antwort steht zur Zeit noch aus. Mein Hirn hält sich in Schranken. Doch fliegt die Liebe in mein Haus, - so will ich mich bedanken.
Die Bescherung
Die Bescherung ist gelaufen. Arme kommen halt zu kurz. Doch das Kaufhaus an der Ecke springt vor Freude an die Decke. Denn es macht jetzt Kassensturz.
Schöne Worte sind verklungen. Jeder hat sie überhört - Weil der Sinn die Wohlgerüche in der weihnachtlichen Küche allzusehr betört.
Bunt geschmückte Tannenwedel wandern demnächst auf den Müll. Und die aufgesteckten Kerzen sind verbrannt mitsamt den Herzen. Auf zum Fasching! - Mit Gebrüll.
Die Bescherung ist gelaufen. Leb' ab heute unbeschwert - bis zu einem fernen Tage, wo die nächste Weihnachtsplage uns den gleichen Mist nochmal beschert.
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Schöne Worte sind verklungen. Jeder hat sie überhört - Weil der Sinn die Wohlgerüche in der weihnachtlichen Küche allzusehr betört.
Bunt geschmückte Tannenwedel wandern demnächst auf den Müll. Und die aufgesteckten Kerzen sind verbrannt mitsamt den Herzen. Auf zum Fasching! - Mit Gebrüll.
Die Bescherung ist gelaufen. Leb' ab heute unbeschwert - bis zu einem fernen Tage, wo die nächste Weihnachtsplage uns den gleichen Mist nochmal beschert.
Die Eifersucht
Die Eifersucht, die nervt und sägt. Sie schlägt kaputt, was Früchte trägt. Sie schleicht sich hinterlistig ein und bohrt sich tief ins Herz hinein.
Sie macht uns krank. Sie plappert dumm. Wir selber sind ihr Publikum. Sie hetzt uns auf und spritzt mit Gift, das hinterher, uns selber trifft.
Sie phantasiert in ihrem Wahn. Sie wirft uns lästernd aus der Bahn. Sie schluckt den Unsinn ungekaut, deshalb wird dieser schlecht verdaut.
Kein Mensch ist gänzlich von ihr frei. Wenn einer sagt, daß er es sei. Dann kommt sein Vogel angeflogen und piepst: 'Mein Hausherr hat gelogen.'
Es schlüpft die flinke Eintagsfliege beim allerersten Sonnenstrahl aus ihrer ei-umschalten Wiege. Und überblickt ihr Stammlokal.
Nun putzt sie sorgsam ihre Flügel und nimmt ein kurzes Trockenbad. und schwirrt auf einen Kleiderbügel, auf dem sie nichts zu suchen hat.
Die Neugier läßt sie weiterfliegen zur Küche auf den Futterplatz. Dort kann sie eine Nahrung kriegen aus Krümeln, Toast und Kaffeesatz.
Punkt sieben gibt es Marmelade, geköpfte Eier - dotterweich. Sie wird verscheucht, und das ist schade. Ein Zweitversuch - nicht aussichtsreich.
Genießen, putzen oder fliehen. Teils Ärger, teils ein Freudentanz. Und abends einen Schlußstrich ziehen. Und mitternachts die Schlußbilanz.
Schneide dir die Haare! Färb den Kahlkopf grell! Trübe alles Klare! Gerbe dir dein Fell!
Stehe dir zur Seite! Hüpfe hin und her! Such mit dir das Weite! Schwimme übers Meer!
Laß dich einfach hängen! Trinke roten Wein! Steck in tausend Zwängen! Wirf mit einem Stein!
Spiel mit dir verstecken! Schlaf in süßer Ruh. Stets wirst du entdecken: Du - bleibst immer Du.
Im grenzenlosen weiten Meer verliert die flache Flunder den Überblick im Fernverkehr. Und das ist auch kein Wunder.
Die Wasserstraßen gleichen sich fast wie ein Ei dem andern. Es ist zu abenteuerlich, zum nächsten Strand zu 'wandern'.
"Was nutzt mir die Geographie beim Tauchen und beim Schwimmen? Trotz dieses Wissens kann ich nie, den Standort fest bestimmen."
Drum strömt die Flunder mit der Flut und treibt mit losen Planken. Und ihre Seekrankheit beruht - zum Teil nur - auf Gedanken.
Die Stimmung ist erkältet. Ein Schimpfwort blökt und mault. Weshalb die Antwort scheltet, und jeden Spaß vergrault.
Am Abend quält ein Schnupfen. Die Harmonie fällt flach. Ein Hühnchen ist zu rupfen, und folglich gibt es Krach.
Das Rad des Lieb-seins holpert, viel schneller als man denkt. Die gute Laune stolpert, worauf die Ehre kränkt.
Die kleinen Osterhasen, die hoppeln und sie grasen, im Feld am Waldesrand. Und auch im Dorf am Imbiss-stand.
Sie knabbern an den Möhren, die ihnen nicht gehören, und trinken Himbeersaft, erst dann bekommt ein Häschen Kraft.
Sie mögen nicht den Jäger, und sind als Bettvorleger, zu zierlich und zu klein. Ein weiser Förster sieht das ein.
Im Zick-zack durch die Felder, die Kleinen werden älter. Sie sichern ihr Gehalt, als Jugendlicher schon sehr bald.
An Ostertagen tragen alle und das in jedem Falle, die Huckelkörbe durch das Feld, in Gottes schöne weite Welt.
Die Liebe ist erkaltet. Wer hat sie kalt gemacht. Vielleicht ist sie veraltet. Es herrscht die dunkle Nacht.
Die Liebe hat begonnen wir waren wein-gelaunt. Nun ist sie fast zerronnen. Und jeder Fachmann staunt.
Es war 'ne große Liebe. Mit Liebeslust und -leid. mit Sand im Weltgetriebe. Wer liebt der weiß Bescheid.
Man zeigt sich offen, aufgeschlossen und läßt die Nähe gerne zu. Man lacht ganz herzlich - unverdrossen. Die Seele pfeift auf ihre Ruh.
Was könnte je das Wasser trüben? Die Hoffnung steht für uns bereit. Wir geben gerne, und wir lieben in herzvereinter Offenheit.
Doch trügen diese schönen Zeichen, denn jeder braucht auch sich allein und seine eignen Fragezeichen und selbst erwähltes Glücklichsein.
Allmählich häufen sich die Schranken. Es folgt ein erster Donnerstoß. Die Nähe schmiedet Fluchtgedanken und eines Tages zieht sie los.
Zunächst befällt uns tiefe Trauer. Das Dasein lastet furchtbar schwer. Es stürmen Hagel, Regenschauer. Vertraulichkeiten gibt's nicht mehr.
Nun wird Vertrautes zugemauert. Die Schranke bleibt für immer zu. Der Himmel weint, das Herz bedauert. Was Nah war einst - wird zum Tabu.
Die Sonne sticht, die Sonne knallt mit voller Wucht auf den Asphalt. Die Luft wird doppelt aufgeheizt. Die Menschheit stöhnt und schwitzt gereizt.
Ein falsches Wort - schon schwillt der Kamm. Beim nächsten Anlaß bricht der Damm. Die Höflichkeit wird ausrangiert. Man rastet aus und explodiert.
Der "Gegner" rüstet nun zum Kampf und macht der Wort-Granate Dampf. Dem Anstand fehlt das Feingefühl. Es geht heiß her und es ist schwül.
Gott-lob erscheint am Horizont ein Bote der Schlechtwetterfront. Dadurch erlahmt die Hitze des Gefechtes, und das ist sicherlich nichts Schlechtes.
Die Treue hat sie mir geschworen, sogar vor einem Traualtar. Es klingt mir noch in beiden Ohren. Ich träumte stets, das würde wahr.
Sie hat mich leider doch betrogen. Schon lange ist sie nicht mehr da. Sie hat mich listig angelogen. Was ich im Nachhinein erst sah.
Am Anfang war es wirklich bitter. An Selbstmord habe ich gedacht. Ein Seelenschmerz, ein Herz-gewitter hat mich um den Verstand gebracht.
Vertraut bin ich seitdem mit keiner. Wer Herzen stiehlt, der ist ein Dieb. Mein Kopf, mein Herz und unsereiner hat Angst, wenn eine sagt: Ich hab dich lieb.
Die Welt geht vor die Hunde. Die Geier kreisen schon. Die Menschheit geht zugrunde und keiner kommt davon.
Die Willkür großer Herren, die Gier nach Ruhm und Macht wird jeden Weg versperren, der klug ist und durchdacht.
Das Gift der kleinen Leute aus Hader, Mißgunst, Neid holt täglich seine Beute. Der Wahn-Sinn macht sich breit.
Die Welt geht vornehm baden. Dem Haifisch ist das recht. Die Menschheit hat den Schaden. Sie kotzt und fühlt sich schlecht.
Die Katze lauert auf dem Acker auf eine Feld- und Wiesenmaus. Sie zeigt Geduld. Und hält es wacker selbst in der Affenhitze aus.
Jedoch die müden Mäuse pennen in ihrem kühlen Mauseloch, anstatt im freien rumzurennen. Das langweilt den Dreikäsehoch.
Er schnuppert mit der feinen Nase in blendend hellen Sonnenschein. Und einsam liegt die Mäusestraße. Die Welt hat er für sich allein.
Nun kriecht er - ohne viel zu fragen - ins Freie, weil er spielen mag. Und sein Gesicht scheint stolz zu sagen: 'Ich bin zufrieden mit dem Tag.'
Urplötzlich schnappt ihn eine Kralle von hinten, und er quietscht den Satz: "Ich sitze in der Mausefalle und bin wahrscheinlich für die Katz'!"
Die Arbeit ruht in ein paar Tagen. Ein Stuhl im Amt bleibt unbesetzt. Nun ist es Zeit "Ade" zu sagen. Symbolisch sagen wir es jetzt.
Sie waren immer freundlich, heiter Auch liebenswert und hilfsbereit. Und diese Tugenden sind leider nicht eine Selbstverständlichkeit.
Kein Mahnbescheid ist mehr zu schreiben. Sogar die ganze KSR kann Ihnen bald gestohlen bleiben Bald sind sie stets ihr "eigner Herr".
Ein Anfang folgt nach jedem Ende. Wir wünschen: Bleiben Sie gesund! Genießen Sie die wohlverdiente Rente. Sie haben dazu allen Grund.
Die Zeit kennt keine Eile, sie läßt sich immer Zeit. Sie wandert eine Weile, doch mit Beständigkeit.
Sie läßt sich niemals hetzen und Umkehr kennt sie nicht. Man kann sie nicht ersetzen. Sie lügt nie, wenn sie spricht.
Die Zeit erklingt in Tönen, im Quarzuhrpiepsertakt. Sie zeigt sich im Verwöhnen am liebsten splitternackt.
Die Zeit läßt sich nicht halten, sie geht andauernd fort. Man kann sie nicht ausschalten, sie tickt beim Leistungssport.
Die Zeit ist stets bescheiden. Die Zeit hält immer Wacht, zu allen Tageszeiten und mitten in der Nacht.
Ich mag so gern die Zuckerschnecke. Sie ist so zärtlich jeden Tag. Nur nachts da klaut sie meine Decke. Ich kämpfe nicht, weil ich sie mag.
Sie ist ein süßes Lebewesen. Und schenkt mir manchmal ihre Zeit Und wär ich krank - ich würd genesen. Sie gibt mir die Geborgenheit.
Sie ist zur Zeit mein roter Faden. Der mich von Kopf bis Fuß umgarnt. Mit ihr: da bin ich gut beraten. Weil sie mich vor Gefahren warnt.
Ich mag so gern die Zuckerschnecke. Das ist mein Ernst und nicht ein Spiel. Und wenn ich manchmal an ihr lecke, dann fühle ich nur: Sex-Appeal.
Telefone rattern, Fernen werden nah. Gänseblümchen schnattern: "Du bist da."
Waschmaschinen kreisen - selbst in Afrika. Straßenbahnen reisen. "Du bist da."
Hähne werden krähen. Wie es stets geschah. Bauernsöhne säen. "Du bist da."
Kleine Kinder spielen. Wachsam schaut die Frau Mama. Über allen Zielen lebt der Glaube: "Du bist da."
Du bist das Liebste,was ich habe. Und ohne dich wär's halb so nett. Und du hast einfach eine Gabe, das spürt sogar das Wasserbett.
Du bist die Liebste, wie ich meine. Kein Bauch kein Strauch gefällt mir mehr. Du machst den Einsamkeiten Beine. Und ohne dich ist alles leer.
Du bist ein Wort und ein Gedanke. An manchen Tagen bist du da. Und vor dir gibt es keine Schranke. Du heißt ganz harmlos: Monika
Die Nacht mit ihrer Dunkelheit, die ist dem Tag gewichen. Ein Vogel putzt sein Federkleid. Die Katze kommt geschlichen. Die Sonnenfinsternis ist ausgeblieben. Du machst mich lieben.
Der Schnee vom letzten Januar hat einen Bach gefunden. Am Ufer blühen wunderbar die Blumen "froher" Stunden. Man kann sie nicht verschieben. Du machst mich lieben.
Am Himmel schwebt ein Luftballon. Er folgt dem fernen Regenbogen. Er fliegt zum Horizont davon. Ich wäre gerne mitgeflogen. Doch du hast mir die Zeit vertrieben. Du machst mich lieben.
Du nimmst mich mit auf eine lange Reise. Du sagst du magst mich immer mehr. (natürlich flüsterst du es leise.) Und deshalb freue ich mich sehr.
Du nimmst mich mit zu allen Quantensprüngen. Du weisst genau, das macht mir Spaß. Und alle Tage werden uns gelingen. Wir wissen viel und doch nur irgendwas.
Du nimmst mich mit zu einem Wellenbrecher. Du ahnst, das ist kein Pappenstiel. Am Strand betrinkt der Durst die Wermutsbecher. Wer durstet staunt, wo ist das Reiseziel.
Du nimmst mich mit, das heisst: ich bin die Deine. Du nimmst mich mit auf Schritt und Tritt. Nun fühle ich mich nicht mehr so alleine. Du bist mein Traum. Du nimmst mich mit.
Du bist meine Sehnsucht, mein Weg und mein Ziel. Du reichst mir die Hände, du gibst mir so viel. Du kennst meine Sorgen, mein Jammern, mein Leid, mein Irren und meine Einsamkeit. Du weißt, wie ich lache, du siehst meine Not. Du kennst meine Schwächen - mein tägliches Brot. Du bist meine Brücke im Strudel der Zeit. Du hältst mich geborgen bis an die Schwelle der Unendlichkeit.
Ein Baum verharrt sein Leben lang an einem festen Platz. Er geht zu keinem Staatsempfang und gräbt nach keinem Schatz.
Er reist nicht in die weite Welt. Er will nur hoch hinaus. Und zielt zum blauen Himmelszelt. Sein Wachstum reicht nicht aus.
Zerzaust ein Sturm sein Blätterdach. So fragt er nicht: "Warum?" Nur manchmal stöhnt und ächzt er schwach. Und wächst aus Kummer krumm.
Ein Baum trinkt niemals Alkohol aus einer Cognacbohne. Und dennoch ist ihm pudelwohl. (Er hat ja Blätter in der Krone.)
Wir schmieden einen Haushaltsplan. Ein schwieriges Kapitel. 'Wo schaffen wir die Kohlen ran?' Noch fehlt das Zahlungsmittel.
Die Arbeit ist ein hartes Brot, und somit nicht geheuer. Drum fordern wir in schwerer Not von jedem eine Steuer.
Trotz allem wächst das Haushaltsloch. Es ist nicht leicht zu stopfen. Wir stöhnen unter diesem Joch. (Und müssen was verklopfen.)
Ein Un-Vermögen braucht Kredit für eine Mehrzweckhalle. Die Rechtsaufsicht spielt nicht mehr mit, und streikt: in diesem Falle.
Weshalb sie unverzüglich schreibt: "Dem Haushalt fehlt die Deckung. Und wenn ihr weiter Unfug treibt, droht bald die Zwangsvollstreckung!"
Nun wird der Haushalt neu frisiert, gestylt mit Raffinessen. Mit Schminke zu- und aufpoliert. (Den Rest kann man vergessen.)
Es spukt ein Geist hier im Gemäuer. Er wimmert wie ein Katzenkind. Die Ketten rasseln ungeheuer. Und vor dem Fenster tobt der Wind.
Ein Rumpeln, Poltern - tief im Keller. Es röchelt schaurig im Verlies. Die Turmuhr schlägt. Mein Herz schlägt schneller. Jetzt kirrt der Spukgeist wie am Spieß.
Mein Herz pocht in der Hosentasche. Ein weißes Laken schwirrt vorbei. Ich werde eine Feige-Flasche und bete eine Litanei.
Ein Windstoß rüttelt jäh am Fenster. Mein Herz steht eine Weile still. Dann lacht es, weil es Schreckgespenster nur werktags gibt: im Alltagsdrill.
In der Karibik kreuzt ein Hai, um seinen Bauch zu füllen. Doch keine Scholle schwimmt vorbei. Da fragt er sich im Stillen:
'Wo zieht der reich gedeckte Tisch durch dichte Wassermassen? Wo läßt sich wohl ein kleiner Fisch mit spitzen Zähnen fassen?'
Da strömt ein Herings-Schwarm vorbei. Kein Grund für lange Reden. Statt Stimmungstief - der Hai ist high, und stürzt sich auf die Gräten.
Ein kleines Ferkel wuzt im Matsch. Und macht dazu noch andern Quatsch. Und nimmt die Tage wichtig. Ich finde das sehr richtig.
Wer nie den Unfug in sich spürt. Wer nie den großen Tanz riskiert, der kann doch gar nix taugen. Zum mindesten in meinen Augen.
Wer seine Wege finden will, der halte still ... sonst geht es in die Hose und zwar ins Uferlose
Total verliebt. Es purzeln die Gefühle. Das hält mich warm. Selbst in der Abendkühle.
Nun bin ich Dein. Ich warte schon seit Wochen. Mein Herz klopft laut. Dein Hund kommt angekrochen.
Du bist mein Schatz. Ich küsse Deine Hände. Und Deinen Mund. Der Anfang nimmt kein Ende.
Mein Frosch im Hals. Ist Gott-sei-Dank verschwunden. Ich suchte lang. Nun hab' ich Dich gefunden.
Ich sage laut. Mein Schatz ich liebe Dich. Das tut mir gut. Wie heißt Du eigentlich.
Ein Lumpenmännchen bettelt Geld und sagt: "Ich bin sehr arm und ganz allein auf mich gestellt, kein Mitmensch hält mich warm.
Mein Vater starb im letzten Krieg. Mein Mütterchen, oh Graus, die starb, weil's ihre Kräfte überstieg. Ich kam ins Waisenhaus.
Es gab statt Essen nur den Stock. Mein Körper war meist blau. Das war mein erster Kinderschock. Ich weiß es noch genau.
In einer sternenklaren Nacht, da ging ich heimlich fort. Ich hab mich auf den Weg gemacht und suchte meinen Heimatort.
Doch ständig blieb ich auf der Flucht. Es hält mich nirgends lang. Das Flüchten wurde mir zur Sucht und wird mein Untergang."
Dann stoppte er den Redeschwall. Und mir war gar nicht klar. War dies das Märchen: Rauch und Schall? Oder? War die Geschichte wahr?
Ich gab ihm eine Kleinigkeit für seinen Live-Bericht. Denn abends für die Fernsehzeit da zahl ich immer: Auch wenn einer Lügen spricht.
Wir feiern bis nach Mitternacht. Ein Korken nach dem andern kracht. Wir freuen uns, das ist das Tolle. Und Geld spielt eine Nebenrolle.
Der Sekt rinnt prickelnd durch den Schlund. Heut' juckt das Fell. Heut' geht es rund. Und die verfluchten Alltagssorgen, die lecken uns am A ... bis morgen.
Es schlürfen Münder Frankenwein. "Komm sei so gut, schenk noch mal ein. Dem Glücklichen schlägt keine Stunde. Herr Ober, eine neue Runde."
Ein kleiner Schnaps, der hält uns jung. Die Meute schnäpselt sich in Schwung. Nun zwitschern leise, weiche Klänge, das artet aus in Grölgesänge.
Mein Kopf brummt wie ein Wespennest. So endet dieses nette Fest. Es war so lustig, vielen Dank. Doch Morgen - ist mein Kater krank.
Ein Pflänzchen quält sich mit Gewalt ans Licht der Welt - durch den Asphalt. Kein grüner Freund ist weit und breit trotz maienfroher Frühlingszeit.
Das Pflänzchen wird vor Ängsten krank, vor Lärm und Dreck und vor Gestank. Nach vierzehn Tagen geht es ein. - Trotz Überdosis Sonnenschein.
Der Asphalt-Sieg war absehbar. Und dennoch zeigt sich jedes Jahr in grüngeblätterter Gestalt ein Pflänzchen - mitten im Asphalt.
Ein Rehbock lümmelt, wie ich sehe, auf einem hohen Jägersitz. Und unten tummeln sich die Rehe, darunter eine Handvoll "Kids".
Er ist der Chef der scheuen Herde. Das respektieren alt und jung. Er ist teils Wächter, teils Gefährte, und trägt voll die Verantwortung.
Der Rehbock haßt des Försters Büchse, und einen Querkopf, wenn er zankt. Die zarten "Kids" bedrohen Füchse, was manchmal sein Geweih verlangt.
Für alles ist er aufgeschlossen, das seinen Rehen Fortschritt bringt. Dabei wird auch ein Bock geschossen, weil Kniffliges ganz leicht mißlingt.
Der Rehbock lümmelt, ich verstehe, vier Meter hoch, dort sieht er weit. Und gibt den "Kids" in seiner Nähe bei einem Lauschangriff Bescheid.
Ein Tag erwacht. Der Hahn kräht munter. Die Hennen purzeln aus dem Bett. Und gleich darauf - es ist ein Wunder - erscheint das Frühstück auf Tablett.
Das Brötchen hat sich selbst gebuttert. Im Glase "singt" das hohe C. Ich bin umsorgt, verwöhnt, ummuttert. Und köstlich duftet der Kaffee.
Doch leider irrt sich meine Nase. Den Augen spielt man einen Streich. Und plötzlich platzt die Seifenblase. Noch liege ich im Traum-Bereich.
Ein Teppich bleibt bekanntlich liegen und hält nicht viel von Morgensport. In Märchenbüchern kann er fliegen, doch diese Kunst misslingt vor Ort.
Er fängt den Staub und ziert das Zimmer. Nur wenn ein Sauger auf ihm tanzt, dann mustert er sich dabei immer. Sein Ende lässt er ausgefranst.
"Ich liege gut" pflegt er zu sagen, "denn keiner nimmt mir etwas krumm. Doch eines kann ich schwer ertragen: Man trampelt ständig auf mir rum."
Es plätschert eine Quelle. Ein Weg verzweigt ins Tal. Es lebt an dieser Stelle: das Glück von Anno-dazumal.
Der Herbst fegt durch die Bäume. Die Fluren liegen brach. Es weinen Sonnenträume dem letzten Sommer nach.
Einen schönen Tag erleben über allem Bösen schweben wer das kann und wer das tut fühlt sich einfach doppelt gut
Unbedingt spazierengehen stundenlang im Regen stehen wer das kann und wer das tut fühlt sich einfach doppelt gut
Eine nette Frau gewinnen neues wagen und beginnen wer das kann und wer das tut fühlt sich einfach doppelt gut
Nicht mit seinen Werken prahlen lieber singen, pfeifen, malen wer das kann und wer das tut fühlt sich einfach doppelt gut
Einen schönen Tag erleben und im Glas der Saft aus Reben wer das tut und wer das kann der ist ein gemachter Mann
Der Fasching klimpert auf die Tasten. Vorhergesagt ist Eis und Schnee. Das wird ein Grund, um auszurasten. Das finden viele: Nicht okay.
Dann wird die bunte Maskerade, mit Regenjacken zugedeckt. Und niemand sieht - und das ist schade - was eigentlich daruntersteckt.
Kein Gaudiwurm durchkreuzt die Stadt. Die Menschen ziehen in die Kneipen. Sie haben dieses Wetter satt. Und werden dort "für immer" bleiben.
Versprühe weder Gift noch Galle. Sei gnädig, falls du kochst - vor Wut. Und sei bei jeder Mausefalle vor Speck und Käse auf der Hut.
Sei schweigsam, wenn Gehässigkeiten sich ihren Weg zum Mundwerk bahnen. Und schreibe nicht enttäuschtes Streiten auf deine wutentfachten Fahnen.
Mißachte nicht den Seelenkummer, den dir ein Zweiter anvertraut, und werde nicht ein Hund, ein dummer, der speichelnd auf Gehälter schaut.
Sei sparsam mit den großen Worten, weil sie sich oftmals widersprechen. Ein Schicksal öffnet seine Pforten und schickt sich an, dein Wort zu brechen.
Bewahre dich vor groben Taten. Gib deinem Grieskram wenig Raum. Und werde dir nie selbst zum Schaden. Halt deine Zügel fest im Zaum.
Endlich wieder Vogellieder. Endlich wird es früher hell. Endlich blüht der Gartenflieder. Endlich tagt es früher wieder. Endlich wird der Lahme schnell.
Endlich wieder stummes blühen. Endlich hängt ein Blatt am Baum. Endlich Herzen, die versprühen Endlich übt sich das Bemühen Endlich nicht mehr nur im Traum.
Du redest wirr, du redest Blech, du nimmst den Mund voll, meckerst frech. Du schwätzt nur Humbug, dummen Quatsch und spritzt mit Worten als wär's Matsch. Du schwafelst, daß sich 'Gott' erbarm'. Dein Geist ist dürftig - eher arm. Du sprudelst wie ein Jauchefaß. Ich werde schon vom Zuhör'n naß. Du redest Mist und Hühnerkacke. - Ich schlage dir auf deine Backe. Auf einmal wird mir offenbar, daß ich der Schwätzer selber war.
Es geht mir gut, ich kann nicht klagen. Die Sonne scheint. Selbst im Büro, da schlägt mir gar nichts auf den Magen. Darüber bin ich wirklich froh.
Nur morgens, wenn der Wecker rasselt, da bin ich etwas neben mir. Doch wenn der Radiosprecher quasselt, dann ruft die Pflicht, ich folge ihr.
Vorbei die selten, schönen Träume. Vorbei der Traum im Himmelbett. Die blätterlosen, kahlen Bäume, die finde ich besonders nett.
Die prallen Knospen, sie gestalten, den Weg zur Arbeit zauberhaft. Bald wird der Frühling sie verwalten mit unnachahmlich, grüner Kraft.
Die Vögel zwitschern ihre Lieder im Stadtpark. Sie sind ausgeruht. Und das gefällt mir immer wieder. Ich kann nicht klagen, mir geht's gut.
Es ist nie zu spät zu lernen, ganz egal wie alt ich bin. Immer muß ich mich entfernen von der Suche nach dem Sinn.
Jedes Wissen wird auf Dauer mir zur Falle wie mir scheint, führt zu einer Klagemauer wo die Trauer lauthals weint.
Immer neu muß ich gestalten, - ohne Planung, ohne Ziel - keine Freiheit läßt sich halten, wenn sie sich entfernen will.
Große Töne kann ich spucken. Doch die Spucke trifft zumeist (würde ich mich nicht schnell ducken) meinen kleinkarierten Geist.
Alle "Weisheit" ist verloren, nenn ich ihre Werte mein, komme niemals ungeschoren über einen Stolperstein.
Altes will vergessen werden, wenn es gut war, bleibt es jung, schafft mir keinerlei Beschwerden, lebt neu auf in neuem Schwung.
Keine noch so große Trauer bleibt mir lebenslänglich treu. Hinterher bin ich meist schlauer. Grund genug, daß ich mich freu.
Es ist immer Zeit zu lernen, selbst wenn morgen Sabbat wär. Manchmal schau ich in den Sternen meinen Träumen hinterher.
Es plätschert eine Quelle. Das Rinnsal ist sehr schmal. Es schlängelt auf die schnelle hinunter bis ins Tal.
Dort sucht es Weggenossen. Es findet einen Bach. Der plätschert unverdrossen. Das Rinnsal rinnt ihm nach.
Sie kullern durch die Fluren und spielen mit dem Sand. Man sieht es an den Spuren vom steilen Uferrand.
Der Bach und sein Begleiter erdenken irgendwann: Wir schließen uns nun weiter dem Flußkumpanen an.
Der Fluß kennt keine Eile. Er döst und läßt sich Zeit - und schippert eine Weile - erst tief und später breit.
Der Fluß reicht dann das Ruder dem langen, lahmen Strom. Das ist sein großer Bruder, den kennt der Papst in Rom.
Vom Himmel blinzeln Sterne. Der Strom fließt schlapp daher und deltat in der Ferne ins weite, weite Meer.
Es rauscht hoch vom Himmel, der Regen aufs Land. Die Büsche im Stadtpark, sie wurzeln im Sand.
Nun hagelt es heftig. Und bald flockt der Schnee. Der Frühling ist traurig, denn ihm tut es weh.
Die Pflanzen ertrinken, sie wehren sich nicht. Denn keiner kann helfen. Doch das wäre Pflicht.
Dem Schneesturm folgt Sonne. Das nimmt man in Kauf. Ob Schnee, Hagel, Regen, es hört alles auf.
Dem eitlen Sonnensegen folgt eine Regenfront, die uns mit Nieselregen an keinem Ort verschont.
Der Pendel schwingt zur Seite und nimmt die Träume mit. Das Leid sucht schnell das Weite. Es kommt bestimmt der Gegenschritt.
Die Freude weicht der Trauer. Doch folgt nach kurzer Zeit - nach einer kleinen Dauer - erneut die Fröhlichkeit.
Ein kleiner Fischerhafen träumt von der hohen See. Das läßt ihn nachts nicht schlafen. Die Sehnsucht tut fast weh.
Er fragt den Schaum der Wellen: "Was führt euch bis hierher? Sollt ihr mir was bestellen vom aufgewühlten Meer?"
Es plätschert un-un-endlich. Und eine Woge spricht - für Fremde unverständlich. Der Hafen hört es nicht.
Das macht ihn manchmal grantig, dann brummelt er verstimmt: "Was juckt mich der Atlantik, wenn er nicht zu mir schwimmt!"
Doch abends schaut der Hafen hinauf zum Großen Bär. Und denkt, anstatt zu schlafen, ans weite, weite Meer.
Die Schnecke hat mir einst berichtet;: Natürliches wird vollgemüllt. Es wird geklont. Es wird gezüchtet, und jeder Freiraum aufgefüllt.
Das dürfte es weiß Gott nicht geben, denn es ist Humbug, Tollerei. Und ganz bestimmt in meinem Leben, erschnecke ich die Schweinerei.
Ich zähle auf die jungen Leute, die sind noch nicht so abgebrüht. Und freuen sich - besonders heute, weil Ringparks der Holunder blüht.
Friede, Freude, Eierkuchen, heißt der Stoff im Wohlstandsstaat. Doch da kann man lange suchen zwischen Hohlkopfkrautsalat.
Jedes Jahr wird alles besser! Lautet frech das dicke Ei. Doch man stochert mit dem Messer stets im faden, alten Brei.
Wer nicht wagt, wird nie gewinnen! Tönt es hohl aus fremdem Kopf. Doch was soll ich schon beginnen mit dem Blumenübertopf.
Wohlgenährt sind dicke Fische. Halten viel von Staatsmoral, zwitschern immer flotte, frische Sprüche für die Seelenqual.
Freiheit, jubiliert der eine, ist mein höchstes, hehres Gut. Doch ich brauche arme Schweine, weil sonst jede Arbeit ruht.
Hört jetzt auf mit eu'rem Fluchen, singt, so schlage ich euch vor: Friede, Freude, Eierkuchen! Denn das geht so schön ins Ohr.
In der Kapelle und in Klostern. In Kirchen und am Arbeitsplatz. Da feiern allle "Frohe Ostern!" Und dazu zwitschert auch ein Spatz.
Doch leider ist das Osterwetter zu kalt und völlig fehl am Platz. Die Heizung ist der letzte Retter und sie erweist sich wie ein Schatz.
Trotz allem prunkt auf allen Postern in schlichten Lettern nur der Satz. Wir wünschen allen frohe Ostern. Doch das ist leider für die Katz'.
Der Frühling hat sich nun entfaltet. Von oben strahlt das Himmelblau. Die Blumen haben sich gestaltet mit Farbenpracht statt grau in grau.
Die Tausendschönchen auf der Wiese. Die Blumen auf dem Südbalkon (Die Menschen stecken in der Krise, erzählt man mir am Telefon)
Nun könnte ich dich gut beraten Sei tapfer, bitte weine nicht. Sonst gehst du mit dir selber baden. Und da verlierst du dein Gesicht.
Doch Gott wird deinen Geist entwirren. Geh deinen Weg, erreich dein Ziel. Und lass dich bitte nicht beirren. Nun wird es ernst, das ist kein Spiel.
Alles spürt die neue Kraft, die jeden fasziniert. Die Bäume stehen schon im Saft und zeigen grüne Leidenschaft. Der Lenz wird ausprobiert.
Gewonnen ist die erste Schlacht: Der Schneemann weggefegt. Der Frühling kommt meist über Nacht, die Sonne strahlt und lacht und lacht und tut es unentwegt.
Die Menschen zeigen ihr Gesicht wie einen Blumenstrauß. Das Nörgeln hat nicht viel Gewicht und was beschissen - zählt jetzt nicht. Man sieht zufrieden aus.
Die Sorgenfalten fahren weg und gehen nun zur Kur. Man äugt auf seinen Winterspeck und hätte diesen gerne weg. Diät hat Konjunktur.
Der Grieskram und die Kleinlichkeit, die werden weggeschlenzt. Die Kinder stehen schon bereit für die Saison der Rollschuhzeit. Man sieht daran - es lenzt.
Der Winter trollt sich Stück für Stück, er fügt sich und ist brav. Er schenkt uns Raum für neues Glück, kehrt in sein Schneckenhaus zurück und frönt dort dem Dornröschenschlaf.
Blauer Himmel, frohe Miene, Wochenende, Sonnenschein. Das Gesumm von einer Biene fällt in diese Stimmung ein.
Vogelzwitschern in den Bäumen. Radlerglück - entlang am Fluß. Frühlingsboten, um zu träumen. - Vorgefühl und Vorgenuß.
Blauer Himmel in den Augen. Und ich trink mich satt am Blau. "Trübsal kann zu gar nichts taugen!" Heute, weiß ich das genau.
Die schwarzen Wolken sind gewichen. Der Himmel lacht auf blauem Grund. Die trüben Stunden sind verstrichen. Im Nachbargarten döst ein Hund.
Der Frühling dehnt sich in die Breite. Er schenkt uns süßen Blütenduft. Er stellt sich dar als Augenweide. Und lockt uns an die frische Luft.
Der Wind weht lau aus warmem Süden. Die Stare sind zurückgekehrt. Die Kirschen zeigen weiße Blüten. Der Frühling hat sie uns beschert.
Die schwarzen Wolken sind gewichen. Die Trauer macht sich nicht mehr breit. Die Katze kommt herangeschlichen. Oh, du schöne Frühlingszeit!
Sei begrüßt du neues Leben, deine Eltern lachen froh. Vieles wirst du ihnen geben, hier und jetzt - und anderswo.
Mache deine Stimme kräftig, probe stets um Mitternacht, schreie laut und kreische heftig, bis das ganze Haus erwacht.
Schaue, was die beiden treiben. Sei zu ihnen lieb und nett. Achte drauf, gesund zu bleiben. "Deck dich zu in deinem Bett!"
Hier ist nun das Ziel der Reise. Dein Quartier ist gut gewählt. Hier beginnt die Lebensweise, die fürs ganze Leben zählt.
Weinen ist ein Teil vom Lachen, Meistens ist es unbeliebt. Doch bedenk bei allen Sachen, daß es auch den Kehrwert gibt.
Deine Eltern sind voll Wonne über jeden kleinen Schritt. Du bist ihre nahe Sonne, Strahle-Mann, ich freu mich mit.
Mich hat das Glück gefangen. Das macht mich froh und frei. Vergessen ist das Bangen im lehmig, zähen Alltagsbrei.
Das Glück hat mich gefunden. Doch nicht im Internet. Und alle Wunden sind verbunden. Es kuschelt nachts im Schlummerbett.
Mit Glück wird's immer gehen, denn du hast Schweineglück. Das Pech wird dir im Wege stehen. Und du verteilst es Stück für Stück.
Mich hat das Glück gefangen. Im Eile-Sause-Schritt. Beim Slalom gibt es Stangen. Dein Glück: geht einfach mit.
Dicke, dünne - große, kleine, Herzensgute, hundsgemeine. Dichtbehaarte, kahlgeschor'ne. Hochbetagte, neugebor'ne. Kinderreiche und die ohne. Mädchen aus der Roten Zone. Nervensägen, nette Gören. Menschen, die die Ruhe stören. Unbekannte, Prominente. Alte mit geringer Rente. Ausgelaugte und auch die voller Kraft und Energie. Wollen immer nur das Eine: Nämlich froh und glücklich sein.
Doch sie stolpern über Steine, straucheln, fallen und ich meine: Dies kann erst der Anfang sein zu einem ausgewachs'nen "Schwein".
Die Vögel zwitschern auf den Zweigen. Ein Kauzenruf gellt durch die Nacht. Die kleinen Meeresfische schweigen. Der Himmel weint. Ein Donner kracht.
Ein Auto quietscht um eine Ecke. Die Kirchenglocken bimmeln laut. Es dröhnt vom Boden bis zur Decke, wenn jemand auf die Pauke haut.
Es knarren Türen wie Gespenster. Die Tauben gurren auf dem Dach. Es röhren Hirsche vor dem Fenster und auf dem Bild im Schlafgemach.
Im Zoo hört man das Walroß prusten. Und "Hatschi" sagt ein kleines Kind. Die kranken Flöhe haben Husten. Das Wasser rauscht. Es heult der Wind.
Doch platzt vor Ärger uns der Kragen, dann bleiben wir gekünstelt still. Es knurrt verdächtig unser Magen. Denn der darf machen, was er will.
Verschone mich vor Frust und Streit und lass den Frühling - Frühling werden. Denn das wird wirklich, langsam Zeit. Sonst überhäufen ihn Beschwerden.
Entlock den Bäumen Blatt um Blatt und lass die Büsche blühen. (So viele haben es schon satt, bemühe dich in dem Bemühen.)
Die Vögel sind zurückgekehrt nach einer langen Reise. Die meisten kamen unversehrt. Jedoch die Jungen und die Greise, die sind geschlaucht von dieser Reise.
Regenrauschen in den Bäumen. Blitze, fern am Horizont. Kinder schrecken aus den Träumen. Dieser Krach ist ungewohnt.
Eltern falten Kinderhände, reden sanft: Schlaft ruhig ein. Denn das Grollen nimmt ein Ende und auch der Gewitterschein.
Immer noch die gelben Zeichen, schräg gezackt, im Abendlicht. Doch sie sind schon am Entweichen - fort zur nächsten Schepperschicht.
Blitz und Donner wandern weiter, lärmen nun im Nebental. Morgen lacht der Himmel heiter - bis zum nächsten Mal.
In guten und in schlechten Tagen, bei Regen, Wind und Sonnenschein. Seit Fünfzig Jahren -sozusagen- getraut-es Beieinandersein.
Das ging nicht ohne ein paar Schrammen. Doch Gott-gelobt, die sind verheilt. Tagein, tagaus, habt ihr zusammen die Freude und das Leid geteilt.
Das Glück ist nie davongeflogen. Es war euch treu zu jeder Zeit. Ihr habt das große Los gezogen, ... an einem Tag, "so schön wie heut".
Die Hochzeit war der feste Rahmen. Noch immer seid Ihr gut im Bild. Ihr gabt Euch einst das Ja-und-Amen, das hat gegolten, galt und gilt.
Vor Fünfzig Jahren: "Flitterwochen". Das habt Ihr unbedingt gewollt. Ihr habt Euch nicht zuviel versprochen, denn Euer Weg-zu-Zweit ist nun aus Gold.
Alte Lumpen und Klamotten, Nippeskram und Omas Kleid. Altes Eisen zum Verschrotten. Volksempfänger aus der Nazizeit. Dick verstaubte Silberkrüge. Spiegel mit und ohne Schliff. Alte Bilder - zur Genüge. Sammeltassen ohne Griff.
Alles günstig abzugeben. Denn: Wer alles dies besessen ist der Sachen überdrüssig - oder gar nicht mehr am Leben.
Kerzenständer, Zinnfiguren. Hakenkreuze auf Papier, fein verzierte Taschenuhren. Und aus Wien - ein Souvenir. Hüte aus vergang'nen Tagen. Krempel, Krutsch und Allerlei. Schriften für fast alle Lebenslagen - gut gepflegt und "lese-frei".
Hier erhalten Sie das Beste, was die Toten hinterließen, was die Erben ausgesondert. Kaufen Sie die Überreste.
Die Schnecke zupft die Bluesgitarre. Natürlich meistens schneckenlahm. Und dazu pafft sie 'ne Zigarre. Sie ist sehr häuslich und sehr zahm.
Und sie entlockt die höchsten Töne. Und greift hinab zum tiefen Bass. Sie spult aus sich das Wunderschöne. Die Freude und den größten Spaß.
Und dabei wackeln ihre Fühler. Ihr Haus, das pendelt hin und her. Sie ist nicht Fortgeschritten noch ein Schüler. Doch Blues zu spielen ist nicht schwer.
das wollte ich schon ziemlich lange den feuchten Kuss auf deine wange das war natürlich ziemlich frech ich hatte glück du hattest pech
du bist ein völlig heißes eisen ich wollte nur für mich beweisen dass ich nicht ständig schüchtern bin es war für mich ein hauptgewinn
ich möchte deinen nabel küssen ich bin schon lang in dich verliebt und würde dich total vermissen es ist so schön dass es dich gibt
die hausarbeit die kotzt mich an das muss ich knallhart sagen das wirft mich völlig aus der bahn und schlägt mir auf den magen
wenn ich nur wüsste was das soll ich bin total entgeistert da läuft die badewanne voll die arbeit wird gemeistert
dann tränen keine klagen mehr dann bin ich wieder high die hausarbeit war wirklich schwer nun bin ich endlich davon frei
Es gilt, die Fehler auszubügeln, und vor der eignen Tür zu kehren, das Durcheinander neu zu zügeln, sowie sich seiner Haut zu wehren.
Ein wenig auf den Putz zu klopfen, das Brett vorm Kopf in Stücke hacken, das große Haushaltsloch zu stopfen, und dann die Brötchen klein zu backen.
Es gilt auch, reinen Tisch zu machen, und jeden Quälgeist zu vertreiben. Dann kann man wieder scherzen, lachen. Doch: Immmer auf dem Teppich bleiben!
Man kann auf jeder Hochzeit tanzen. Zu handeln steht uns immer frei. Doch frage ich bei all dem Ganzen: Was ist der Sinn dabei?
Gedenkt man so, ein Glück zu faßen? Dann tanzt der Teufel lachend mit. Und man beginnt sich anzupassen an jenen flotten Wechselschritt.
Am Anfang herrscht die helle Freude. Man fliegt entfesselt durch den Raum. Der Teufel holt sich seine Beute. Man lacht noch mit und merkt es kaum.
Man kann zu tausend Liedern tanzen, wenn einem die Musik gefällt. Man kann sich aber leicht verfransen, wenn man auf einer fremden Hochzeit, Hochzeit hält.
Nach jedem Regen scheint die Sonne. Dem kalten Winter folgt der Mai. Nach jeder Trübsal lacht die Wonne. Und alles Dunkle geht vorbei.
Nach jeder Trauer gluckst das Lachen. Auf jedes Unglück folgt das Glück. Und Stille herrscht nach Donnerkrachen. Und alles Gute kommt zurück.
Auch Wüsten haben Wasserstellen. Und kahle Bäume werden grün. Das Meer wirft Gischt mit seinen Wellen zum Strand, wo zarte Blumen blüh'n.
Es springt die Wut bis an die Decke. Doch auch der größte Zorn verraucht. Und jeder Mist, an dem ich lecke, ist eines Tages aufgebraucht.
Ein Hohes Fest mit Kind und Kegel im weiteren Familienkreis. Der Mittelpunkt -nach alter Regel- geht wie der Sonntag: ganz in weiss.
Dem Vorbild folgen auch die Gäste. Gewienert ist der Lack am Schuh. Man trägt mit Stolz das Allerbeste, zum Beispiel: eine Jeans in Blue.
Das ist sehr schön, doch halb so wichtig, denn darauf pfeift der liebe Gott. Es freut ihn mehr, ein Herz schlägt richtig im Sonntags- und im Alltagstrott.
Was gut ist, lässt sich einfach sagen. Vertraue Gott und seinem Plan. Wer streitet, soll sich auch vertragen. Doch das ist alles ... "leichter gesagt, als getan"!
Ich bin kein Schwerenöter, kein Schwätzer von l'amour, kein dummer Straßenköder, der kläfft in einer Tour.
Ich bin kein Tiefseetaucher, kein Kapitän zur See, kein Endlos-Kettenraucher, kein Weihnachtsmann im Schnee.
Ich bin kein Jahrmarktsschreier, kein Tänzer auf dem Seil, kein Beutestück für Geier, kein Affenhinterteil.
Ich bin kein Hundefänger, kein weißes Blatt vom Klo, kein blinder Einzelgänger, kein zirkusreifer Floh.
Ein Yoghurt steht im Kühlregal. Ihm gegenüber glänzt die Dose. Denn Waren stecken nun einmal - in einer Jacke oder Hose.
"Mein Plastik ist in dich verliebt," so werbesprucht der Yoghurtbecher, "die schönste Dose, die es gibt, bist du allein, mein Herzensbrecher.
Weitab von der Betriebsamkeit will ich dir treu zu Füßen liegen. Dann können wir zu jederzeit uns ungestört und nett vergnügen.
Ich freue mich, mein blanker Schatz, daß ich sehr bald die deine werde am Treffpunkt: Schuttabladeplatz, dem kunterbunten Fleckchen Erde.
Der grüne Punkt macht es uns schwer. Sie wollen uns für immer trennen. Und kommst du plattgewalzt daher, dann bist du nicht mehr zu erkennen."
Die Ente quakt und geht auf Tour. Und hinter ihrem Rücken, da watscheln wie an einer Schnur im Gänsemarsch die Küken.
Fast jedes hat sich eingereiht und hebt die kleinen Flossen. Jedoch ein weiches Federkleid war etwas unentschlossen.
Es ruft vom steilen Böschungsrand, denn dort war es gesessen: "Ihr seid auf einmal durchgebrannt! Ihr dürft mich nicht vergessen."
Die Entenmutter hört ihr Kind, und schnabelt aus der Ferne: "Jetzt aber los, und mach geschwind! Du trägst die Schlußlaterne."
Frau Snake plappert wunderschön mit ihrer Frau Kollegin Klön. Die Arbeit ruht für viele Stunden. Ein Thema - das ist schnell gefunden.
"Was macht denn ihre Nulldiät?" "Es hungert mich von früh bis spät! Ich fühle stets ein Loch im Magen - und habe daran schwer zu tragen. Na ja, die Pfunde müssen weg. Man tut halt was - für seinen Speck. Am Anfang kostet er Moneten und nachher schaut man noch betreten. Das Leben ist halt eine Qual! - Doch sagen sie mir noch einmal: Wie geht's der Freundin der Cousine?" Frau Klön erzählt mit ernster Miene.
Dann setzt der Redefluß kurz aus und man befaßt sich mit den andern Leuten - hier im Haus. Man redet schamlos über Dritte. Auf einmal steht er in der Mitte. Man hüstelt leicht, bleibt künstlich still. Weil man vor Dritten über Dritte niemals reden will.
Frau Klön klemmt Akten untern Arm und flötet seufzend voller Charme: "Vor Arbeit hat man leider keine Zeit für einen Plausch und die Gesprächigkeit."
Dann huscht sie eilig aus dem Zimmer. Was dann passiert, ist so wie immer. Man spricht sich aus: erst kreuz, dann quer. Und zieht letztendlich über die Entschwund'ne her.
Die Zeit der langen Unterhosen, von Selbstgestricktem und vom Schal, von Winterschlaf und Eis-neurosen, die sind vorbei mit einem Mal.
Die weißen Flocken von Frau Holle, das triste Braun am Ackerrain, Pullover von der dicksten Wolle, für die ist Schluß und Stell-dich-ein.
Die klammen blaugefror'nen Hände, die kalten Stiche auf der Haut, das Zittern, Frösteln hat ein Ende, der Schneemann, der ist längst getaut.
Vereinzelt - Blumen auf den Wiesen in farbenfroher Harmonie. Sie wuchern, wachsen, spitzen, sprießen und bilden eine Kolonie.
Die Vögel nähern sich von Süden, erzählen lärmend, laut und schrill. Sie zwitschern, ohne zu ermüden. Ihr Schnabel hält jetzt nicht mehr still.
Ja selbst der Mensch fühlt ein Erwachen, schielt blinzelnd zu der Sonne rauf, verstaut die dicken Wintersachen und macht sich auf zum Frühjahrskauf.
Seit langem liegst du mir im Magen. Und Liebeslieder sind verklungen. Ich wollte dich auf Händen tragen, das ist mir nur im Traum gelungen.
Die schmeichelhaften Flötentöne verkorksten in der Wirklichkeit. Und seinen Abschied nahm das Schöne. Wir spürten bald: 'Das tut uns leid.'
So hofften wir auf große Wunder. Ins Schleudern kam dann die Geduld. Und alles ging den Bach hinunter. Es war - wie immer - keiner schuld.
Im Mittelmeer strömt eine Welle. Die möchte einmal auf die schnelle an einer Felsenküste baden. Sie fürchtet nur die Seepiraten.
Gecheckt, geprüft und abgeklärt die Welle rudert, schwimmt und fährt, mit Volldampf auf die Küste zu. Ein Fels lädt ein zum Rendez-vous.
Die Welle ist im Element und hisst die Gischt bei ihrer Landung. und meint - auch wenn die Sonne brennt. Du bist mein Fels und ich die Brandung
Du gehst mir nicht mehr aus dem Kopf und ständig muss ich an dich denken. Ich nasche aus dem Suppentopf um mich ein wenig abzulenken.
Du gehst mir nicht mehr aus dem Sinn. Das liegt an dir und ich vermute: Du bist für mich ein Hauptgewinn. Du bist mein Glück und alles Gute.
In meinem Herzen nimmst du Platz, den Weg zu dir den kann ich finden. Du bist ein liebenswerter Schatz an dich allein will ich mich binden.
Die Schnecke sitzt in einer Kneipe, Da fragt ein Käfer: Ist noch frei. Ich rücke niemals dir zu Leibe. Das wäre eine Schweinerei.
Was hältst du denn von Unterhaltung. Vom Sprechen über dies und das. Von Rentenkassen und Verwaltung. Natürlich macht das keinen Spaß.
Wir können miteinander schweigen. Wenn dir das Thema lieber ist. Dann kannn ich dir mit Gesten zeigen, wie wichtig du in meinem Leben bist.
Die Schnecke hört beredte Worte. Und weiß beim besten Willen nicht. Was ist das für 'ne Käfersorte, die so mit unsereiner spricht.
Ein Auto steuert in die Stadt. Es koste, was es wolle. Man hat ja längst das Laufen satt, und Geld spielt keine Rolle.
Im Zentrum ist die Hölle los. Die Schlange kommt ins Stocken. Man legt die Hände in den Schoß. Und bleibt gelangweilt hocken.
Ein Vorwärts gibt es nur im Schritt. "Zum Schinder und zum Henker, das mache ich nicht länger mit!" Beschließt ein Auto-Lenker.
Er kurvt zurück zum Park-and-Ride. Und beim Motorabschalten erklärt er sich: "Mein Nervenkleid muß noch ein Weilchen halten."
Beim Busfahrplan trifft in der Schlag. Sein Kopf wird weiß wie Kreide. Der Nächste fährt am Nachmittag. (Das ist die andre Seite!)
Der Frühling plumpst in meine Suppe. Anscheinend ist ihm viel zu kalt. Und er verspricht der ganzen Truppe. Dann bin ich heiter - und zwar bald.
Es knarren die Kastanienbäume, beladen weiß mit Blütenpracht. Jedoch bevor ich das versäume, herrscht wieder einmal finst're Nacht.
Na gut, ich bin nicht ganz gelungen. Und auch nicht wie vorhergesagt. Den Windeln bin ich längst entsprungen. (Wenn dich ein andrer danach fragt.)
Die süße Schnecke heißt Isolde, ich möchte sie gern wieder seh'n Und was ich damit sagen wollte. Ich finde ihre Art so schön.
Sie hat mich angelacht, gelächelt. Wir kamen auch einander nah. Sie hat mir Worte zuge"fächelt". Ich wusste nicht, wie mir geschah.
Sie möchte Kaffee mit mir trinken. Und nicht im Rudel, nur zu zweit. Beim Abschied fing sie an zu winken. Vielleicht ist es zum Glück nicht weit.
Du kannst mir deine Meinung geigen. Du kannst mit Fingern auf mich zeigen. Du kannst mich abgrundtief verachten. Du kannst mir nach dem Leben trachten. Du kannst dich über mich beklagen. Du kannst mich mit der Axt erschagen. Du kannst mich in die Pfanne hauen. Du kannst mir aber auch vertrauen. Du kannst mein plattes Fahrrad schieben. Du kannst mich mögen und mich lieben.
Ich habe einen Kater zu mir nach Haus gebracht. Und draußen war es finster und bitterkalte Nacht.
Ich will ihn nicht behalten und schlucke Aspirin. Das ist - ich will es sagen - die beste Medizin.
Ich habe einen Kater, der liegt mit mir im Bett. Das ist zwar kein Theater, doch leider ist er nicht sehr nett.
Der Mond hat sich verfangen. Das Blattwerk hält ihn fest. Die Eulenkinder bangen und fürchten um ihr Nest.
Sie rufen nach der Mutter. Doch die ist außer Haus und fängt das Vogelfutter in Form von einer Maus.
"Ihr braucht doch nicht zu schreien. Ich habe mich vertan und bitte um Verzeihen, ich flog aus meiner Umlaufbahn."
Der Mond entkommt den Zweigen und eilt in seine Welt. Der Baum hüllt sich in Schweigen, was auch dem Mond gefällt.
Die Mutter kommt vom Mäuse-rauben und hört, sie habe viel versäumt. Natürlich kann sie es nicht glauben. Sie denkt bei sich: "Die Kinder haben schlecht geträumt!"
Der Frühling kitzelt Blumenwiesen. Sehr einfühlsam und biederbrav. Und holt sie sanft mit Feingefühlen Behutsam aus dem Winterschlaf.
Es grünt und gelbt auf allen Wiesen. -der -wettergott, der kennt den Grund Er färbt die Sträucher und die Stauden. Die Parkanlage schminkt sich bunt.
Es ist ein Schöpfen aus dem Vollen. Und Meister Lenz, der dirigiert. Und auch die Menschenwesen wollen, sich ändern, weil so viel passiert.
Im großen Saal herrscht Totenstille. Ins Grübeln kommt die Frohnatur. Die Aufsicht putzt die Lesebrille. Der AL eins geht in Klausur.
Noch strahlt das Schmierblatt weiß und reinlich. Der spitze Bleistift wird gezückt. Und was er weiß, ist mehr als peinlich. Sein erster Ein-Satz ist mißglückt.
Am Nachbartisch wird flott geschrieben. Die Worte purzeln aufs Papier. Mein Wissensdurst wird nicht vertrieben. Der Tisch steht meilenweit von mir.
Vergessen ist das Lampenfieber. Mein Uhrwerk funkt zum Pausenpfiff. Der Durst geht nun zu Cola über. Dem Brot gehört mein nächster Griff.
Gestärkt, gesättigt, cola-munter erscheinen Fragen kinderleicht. Doch leider wird dadurch, mitunter, ein Punkt der Lösung nicht erreicht.
Allmählich läuft die Sache prächtig. Der Geistesblitz kommt auch in Schuß. Da heißt es plötzlich, 'hinterträchtig': "In zwei Minuten, Abgabeschluß!"
Kleine Gasse, du hast Vorrang vor dem breiten Asphaltschlauch. Ich benutze deinen Durchgang zum persönlichen Gebrauch.
Nirgends brodelt das Gedränge trotz der nahen Häuserwand, trotz der malerischen Enge. Weil - du bist fast unbekannt.
Schlendernd kann ich hier erreichen ein von mir gewünschtes Ziel. Ohne Ellenbogen-weichen, ohne Futtertroggewühl.
Brauch nicht ständig aufzupassen, ob der Vordermann sich schneuzt, drängle nicht durch Menschenmassen. Niemand, der den Weg mir kreuzt.
Hüpf nicht wie beim Slalomfahren zwischen Stangen hin und her. Und ich kann mir Nerven sparen, denn das Laufen fällt nicht schwer.
Ein klitzekleiner Osterhase, der bohrt verstört in seiner Nase. Geduckt hockt er am Wegesrand. Sein Blick schweift traurig übers Land.
Die Löffel wirken langgezogen. Die schnöde Welt hat ihn betrogen. Was ist des Hasen Mißgeschick? Man würdigt ihn mit keinem Blick.
Er hoppelt einsam durch die Fluren, legt hakenschlagend Hasenspuren. Und kommt ein Wanderer daher, dann hasenfußt er kreuz und quer. Es dämmert schon. - Der Wandersmann, der sieht's nicht mehr.
"Warum", beginnt der Hase seine Klage, "bin ich beliebt am Ostertage, doch niemals, wenn es stürmt und schneit?"
Berechtigt scheint mir seine Frage! Ein Besserwisser weiß Bescheid: "Im Winter zählt bei allen nur - die Weihnachtszeit."
Im Frühling wenn die Knospen treiben, da will ich nicht zuhause bleiben, dann ist die Stubenhockerei mit einem Faustschlag flugs vorbei.
Dann zieht es mich in die Natur. Du fragst warum, warum wohl nur. Dann grünen, blühen Dornenhecken. Ein Kinderspiel ist dann verstecken.
Zwar dauert das noch ein paar Tage. - keine Frage - Doch irgendwann wird das so sein. Hallo Bedienung: ein Glas Wein.
Ich weiß nicht, ob noch Feuer brennt, nach all den vielen Jahren. Zwar haben wir uns nie getrennt. Das konnten wir uns sparen.
Kein Abschiedskuß, doch der Kontakt hat lange noch gewackelt. Dann hat die Sehnsucht eingepackt und nur noch kurz gefackelt.
Doch hin und wieder kam ein Brief, der liebe Grüße brachte. Was aber bald im Sand verlief, viel eher als ich dachte.
Die Leitung wurde stillgelegt und zwar von beiden Seiten. Es hat sich keiner aufgeregt. und niemand mußte leiden.
Ich weiß nicht, ob noch Feuer brennt. Es steht in deinem Schreiben. "Ich liebe dich, und was uns trennt. Laß uns doch Freunde bleiben."
Du bist mein Krückstock und mein Halt, und ich bin zu beneiden. Du bist die höhere Gewalt. Und wirst mich stets begleiten.
Du bist mir freundlich zugewandt. Und bin ich mal ermüdet, Dann nimmst Du mich an Deine Hand. Von Dir bin ich behütet.
Ich müsste überglücklich sein an jedem neuen Morgen. Und fühle mich oft sehr allein und habe ständig Sorgen.
Du bist mein Freund im Jetzt und Hier, mein einzig Interesse. Ich bitte Dich, verzeihe mir, wenn ich Dich mal vergesse.
Noch eine knappe halbe Stunde, und nicht mehr weit bis Mitternacht. Das Jahr dreht seine letzte Runde, und wird bald hinter sich gebracht.
Der Anfangsschwung ist eingerostet im endlos langen Marathon. Vom Alltagsbrei hat es gekostet, und kam nicht unversehrt davon.
Das neue Jahr stellt seine Weichen, und fasst als erstes den Beschluss, dass mit dem nächsten Glockenzeichen das alte Jahr verschwinden muss.
Wir stolpern über Stein und Stock. Und üben uns im Schweigen. Wir fühlen nur: so soll es sein. Die Zukunft wird es zeigen.
Am Rastplatz schmeckt der Frankenwein, der Kloß mit einem Sauerbraten. Doch den Salat - den lass ich sein. die Soße, die ist gut geraten.
Laß mich durch mein Leben streifen wie ein Fuchs durch freies Feld. Laß mich sehen und begreifen, was die Zeit mir offenhält.
Wind und Wetter, Wolkengießen. Sonnenstrahl auf Buntsandstein, feuchter Tau auf grünen Wiesen. Liebe, Trost, Geborgensein.
Schatten an der Wasserquelle, Vogelzwitschern in der Luft. Dämmerung und Morgenhelle, Meeresbrandung, Blütenduft.
Laß mich durch mein Leben streifen wie ein Fuchs durch freies Feld. Laß mich sehen und begreifen, daß der Herrgott zu mir hält.
Das Laufen hilft dem Denken auf die Beine. Im Hirn entfleucht der Moderduft. Bist du zu zweit, bist du alleine. Du lebst neu auf - an frischer Luft.
Am schönsten ist es zwischen alten Bäumen, die Füße rascheln vogelhaft im Laub. Das Herz kann sich zu fernen Ufern träumen. Für alles Sorgenvolle wird die Seele taub.
An manchen Stellen bleibst du sinnend stehen. Du blickst zurück und schaust erstaunt. Es machte Mühe, meilenweit zu gehen. Doch dir ist wohl und du bist gutgelaunt.
Manchmal geht es auf und manchmal steil bergab. Wir nehmen es in Kauf. Die Mittel werden knapp.
Wir wollen hoch hinaus. Noch haben wir die Wahl. Dann geht die Puste aus. So stirbt ein Ideal.
Die Falten im Gesicht vermehren sich geschwind. Der Mensch verjüngt sich nicht. Es altert schon das Kind.
Manchmal bleibt ein Rest und manchmal geht es auf. Es steht nichts fest im Lebenslauf.
Der Mensch wird mit dem Fuß getreten. Man sieht nicht hin, man geht vorbei. Man hört nicht hin, und will nicht reden. Und was man tut, steht jedem frei.
So garantiert es die Verfaßung, die man vom Hören-Sagen kennt. Doch sie steht kurz vor der Entlassung, erklärt in Bonn das Parlament.
Verstaubt und stumm ist das Gewissen. Es meldet sich nicht mehr zu Wort. Die Wurzeln wurden ausgerissen. Sie fliegen morgen über Bord.
Man wird für diese Untat büßen. Das Unrecht ist ein wildes Tier und tritt ein Menschenrecht mit Füßen. ... Uns kümmert nur das eigne Bier!
Du bist das neue Glück auf Erden, das ist uns einfach sonnenklar. Mit Dir wird alles anders werden und anders sein, als wie es war.
Du wirst die Nacht zum Tag gestalten. Dein Rhythmus prägt sich in uns ein. Wir werden immer zu dir halten. Denn Du bist unser Sonnenschein.
Nun schleichen wir auf leisen Sohlen zu Dir. Dein Daumen steckt im Mund. Den "Schnuller" wird die Zeit Dir holen. Doch heute fehlt dazu ein Grund.
Du bist das neue Glück auf Erden. Und wohnst mit uns im dritten Stock. Du machst Grimassen und Gebärden. Dein Stammbaum heißt Familie Hock.
Feiner gelber Löwenzahn, wucherst wieder überall, stehst mal einzeln, mal im Clan, bist ein ganz besond'rer Fall.
Großen Anspruch stellst du nicht. Jeder Boden ist dir recht. Legst auf Sonne kein Gewicht, trotzdem wächst du gar nicht schlecht.
Hasen haben dich sehr gern, aber nur den grünen Teil. Doch das wissen Hasen-Herrn, lassen deinen Stengel heil.
Lockst Insekten tierisch an, nährst die ganze Krabbelbrut. Jedes Viech mit Riechorgan rennt zu dir, weil: du riechst gut.
Später wirst du umbenannt, Pusteblume heißt das Wort. Kinder nehmen dich zur Hand, pusten deinen Samen fort.
Bläst kein Kind durchs Löwenhaar, läßt der Wind den Fallschirm frei. Flüge - unverwechselbar. Bruchlandung ist nie dabei.
Jede Ritze wird erreicht, keine Mauer ist zu hoch. Wenn ich denke, -- ja vielleicht -- wächst du in den Ohren noch.
Mai-oh-Mai
Mai-oh-Mai wo bleibt die Hitze Wir harren Tag für Tag Und wenn du kämst, das wäre Spitze ein Hit, ein Kick, ein Paukenschlag.
Mai-oh-Mai wann wärmt das Wetter jedem Faulpelz auf den Pelz. Du wärest dann ein Lebensretter für kleine Blumen auf dem Fels.
Mai-oh-Mai wir alle bitten. Komm und mach uns sorgenfrei Und erzähl es jedem Dritten. Und strolch doch bitte bald vorbei.
Wenn ich traurig bin
Manchmal, wenn ich traurig bin, ist mir jeder Spaß zuwider. Und ich summe vor mich hin mollgestimmte Klagelieder.
Weder Blumen will ich sehen noch ein Glück das fröhlich winkt. Denn ich kann es nicht verstehen. Da es nur Verzweiflung bringt.
Lästig ist ein Schulterklopfen, weil es seinen Zweck verfehlt. Und es wird zum Wermutstropfen, der mich ohne Absicht quält.
Allem Handeln fehlt der Sinn. Menschen sind nur "Slalomstangen". Wenn ich furchtbar traurig bin, ist mit mir nichts anzufangen.
Von Oase zu Oase. Durch die Wüste, durch den Sand. Vorwärts und nach deiner NASE: vON DEN bERGEN AN DEN sTRAND:
vON DER hEIMAT IN DIE fERNE; ALLES VÖLLIG UNBEKANNT nÄCHTENS SEHEN WIR DIE sTERNE: uND SIE BLINKEN SO CHARMANT:
vON DER hÖHE BIS ZUR tIEFE: gOTT WEIß? MEHR ALS sACHVERSTAND:
uND DIE gEISTeR; DIE ICH RIEFE. STRÖMTEN IN EIN FREMDES lAND: vON oASE ZU oASE: zIEHEN BUNTE kARAWANEN: wAS gESCHIEHT BEI DIESER pHASE: dAS KANN EIN mENSCH NICHT PLANEN:
Melodie: Oh du fröhliche
Oh, du fröhliche, oh, unmögliche kassenfüllende Weihnachtszeit. überall Enge, Menschengedränge freue dich, freue dich, der Rummel macht sich breit.
Oh, du keimende, triefend schleimende aufgekratzte Dümmlichkeit. Schrill tönen Lieder - süßlich und bieder. Freue dich, freue dich, das Christkind schreit.
Oh, du keifende, herzergreifende, leidverschleiernde Menschlichkeit. In deinen Händen möcht ich nicht enden. Freue dich, freue dich, du Unerträglichkeit.
wer über allen dingen steht das ist der liebe gott er hilft dir durch die hektik und durch den alltagstrott er hat mich lieb das spüre ich er mag mich gern und sicherlich - auch dich
Der Mai hat sich benommen wie Juli und August. Die Hitze ist gekommen. So sank die Arbeitslust.
Es stöhnten Angestellte, der Kapo auf dem Bau. Bevor der Wecker schellte, war über allem meeresblau.
Im Freibad grölten Kinder. Und jeder große Knilch vergaß den letzten Winter. Es roch nach Sonnenmilch.
Die Brillen-Schlangen zogen im Corso durch die Stadt. Der Durst ist nie verflogen. "Wohl dem, der eine Kneipe hat!"
Der Sommer hat sich eingenistet. Er flog uns zu im Monat Mai. Die "kalte Sophie" hat er überlistet. Bleibt nur zu hoffen: Er nimmt sich nicht im Juli frei.
Die kleinen Osterhasen, die hoppeln und sie grasen, im Feld am Waldesrand. Und auch im Dorf am Imbiss-stand.
Sie knabbern an den Möhren, die ihnen nicht gehören, und trinken Himbeersaft, erst dann bekommt ein Häschen Kraft.
Sie mögen nicht den Jäger, und sind als Bettvorleger, zu zierlich und zu klein. Ein weiser Förster sieht das ein.
Im Zick-zack durch die Felder, die Kleinen werden älter. Sie sichern ihr Gehalt, als Jugendlicher schon sehr bald.
An Ostertagen tragen alle und das in jedem Falle, die Huckelkörbe durch das Feld, in Gottes schöne weite Welt.
Der Weihnachtsmann schnürt die Pakete, denn auf der Erde herrscht Advent. Die Wünsche und die Stoßgebete entziffert er dem Pergament.
Er hat zu tun und ist in Eile. Nun heißt es handeln: Zug-um-Zug. Elf Monate der Langeweile vergingen wieder mal im Flug.
Unglaublich lang ist seine Liste. Die Wünsche werden immer mehr. Was ich als Weihnachtsmann gern wüßte: Wo nehme ich die Mittel her.
Es fehlt mir selbst an Wohl und Frieden. Und darauf käme es doch an. "Ich kann es längst nicht jedem bieten!" Das wurmt den lieben Weihnachtsmann.
Das Glück kennt Deinen Namen Vielleicht besucht es Dich. Die Leute, die vorüberkamen. Bewundern und erstaunen sich.
Das Glück kenn keine Grenzen. Es nimmt im Leben Platz. Du darfst die Schule schwänzen, das Tennismatch im letzten Satz.
Das Glück wird dich verwöhnen. Und das ist ungewohnt mit allen dich versöhnen. Sogar mit jenem Mann im Mond.
Das Glück streckt seine Fühler nach allen Seiten aus. Und abends wird es kühler. Dann streben wir ins Haus.
Dort sitzt das Pech im Zimmer. Das macht uns schach-und-matt. Dann ist es so wie immer wie man es lang befürchtet hat.
Wir haben Dich herbeigesehnt, und oft von Dir geplappert. Dann hat ein Storch, das sei erwähnt, am Schornstein laut geklappert.
In seinem Schnabel hielt er fest ein kuschelweiches Bündel. Bald folgte Dein Geburtstagsfest, darauf die erste Windel.
Jetzt wo Du da bist, wird uns klar, was wir von Herzen brauchen. Und was bis gestern wichtig war, darf vorerst untertauchen.
Wir sind begeistert und entzückt. Es lässt sich kaum beschreiben. Wir sind nach Dir total verrückt. Und das soll auch so bleiben.
Du hast uns noch zum Glück gefehlt. Herein in unsre Mitte! Von nun an wirst Du mitgezählt, und bist im Bund die Dritte.
Hoch vom Himmel sprüht der Regen, rieselt schnürig oder fein, spritzt mit seinem naßen Segen unbewußt auf Stock und Stein.
Trommelt auf dem Dach nach Noten und erzeugt dort Rhythmenklang, taktet wirr auf Schornsteinschloten, hangelt sich am First entlang.
Wirft sich mutig in die Pfützen, kreist und ringt bis hin zum Rand, bleibt an keinem Ufer sitzen, wandert mittels Wellenband.
Führt die Pfützen hin zur Ehe, gibt sich hin als Bindeglied. Ist der Kuppler, wie ich sehe, ohne den sonst nichts geschieht.
Netzt die Fäden einer Spinne. Sichtbar wird, was unsichtbar. Das ist nicht in ihrem Sinne, doch für's Auge wunderbar.
Tröpfelt auf die grünen Blätter, rinnt und perlt am rauhen Stamm, spielt für welkes Gras den Retter. Gibt als Dosis zwei, drei Gramm.
Regen fängt sich in den Haaren, bildet Kugeln, kullert dann: Richtung Hals zum Schlittenfahren hin zum Kragen, wenn er kann.
Ein Elefant schon reich an Jahren, der hatte eines tags erfahren, daß alle Welt mit Wasser kocht und nur auf eignen Vorteil pocht. Er wollte es erst gar nicht glauben. Drum fragte er zwei Turteltauben. Kaum hörten sie das Fragewort, da flogen sie gemeinsam fort. Der Elefant ist auch gegangen und hat von vorne angefangen. Denn: Wenn jeder alles für sich selber tut, dann ist das ganz bestimmt nicht gut.
Die Zuckerschnecke geht auf Reisen. Im Rucksack parkt der Proviant. Der wiegt soviel wie Stahl und Eisen. Und ist gefüllt bis an den Rand.
Sie hat gebucht vor ein paar Wochen. Zum Bahnhof hat sie sich geschleimt. Sie hat sich viel davon versprochen. Und noch viel mehr davon geträumt.
Nun harrt sie aus auf Bahnsteig sieben. Und wartet auf den Anschlusszug. Doch der ist leider ausgeblieben. Sie schimpft und flucht: "Das ist genug!"
Das Baby, eine echte Wonn-e. Es fühlt und spürt Geborgenheit. Ins Kinderzimmer schaut die Sonne, und freut sich an der Dreisamkeit.
Natürlich darf es lauthals brüllen. Besonders, wenn der Hunger quält. Dann wird frau seinen Wunsch erfüllen. Und Märchen werden ihm erzählt.
Dem Klang der Worte wird es lauschen, auch wenn es nur bla-bla versteht. Am Sing-Sang wird es sich berauschen. Und schlafen, wenn der Mond aufgeht.
Dann pflückt das Baby bunte Träume bis in den lieben, langen Tag. Weil es die elternlichen Räume nicht nächtens strapazieren mag.
Ob das so stimmt, das wird man sehen. doch um das Baby - das ist klar - wird sich die Elternliebe drehen erst Tag für Tag, dann Jahr um Jahr.
Man sieht den Hauptanteil vom Glück beim überlegten Rückwärtsblick. Die Gegenwart klagt unverhohlen: Ein Dieb hat mir mein Glück gestohlen.
Bedauerlich ist diese Sicht, da sie meist klagend zu uns spricht. Sie liebt und herzt vergang'ne Tage und nennt das Heute: eine Plage.
Das Glück von Gestern sieht man heut'. Und gestern hat uns das gefreut, was vor-vorgestern vorgefallen. Das hört man leider von uns allen.
Das Glück im Hier und Jetzt bleibt Traum. Es kommt vorbei, man merkt es kaum. Die Gegenwart wirkt wie ein Riegel und Glück gibt's nur im Rückwärtsspiegel.
Ein Rückblick macht uns leicht benommen. Die Wirklichkeit schleicht sich davon. Das Gestern sehen wir verschwommen. Wir greifen flott zum falschen Ton.
Was einst geschah, sieht man von hinten. Man denkt: Dies ist das Angesicht. Wer zweifelt schon an dem Empfinden, das wortreich aus dem Innern spricht.
Die Sache, die uns noch bis gestern - als wahres Sonnenglück erschien - das bringt uns heute nur zum Lästern, um geistlos drüber herzuzieh'n.
Dem Rückblick fehlt es nicht an Worten. Der Eindruck ist es, der uns trügt. Und der uns dann mit Unschuldsmiene nach Strich und Faden frech belügt.
Die Sonne hat sich ausgelacht. Nun graupeln Hagelschauer. Am hellen Tag beginnt die Nacht. Der Wind liegt auf der Lauer.
Und bald darauf pfeift er sein Lied. Es röten sich die Ohren. Zum Küchenherd die Katze flieht, denn sie ist sehr verfroren.
Das Barometer an der Wand fällt tief - bis in den Keller. Zugleich rotiert die Zeigerhand als wär' sie ein Propeller.
Die Blume greift zum Schlafanzug und schließt die Blütenblätter. Für heute hat sie wohl genug. Sie flüchtet vor dem Wetter.
Am Himmel hängt das Wolkengrau. Der Schirm geht außer Hause. Die Sonne macht bis demnächst blau und gönnt sich eine Pause.
Bevor der Schimpf die Schande lästert, bevor ein Krach Karriere macht, wird duz-gebrüdert und verschwestert, worauf entzückt die Eintracht lacht.
Ein krummes Wort verschnürt die Kehle des Spasses und der Heiterkeit. Das fuchst die tiefgekränkte Seele und Stachel stehen kampfbereit.
Nun lächeln falsch die weißen Zähne. Im Hinterhalt liegt schon der Strolch. Er schmiedet seine Rachepläne. Und "im Gebüsch" schärft er den Dolch.
Dadurch verliert Gebrautes: Malz und Hopfen. Der Heckenschütze spielt den wilden Mann. Jedoch im Licht pflegt er das Schulter-klopfen. Darum: Rette sich wer kann!
Ich brauche eine Mütze Schlaf, dann bin ich wieder frisch und brav. Und wackle mit den Ohren. Und bin wie neu geboren.
Nie wieder durchgezechte und alkoholisierte Nächte. Doch ob mir dieses auch gelingt. Das hoffe ich, weil's weiterbringt.
Mein Leben darf ich selbst gestalten. Die Regeln muss der Tag verwalten Ich schaue nicht im Zorn zurück. So manches war ein "starkes Stück"
Ich habe leider schwache Seiten. Die mich von früh bis spät begleiten. So manches stinkt mir wie die Pest. Das gibt mir manchmal auch den Rest.
Nur selten klingen leise Töne. Und zeigen mir das Wunderschöne. Ich bin auch manchmal wie ein Schaf. Und brauche eine Mütze Schlaf.
Es nieselt schon seit ein paar Stunden. Kein Hund wird vor die Tür gejagt. In den Geschäften fehlen Kunden. Ein Rendez-vous wird abgesagt.
Zwar klingeln laut die Straßenbahnen und machen pausenlos "Musik". Was sie nicht wissen und nicht ahnen: Man würdigt sie mit keinem Blick.
Die meisten Arbeitnehmer gleiten. Nur Politessen ahnden stramm die Park- und Ordnungswidrigkeiten. Der Rest schaut Vormittagsprogramm.
Am Boden liegen welke Blätter und träumen über irgendwas. Sie werden durch das Schmuddelwetter von Kopf bis Stiel erheblich nass.
Die Schnecke läßt sich tierisch Zeit. Sie schleimt mit Hochgeschwindigkeit. Sie kann es stets erwarten und mischt dabei die Karten.
Und auf den letzten Hundert Metern. Missachtet sie das laute Zetern: "Beeile dich! und Spute dich!" Das Ziel ist nah - der weiße Strich.
"Ich will das Rennen nicht gewinnen." Und dabei lächelt sie charmant. "Ich bin doch nicht von allen Sinnen und bin die letzte hier im Land."
"Die letzten aber werden Erste." So steht es bibelfest geschrieben." "Ach, allerliebste Schnecke wär'ste: am besten gleich zu Haus geblieben."
"Das bin ich doch, kannst du nicht sehen? Bist du auf beiden Augen blind. Zum Augenarzt musst du mal. "Doch wie gesagt: der Letzte der gewinnt.
Gestern in der Nacht, da fielen weiße Flocken. Sie haben Schnee gebracht. Ein Schauspiel: zum Frohlocken
Alle Bäume, jedes Dach nur Schornstein-Ziegelränder denn dort liegt keine Flocke flach. . . . Schnee . . . und . . . heiß die knüpfen keine Freundschaftsbänder.
Weiße Flocken auf Asphalt allüberall zu finden. Sogar der Berg samt Tannenwald kann gar nichts unterbinden.
Gestern in der Nacht erblühte dieses Wunder. Wer hätte das gedacht, da ging die Herbstzeit unter.
Gestern traf ich eine Dame, die war ein bißchen arrogant. Was ich nicht wußte war ihr Name Doch sicher klingt er sehr charmant.
Ich habe sie nicht angesprochen. Das zeugt von meiner Schüchternheit. Für sowas bräuchte ich zwei Wochen. Das tut mir immer furchtbar leid.
Ob sonntags, ob im Jahreskreis das Zebra trägt nur Schwarz auf Weiß. Es will sich nicht ins Buschwerk setzen mit blumigbunt gewebten Fetzen.
Wenn es den strengen Nachtwind fühlt, der ihre Zebrastreifen kühlt, beendet sie nicht dieses Drama mit einem Gore-Tex-Pyjama.
Denn schließlich hat es seinen Stolz. Es bettet sich im Unterholz, und hat viel lieber seine Mühe, und zittert bis zur Morgenfrühe.
Das Zebra "steht" auf schwarz und weiß. Aus Büschen trommelt es schon leis'. Die Steppe grünt und Früchte reifen. Und mittendrin ein Zebrastreifen.
Das Schwein hat heute Schwein gehabt. Sein Bruder muss zum Schlachter. Im Grunzen war er sehr begabt. ein Schelm, ein Hausgemachter.
Jedoch, das ist es schon gewohnt. Es wird für eine Zucht geschont. Das macht den Bauer sicher reicher. Er pfeift das Lied vom Schmittchen Schleicher.
Das Schwein hat Schwein, und Pech ist Pech. Sie wird besamt von einem Eber. Und der benimmt sich äußerst frech. Der Bauer ist der Auftraggeber
Die Schlacht ist nun geschlagen. Sie schwankte hin und her, sie lag mir teils im Magen und war wie eine Sonnenfinsternis auf einem Floß auf weitem, weitem Meer.
Wer hat mir Kraft gegeben bei dieser langen Fahrt? Es war mein Wille und mein Streben doch hauptsächlich - das Wissen eurer Gegenwart.
Habt ausgeharrt an meiner linken Seite, mir damit Mut gemacht. Der Kampf stand manchmal auf des Messers Schneide, doch ihr ward Boden sowie Auffangbecken und Sternenglanz bei Nacht.
Ihr hattet wegen mir wohl manche Sorgen. Das wußt ich wohl, ich bat: "Seid bitte still." Ihr habt es mir zulieb getan, das blieb mir nicht verborgen, das war für mich ganz wichtig, sowohl für jetzt - für morgen - als auch für übermorgen, (wenn keiner mir zur Seite stehen will.)
Ich hatte Kraft. Wer hat sie mir gegeben?
Die Schnecke und ihr Schneckerich, die haben sich geschworen: Erst liebst du mich, dann lieb ich dich. Nie mehr sind wir verloren.
Mein Herz kennt nur den einen Preis, sein Name lautet: Du Ich liebe dich, und den Beweis, den braucht es wirklich nicht dazu.
Die Tage tagen mit den Nächten. Ich fühle mich in dir ganz tief. Bewahre mich vor allem Schlechten. "Sei unbesorgt, da läuft nichts schief!"
Die Schnecke denkt an ihren Vater, mit Herz und Hirn und mit Gefühl. Das letzte Mal gab es Theater. Und seitdem ist die Stimmung kühl.
Das will ich eigentlich vermeiden: zu kostbar ist die Lebenszeit. Ein Grundsatz: leben, lieben, leiden Nicht isoliert in Einsamkeit.
Ein Streit ist schneller angerichtet, als eine Suppe auf dem Tisch. Dem Vater ist sie stets verpflichtet, Doch ihre Wunde ist noch frisch.
Das Schilf kriegt nasse Füße. Das ist ihm aber gleich. der Frosch quakt seine Grüße sehr lautstark übern Teich.
Den schillernden Libellen ist jedes Blatt bekannt. Und klitzekleine Wellen bewegen sich zum Rand.
Die Pappel schaut dem Treiben mit großer Andacht zu, und meint: So soll es bleiben! Mein Wunsch: So denkst auch du.
Über mir ein blauer Himmel. Unter mir die Gartenbank. Rechts und links ein Blumenteppich und ein Kasten Bier im Schrank.
Vogelzwitschern in den Bäumen. Amseln rascheln unterm Strauch. Tabak in der Hosentasche und die Sonne leckt den Bauch.
Denkbar wäre jetzt so vieles. Heute bleibt es ungedacht. Denn ich hänge in den Seilen und mein Hirn schläft ruhig und sacht.
Über mir ein Blauer Himmel. Unter mir die Gartenbank. Und statt eines Kasten Bieres gähnt nun Leere aus dem Schrank.
Der Sommer zeigt sich äußerst kalt. Und macht vor unsern Toren halt. Man ist vor Sonnenhunger krank und holt den Mantel aus dem Schrank.
Kein Sonnenbad am Baggersee. Man friert und fröstelt wie bei Schnee. Das Wetter muffig, mißgelaunt. Der Monat im Kalender staunt.
Das Eis am Stiel bleibt ungeschleckt, das sonst doch so vorzüglich schmeckt. Man schlürft stattdessen heißen Tee und greift zur Flasche "Hohes C".
Wie schnell hat man sich unterkühlt. Das Fieber freut sich - wie man fühlt. Es kitzelt erst im Rachenraum. Dann ist man krank. - Ein Sommertraum.
Vom Sommer fehlt noch jede Spur. Wo bleibt er nur? Das Radio tönt mit Offenheit: Zu kühl für diese Jahreszeit.
Wir greifen durstig nach dem Glas. Dann gluckert laut der Wassermagen. Der Rasen beißt ins welke Gras, Denn Hitze kann er nicht vertragen.
Das Thermometer steigt und steigt. Es klettert in den höchsten Graden. Der Pausenhof hingegen schweigt. Das Einmaleins geht heute baden.
Der forsche Schritt benimmt sich zahm, und selbst ein Hitzkopf schont die Kräfte. Der Weg zum Ziel kriecht schneckenlahm. Es kugeln sich die Eis-geschäfte.
Erträumt, erhofft und heiß begehrt. Der Wunsch ist Wirklichkeit geworden. Ein Sonnenstich wird uns beschert. "Nun lebe hoch, der kühle Norden."
Die Sonne scheint nun nicht mehr lang. Sie widmet sich dem Untergang. Und wandert westwärts wie gewohnt. Bald weilt sie fern am Horizont. Was sie bei Finsternis dort treibt? Und ob sie bis zum Morgen bleibt? Das weiß die Sonne ganz allein - für mich wird dies im dunkeln sein.
Ich fühle schon die nahe Nacht. Was hat der Tag ans Licht gebracht? Es war nicht alles wunderbar. Doch was geschah, war sonnenklar. Am Morgen herrschte Zwang und Pflicht. (Darüber spricht man lieber nicht.) Doch nirgends war der Abgrund tief, wenn mein Geschick ins Abseits lief.
Nun ist der Untergang ganz nah. Ein Halbkreis bleibt noch etwas da. Der Wind frischt auf - schon ist es kühl. Allmählich kommt die Nacht ins Spiel. Am Himmelhoch erwachen Sterne. Sie blinzeln durch des Weltalls Ferne. Die Sonne fällt den Berg hinunter. Und wird erst nächsten Morgen munter.
Ich kann mich heute gar nicht leiden. Der Nieselregen passt dazu. Genau das wollte ich vermeiden. nun drückt mich doch der Sorgenschuh.
Dem möchte ich Paroli bieten und frage mich ob das gelingt. Die Antwort, die ist unentschieden. Was keinen Vorteil mit sich bringt.
Beim Stoßgebet in der Kapelle da schöpfe ich mir neuen Mut. Gott-lob es hilft mir auf der Stelle. Auf einmal fühle ich mich gut.
Man steckt sich seine Ziele. Dann steckt man Prügel ein. Bekanntlich sind es viele. Sie schmerzen ungemein.
Ein Clown steckt viele Leute zu lautem Lachen an. Ein Gauner steckt die Beute in seinen Rachen - irgendwann.
Es steckt oft mehr dahinter. Ein Auto steckt im Dreck. Die Feder am Zylinder. Ein Fuchs im Waldversteck.
Es steckt im Schuh ein Nagel. Der Fehler im Detail. Es steckt in Sturm und Hagel kein Wohl und auch kein Heil.
Man steckt in Schwierigkeiten. Man steckt die Richtung ab. Man steckt zu allen Zeiten mit einem Fuß im Grab.
Die Schnecke an der Straßenecke. Erwartet ihre Kunden. Natürlich sind für ihre Zwecke. Die Männer ungebunden.
Auf einen Ärger mit den Frauen, darauf kann frau verzichten. Dass miese Menschen auf sie schauen. Sie könnte viel davon berichten.
Und ihr Gewerbe ist so alt. Wie dazumal Methusalem Sie macht dich an, sie selbst bleibt kalt. Und ihr Geschäft - ihr business ist leider nicht sehr angenehm.
Der Tag vergeht, er hat genug betrachtet und gesehen. Nun schlüpft er in den Schlafanzug, bereit zum Schlafengehen.
Seit früh um sechs ist er hellwach, geschäftig und in Eile. Die Ruhepausen fielen flach. Und jede Langeweile.
Am Abend zeigt die Tagesschau den Wahnsinn und die Wunder, dann geht der Tag samt Himmelblau beim Dämmerschoppen unter.
Der Tausendfüßler trägt Sandalen. Die Krankenkasse gab das Geld. Er leidet nämlich Höllenqualen, wenn ihm ein Stein den Weg verstellt.
Am Abend reibt er seine Füße mit Geh-wohl und mit Salben ein. Dabei denkt er an seine Süße, ein Grund für ihn zum glücklich-sein.
Und jeder Fuß ist ungewöhnlich, und ständig sind sie in Betrieb. Er kennt sie alle höchst persönlich. Natürlich hat er jeden lieb.
Doch eines macht ihn oft verdrießlich. sagt er zu Käfern: "Gott zum Gruß!" Denn wie du weißt - so ist das schließlich - hebt er dann tausendmal den Fuß.
Tausendmal hast du geschrieben Tausendmal hast du gesagt Tausendmal ist übertrieben Jeder Knecht liebt seine Magd
Tausendmal darf ich dich küssen Tausendmal ein Hochgenuss Tausendmal das sollst du wissen macht ein Mädchen mit mir Schluss
Tausendmal bin ich verloren Tausendmal die gleichen Wunden Tausendmal wirst du geboren Das habe ich herausgefunden
Das Leben ist nur ein Theater. Man stellt sich auf das Schauspiel ein. Wer war das Kind von welchem Vater? das weiß allein ... das könnte er gewesen sein.
Das Leben ist ein Ruheraum mit bunten weichen Wunderkissen. Es ist ein Alp - es ist ein Traum, so lächelt das Gewissen.
Das Leben ist nicht aufzuhalten, ob unheil oder schwarzes Glück. Das Leben wird sich bald entscheiden. Vielleicht in diesem Augenblick
Ein Tiefschlag ist kein Pappenstiel. Wir fallen glatt vom Hocker. Ein flotter Spruch verfehlt sein Ziel. Die Tränen sitzen locker.
Das "Jupp-hei-di" hat sich verschluckt. Das Lachen wirkt verkatert, weshalb der Mund schon mürrisch zuckt. Und mit sich selber hadert.
Hier nutzt kein gutgemeintes Wort. Das Schiff ist abgesegelt. Und unser Frohsinn weilt an Bord. Der Rest bleibt ungeregelt.
Wir stehen einsam, sind empört. Die letzten Kräfte schwinden. Gequält, verängstigt und verstört: Bis wir einen Ausweg finden.
Nun sitzt du in der Tinte. Kein Ausweg scheint in Sicht. Ich denke nach und finde - das gibt es einfach nicht.
Die schwierigen Probleme, die Aussichtslosigkeit und all das Unbequeme verschwinden mit der Zeit.
Du darfst geduldig hoffen. Die Weichen sind gestellt. Und alle Schranken offen, so wie es dir gefällt.
Traurig kannst du morgen sein. Heute soll die Freude tagen. Gib nicht auf, sonst gehst du ein. Laß dich nicht zu Kleinholz schlagen.
Bleib dir treu und sei auf Draht. Wenn Hyänen dich umkreisen, hole Luft und hole Rat, schmiede dann das heiße Eisen.
Zähme deinen Übermut. Greife nicht zum Magenbitter. Widerspreche deiner Wut, denn sonst donnert ein Gewitter.
Reich dem Schönen deine Hand. Pflege deine gute Seite. Denke nicht nur mit Verstand, denn sonst gehen Träume pleite.
Traurig kannst du morgen sein. Heute sollst du Schwäne füttern. Und ein Zauber holt dich ein. Und es wird dich nichts erschüttern.
Ich bin ins Weltall umgezogen auf einen unbewohnten Stern. Ein Raumschiff hat mich hingeflogen. Es war bemannt und hochmodern.
Am Ziel als wir nach rückwärts schauten, erschien die Erde winzig-klein. Dann winkte ich den Astronauten. Und war mit Sack und Pack allein.
Ich musterte die steilen Krater. Und fand den Standort für mein Zelt. Und keiner spielte den 'Berater', der einem auf die Nerven fällt.
Bei vielem bin ich leicht beklommen. Denn alles ist noch fremd und neu. Doch dein Besuch ist hochwillkommen, weil ich mich einfach daran freu'.
P.S.: An Mitbringsel sollst Du nicht denken. Du weißt: Das ist nicht mein Geschmack. (Willst Du mir unbedingt was schenken: dann höchstens Blättchen und Tabak.)"
Ich kann mich heute gar nicht leiden. Die schwachen Nerven stimmen zu. Ich bin, "weiß-Gott", nicht zu beneiden. Es mangelt mir an Seelenruh.
Ein graues Haar verdickt die Suppe. Der Löffel kennt nur seine Pflicht. Es läßt ihn kalt, es läßt ihn schnuppe, wenn dadurch meine Galle sticht.
Mein toller Plan ist abgezogen. Mein Herzenswunsch bleibt unerfüllt. Der Schwarze Peter kommt geflogen, worauf er mich zusammenbrüllt.
Das Wasser schleift die Steine glatt. Im Herbst verwelkt ein grünes Blatt. Der Häftling wird ein freier Mann. Und dann?
Der Samen sprießt. Es wächst ein Baum. Er dehnt sich aus durch Zeit und Raum. Die Menschheit hält den Atem an. Und dann?
Der Wind weht stürmisch durch das Land. Der Wohlstand raubt uns den Verstand. Wir leben nur bis irgendwann. Und dann?
Der Himmel düster, grau-in-grau. Ein Grund, im Bett zu bleiben. Die Sonne steckt im Wolkenstau. Sie kann ihn nicht vertreiben.
Ein Dauernieselregen fällt in große Wasserpfützen. Und wer sich gerne trocken hält, muss einen Schirm benützen.
Ein Schauer fegt noch an mit Schwung. Jetzt wird es unerträglich. Zum Glück ist diese Vorstellung nicht stetig und alltäglich.
Ungewöhnlich sind die Tage. Ungewöhnlich ist das Glück. Und es stellt mir eine Frage: Kehrt der Augenblick zurück.
An dieser Stelle will ich graben Ein jeder soll - auch seine Freiheit haben. Wie unser lieber Gott es will. "Halt die Schnauze, halte still!"
Früher, später, gestern, heute. Auf "meiner" Bank im Stammlokal. Und dort erlebe ich die Freude. Doch leider nur - beim nächsten Mal.
Unrecht, das zum Himmel schreit, wird per Paragraph verboten. Kein Gesetz ist hilfsbereit, ausgefertigt von Idioten.
Wenn du klagst, dann hört dich keiner. Weil die Klage niemand hört. Selbst ein angelernter Schreiner handwerkt weiter ungestört.
Schimmel auf dem Fensterrahmen werden listig ignoriert. Die Gesundheit mancher Damen wird geläufig schikaniert.
Kein Gericht der Welt will richten. Machtlos ist die Garantie. Keiner will das Unrecht schlichten, und das nervt dich irgendwie.
Halt die Zügel nicht zu locker. Sage laut, was dir nicht passt. Denn sonst fällst du glatt vom Hocker. Und du trägst allein die Last.
Im Unglück findest du das Glück. Das kann ich untermauern. Vielleicht nicht gleich beim ersten Blick. Was wir dann flink bedauern.
Geduld ist jederzeit gefragt. Du findest sie zuhause. Ein Knochen wird erst abgenagt, nach einer Atempause.
Was war, was ist , was wirkt so chic. Wo sind nur unsre Schranken. Im Unglück findest du dein Glück. Da musst du dich bedanken.
Der Hund hat einen Untermieter. Es ist ein zirkusreifer Floh, der
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